Der Baum – Weiden in ihren vielfältigen Varianten

pasture-653623_1280_FotoRabeDie einheimischen Weidenarten zu kennen und auseinander zu halten, ist gar nicht einfach. Da gibt es, um nur einige zu nennen: Bruchweiden, Silberweiden, Mandelweiden, Lorbeerweiden, Purpurweiden, Grauweiden, Reifweiden, Korbweiden, Salweiden, Aschweiden, Ohrweiden, Schwarzweiden und Kriechweiden.
Aber alle zusammen unterscheiden sich von unseren anderen Laubbäumendurch den oft nur strauchartigen Wuchs, die häufig besenförmige Krone, die dünnen, rutenförmigen Zweige und die kurzgestielten, ungeteilten, meist schmalen und lanzettförmigen, unterseits grau-grünen Blätter.

Eine Weidenart kennt wohl jeder — die Sal- oder Palmweide. Zumindest kennt man ihre zuerst silberweißen und dann goldenen Blütenkätzchen, die schon Anfang März aus den braunen Knospenkapuzen lugen und den nahenden Lenz verkünden. Der Lockung können die frühlingssüchtigen Menschen einfach nicht widerstehen, sie müssen sich ein Sträußchen dieser Blütenzweige mit nach Hause nehmen. Es sollte jeder wissen, dass er damit ein Unrecht begeht, denn die Palmkätzchen stehen unter Naturschutz, weil sie die erste ergiebige Nektar- und Pollenweide der Honigbienen sind. Daran sollten wir denken, wenn uns im Frühjahr der Spaziergang an einem blühenden Weidenbusch vorüberführt.

Paul Baum (1859 - 1932 - Weiden am Wasser (1899)
Paul Baum (1859 – 1932 – Weiden am Wasser (1899)

Die arme Salweide wird trotz aller Ermahnungen und Hinweise jedes Jahr weidlich geplündert, und den Bienen, wie den anderen Frühaufstehern unter den Insekten, den Hummeln und Wespen, Schmetterlingen und Fliegen, bleibt nicht viel, um ihren Hunger und Durst stillen zu können. Vor allem bringen wir uns selbst mit diesem Zweigraub um ein wunderschönes Erlebnis, nämlich um den Anblick einer voll erblühten, im Sonnenlicht wie mit Gold überstäubten Weide, in der es von Insekten derartig wimmelt und kribbelt, summt und schwirrt, dass der ganze Strauch oder Baum wie eine Frühlingsorgel ertönt.
Zudem verderben wir es gründlich mit den Flechtern und Korbmachern, für die die Weidenruten bares Geld sind. Kein anderer Baumzweig ist so biegsam und läßt sich so vielseitig verwenden wie der Weidenzweig. Deshalb werden schon seit langem große Weidenkulturen angepflanzt — vor allem von Korbweiden, Purpurweiden, Silberweiden und Bruchweiden — denn der Bedarf an diesem Material steigt unaufhörlich. Weidenzweige spielen eine beachtliche wirtschaftliche Rolle, während das weiche und schwammige Weidenholz nur wenig gefragt ist.

pussy-willow-502575_640_condesignDie Weiden sind fortschrittliche Bäume, die von der „altmodischen“ Windbestäubung zur „modernen“ Insektenbestäubung übergegangen sind. Gleich den Pappeln sind sie zweihäusig, d. h. es gibt männliche und weibliche Bäume. Die männlichen Bäume tragen ovale, höchstens 3 cm lange und 2 cm dicke Kätzchen, aus denen dichtgedrängt die leuchtend gelben Staubgefäße ragen, die weiblichen Bäume dagegen bis zu 6 cm lange und nur 16 mm dicke Kätzchen mit locker und licht beieinander sitzenden Narben. Verhältnismäßig stattliche Bäume bilden hin und wieder die Sal-, Bruch- und Silberweiden. Sie wachsen sehr rasch, können eine Höhe von 10 bis 24 Metern und eine Stärke von einem Meter erreichen. Älter als 60 Jahre werden sie nur selten, dm Höchstfalle 150 Jahre. Dann sind sie aber schon lange kernfaul, morsch, tief geborsten, fast hohl, und man wundert sich, dass sie immer noch grünen und blühen.

Mittlere bis große Sträucher treiben die Mandelweide, Lorbeerweide , Purpurweide, Grauweide, Korbweide , und Aschweide . An der kleineren Buschform erkennt man die Ohr- und die Schwarzweide.  Zur Erde geduckt ist die Kriech- oder Moorweide. Einen besonders schönen Anblick bietet die rot blühende Purpurweide mit den jungen, roten Zweigen, die außerordentlich lang, dünn und zäh sind. Wir können die Sträucher, die vorwiegend in den Alpen zu Hause sind und dort die Bäche und Flüsse säumen, oft auch als Ziergehölz in den Parkanlagen und Gärten finden.

Alle Weidenarten siedeln gern in nächster Nachbarschaft der Erlen und Pappeln, also in sehr feuchtem, oft sumpfigem und moorigem Grund. Es gibt wohl nur selten einen Bach oder Fluss, Teich oder See, dessen Ufer ganz ohne Weiden sind. Oft bilden sie schier undurchdringliche Buschwälder und festigen mit ihren sehr weit streichenden Wurzeln die Ufer und Dämme.
Da die Weiden alle recht zäh und frosthart sind, steigen sie auch hoch in die Berge und wagen sich bis nach Spitzbergen und  Grönland hinauf. Dort treiben sie dann freilich nur noch winzige Zwergsträucher.
Die Weiden sind fast ausschließlich auf die nördliche Halbkugel beschränkt. Nur die Trauerweide mit den tief herabhängenden Zweigen, die wir von den Parkteichen her kennen, ist ein Gast aus China und Japan, der durch Vermittlung der Länder des Nahen Ostens zu uns gekommen ist.

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