Egon Schiele • Vier Bäume • 1917

Egon_Schiele_Vier_Bäume_1917

Auffallend in diesem im Jahr 1917 entstandenen Werk ist der geordnete Zustand der Natur:
Die Reihung der Bäume und die strenge Komposition des Bildes. Die hügelige Erde und der wolkenverhangene Himmel sind durch horizontale Streifen strukturiert; die vier Bäume gliedern den Raum in der Vertikalen. Doch keiner der Bäume reicht an die Bildgrenze heran oder wird von dieser überschnitten, wie das in den anderen Baumbildern Schieles der Fall ist.

Egon Schiele benutzte zur Darstellung der  Landschaft gedämpfte Töne – ihm war die überzeugende Wiedergabe der Abendstimmung wichtig. Durch den Verlust der roten Blätter eines Baumes zeigt sich die Vergänglichkeit der Natur.

Untergang und Verfall im Menschen und Pflanzenreich waren Themen, die Egon Schiele sein Leben lang faszinierten. Diesbezüglich erklärte der Künstler einmal:
„Innigst und mit dem Wesen und Herz empfindet man einen herbstlichen Baum im Sommer, diese Wehmut möchte ich malen.“

Bezeichnend ist auch die fast im Mittelpunkt stehende, untergehende rote Sonne. Die Sonne als Sinnbild alles Lebens, der Hoffnung, des Lichts im Dunkel.Hier dargestellt als zentraler kleiner roter Punkt.
Gegensätzlich wie Leben und Tod. Hoffnung, denn auf dem Abend folgt der Morgen, das Licht durchbricht die Dunkelheit und Licht schenkt Leben. Aber der Tod kann auch eine Erlösung sein.

Trotz aller Melancholie und Düsterkeit wirkt die auf dem Bild festgehaltene Stimmung hoch romantisch und aufregend.  Mit dem intensiven, rötlichen Licht der untergehenden Sonne und den parallel geschichteten Bildzonen benutzte Schiele gezielt Stilmittel, die gerne schon von früheren Malern romantischer Bilder eingesetzt wurden, sodass das Bild beim Betrachter sehr tiefe, auf die Existenz bezogene Emotionen hervorruft.

Zum Schluss ein lyrisches Werk aus dem Jahre 1910 von Egon Schiele, das für seine Persönlichkeit recht gut beschreibt:

Ein Selbstbild
Ich bin für mich und die, denen
Die durstige Trunksucht nach
Freisein bei mir alles schenkt,
und auch für alle, weil alle
ich auch Liebe, – Liebe.

Ich bin von vornehmsten
Der Vornehmste
Und von Rückgebern
Der Rückgebigste

Ich bin Mensch, ich liebe
Den Tod und Liebe
Das Leben.

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