Ein alter Hausfreund – Tierische Wettervorhersage

Foto: Piet Marsfeld
Foto: Piet Marsfeld

Man sagt, ich sei ein guter Meteorologe, ein besonnener Wetterkundler. Gibt es Sonnenschein, bin ich obenauf. Kommt der Regen, halte ich mich zurück; verdrießlich. Und wenn das Wetter für länger unfreundlich bleiben sollte: hinein ins Wasser.

Ich freier Natur kündige ich ein heranziehendes Gewitter  mit aufgeblähter Kehle lauthals an. Dann ist mein „Quak Quak“  oder auch ein „Krack Krack“ laut zu vernehmen. Bei feuchter Witterung bleibe ich allerdings stumm wie ein Fisch.  Unter uns: in Gefangenschaft irre ich mich auch schon mal…kein Wunder, da geht irgendwann der Kontakt zur Quelle etwas verloren, ähnlich dem schwankenden Handysignal in der Pampa…)
Ich werde drei- bis viereinhalb Zentimeter lang, bin obendrauf blattgrün, und unten herum grauweiß gefärbt. Beide Farben werden durch einen schwarzgelben Streifen voneinander getrennt. Bei Männchen, also wie bei mir, ist die Kehlhaut dunkel, beim sogenannten zarten Geschlecht ist sie eher hell getönt. Alle vierzehn Tage ist mir dann zum aus der Haut fahren. Ich häute mich dann, um mir ein frisches Gewand anzulegen.
Meine Lebensdauer? Nun, Verwandte von mir sind in Gefangenschaft acht bis zehn Jahre alt geworden.  Ich bin jetzt drei geworden.

Froschlaich - Foto: Piet Marsfeld
Froschlaich – Foto: Piet Marsfeld

Bekannt bin ich auch für meine sportlichen Fähigkeiten: ich schwimme fast so gut wie mein Artverwandter, der Wasserfrosch. Klettern kann ich ausgezeichnet und Springen sowieso.
Als Hausfreund zeige ich mich selbstverständlich nur von meiner besten Seite. Ich bin anspruchslos, sehr sparsam und, wenn es sein muss, sogar mit einer bescheidenen Unterkunft zufrieden; mit einem einfachen Glas.
Am besten gefällt mir in Gefangenschaft das Leben in einem hohen Terrarium, mit feuchtem Sand, kräftigen Sumpfpflanzen darin und einer Leiter (oder etwas vergleichbarem zum Klettern).Kälte vertrage ich soweit gut. Wärme und Trockenheit überstehe ich in geradezu bewundernswürdiger Weise, wie mein Freund, der Alfred Brehm es für sein „Tierleben“ richtig formuliert hatte.
tree-frog-67779_1280Was ich gern esse? Mücken, Stubenfliegen, Mehlwürmer und ähnliches. Ich nehme auch Spinnen, wenn ihr sie habt. Im Winter halte ich, nach alter Tradition, einen todähnlichen Schlaf. Füttert mich deshalb im Sommer gut, damit ich den Winter wohlgenährt überstehe. Gebt Eurem treuen Hausfreund aber auch in der kalten Jahreszeit hin und wieder eine Fliege; er wird es Euch danken.
Ich gewöhne mich bei Menschen schnell ein. Und wenn Ihr gut zu uns seid, fressen wir Euch vielleicht sogar aus der Hand.
Eine Bitte: lasst uns von Zeit zu Zeit durch die Stube springen, damit wir uns mal so richtig austoben können. Als Gegenleistung dafür, fangen wir Euch die Fliegen, Spinnen und Mücken weg. Gern geschehen.
Beinahe hätte ich es doch vergessen: Wie alle Tiere, die was von und auf sich halten, habe ich nach meinem gewöhnlichen auch einen lateinischen Namen. Man nennt mich in Fachkreisen auch „Hyla arborea“.
Es grüßt Euch Euer Wetterprophet.

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