Eine Reise durch das Jenseits • Über den Roman „Hinter dem Horizont“ von Richard Matheson

„Das Ende ist nur der Anfang“ heißt es im Roman „Hinter dem Horizont“ von Richard Matheson.

This is the front cover art for the book What Dreams May Come written by Richard Matheson. The book cover art copyright is believed to belong to the publisher, G. P. Putnam's Sons, or the cover artist.
This is the front cover art (1978) for the book „What Dreams May Come“ by Richard Matheson. The book cover art copyright is believed to belong to the publisher, G. P. Putnam’s Sons, or the cover artist.

Chris Nielsen, ein angesehener Arzt, lernt seine Seelenverwandte, die Künstlerin Annie Collins kennen. Beide verlieben sich unsterblich ineinander, heiraten und gründen eine Familie. Nach einigen Jahren des wunderbaren Zusammenlebens steht ihrem Glück jedoch der Tod im Wege. Sowohl ihre beiden Kinder als auch Chris kommen ums Leben. Annie, die Künstlerin farbenfroher Bilder, sieht keinen Ausweg aus ihrem Kummer, als sich das Leben zu nehmen. Dafür landet sie in der Hölle. Interessant ist, dass Matheson die Hölle nicht als solche darstellt, wie man sie aus vielen Beschreibungen kennt. Die Hölle ist für ihn ein Ort, den man sich selbst mit eigenen Gedanken erschafft. Es ist ein Ort voller Finsternis und Kummer, aus dem man nicht herauskommen kann, solange man sich den Problemen nicht stellt und versucht gegen die eigenen Dämonen anzukämpfen. Man hält sich selbst in der Dunkelheit gefangen. Außer Annie existieren in der Hölle keine weiteren Gestalten. Das weist darauf hin, dass die Hölle dem eigenen Kopf entspricht, in dem sich das Unterweltszenarium abspielt. Tot ist man, wenn man für nichts mehr lebt.

In dem Roman wird häufig auf die eigene Gedankenwelt und Fantasie angespielt. Als Chris stirbt, erklärt ihm im Jenseits sein Sohn in Gestalt einer anderen Person, dass man sich sein Fortleben mit Fantasie selbst gestalten kann. So erschafft sich Chris das Paradies in den Farben, die Annie so gern für ihre Bilder benutzte, bunt und fröhlich. Damit ist er ihr auch nahe. Die Fantasie ermöglicht ihm auch zu fliegen und mit Annie, zu ihren Lebzeiten,  durch einen von ihr gezeichneten Baum zu kommunizieren. Auch seine Tochter trifft Chris im Himmel. Sie hat sich wie auch ihr Bruder einen anderen Körper für die weitere Existenz ausgesucht. An diese Stelle stellt der Autor ebenfalls dar, wie unsere Gedanken das Dasein steuern. Ihnen und auch der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das Paradies und auch die Hölle schaffen wir uns selbst, sei es auf der Erde oder nach dem Tod.

Where is God in all of this? Foto: Raul - La busqueda del angel... Buscando unos ojos de mujer, de mirada profunda como el mar.CC BY 2.0 - Quelle: https://en.wikiquote.org/wiki/What_Dreams_May_Come_(film)
Where is God in all of this? Foto: Raul – La busqueda del angel… – Buscando unos ojos de mujer, de mirada profunda como el mar.- CC BY 2.0 – Quelle: en.wikiquote.org/wiki/What_Dreams_May_Come_(film)

Als Chris erfährt, dass Annie nicht mehr lebt, steht er unter Schock. Er erfährt, dass sie aufgrund ihres Selbstmordes in die Hölle kam. Unter allen Umständen will er zu ihr. Dies ist jedoch alles Andere als einfach, denn Annie ist durch ihre tiefe Trauer dazu verdammt, das Gute nicht mehr erkennen zu können. Aus der Hölle käme außerdem niemand mehr heraus. Trotz allen Warnungen, beschließt Chris für seine Liebe in die Unterwelt zu reisen. Auf dem Weg dahin begleitet ihn sein Sohn, der zu seinem weisen Fremdenführer im Jenseits geworden ist. Auf dem Weg zur Hölle erlebt ihr Schiff einen Sturm im unruhigen Gewässer, wo viele Seelen gefangen sind. Sie heulen, suchen nach der einzigen Rettung, strecken ihre Arme aus, um aus dem Sumpf des Kummers herausgeholt zu werden. Sie ertrinken quasi in ihrem Schmerz. Doch es gibt keinen Ausweg aus der Gefangenschaft für sie. Um in die Welt von Annie zu gelangen, muss Chris über die ertrinkenden Seelen laufen, unter denen er seinen Vater findet. Trotz all den Schmerzen verliert Chris sein Ziel nicht aus den Augen und betritt letztendlich den düsteren Raum, in dem sich Annie befindet. Er setzt sich zu ihr, spricht ihr Mut zu, doch leider kann sie ihn nicht erkennen. Er ist ihr fremd geworden. Er beschließt Annie nie mehr zu verlassen und für immer in ihrer Nähe zu bleiben. Damit verschreibt er sich der Hölle. Als letzten Versuch, seine Liebste aus der Unterwelt zu befreien, setzt er jedoch auf die Seelenverwandtschaft und berührt mit ihren gemeinsamen Erinnerungen Annies Innere. Er dankt ihr dabei für ihre Güte, ihr Äußeres, sodass er sie immer berühren wollte. Er dankt ihr für ihre Kinder und die gemeinsame Zeit, für die Bücher, die sie gemeinsam gelesen haben und ihre Liebe. Dies zeigt, dass es keinen anderen Reichtum als den der seelischen Erinnerungen und der Liebe gibt. Uns bleibt nach dem Tod nichts als die Seele und die Erinnerung an uns als guten oder schlechten Menschen seitens Anderer. So verhilft Annie das Licht und die Liebe, die sie zu ihren Lebzeiten hinterlassen hat, zur Errettung ihrer Seele. Dank Chris schafft sie es, sich von ihrem Kummer zu lösen und weiter für ihn und die Kinder in einer anderen Welt zu existieren.

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Am Ende bekommen die beiden jedoch die Möglichkeit eines Neuanfangs auf der Erde – wahrscheinlich als Dank für ihren Mut und Kampfgeist. Schließlich lernen sie sich auf der Erde neu kennen.

Durch den Tod und das damit verbundene Ende des Lebens auf der Erde entsteht die Möglichkeit eines Neuanfangs. Die Reise durch die Zeit und das Jenseits bot dem Liebespaar sowie ihren Kindern die Möglichkeit der Erkenntnis. Dabei ging es vor allem darum, sich mithilfe der eigenen Gedanken und Fantasie eine schöne, bessere Realität zu verschaffen, die einem alles bieten kann, was man im Leben nicht hatte. Auf der Reise durch das eigene Paradies und die Hölle steht die freie Entfaltung der eigenen inneren Welt, der im Leben so oft viele Grenzen gesetzt werden. Auf der Erde und auch im Jenseits kann man jedoch ohne Liebe nichts Gutem begegnen. Dabei ist jede Form der geistigen Liebe gemeint. Sie ist der Schlüssel zu jeder Art des Glücks, Daseins und der Freiheit.

So wird die Erkenntnis dessen der Anfang für einen Neubeginn, für den es nie zu spät ist.

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Richard Matheson (2008) – Foto: JaSunni at PicasaWeb – Cropped from http://picasaweb.google.com/5chiaroscuro/JaSunni1#5286474707387070834 – CC BY-SA 3.0

Richard Burton Matheson (* 20. Februar 1926 in Allendale, New Jersey; † 23. Juni 2013 in Calabasas, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Science-Fiction- und Drehbuchautor. Er veröffentlichte auch unter dem Pseudonym Logan Swanson.

Matheson ist aus der Science-Fiction der fünfziger Jahre nicht wegzudenken. Obwohl aus Richtung Horror zum Genre stoßend entschloss er sich, den aufkommenden Science-Fiction-Boom zu nutzen und verstand es, sich abzeichnenden Trends anzuschließen und diese auch kommerziell für sich zu nutzen.

Seine andauernde Verbindung zum phantastischen Genre bewies er durch zahlreiche Drehbucharbeiten, vor allem mit seinen Edgar-Allan-Poe-Adaptionen für Roger Corman.

Sein Roman Das Ende ist nur der Anfang, Hinter dem Horizont. Matheson ist das Ergebnis intensiver Recherche über die Jenseitsvorstellungen verschiedener Religionen und Kulturen. Unter anderem beruft er sich hierbei auf den Theosophen Emanuel Swedenborg. Der Roman wurde 1998 mit Robin Williams verfilmt. Der Film Hinter dem Horizont bietet ausdrucksstarke Bilder, hat aber nur wenig von der Tiefe des Romans.

Für seinen Roman Bid Time Return (1975) erhielt den World Fantasy Award. Mathesons Roman Ich bin Legende wurde 2012 beim Bram Stoker Award mit dem Sonderpreis Vampire Novel of the Century Award ausgezeichnet.

Matheson starb 87-jährig im Juni 2013 in seinem Haus im kalifornischen Calabasas. – Quelle: wikipedia

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Randbemerkungen:

„I think Dreams May Come> is the most important (read effective) book I’ve written. It has caused a number of readers to lose their fear of death — the finest tribute any writer could receive. … Somewhere In Time is my favorite novel.“
„Ed Gorman Calling: We Talk to Richard Matheson“ (2004).

What Dreams May Come ist ein Spielfilm aus dem Jahre 1998. Er handelt von einem Mann der stirbt und sich in einem Himmel wiederfindet, der beeindruckender ist, als er sich das jemals erträumt hatte. Allerdings ohne seine Frau, die nach seinem Tod Selbstmord beging. Er entscheidet sich, sie zu suchen um sie zu sich in den Himmel zu holen. Dabei riskiert er, für immer in der Hölle zu schmoren.
Regie führte Vincent Ward. Drehbuch: Ronald Bass, basierend auf dem Roman von Richard Matheson.

After life there is more. The end is just the beginning. Taglines

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