Joyce Carol Oates • Über Boxen • Ein Blick ins Buch

Joyce Carol Oates • Essays über das Boxen

Buchcover MANESSE
Buchcover MANESSE

Über das Buch
„Joyce Carol Oates’ Box-Bibel ist seit ihrem ersten Erscheinen 1987 ein Kultbuch: Scharfsinnig geht die Autorin darin dem Faszinosum Boxen auf den Grund und widerlegt so manches Vorurteil. In der um zahlreiche Texte erweiterten Neuausgabe sind Oates’ sämtliche Essays übers Boxen in einem Band vereint.
Der Boxring ist ein Ort bewegender Dramen und unvergesslicher Momente. Die Geschichten der Champions handeln von bemerkenswertem Aufstieg und tiefem Fall, von Durchhaltevermögen und Selbstüberschätzung. Joyce Carol Oates zeichnet einfühlsame Porträts von den berühmten Boxlegenden: von Jack Johnson, der als erster Schwarzer den Weltmeistertitel im Schwergewicht errang. Von Joe Louis, dessen K.-o.-Sieg über den Deutschen Max Schmeling am Vorabend des Zweiten Weltkriegs als historisches Vorzeichen gedeutet wurde. Und von der Ikone Muhammad Ali, deren Strahlkraft bis heute weit über den Sport hinausreicht.

Nebenbei erfährt der Leser Wissenswertes und Kurioses über Ringrichter, Boxhandschuhe und Hollywoodfilme. Ein unterhaltsames und nachdenkliches Buch….“

Rezension
Ihre mosaikartigen Essays hat die zerbrechlich wirkende Amerikanerin zwischen 1980 und 2005 geschrieben.Ihre Ansichten über das Boxen wirken sympathisch:
Boxen wie das Leben; Stöße, verfehlte Schläge, Clinch, eine Runde nach der anderen, nur kurze Verschnaufpausen dazwischen. Ein stetiger Sclagabtausch also.
Boxen ist kein Sport, Boxen ist Kunst -wie das Schreiben eines Dramas, nah der Musik und ganz nah am Tanzen. Selbstverständlich ist Boxen primitiv. Auch die Geburt, der Tod, der Sex sowieso.
Niemand wird heute ernstlich behaupten,  der Mensch sei ein Geisteswesen. Er ist Körper – vor allem Körper. Und da vielen das immer bewusster wird, leben auch die Optimierer sehr gut davon.
Das sind einige der Gedanken von Joyce Carol Oates, die sie uns in ihrem Buch „Über Boxen“ nahebringt. Das Interesse an der Leibeslunst wurde in den 1950er-Jahren durch ihren Vater geweckt.
Dadurch hat die Autorin vermutlich nicht weniger Kämpfe gesehen die meisten Boxkommentaroren…

Joyce Carol Oates – immer wieder für den Nobelpreis im Gespräch – vermag in einzelnen Sätzen ganze Kapitel zu erzählen, wie etwa in „Du fehlst“ über den Tod ihrer Mutter; und in „Meine Zeit der Trauer“ über den Tod ihres Ehemannes. In „Über Boxen“ finden sich diese Sätze leider nicht.

Symbole setzt sie teils widersprüchlich ein und bleibt trotzdem häufig überraschend bildarm. Dabei mag sie Symbolismus gar nicht, wie man an der von ihr zitierten katholischen Schriftstellerin Flannery O’Connor merkt: „Wenn die Hostie nur Symbol ist, dann zum Teufel mit ihr.“
In ihren Essays widmet sie sich besonders Muhammad Ali, Marvin Hagler, und Mike Tyson („Ich will meinen Gegnern das Nasenbein ins Hirn treiben“). Auch anekdotisch und das steigert dann doch das Lesevergnügen und transportiert die notwendigen Bilder in des Lesers Köpfe.

Mein Fazit
Wer sich mit dem Boxen – insbesondere im Anfangsstudium – findet in diesem Buch durchaus  unterhaltendes. Ich persönlich bevorzuge Wolf Wondraschek oder A.J. Lieblings und erfreue mich über Joyce Carol Oates fantastischen Schreibstil in ihren anderem Werken.

Über Joyce Carol Oates
Joyce Carol Oates wurde 1938 im US-Bundesstaat New York geboren, studierte Englische Literatur und Philosophie und unterrichtete an den Universitäten von Detroit, Windsor (Kanada) und in Princeton. Sie veröffentlichte bisher über 300 Erzählungen, etwa 40 Romane, Jugendbücher, Lyrik, Theaterstücke und eine Roman-Biographie über Marilyn Monroe und erhielt zahlreiche Preise, u.a. den National Book Award. Die Entmythisierung des «amerikanischen Traums» gehört zu den zentralen Themen ihres Werkes.

Über Andrea Ott (Die Übersetzerin)
Andrea Ott, geboren 1949, hat sich als Übersetzerin englischer und amerikanischer Literatur einen Namen gemacht. Für den Manesse Verlag hat sie Meisterwerke u.a. von Jane Austen, Anthony Trollope, Charlotte Bronte, Elizabeth Gaskell, Henry James, Edith Wharton und Upton Sinclair ins Deutsche gebracht.Autor der Rezension: Karl Mahrig – Oberhausen – Quelle: Verlag

trennlinie2JOYCE CAROL OATES • Über Boxen
Originaltitel: On Boxing
Aus dem Amerikanischen von Ursula Locke-Groß, Andrea Ott
Gebundenes Buch, Leinen mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 12,5 x 20,0 cm, 8 s/w Abbildungen
ISBN: 978-3-7175-2282-9
€ 19,95 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90* (* empf. VK-Preis)
Verlag: Manesse
Erscheinungstermin: 20. Mai 2013

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