Fauna | Der neuseeländische Kiwi und sein SuperEi

Neuseeländische Kiwi-Weibchen wiegen nicht viel mehr als normale Haushühner. Ihre Eier allerdings bringen das Sieben- bis Achtfache unseres gewohnten Frühstückseis auf die Waage.

Karuwai the kiwi on Maungatautari mountain. (North Island brown kiwi, Apteryx mantelli)
Karuwai the kiwi on Maungatautari mountain. (North Island brown kiwi, Apteryx mantelli)

Wie lange muss ein 25 Kilogramm schweres Ei kochen, bis es hart ist? Die Frage ist eigentlich müßig, denn gefiederte Monster, die halbzentner schwere Eier legen, gibt es nicht. Selbst Straußeneier bringen es ››nur« auf 800 bis 1600 Gramm.
Aber: Würde das Straußenei 20 Prozent des Vogelgewichts ausmachen – und eine Straußendame bringt es auf 125 Kilogramm -, dann wären wir bei dem genannten halben Zentner. Und dieses Verhältnis zwischen Körper- und Eigewicht gibt es bei den neuseeländischen Kiwis tatsächlich!
Sie sind eine höchst seltsame, bisher verhältnismäßig wenig erforschte, urtümliche Vogelgattung. Auf den ersten Blick haben die Tiere kaum etwas mit ihren fliegenden Verwandten gemein. Ihnen fehlen Schwanz, Brustbein, Flügel und sogar die Federn. Zumindest sieht das auf den ersten Blick so aus, denn die ››Bekleidung« scheint aus sorgfältig gekämmten, strähnigen Haaren zu bestehen.
In Gefangenschaft lassen sich diese nachtaktiven Vögel gut halten. Und das war das Glück der Wissenschaftler von der Otorohanga Zoological Society in Neuseeland. Aufgrund sorgfältiger Beobachtungen konnten sie ziemlich genau Vorhersagen, wann »ihr« Kiwi-Weibchen ein Ei legen würde.

Ohne dem wertvollen Tier zu schaden, wollten sie Lage und Größe des Eis im Vogelkörper orten und filmen. 24 Stunden vor der Geburt gelang ihnen eine sensationelle Röntgenaufnahme. Sie zeigt die geradezu unglaublichen Dimensionen des Eies. Es wog 415 Gramm und damit exakt 19,27 Prozent (ein Fünftel also) des Vogelkörpers. Die Länge betrug 126, der Durchmesser 76 Millimeter. Aber damit noch nicht genug: Es war schon das zweite Ei in kurzer Zeit. Und innerhalb von 96 Tagen legte das Weibchen vier solcher Rieseneier.
In nur gut drei Monaten produzieren die Kiwis also etwa 80 Prozent ihres Körpergewichts als Gelege. Eine erstaunliche Energieleistung!

Unsere gewöhnlichen Haushuhnrassen brauchen sich dahinter allerdings nicht zu Verstecken. Sie bringen uns zwar keine 400 Gramm schweren Frühstückseier auf den Tisch. Ihre Jahresproduktion ist jedoch deutlich höher als die der Kiwis. So legt zum Beispiel das weit verbreitete »Leghorn« jährlich etwa 200 Eier mit einem Gewicht von je 55 Gramm. Das macht elf Kilogramm bei einem Körpergewicht von zwei Kilogramm. Solche Eier sind in zehn Minuten hart gekocht.

Kiwis sind in jeder Hinsicht merkwürdige Vögel: flügellos, scheinbar behaart statt befiedert, halbblind, aber mit einem guten Riecher ausgestattet – sie erschnüffeln ihre Nahrung, vorwiegend Würmer.

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