Flieder für die reife Schönheit • Eine kurze Romanze • Oliver Simon

In der Straßenbahn. Köln. 

Eine reife Frau, schön, ausstaffiert und aufgetakelt. Ihr gegenüber, grün und unschuldig, ein junger Mann, dessen Hände Fliederzweige sanft behüten. Sie sieht ihn an. Er lächelt traurig einfältig: – Mein Gott, wie wird das heute wieder öde beim Geburtstag meiner Mutter. –

Die Dame hat sich nunmehr ganz entschleiert. Er ist hingerissen, starrt eine Weile, und reicht ihr wortlos all seine Zweige. Nun hat er nichts, für Mutter. Kein Präsent . . . Er wundert sich – die schöne Frau lässt ihren Tränen freien Lauf: Und die blassen Tropfen auf den Flieder wie Gelübde niedertauen.

Oliver Simon 2016

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