Eine Münzwerkstatt aus alten Zeiten – Stolberg im Harz

Das Heimatmuseum Stolberg Harz mit der Münzwerkstatt
Das Heimatmuseum Stolberg Harz mit der Münzwerkstatt

Metallmünzen wurden erstmals Ende des 7. Jh. vor unserer Zeitrechnung in den ionischen Stödten Kleinasiens hergestellt. Durch den Handel mit griechischen Städten breitete sich die Kunst des Münzprägens rasch aus. Wie im 18. Jh. im Harz Münzen gefertigt wurden, darüber kann man sich im Heimatmuseum der Harzstadt Stolberg informieren.
Eine fast komplette Münzwerkstatt aus vergangener Zeit, in diesem Umfang die einzig erhaltene in unserem Lande, ist in Stolberg zu besichtigen. Reich mit Schnitzwerk verziert ist doas Gebäude aus dem Jahr 1535, das das Kulturhaus des Harzstädtchens und im zweiten Geschoss dos Heimatmuseum beherbergt. Besucher erhalten hier u.a., einen Überblick über den einstmals im Harz betriebenen Bergbau, vor allem ober über das Münzprägen vor mehr als zweihundert Jahren. 

Stolberger Münzen - Foto: Johann Meissner
Stolberger Münzen – Foto: Johann Meissner

Anhand von originalen Einrichtungsgegenständen der bis zum Beginn des 19. Jh. noch tätigen Münzstätte der Grafen von Stolberg wird gezeigt, wie man Gold, Silber und Kupfer in klingende Münze verwandelte.
Nachdem man noch in der Mitte des 18. Jh, in Stolberg in althergebrachter Weise Münzen prägte mit Hammer, Amboss und Handstempel – die Ausstellung veranschaulichen dies -gab es in dieser Beziehung nach dem Siebenjährigen Krieg (1763) einen bemerkenswerten Wandel.
Der Dresdner Bankier Zernitz pachtete die Stolberger Münze, und spekulierte dabei wohl auf beträchtliche Margen. Den Grafen kam dies nicht ungelegen, trugen doch nicht
Rechts: Vor über 400 Jahren schuf ein unbekannter Glasmaler eine farbenprächtige münztechnische Bilddokumentation. Das nur 31,5 x 22 cm große Glasgemälde aus dem Jahre 1565 zeigt auf mehreren in Blei gefassten Miniaturen die wichtigsten Stationen im Prozess der Münzfertigung: dos Schmelzen, Gießen und Hämmern  des Metalls, das Zerschneiden (Stückeln, Wögen und schließlich dos Prägen mit Hammer und Stempel, der mit der linken Hand festgehalten werden musste. Die wertvolle Glasscheibe in roten, blauen, grünen und gelben Farben itommt ous dem Besitz des noch 1550 in Schaffhausen tätigen Münzmeisters Wernhqrt Zentgraf. Sie gehört seit lon‘ gem zu den Schötzen des Münzkobinelts der Stootliöen Museen zu Berlin; ein öhnlidtes von Zentgrol in Auftrog gegebenes Gloslenster ous dem Johre 1563 wurde, nochdem es in Poris einen Dornröschenschlof geholten hotte, vor einigen Johren vom Schweizerisdren Londesmu3eum in Bern erworben. Mit 35 X27 cm ist es etwos größer äls dos Berliner Gemölde.
sie, sondern der Pächter alle Kosten und Risiken. Sie kassierten von jeder Gewichtseinheit vermünzten Silbers einen festgelegten Betrag. Zernitz verpflichtete  ich, in einem Jahr mindestens 500 00 Mark Feinsilber (1 Mark: 233,8 Gramm) zu vermünzen, was dem Wert von etwa einer halben Million Taler entspricht. Die hochfliegenden Pläne ließen sich, dies zeigt ein Blick in die historischen Akten, nicht verwirklichen. Bedeutende Kosten für die zu modernisierende Prägestätte, die Gehälter und Löhne für das technische Personal und die Münzarbeiter, die Preise für das allerorts aufgekaufte Silber – all dies verschlang Riesensummen. Am Ende zeigte sich, dass sie in Stolberg bereits schon massenhaft produzierten Münzen nicht dem amtlichen vorgeschriebenen Standard entsprachen; ja, die kurfürstliche  Administration in Dresden (Stolberg stand unter kursächsischer Oberhoheit) beschuldigte Ternitz, wucherische Privatgeschäfte abzuwickeln. Der Vorwurf unsoliden Arbeitens wurde von Zernitz allerdings an die Münzer weitergegeben, die angeblich nicht mit Maschinen umgehen könnten. Überliefert ist, dass einige Anlagen Konstruktionsfehler aufwiesen.
Nach einigen Zwischenspielen mit anderen Münzpächtern kam der Betrieb in der Stolberger Prägestätte gegen Ende des 18.J h. zum Erliegen. Die letzte Stolberger Münze wurde im Jahre 1801 geschlagen.
Von der zu damaliger Zeit sehr modern eingerichteten Münzwerkstatt blieben mehrere Maschinen erhalten, so eine Spindelpresse (Balancier) mit langen Schwungarmen bestimmt zum Ausprägen von Pfennigen oder Groschen. Bemerkenswert ist auch ein Rändelwerk aus dem Jahre 1763, das die noch ungeprägten Metallscheiben (Schrötlinge) mit Randmustern oder -schriften versah, um sie vor betrügerischem Anfeilen zu bewahren. Noch heute funktionieren alle Teile dieses Geräts. Dem auf einem Tisch befestigten Rändelwerk gegenüber steht ein in der gleichen Zeit gebauter so genannter Durchstoß, mit dessen Hilfe die Schrötlinge aus einem breiten
Metallstreifen herausgeschnitten wurde. Dieser Durchstoß,  wie alle anderen Geräte von Hand betrieben – machte dos mühsame Zerschneiden des Metalls überflüssig. Auf einer Holzbank ist eine Walze befestigt, mit deren Hilfe die Zaine auf die vorgeschriebene Dicke gebracht wurden. Ein Blasebalg und ein Schmelzofen aus mittelalterlicherZeit, ein riesiger eichener Amboss und eine Auswahl alter Münzstempel mit dem Stolberger Wappentier, dem Hirsch, vervollständigen die interessante Schau alter münztechnischer Geräte. Weiterhin sind in einer  Vitrine noch eine Anzahl Stolberger Münzen – vom Taler bis zum Pfennig – ausgestellt. Charakteristisch für diese Geldstücke ist der Hirsch mit großem Geweih. Er erscheint in vielfältigen Variationen auf Wappenschildern ist aber auch  auf gegossenen Eisenplatten zu sehen, welche die Wände des Ausstellungsraumes schmücken. Damit vermittelt die Münzstätte in Stolberg ein anschauliches Bild vom Stand der Münzprägung zwischen dem 16. und 19. Jh.
Die Ansätze zur Großproduktion von Münzen wurden zunichte gemacht durch die feudale Kleinstaaterei, die erdrückenden politischen und ökonomischen Fesseln, aber auch durch technische Unzulänglichkeiten. Zur gleichen Zeit, da die Prägestätte des Fürstentums Stolberg stillgelegt wurde, konstruierten der englische Unternehmer Matthew Boulton (1728-1809) und der Ingenieur James Watt (1736-1819) u. a. auch hochproduktive Prägemaschinen, die bereits mit Dampf betrieben wurden, Sie waren eine der vielen Errungenschaften der industriellen Revolution des 18./19.Jh., in deren Verlauf sich auch die Münzherstellung im Interesse der Machtausdehnung des Kapitals veränderte.

0 Kommentare zu “Eine Münzwerkstatt aus alten Zeiten – Stolberg im Harz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Content is protected !!