Pauls Tagebuch | Wäre sie doch gefallen, die Wand

Mein Vater erwischte mich einmal im Garten dabei, dass ich mit einem großen Stock, der viel zu schwer für meine Kindehand war, wild, mit Tränen kämpfend, auf eine Ecke der Wand unseres Hauses einschlug und dabei immer wieder böse schrie: „Fall doch hin, du dumme Wand, fall doch hin!“

Meine Mutter war zu Boden gestürzt, und hatte sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen. Wie konnte also etwas so Gleichgültiges, etwas Lebloses wie eine Mauer aus Stein fester und sicherer stehen als sie! das wollte mir nicht einleuchten. „Fall doch hin!“ schrie ich, und meine Welt wäre wieder in Ordnung geraten, , hätte die Wand, meinem dunklen Wunsche gehrochend, sich stürzend zu Erde gelegt…

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Kategorien Welt im Wort | Sudelbuch
Paul Fischer

Paul Fischer ist pensioniert Verwaltungsbeamter aus dem Saarland. Er führt seit vielen Jahren Tagebuch in dem er literarische Fundstücke und Begegnungen festhält. In „der blaue ritter“ veröffentlicht Paul eine Auswahl seine Notizen.

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