Der Baum – Erlen

Illustration SchwarzerleDer einzige Baum unserer Heimat, der es wie die tropische Mangrove fertigbringt, gleichsam auf Wurzelstelzen ins Wasser zu steigen, ist die Schwarzerle, überall dort, wo sich die von den Wasserpflanzen dicht durchwachsenen Teiche und Seen in Grasmoore verwandeln, stellt sie sich ein, strebt rank und schlank empor und festigt den schwankenden Grund.

So siegreich ist ihr Vordringen, dass die von ihr besiedelten Flachmoore in wenigen Jahren großen Buschwäldern gleichen und sich in dichte Erlenbrüche verwandeln. In diesen Brüchen vermögen bald auch Weiden, Moorbirken und Moorkiefern zu leben. Haben die Neulinge Fuß gefaßt, hat die Schwarzerle ihre Aufgabe bereits erfüllt, erstickt in der starken Torfschicht und kehrt wieder zu ihrer angestammten Lebensstätte, zu den Bächen und Flüssen, zurück. Hier steht sie dicht an den Ufern, denn sie liebt die Nässe und das rieselnde Wasser, braucht den tiefgründigen, mineralreichen und immerfeuchten Boden. Es gibt kaum einen Bach und kaum einen Fluss, den sie nicht begleitet, vorausgesetzt, dass der Wasserlauf nicht künstlich befestigte und begradigte Ufer hat. Und sie ist auch nicht leicht zu verdrängen, selbst wenn sie gefällt oder zurückgeschnitten wird. Ihre Stümpfe schlagen immer wieder aus, und ihre Ruten bilden dichte Büsche. Die Schwarzerle wächst sehr schnell, ist mit zwanzig Jahren schon 20 bis 25 Meter hoch, kann eine Höhe von 33 Metern und ein Alter von 100 Jahren erreichen. Der schlanke Stamm — meist nicht stärker als einen halben Meter — verläuft geradlinig bis zur höchsten Spitze des Wipfels. Die schwachen Äste strahlen in ziemlich großen Abständen aus und bilden eine längliche bis pyramidenförmige, lichte und lockere Krone. Der Stamm ist in der Jugend dunkelschokoladebraun und bekommt im Alter eine schwarz-braune Borke.

alnus-glutinosa-848856_1280_SchwarzerleZu blühen und zu fruchten beginnt die Schwarzerle bereits zwischen dem 12. bis 20. Lebensjahr. Ihre langgestielten Kätzchen legt sie schon im Sommer an, lässt sie überwintern und streckt sie im zeitigen Frühjahr, im Monat März, noch vor dem Laubausbruch. Dann spreizen sich die violettbraunen Deckschuppen, quellen die goldgelben Staubbeutel und die roten Narben hervor, und der Wind besorgt die Befruchtung.  Im April entfalten sich die wechselständigen, verkehrt eiförmigen, grob doppelgezähnten, oberseits glänzend dunkelgrünen, unterseits helleren Blätter, die in ihren Nervenwinkeln zarte, rostfarbige Bärtchen tragen. Und bald entwickeln sich die eiförmigen, zuerst graugrünen und etwas klebrigen, später dunkelbraunen und unverholzenden Fruchtzäpfchen mit den glänzendbraunen, flachen und rundlichen oder fünfeckigen Samennüsschen, die nur sehr schmale Flügelränder haben. Der Same reift im September bis Oktober, fliegt manchmal schon im Spätherbst aus, bleibt aber meist bis zum Februar oder März am Baum und keimt dann bereits nach vier bis sechs Wochen. Die entleerten, schwarzen und holzigen Fruchtzäpfchen bleiben noch bis zum Sommer an den Zweigen und machen es uns sehr leicht, die Schwarzerle einwandfrei zu bestimmen.

Ihr Holz, das sich an der Luft schnell gelbrot verfärbt und dunkle Zonen aufweist, ist nicht viel wert, ist zu weich, brennt schlecht, bleibt aber im Wasser geradezu unbegrenzt haltbar und wird deshalb gern bei Wasserbauten und als Grubenholz verwendet. Die durstige Schwarzerle hat eine „trockene“ Schwester: die kleinere und zartere W e i ß – oder G r a u e r l e . Im Gegensatz zu der Schwarzerle siedelt sich die Schwester lieber auf flachgründigen und steinigen Hängen an und fühlt sich auf allen Ödländern wohl. Dem kargen Grund entsprechend ist ihr Stamm häufig krumm; sie hat einen sogenannten Spannrücken, bleibt selbst klein und wird nur selten über 50 Jahre alt. Ihre Rinde ist zuerst graubraun, später glänzend silbergrau und verwandelt sich nicht in eine starke Borke. Die Weiß- oder Grauerle blüht oft schon im Februar, hat unterseits graugrüne und filzig behaarte Blätter und trägt kleinere Fruchtzäpfchen mit größeren Samennüsschen.

Picture by Andrea Moro - Courmayeur, pendici del Monte Bianco., AO, Valle d'Aosta, Italia,
Foto: Andrea Moro – Courmayeur, pendici del Monte Bianco., AO, Valle d’Aosta, Italia

Die dritte im Bunde ist die hoch in die Berge kletternde G r ü n e r l e, die Nachbarin der Latsche oder Legföhre, die sich vor Sturm und Wetter tief auf den Boden duckt und mit einem höchstens prügelholzstarken Stamm aufwarten kann. Sie wird meistens nur ein Strauch von 25 bis 50 Zentimeter Höhe, kann günstigstenfalls auch einmal bis drei Meter hoch werden, hat in der Jugend kleine, klebrige Blätter und blüht erst im Mai bis Juni. Sie liebt die feuchten und schattigen Nordhänge der höchsten Berge und bildet hier ein wichtiges Schutzgehölz gegen Steinschläge und Lawinen.

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