Der Baum – Pappeln

Claude Monet - Pappeln im Sonnenlicht - 1887 - Staatsgalerie Stuttgart
Claude Monet – Pappeln im Sonnenlicht – 1887 – Staatsgalerie Stuttgarttrennlinie2

Wie die Schwarzerlen den Bach, so begleiten die Pappeln die Flüsse. Denn auch sie lieben die Feuchtigkeit, brauchen einen nährstoffreichen, tiefgründigen Humusboden, wachsen ebenfalls sehr schnell und erreichen bedeutende Höhen schon in jungen Jahren.

Von unseren einheimischen Pappeln wissen seltsamerweise die meisten Menschen so gut wie gar nichts. Viel bekannter ist ihnen die schmale und gleichsam engbrüstige, die aus dem Orient stammende Pyramidenpappel, die vor allem Napoleon I. gern an markante Landschaftspunkte und längs der großen Überlandstraßen setzte, um seinen Soldaten gute Landmarken zu verschaffen. In den staubigen Ebenen und auf den Höhenzügen kämpft sie schwer um ihr Leben, bekommt bald eine dürre Spitze, verkümmert an der Windseite, treibt tief angesetzte Manschetten und schwenkt zuletzt nur noch eine traurige Wipfelfahne. In den Flussauen dagegen gedeiht sie großartig, kann einen Meter dick, über 30 Meter hoch und etliche hundert Jahre alt werden.

Pyramidenpappel - Foto: Piet Marsfeld
Pyramidenpappel – Foto: Piet Marsfeld

Sie blüht bereits im März bis April, noch vor dem Laubaustrieb.  Ihre Blätter ähneln sehr denen unserer heimischen Schwarzpappel. Im Gegensatz zu der südlichen Pyramidenpappel baut die S c h w a r z p a p p e l — wie auch alle anderen einheimischen Pappeln — eine sehr lockere und breite Krone aus kräftigen Ästen auf und stützt ihren starken Stamm mit hohen Tafel- und Plankenwurzeln. In der Erde streichen ihre Wurzeln dagegen ziemlich flach, sie vermögen dem großen Baum kaum genügend Halt zu verleihen.

In ihrer Jugend erkennen wir die Schwarzpappel leicht an der grauweißen Rinde, im Alter an der tiefgefurchten, längsrissigen und schwarz-bräunlichen Borke, die an die Eichenborke erinnert. Mit 40 bis 50 Jahren hat sie eine Höhe von 20 bis 30 Metern erreicht, verdickt dann ihren Stamm bis auf einen Durchmesser von 2 Metern und kann gut 300 bis 400 Jahre alt werden.

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Im April, noch bevor sie sich belaubt, beginnt sie zu blühen. Dann tragen die männlichen Bäume — alle unsere Pappeln sind getrenntgeschlechtlich — dickwalzige Kätzchen mit leuchtendroten Staubbeuteln, die weiblichen Bäume beträchtlich schlankere und grüngelbliche Kätzchen. Der Same reift im Juni und fliegt mit Hilfe seidigweißer Haarschöpfchen wie Schneeflocken davon.
Die lang gestielten Blätter sind fast dreieckig, oberseits dunkelgrün, unterseits mattgrün. Fast die gleiche Höhe und Stärke, Rinde und Borke, Blüte- und Fruchtzeit wie die Schwarzpappel hat ihre Schwester, die S i l b e r p a p p e l , die sich ihr oft zugesellt, sich aber auch im Moor- und im Sandboden recht wohl fühlt. Wir können sie schnell und einwandfrei an ihren handförmig gelappten, efeuähnlichen, oberseits dunkelgrünen, unterseits weißfilzigen Blättern von der Schwarzpappel unterscheiden.
Noch anspruchsloser ist die Dritte der Familie, die  Z i t t e r p a p p e l oder E s p e , die sich überall anzupassen vermag, als echte Pappel jedoch am liebsten im frischen und feuchten Boden steht. Zierlicher als ihre Schwestern, wird sie nicht älter als 150 Jahre, schließt ihr Wachstum bereits mit dem 60. Lebensjahr ab und ist dann bald kernfaul. Schon von weitem verrät sie sich durch das immerwährende Zittern und Flattern ihrer fast kreisrunden, oberseits dunkelgrünen, unterseits hellgrünen, ungewöhnlich lang und flach bestielten Blätter. Der geringste Windhauch lässt den ganzen Wipfel erbeben und sich beleben, ja, oft zittern ihre Blätter, ohne dass ein Lüftchen weht. Man nimmt an, dass sich dieser Baum in seinen beweglichen Blättern eine Art von Ventilator geschaffen hat, der sofort in Tätigkeit tritt, wenn es ihm zu schwül ist, das heißt, wenn er seine Verdunstung steigern will.

Zitterpappel - Foto: Piet MarsfeldNoch ein anderes Lebenswunder offenbart die Zitterpappel: sie hält sich eine Ameisenschutztruppe! Im Frühjahr nämlich entwickelt sie die ersten Blätter an den Zweigen durchaus nicht langgestielt und flattrig, sondern recht festsitzend und versieht sie mit zahlreichen Honigdrüsen. Dieser Honig lockt die immer auf Süßigkeiten versessenen Ameisen auf die Zweige, verführt sie zum fleißigen Zechen und lässt sie wütend die Raupen und Käfer vertreiben, die ebenso versessen auf junge Pappelblätter sind. So kann es der Zitterpappel nie geschehen, daß sie schon den ersten Laubaustrieb verliert, selbst wenn das Jahr sehr insektenreich ist und ihre Nachbarn gefährlich zerfressen werden.

Da wir in den Kriegs- und Nachkriegsjahren schwere Verluste an unserem Holzbestand erlitten haben, wird der Anbau dieser schnellwüchsigen Pappeln heute sehr gefördert. Ihr Holz ist zwar leicht und weich, wird jedoch von der Papier- wie von der Möbelindustrie gern verwendet und lässt sich sehr gut schnitzen.

Schwarzpappel

Kategorien Flora Piet Marsfeld Umwelt-Natur-Technik
Piet Marsfeld

Piet Marsfeld studierte Umweltwissenschaften in Lüneburg und engagiert sich seit Jahren im Umweltschutz. Derzeit nimmt er an einem Großprojekt zum Thema Getreideanbau teil. Thema: Weg vom Weizen. Reaktivierung alter Getreidesorten und die Möglichkeiten diese in unserer Ernährung stärker zu integrieren. Dazu hält er sich überwiegend in Griechenland, Ungarn und Schweden auf. Seine Motivation für unser Magazin zu schreiben: Piet ärgert es, dass wir immer mehr den Kontakt zur Natur verlieren. Viele Kinder glauben, dass unser Fleisch schon immer in der Platikverpackung war und können sich nicht vorstellen, dass diese Teil eines Tieres waren. Es ist ihm ein Anliegen uns die Wunder der Natur wieder näher zu bringen und den ein oder anderen zu animieren sich um Umweltschutz zu engagieren, damit wir nicht eines Tages nur noch in Riesenstädten leben und uns von Nahrungspillen ernähren.

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