Der Lebenslauf – ein Brainstorming

So sieht das Leben in der Regel aus - immer schön gradlinig. Illustration: !so?
So sieht das Leben in der Regel aus – immer schön gradlinig. Illustration: !so?

Lebenslauf – man nennt ihn auch Vita oder ganz vornehm Curriculum Vitae, im Englischen gerne mit „CV“ abgekürzt. Ist ja auch logisch, denn das Leben ist eigentlich auch viel zu kurz, um sich an zu langen (Fach-)Begriffen aus Sprachen aufzuhalten, die man nur noch verstehen, aber nirgendwo mehr sprechen kann. Gut, die Bischofseliten der katholischen Kirche mal ausgenommen.

Lebenslauf – ohne ihn ist man im Großen und Ganzen aufgeschmissen. Im Beruf braucht man ihn regelmäßig für die Bewerbung, damit ein Personalverantwortlicher sich aus ein bis zwei Seiten „schwarz auf weiß“ ein Bild davon machen kann, wer ihm später im Vorstellungsgespräch gegenüber sitzt. Oder auch eben nicht, je nachdem, was drin steht und ob es zur Corporate Identity passt.

Lebenslauf – das ist erst einmal schlicht ein Dokument, oftmals auf einer PC-Tastatur getippt, in Schwarz-Weiß ausgedruckt und eventuell mit einem Zähnezeig-Grinse-Foto verziert. Oder mit einem bemüht seriösen Gesicht. Allerdings zieht der Lebenslauf gerade in der Bewerbung einen ganzen Rattenschwanz an anderen Dokumenten hinter sich her. Zeugnisse, Zertifikate, gestempelt natürlich, Bescheinigungen und … na, noch mehr Bescheinigungen eben. Der Beginn einer Beweiskette also, dass man sein Leben bisher nicht leichtsinnig und ineffizient vergeudet oder auch „verlebt“ hat.

Lebenslinie - Illustration: !so?
Lebenslinie – Illustration: !so?

Lebenslauf – wenn es nach manchem Wirtschaftsvertreter (aber nicht nach allen) geht, soll er sich wie ein roter Faden durch Privatleben und Karriere ziehen. Möglichst gerade und zu einem Ziel hinführend und ohne zu viele Knoten und Schlaufen. Schule, Studium, Berufserfahrung, alles mit Druckertinte auf Papier besiegelt.

Lebenslauf – er ist wirklich wie ein roter Faden. Oder wie mehrere rote Fäden, denn manchmal unterbricht er im Labyrinth der großen, weiten Welt, um sich woanders wieder neu um die Ecken des Labyrinths zu schlängeln. Manchmal schneiden wir einen der roten Fäden ab und setzen einen neuen an. Wie auch immer, das Leben, die Zeit unseres Lebens, läuft weiter. Sie vergeht einfach, während wir nach dem nächsten Faden suchen. Manchmal kommen uns Umwege unter, Ecken, an denen sich der Faden verknotet, festhängt und aus denen wir ihn wieder herausmanövrieren müssen. Doch so oder so geht das Leben weiter – wenn es sein muss, auch ohne uns.

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