Emri • Die Seele brennt als Licht in Trennungsnacht • Osmanische Dichtkunst

Aus der Geschichte der Osmanischen Dichtkunst 
Joseph von Hammer-Purgstall (1836)

Emri, d.i. der Befehlshafte † 988 (1580)

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Die Seele brennt als Licht in Trennungsnacht,
Der Leuchter ist vom Staub des Leib’s gemacht.

***

Daß ich die Sonn‘ umfing, hat mir geträumt bey Nacht,
Ich hielt in meinen Armen dich, als ich erwacht.

***

Mit des Freundes Wang‘ ist Eines nicht die Sonne,
Jene nimmt und diese gibt des Lichtes Wonne.

***

Die Locken, welche unermessen
Den Wuchs, den hohen, niederwallen,
Sind Schlangen, lauernd auf Cypressen,
Um zu erjagen Nachtigallen.

***

Ostwind, der nichts weiß
Von meines Liebchens Munde,
Macht im Gülistan
Die Rosenknospen wunde.

***

Es ging die ganze Nacht der Himmel um dein Haus,
Es preßte dieser Gang ihm viele Thränen aus,
Dieselben ihm von Wangen abzutrocknen, nahm
Ein weißes, frisches Tuch der Morgen, als er kam.

***

Die Rose wendet ihr Gesicht
Zur Nachtigall und singt:
O sage mir, ich hör‘ es nicht,
Was Thau zum Ohr mir bringt.

***

Nomade, wohn‘ ich in der Wolke Schattenzelt,
Das an dem gold’nen Seil‘ von meinen Seufzern hält;

Es hat die Liebe mir erschaffen eine Welt,
Die meiner Seufzer Rauch als Sternenschnupp‘ erhellt;

Seit blutig ich sein Bild mir in das Aug‘ gestellt,
Ist Trunkenbold das Aug‘, der rothen Wein erhält;

Wie schild’re ich den Schmerz, der meinen Leib zerschellt,
Da deines Dolches Spitz‘ ein Tropfen kaum benetzt.

Indem an deine Braun‘ Erinn’rung ihn befällt,
Hat Emri sich ihr Rund zu seiner Laut‘ erwählt.

***

Aus Adrianopel; er nahm sich das Schebistani Chial, d.i. Nachtgemach der Phantasie des persischen Dichters Fettachi zum Muster, und verfasste in der Weise desselben meistens Logogryphen, Rätsel und andere künstliche Wort- und Reimspiele. Von ihm sind die persischen Verse, welche zur Vollkommenheit eines persischen Dichters die glühende Seele Chosrew (von Dehli), der Herrschaft des Wortes von Hafis die Zartheit Hasan’s und die Phantasie Kemal’s (aus Chodschend) erfordern. Man hat diese Verse auf osmanische Dichter so angewandt, dass man von einem vollkommenen die Gluth Newii’s, die Sprache Baki’s, den Sinn Sati’s und die Phantasie Emri’s verlangt.

trennlinie2Literatur:
Geschichte der Osmanischen Dichtkunst bis auf unsere Zeit
Mit einer Blüthenlese aus zweytausend, zweyhundert Dichtern – Hammer-Purgstall
Dritter Band (von der Regierung Sultan Murad’s III. bis zu Ende der Regierung Sultan Mohammed’s IV. 1574 – 1687) – (Seite 16-19)
Pesth, 1837
Conrad Adolph Hartleben’s Verlag


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