Maria Aronov • Freund oder Feind? • Über die Freundschaft

Freund oder Feind? 

Wir unterliegen einem ständigen Wandel. Vieles verändert sich, doch manche Dinge werden im Kern ihres Wesens niemals eine Neuerung durchleben. Dazu gehört einer der ältesten Begriffe der Welt, nämlich der der Freundschaft. Diese besteht aus zwei Seiten, der  wahren und falschen Freundschaft. Die letztere  birgt in sich den Egoismus.  Dieser ist ihr Nährboden, aus ihm wächst sie. Der Mensch dreht sich zu oft um seine eigene Achse. Er sucht nach Gewinn und Vorteilen, verliert sich dabei in Nichtigkeiten. Er  verwechselt oft den Begriff der Zeit mit dem des Geldes. Er will in nichts investieren, was ihm selbst keinen Nutzen bringen würde.

In „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint Exupery spricht der Fuchs davon, dass die Menschen für die Freundschaft zu wenig Zeit hätten. Sie wollen zwar Freunde haben, aber bemühen sich nicht um die Entwicklung der Freundschaft:

»Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgendetwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich! «

Die wahre Freundschaft hat den Begriff der Zeit als Basis. Hierbei handelt es sich nicht um eine Art Investition. Vielmehr geht es darum, dass die Zeit uns die Möglichkeit gibt, jemanden kennenzulernen, zu sehen, ob der Mensch überhaupt zu einem als „Freund“ passt.

Russian Soviet poet, composer and performer, artist, actor. By the 15 th anniversary of the Theater Taganka, 23-4-1979 - Foto: Igor Palmin - http://www.flickr.com/photos/igorpalmin/3272298032/ - CC BY-SA 2.0
Russian Soviet poet, composer and performer, artist, actor.
By the 15 th anniversary of the Theater Taganka, 23-4-1979 – Foto: Igor Palmin – http://www.flickr.com/photos/igorpalmin/3272298032/ – CC BY-SA 2.0

George Washington verglich die wahre Freundschaft mit einer „sehr langsam wachsenden Pflanze“. Außerdem kann die wahre Freundschaft nur dann zustande kommen, wenn beide Seiten dazu bereit sind, in einem schweren Moment die eigenen Bedürfnisse zurückzuschrauben und für den anderen da zu sein. Die Zeit, die Bereitschaft dazu, die Bedürfnisse eines anderen Menschen vor seine eigenen zu stellen sowie das Teilen von Kummer und Freude sind die Grundvoraussetzungen der Freundschaft, wie man sie seit Anfängen der Menschheit kennt. Auf diese Aspekte geht Wladimir Wyssozki in seinem Lied „Vom Freunde“ ein:

Wenn du nicht genau weißt, ob neben dir ein Freund oder doch ein Feind ist,
zieh mit ihm in die Berge! Riskiere es!

In der Seilschaft wirst du erkennen, wie er wirklich ist.

Ist dein Kumpan am Berg nicht zäh, will er sofort aufgeben und wieder nach unten? Stolpert er unterwegs und schreit dabei? Dann läuft neben dir ein Fremder!

Ärgere dich nicht über ihn! Schick ihn fort!

Solche Menschen nimmt man nicht hier hinauf
und man singt erst gar nicht von ihnen!

War dein Kumpan mürrisch, lief aber mit dir weiter und hielt dich fest, auch wenn jammernd, als du vom Felsen fielst?

Zog er mit dir wie in die Schlacht und stand dann mit dir trunken auf dem Gipfel?

Dann kannst du dich auf ihn wie auf dich selbst verlassen.

(Übersetzt von Maria Aronov)

Das Lied von Wladimir Semjonowitsch Wyssozki [Hier gelangen Sie zum Porträt des Künstler – verfasst von Maria Aronov] verdeutlicht, dass der wahren Freundschaft jegliche Vorwürfe unbekannt sind. Entweder ist man füreinander da oder nicht. Fängt man an zu zweifeln und überlegt, ob der Freund zu einem steht oder doch etwas vorspielt, ist die Freundschaft nichts mehr wert.

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