Die Launen der Natur – Über den Vogel Strauß – Schlangen – Löwen und das Feuer

Steckt der Vogel Strauß wirklich den Kopf in den Sand?

Entgegen anders lautenden Behauptungen in viel gelesenen Büchern wage ich zu sagen: Er tut es! Doch nicht aus Angst, wie es immer heißt, sondern wegen der Parasiten. Gewöhnlich nimmt der Vogel danach ein Sandvollbad, es muss aber nicht sein.
Hat der Strauß den Kopf in den heißen Sand gesteckt seine großen Augen geschlossen, verharrt er so eine gewisse Zeit, damit die Parasiten, von denen es in seinem Gefieder eine Menge gibt, in dem heißen Sand umkommen oder den Kopf‘ eiligst verlassen. Dann kann er die Erhitzung schließlich selbst nicht mehr aushalten, er zieht den Kopf aus dem Sand und schüttelt sich. Anschließend gräbt er sich gewöhnlich mit Kopf, Hals und Brust im Sand ein und wirbelt ihn mit den Flügeln auf. Das Sandbad dient, wie man vermutet, ebenfalls der Reinigung. in diesem Fall der Abwehr von Parasiten im Gefieder.

Fürchten wilde Tiere das Feuer?

Nein, sie fürchten es nicht! So behauptet es jedenfalls Professor Bernhard Grzimek. Er habe niemals bemerkt, so schreibt er einmal, dass Tiere eine angeborene Angst vor Feuer hätten, wie dies oft in Büchern behauptet werde. Löwen zum Beispiel gingen ruhig ganz nahe an ein Feuer heran und legten sich sogar in die noch warme Asche. Einmal hätten er und seine Leute ein großes Lagerfeuer entfacht und es sich darum herum in Liegestühlen bequem gemacht, um sich ein wenig aufzuwärmen. Da sei nur sechs Meter von ihnen entfernt eine Löwenfamilie vorübergezogen, habe aber weder den Menschen noch dem Lagerfeuer irgendwelche Beachtung geschenkt. Antilopen äsen unmittelbar am Rand eines Flächenbrandes in der Steppe; Vögel versammeln sich hier zu Scharen und machen Jagd auf Insekten, die vor dem Feuer fliehen.

Wieviel Großwild schlägt ein Löwe in einem Jahr?

Durchschnitt fünfzehn Tiere mit einem Gesamtgewicht von etwas über anderthalb Tonnen. Daraus ergibt sich, dass ein Löwe am ungefähr 4,5 Kilogramm Fleisch frisst.

Warum ist es gefährlich, in Gewässern Afrikas zu baden ?

Es gibt in Afrika Flüsse, da geht man besser nicht hinein, nicht einmal bis zu den Knien. Nicht Krokodile stellen hier die Gefahr dar und natürlich auch nicht die harmlosen Flusspferde, sondern kleine parasitäre Würmer—Bilharzien oder Pärchenegel (aus der Gattung der Saugwürmer). Vollständig ausgewachsen sind sie 1 bis 2,5 Zentimeter lang. Bilharzien durchdringen die Haut des Badenden und bahnen sich ihren Weg durch die Blutgefäße bis zu den Lungen, »rufen einen trockenen Husten« hervor. Danach dringen sie auch in Leber und Harnblase ein. Sie leben in den Venen, hauptsächlich der Leber und der Eingeweide. Sie können bis zu zwanzig Jahre alt werden und bereiten dem von ihnen befallenen Menschen quälende Schmerzen. Freilich gibt es schon Mittel, mit deren Hilfe man die Bilharzien aus dem menschlichen Organismus vertreiben kann, doch sich vor ihnen schützen kann man nur auf eine Art und Weise, nämlich die, nicht in verseuchtem Wasser zu baden.

Viele Gewässer Afrikas, besonders der Mobutu-Sese-Seko-See (Incl. der Nil, sind mit Bilharzien verseucht. Mit Exkrementen gelangen die Bilharzieneier ins Wasser. Die aus den Eiern geschlüpften Larven siedeln sich in Schnecken an. Dort verwandeln sich die Larven in Würmer, die frei im Wasser schwimmen und auf einen Wirt warten, den sie befallen können.

Welche Giftschlange ist die allerschnellste?

Fine gefährliche Schlange Afrikas ist die Mamba. Weder die Kobras noch die Vipern sind hier so gefürchtet wie diese schlanke Baumschlange. Es hat Fälle gegeben, da starben Menschen zwanzig bis (Ireißig Minuten nach dem Biss einer Mamba. Gewöhnliche Giftschlangen bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von annähernd einem Kilometer in der Stunde. Die Mamba aber entwickelt eine Schlangen einfach schwindelerregende Schnelligkeit. Auf dem  Erdboden hat man bei ihr eine Geschwindigkeit von 11,3 Kilometern in der Stunde mit der Stoppuhr gemessen. Im Geäst ist die Mamba womöglich noch schneller. Sie beißt oft ohne Vorwarnung oder mit kaum erkennbarer Drohung: Sie hebt nur wenig den Kopf, reißt den Rachen weit auf und zischt leise. Im Laubwerk ist sie ausgezeichnet getarnt (von vier oder fünf Mambaarten sind drei grün gefärbt), die recht langen Giftzähne und die nicht seltene Wahrscheinlichkeit, einer Mamba nicht nur mitten im Wald, sondern auch auf Feldern, in Siedlungen und selbst in Häusern zu begegnen, erklären hinreichend die verständliche Angst der Leute vor der Mamba überall in Afrika, wo sie vorkommt (von der Sahara bis zum Süden des Kontinents).snake-653639_1280_FotoRabe

Woher kommt das Schlangengift?

Bei Amphibien sondert die Haut das Gift ab, bei Schlangen erzeugen es Drüsen des Verdauungssystems, und zwar Speicheldrüsen! Schlangen zerbeißen und zerreißen die Beute nicht in Stücke, sondern schlucken sie im ganzen. Um den nicht zerteilten Nahrungsklumpen zu verdauen, bedürfen sie schnell wirkender, Gewebe zerstörender körpereigener Stoffe. Je eher die Verdauung beginnt, desto früher ist sie beendet. Deshalb wirken starke Fermente nicht erst im Magen, sondern schon im Maul der Schlange auf die Nahrung ein. Natürliche Auslese über Jahrmillionen hat die Effektivität der Fermente so erhöht, dass diese auch für lebendes Gewebe gefährlich wurden. Es entstand also ein Gift, anfangs schwach, dann immer toxischer!
Das Gift hat auch heute seine ursprüngliche verdauende Wirkung nicht eingebüßt. Die Jararacussa zum Beispiel verdaut eine von ihr gebissene Ratte in vier bis fünf Tagen, für eine nicht mit Gift bearbeitete (nicht gebissene) braucht sie die doppelte Zeit. Schnürt man bei einem Versuchstier die Kanäle der Giftdrüsen ab, lebt die Schlange nicht mehr lange. Weil das Gift nicht an der Verdauung beteiligt ist, verläuft diese träge und anomal, und die Schlange leidet an Stoffwechselstörung. Je toxischer ihr Gift ist, desto schneller und erfolgreicher verläuft die Verdauung und um so stabiler ist die Gesundheit des Reptils. Vermutlich ist die Funktion des Giftes als Schutz und Waffe der Schlange nur sekundärer Art. Primäre Bedeutung hat die Beschleunigung der Verdauung durch das Gift.

Wie wirkt Schlangengift?

Nach seiner physiologischen Wirkung unterscheidet man zwei Typen von Schlangengift: neurotoxisches Gift, das die Nervenzentren lähmt, und hämolytisches Gift, das die Erythrozyten und das in ihnen enthaltene Hämoglobin zerstört. Ersteres haben die Kobras, die Kraits (Bungarus) und andere Giftnattern wie auch Wasserschlangen. Besonders starke Schmerzen verursacht deren Gift nicht, und die Bissstelle schmerzt fast gar nicht, doch der Mensch klagt über Schwindelgefühl, Ohnmachtsanfälle und Atemnot. Das zweite Gift findet sich bei Vipern, Dreiecksköpfen, Klapperschlangen, der Jararaca und anderen Grubenottern. Starke Schmerzen, Blutungen, Gewebenekrosen, Schwellungen sind typisch für eine Vergiftung durch Biss dieser Schlangen. Das Gift von Vipern und Grubenottern enthält auch neurotoxische Stoffe, allerdings relativ wenige. Schließlich sind bei einigen Schlangen im Gift beide Stoffe enthalten, die fast gleich stark wirken, zum Beispiel beim Taipan, bei der Massasauga oder Kettenklapperschlange, der Gabunviper, beim Cascabel und anderen.rattlesnake-653642_1280_FotoRabe

Welche Schlange ist die gefährlichste?

Diese Frage eindeutig zu beantworten ist schwer. Der Grund hierfür ist der: Die giftigsten Schlangen der Welt sind die australische Tigerschlange, der Taipan, die Todesotter, die asiatische Königskobra, die afrikanischen Mambas, die amerikanische Klapperschlange, der Cascabel und einige Seeschlangen. Laboruntersuchungen und die traurigen Erfahrungen des tropischen Alltags liefern den überzeugenden Beweis: Fünfzig bis achtzig Prozent der von diesen Schlangen gebissenen Menschen sterben (wenn ihnen keine sofortige  medizinische Hilfe zuteil wird). Nach dem Biss einer gewöhnlichen Otter sterben nur fünf bis acht Prozent der Betroffenen. Schlangen mit einem sehr toxischen Gift sind aber nicht immer die gefährlichsten. Hier ist neben der Stärke auch noch die Dosis des Giftes zu berücksichtigen, das die Schlange in die Wunde injiziert; außerdem spielt eine Rolle, wie tief die Giftzähne  eingedrungen sind, ob sie zum Beispiel erst Kleidung oder Schuhe durchbohrt haben , ferner ob die Schlange aggressiv ist oder eiligst davon kriecht, ob sie sofort zubeißt oder erst durch Drohgebärde und lautes Zischen warnt, wie etwas die Kobra.

Spucken Schlangen?

Ja, sie spucken, und zwar meisterhaft! Allerdings nicht alle,sondern nur zwei Arten der afrikanischen Kobra, die Ringhalskobra und die Schwarzwaldkobra, sowie eine asiatische Art, die Indische Speikobra. Der Speichel dieser Schlangen ist giftig : Er enthält vier Milligramm Gift. Er schnellt aus den Kanälen der Giftzähne hervor und fliegt zwei bis drei Meter weit! Die Schlange kann bis zu dreißigmal hintereinander speien! Die Kobra zielt gewöhnlich auf die Augen des sich nahenden Menschen oder Tieres, und sie trifft genau. Freilich schleudert sie manchmal das Gift irrtümlich auf glitzernde Knöpfe, Schnallen oder Armbanduhren. Ein Treffer ins Auge ist gefährlich: Es treten starke Schmerzen, Entzündungen, vorübergehende oder irreparable Erblindung auf. Selbst wenn die Kobra das Auge verfehlt und einfach das Gesicht trifft, ist der Betroffene nicht besser dran; bei Bewohnern der Tropen hat die Gesichtshaut oft Schrunden, in die der Speichel schnell eindringt. So kann es zu einer schweren Vergiftung kommen.

Welches kleine Tier schlägt selbst Löwen und Elefanten in die Flucht?

Es ist die Treiber- oder Wanderameise! Diese Ameisen haben keinen festen Lebensraum, die meiste Zeit ihres Lebens wandern sie umher, gewöhnlich unter dem Schutz der Nacht oder der Dämmerung. Bei manchen Arten ist die Front ihrer Marschkolonnen Hunderte von Metern, bisweilen sogar einen Kilometer breit. Diesen Ameisen zu entkommen ist nicht leicht. Sie verschlingen auf ihrem Wege buchstäblich alles, was da kreucht und fleucht. Die »Soldaten« der Wanderameisen haben messerscharfe Kiefer, mit denen sie aus den Leibern ihrer Opfer Fleischstückchen herausschneiden. Selbst ein großes Tier, das in ihre Umzingelung gerät, ist in wenigen Minuten bis auf die Knochen abgenagt. »Wenn man bestimmten Meldungen glauben kann«, schreibt der amerikanische Wissenschaftler Osmond Breland, »so ist sogar einmal ein Elefant, dem die Flucht nicht rechtzeitig gelang, wie eine Maus oder Raupe umgekommen.«  Einmal haben Wanderameisen sogar einen eingesperrten Leoparden »aufgefressen« ebenso wie einen Python, der nach reichlichem Mahl nicht schnell genug war. Einen Verbrecher, den die davongelaufene Wache in einem Gefängnis zurückgelassen hatte, bissen die Ameisen zu Tode.  Im übrigen wird in vielen Geschichten die Gefahr, der sich Menschen bei Begegnungen mit Wanderameisenarmeen aussetzen,gewöhnlich übertrieben.
Bei einem Angriff von Wanderameisen auf Dörfer verlassen deren Bewohner in aller Seelenruhe ihre Häuser und begeben sich, die Angriffsfront der Ameisen umgehend, auf die Felder.
Sämtliches Hausvieh, überhaupt alle Haustiere nehmen sie natürlich mit, wobei es allerdings nicht ohne Verluste abgeht. Dafür vernichten die Ameisen in den Häusern alle Parasiten, Skorpione, Ratten, und das ist schon viel wert.ant-807265_1280_fill

Können Fische Ball spielen?

Bisher ist nur ein Fisch bekannt, der das kann: der Nilhecht Gnathonemus petersi, der heute zu einem gefragten Bewohner von Aquarien geworden ist. Wirft man einen kleinen Schaumstoffball ins Aquarium, schwimmt der Fisch sofort zu ihm hin und spielt scheinbar mit Vergnügen mit dem Ball, wobei er ihn mit dem Kopf hochstößt, dann wegschwimmt und sich von neuem auf sein Spielzeug stürzt.

Wer trinkt Wasser mit dem Schwanz?

Bei Babuin-Pavianen hat man folgendes beobachtet: Wenn sie weder mit den Händen noch mit dem Mund ans Wasser gelangen, »schöpfen« sie es mit dem Schwanz. Sie krallen sich mit den Vorderpfoten an einem Vorsprung der Uferböschung, an einer Wurzel oder einem Ast fest und bemühen sich nach Kräften, mit dem Schwanzende das Wasser zu erreichen. Hat der Pavian das geschafft, klettert er flink ans Ufer und lutscht das Schwanzende schnellstens ab, ehe es in der afrikanischen Hitze wieder getrocknet ist. Danach holt er sich auf die gleiche Weise eine neue Portion Wasser, bis er sich satt getrunken hat. Babuine kommen allerdings mit wenig Wasser aus, mit drei bis vier Gläsern am Tag. Deshalb schaffen sie es durchaus, in der beschriebenen Art ihren Durst zu stillen. Müssen sie aber nicht auf Abhängen herumklettern, um ans Wasser zu gelangen, trinken sie wie alle anderen Tiere mit dem Maul.

Welcher Papagei ist der gesprächigste?

Der anerkannt größte Sprechkünstler ist der Jako. Sein Gefieder hat hellgraue Färbung, sein Schwanz leuchtet knallrot. Man erkennt ihn sofort, Verwechslungen mit ähnlichen Papageien gibt es nicht.  Über hundert Wörter und Wendungen kann sich ein Jako merken. Vieles »spricht« er, so könnte man meinen, mit Sinn, wie etwa »Guten Morgen«, »Auf Wiedersehen« oder »Hallo«, wenn das Telefon klingelt. Viele Wörter merkt sich der Jako zehn Jahre lang und länger, auch wenn er sie niemals selbst ausspricht, als habe er sie vergessen. Jahre später aber erinnert er sich ihrer plötzlich wieder. Der Jako ist in den Wäldern Afrikas zu Hause— von Guinea und Angola im Westen bis zu den großen Seen.

Welches Tier jagt mit einem Wurfnetz?

In Afrika lebt die Spinnenart Menneus. Vor Sonnenuntergang knüpft die Menneus aus elastischen Fäden ein dichtes Netz von der Größe einer Briefmarke. Sie verbirgt sich in Zweigen und wartet auf Falter und andere dämmerungsaktive Insekten. Sobald sich ein geflügeltes »Wild« nähert, dehnt die Spinne augenblicklich zwischen ihren weit gespreizten Beinen das Netz aus und wirft es treffsicher auf das fliegende Insekt. Das gespannte Netz ist fünf- bis sechsmal größer als das nicht gespannte.spider-585063_1280_Gellinger

Wer hat das festeste Spinngewebe der Welt?

In Afrika leben die großen, leuchtend gefärbten Seidenspinnen. Die Fäden ihrer Netze sind so fest, dass sich bisweilen sogar kleine Vögel in ihnen verheddern können. Auf Madagaskar gehen die Frauen in den Wald wie zum Pilzesuchen und sammeln diese Seidenspinnen in Bastkörbchen ein. Zu Hause ziehen sie mit geschickter Hand aus den Spinnen Fäden heraus und weben sich dann aus dem goldgelben Gespinst Bänder, die so hübsch aussehen, dass Europäer von deren Anblick ganz hingerissen sind. Die Seidenspinnen sind Verwandte unserer Kreuzspinnen. Sie weben Fangnetze, die den allseits bekannten Radnetzen ähneln. Nur sind die Räder größer, und gewöhnlich fehlt die obere Radhälfte, dafür findet man an dieser Stelle eine weitmaschige Gespinstkuppel, einen Schutz vor Feinden, von denen das dicke, »appetitlich« aussehende Seidenspinnenweibchen viele hat. Seidenspinnen fangen in ihren Netzen Insekten und fressen sie. Einige Forscher behaupten, dass sie auch mit Vögeln, die sich in ihrem Gespinst verfangen haben, ihren Speisezettel ergänzen. Unklar ist nur, wie sie die Vögel töten, ist doch das Gift der Seidenspinne nicht stark. Die Männchen der Seidenspinnen sind winzig, ihr Gewicht beträgt nur ein Tausendstel von dem des Weibchens! Die Männchen gehen nicht auf Jagd, sie fressen als Schmarotzer ihr Gnadenbrot im Gespinst des Weibchens, nähren sich also sozusagen von den »Brosamen«, die von dessen Tische fallen.

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