Fotografin Aenne Biermann – ein Porträt in Wort & Bild

Aenne Biermann - Selbstporträt
Aenne Biermann – Selbstporträt

Aenne Biermann, geb. Sternefeld lebte von 1898 bis 1933. In Goch am Niederrhein geboren, lebte sie in Gera (Thüringen). Durch ihren Ehemann, Herbert Biermann, kam die ausgebildete Pianistin in Kontakt zu zahlreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens: Franz Werfel, Theodor Litt, Franz Roh, … Letzterer gab einige ihrer Fotobände heraus.
Bei einem Sanatoriumsaufenthalt begann sie sich autodidaktisch mit Fotografie zu befassen. Ab etwa 1925 hatte sie sich einen Namen als Vertreterin der „Neuen Fotografie“ gemacht.
In einer Ausstellung des Folkwang-Museums zum Thema „Fotografinnen“ schrieb Helene Schreiber über Aenne Biermann:
„Sie nimmt Besitz von einer technischen Apparatur, die sie ihrer eigenen Vorstellung dienstbar macht. Dass sie, deren großbürgerliches Zuhause in Gera von einem Van de Velde-Schüler im Bauhausstil ausgestattet worden war, dem Geist der künstlerischen Erneuerung aufgeschlossen gegenüberstand, den Grundlehre-Problemen verwandten fotografischen Experimenten zuneigte, ist selbstverständlich. Sie fand in ihren Bildern willig kühnen Randüberschneidungen, die das dargestellte Detail in verhaltender Distanz anbieten. Dennoch werden starke, Arp’scher Plastik vergleichbare haptische Qualitäten freigesetzt. Ihr geweckter Sinn für den Reiz sachlicher Reihung und kubisch gebauter Formationen lässt sie in ihrem künstlerischen Wollen häufig der technischen Entwicklung der Fotografie vorauseilen. in dem von ihr gewählten Themenkreis klingt an, was eine Generation von Konstruktivisten später – Aenne Biermann starb schon 1933 – zu Ende dachte.“
Der Fotograf und Nestor der deutschen Fachfoto-Journalisten Heinrich Freytag erzählte mal von einem Besuch bei Aenne Biermann: „Sie lebte von ihrem Blick und von einer Technischen Intuition, die ihr zu Bildern verhalf, von denen sie später nicht mehr sagen konnte, wie sie sie technisch zustande gebracht hatte.“
Ihr Mann Herbert Biermann emigrierte 1937 nach Israel. Rund 5000 Fotografien von Aenne Biermann, die sich in seinem Gepäck befanden, wurden in Triest konfisziert und nach Deutschland zurückgesandt. Sie gelten als verschollen.

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