Der Baum – Eichen

Bei unseren Vorfahren, den Germanen, war die Eiche ein heiliger Baum, dem gewaltigen Donar, dem Gott des Donners und des Blitzes, geweiht. Unter alten Eichen wurde öffentlich Recht gesprochen. In heiligen Eichenhainen walteten die weisen Frauen und Priesterinnen ihres Amtes, und kein Unberufener durfte diese Stätten betreten. Wer sich an den Eichen verging, erlitt einem langen und qualvollen Tod. 

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Heute sind die Eichenhaine in Deutschland zu zählen. Sie starben mit den Auwäldern, die bei der Begradigung der Flüsse und Ströme der Axt zum Opfer fielen. Denn die Eiche, vor allem die Stieleiche, die auch Sommereiche genannt wird, hat es gern feucht und liebt reichen, guten Wurzelgrund. Sie schätzt weder das Hügelland noch die windgekämmten Höhen, sondern die Flußwiesen und die ebenen Tiefländer. Hier bohrt sie ihre starke Pfahlwurzel bis zu 2 Meter tief in die Erde und entwickelt erst ziemlich spät die teils schief abwärts gerichteten, teils ziemlich flachstreichenden Seitenwurzeln, die gleichsam eine unterirdische Krone bilden und mindestens die Weite des Wipfels haben.

StieleicheTrotz des guten Nährbodens wächst die Stieleiche nur langsam.  Erst zwischen dem 120. bis 200. Lebensjahr erreicht sie ihre ganze Größe von zwanzig bis fünfunddreißig Metern.  In der Jugend ist ihre Rinde grünlichgrau und glänzend, im Alter tiefrissig, dick, graubraun bis schwärzlich. Die starken, gekrümmten, knorrigen Äste laden weit aus und bauen eine tief angesetzte, stockwerkartige, gelockerte Krone auf. Im Durchschnitt wird die Stieleiche 500 bis 600 Jahre alt, in Ausnahmefällen sogar tausend Jahre und weit darüber. Ihr Stammdurchmesser beträgt im Normalfall zwei bis drei Meter.

Spät erst beginnt die Eiche zu blühen und zu fruchten. Im geschlossenen Waldverband wird sie erst zwischen dem 70. bis 80. Lebensjahr „mannbar“, im Freistand oft schon zwanzig Jahre eher. Alle drei bis sieben Jahre trägt sie jetzt reiche Eichelmast.  Die männlichen Blutenkätzchen, die sich Ende April oder Anfang Mai öffnen, bilden eigenartige, hängende, hellgrüne Klunkertroddeln, die weiblichen Blüten sind sehr kleine, bräunliche, kugelige Knospengebilde, aus denen ein Büschelchen rötlicher Narben lugt. Die Eicheln sitzen meist einzeln, höchstens zu zweit oder dritt an einem langen Stiel (Stieleiche), wachsen Ende Juni aus ihrem Näpfchen, reifen Ende Oktober und sind durch hellbraune Farbe und grünlichgraue Längsstreifen gekennzeichnet. Die Belaubung erfolgt — gleichzeitig mit der Blüte — immer nur an den äußersten Zweigenden, wo die kurzstieligen und gebuchteten Blätter in dichten Büscheln hervorsprießen.

Traubeneiche - Baum des Jahres 2014 - Foto: Piet MarsfeldDie Traubeneiche (Baum des Jahres 2014), die man auch Steineiche oder Wintereiche nennt, blüht erst im Mai, hat langgestielte, oberseits glänzend dunkelgrüne Blätter. Sie braucht nicht so guten Nährboden wie ihre Schwester, meidet die Auen und Ebenen und steigt ziemlich hoch in die Mittelgebirge hinauf. Sie erreicht das gleiche Alter und fast die gleiche Höhe und Stärke wie die Stieleiche, hat aber eine hellere, mehr schuppige und nicht so tiefrissige Rinde. Ihr Stamm strebt fast geradlinig bis zur Wipfelspitze empor; die Astkrone ist ganz geschlossen. Die Eicheln sitzen dichtgedrängt und sehr kurzstielig in den Blattachseln und sind kürzer als die der Stieleiche.

Das harte, zähe und gerbstoffreiche Eichenholz verwendet man mit Vorliebe im Eisenbahn-, Schiffs-, Brücken- und Möbelbau. Es widersteht selbst im Wasser jahrhundertelang der Fäulnis. Aus den Eicheln, die reich an Stärke, Eiweiß und Fett sind, wird Kraftfutter für Pferde, Kühe und Schweine hergestellt. Geröstet ergeben sie den Eichelkaffee, mit Schokolade- oder Kakaopulver gemischt, den in der Hausmedizin gern benutzten Eichelkakao. Die Industrie stellt aus dem Stärkemehl der Eicheln allerlei Klebemittel her und gewinnt aus ihnen Spiritus. Für die Tiere des Waldes sind die Eicheln ein prachtvolles Mastfutter, das sie für den Winter widerstandsfähig macht. Die junge Eichenrinde liefert Gerbstoffe.

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Schon lange ist die Nachfrage nach Eichenholz viel größer als das einheimische Angebot und führte — vor allem nach dem letzten Weltkrieg — zu einem unverantwortlichen Raubbau an den letzten Eichenbeständen. Um dem Eigennutz zu steuern, wurden alle alten Eichen unter Naturschutz gestellt. Der Baum, der mehr als jeder andere in früheren Zeiten unserer Heimat das Gepräge gegeben hat, wird damit hoffentlich vor der gänzlichen Ausrottung bewahrt bleiben.

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