Markt in Kabul, Afghanistan | Foto via pixabay

Ein Soldat schreibt seinem Sohn

Kunduz, Afgahnistan
06. September 2009

„Lieber Max,
es fällt mir nicht leicht, diesen Brief an Dich zu schreiben, weil mir manchmal die richtigen Worte fehlen oder ich Dir ihre Bedeutung einfach nicht klar machen kann. Du bist ein sehr junger Mann, und die Welt kommt Dir groß und geheimnisvoll vor. Es gibt ja noch so viel zu entdecken. Es passieren eine Menge Dinge, die Du noch nicht verstehst, die aber auch wir Erwachsenen oft nur schwer nachvollziehen können. Ich will es dennoch versuchen.Du kannst wahrscheinlich nicht begreifen, warum ich so weit weg von Dir bin und mich nicht mehr so wie früher um Dich kümmere. Aber ich glaube, das meine Verantwortung Dir gegenüber damit beginnt, Dein Leben ein bisschen sicherer zu machen und die Welt in der Du und Dein Sohn (und Du wirst später einen haben!) leben werdet. Das hoffe ich und dafür bete ich. Aber auch Du trägst Verantwortung. Das bedeutet, dass Du alle Gelegenheiten, die sich Dir bieten nützen musst. Hier sind einige Grundregeln, an die ich mich immer gehalten habe und die Dir vielleicht helfen werden. Zu allererst: Glaube an Gott und befolge seine Gebote; sei treu, vertrauenswürdig, moralisch sauber und geistig rege. Lüge niemals, egal, worum es geht; ehre und liebe und achte Deine Mutter und Deinen Vater. Achte die Rechte und das Eigentum anderer; begehre nicht, was anderen gehört, stiehl nicht, und gehe niemals leichtfertig mit dem Wort und dem Namen Gottes um. Jesus hatte sein Kreuz zu tragen. Auch wenn wir zusammenbrechen, müssen wir unsere Last weitertragen, aber wenn sie zu schwer wird, können wir um Hilfe bitten.
Es gibt so viele Väter, die sich dafür aufopfern, dass ihre Söhne in einem freien Land aufwachsen können; in einem Land, dass Dir das Recht gibt, eine eigene Meinung zu haben und auch danach zu handeln. Für Dich und mich sind diese ganz selbstverständlich. Aber es gibt nur wenige Menschen auf der Welt, die diese Rechte wirklich besitzen. Du hast ein schönes Zuhause, eine wundervolle Mutter, Ihr beide fehlt mir ganz schrecklich, und ich kann den Tag, an dem ich wieder bei Euch bin, kaum erwarten.

Dein Dich liebender Vater.“

Michael W. | Vater eines damals achtjährigen Sohnes und Berufssoldat bei seinem ersten Auslandseinsatz in einem Kriegsgebiet.

Dieser Brief war der Auftakt für viele intensive Gespräche mit seinem Sohn und der kleinen Familie miteinander. Abgesehen davon, dass der Inhalt des Briefes für Max schwer zu verstehen war, stellte Michael W. fest, wie schwer es ihm fiel und fällt über seine Gefühle zu sprechen. Das gilt besonders auch im Kontakt mit seinem Kind. Im Rückblick ist er dankbar, das sein Sohn ihm dabei durch seine Hartnäckigkeit geholfen hat. Die vielen Fragen dienten ihm dabei als Roter Faden. Eine Folge dieser Gespräche war, das Michael W. in der Schule seines Sohnes in Klassen über seine Arbeit als 17Berufssoldat berichtet und sich den Schülerfragen gestellt hat.

Kategorien Glaube
Peter Jensen

Dr. Peter Jensen studierte im westfälischen Münster Psychologie. Seit 2008 lebt und arbeitet er - nach der Hochzeit mit einer Norwegerin - er in Bergen, Kongeriket Norge. Bis zu seiner Auswanderung arbeitete Jensen in verschiedenen Krankenhäusern. In Norwegen ließ er sich zusätzlich zum Heilpraktiker ausbilden und ist mit reiner eigenen Praxis selbstständig. Sein Schwerpunkt: der Zusammenhang von Ernährung und Psyche. Derzeit arbeitet Dr. Jensen an einem Buch zum Thema Körpertherapie. In seinen Beiträgen im Magazin widmet er sich den Themen Geist & Seele.

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