Der Baum – Buche

Der Buchenwald
Der Buchenwald – Foto: Piet Marsfeld

Ein eindrucksvoller, feierlicher, gründämmernder Dom ist der Buchenwald. Gleich mächtigen Säulen ragen die starken, silbergrauen Stämme empor. Zu einem dichten Gewölbe schließen sich die Wipfel. Nur wenig Licht und Sonne erreicht den mit vergilbtem Laub bedeckten Boden, der deshalb auch arm an Unterholz, an Zwergsträuchern und Büschen ist. Ein rechter Märchenwald ist es, den die Buchen bilden. Nicht umsonst tragen allein in Deutschland über anderthalbtausend Ortschaften den Namen dieses Baumes. Es gibt bei uns zu Lande nur wenige Gebiete ohne Buchenwälder, obwohl viele der Axt zum Opfer gefallen sind und nur wenige wieder angepflanzt werden. Und dabei ist kaum ein anderer Baum so geeignet, uns die Majestät der Waldriesen eindrucksvoll vor Augen zu führen wie die Buche.

Schauen wir einmal hinauf in den Wipfel einer hundertjährigen Buche! Lassen wir unseren Blick über den drehrunden und glattborkigen Stamm bis zu den gleich gespannten Muskelträgern ausladenden Ästen gleiten! Ermessen wir staunend den Umfang der breitschattenden Krone, die Tausende und Abertausende grüner Blattspreiten ins Licht hebt! Denken wir daran, daß der Baum diese unzähligen Blätter zu einem riesigen „Lichtfangnetz“ zusammenfügt, so daß kein Sonnenstrahl ungenützt bleibt, solange die Sonne über den Himmel rollt! Stellen wir uns vor, wie viele hundert Liter Wasser alltäglich und unaufhörlich durch diesen Pflanzenleib kreisen!

Überblicken wir mit dem Auge der Phantasie auch das weitverzweigte Wurzelgeflecht des Baumes im dunklen Erdreich — wie da von der senkrechten

Buchenwurzeln - Foto: Piet Marsfeld
Buchenwurzeln – Foto: Piet Marsfeld

Pfahlwurzel aus die hundert flachstreichenden Wurzeln in waagerechter Richtung ausstrahlen, und von jeder dieser hundert Seitenwurzeln wiederum mindestens hundert kleinere Wurzeln abzweigen, wie schließlich von jeder einzelnen dieser zehntausend Nebenwurzeln in sechzehnfacher (!) Folge nochmals hundert und wieder hundert Würzelchen ausgehen 1 Kaum vermag man sich dieses unentwirrbare Geflecht auszudenken und auszumalen. So weit der Wipfel sich breitet, durchziehen die Wurzeln das Erdreich. Und das alles ist gewachsen ganz aus eigener Kraft, im ununterbrochenen Kampf um Licht und Lebensraum, im gnadenlosen Ringen mit den Wettergewalten, mit abertausend

Schädlingen, die Wurzel wie Rlatt, Zweige wie Stamm befallen. Dreihundert Jahre alt kann eine Buche werden. Langsam nur wächst sie im Anfang. Im zwanzigsten Lebensjahr erreicht sie knapp eine Höhe von sechs Metern. Im Alter von hundert Jahren aber ist sie 25 bis 30 Meter hoch und hat einen Stammdurchmesser von fast einem Meter.Und immer noch ist die Borke glatt und rein, lediglich gezeichnet vom schwärzlichen Regenwasserband, das aus der großen Wipfeltraufe kommt und am Stamm hinunterläuft — oder aber von den Schnitzkünsten törichter Menschen, die da glauben, sich in der Rinde der Bäume mit ihrem Namen verewigen zu müssen.

Von ihrem 60. Lebensjahr an blüht und fruchtet die Buche und liefert dann etwa alle fünf bis acht Jahre eine reiche Ölfruchtmast. Die im September oder Oktober aufspringenden, verholzten, gelbbraunen Fruchtbecher haben vier bepelzte Klappen und enthalten zwei dreikantige, glänzend rotbraune Samen, die Bucheckern oder Buchein.

Außer am glatten, grauen Stamm erkennen wir die „Rotbuche’leicht an ihren maiengrünen, spitz eiförmigen, schwach gezähnten Blättern, die sich im April bis Mai entfalten und in den ersten Wochen an den Rändern wie an den Rippen der Unterseite seidig behaart sind und im Lichte schimmern. Später verlieren die Blätter diesen haarigen Verdunstungsschutz, bekommen eine glänzend dunkelgrüne Oberseite und eine helle Unterseite.

Hainbuche - Foto: Piet Marsfeld
Hainbuche – Foto: Piet Marsfeld

Die Rotbuche liebt kalkreichen Boden und hält nicht viel von nassen Füßen. Im Auwald fühlt sie sich nicht wohl. Dort läßt sie sich lieber von der H a i n b u c h e vertreten, die trotz des gleichen Namens keine Verwandte von ihr ist, sondern der Hasel nahesteht. Auch die Hainbuche lebt gern im geschlossenen Waldverband.  Sie hat ebenfalls eine helle, glatte, graue Rinde, die aber im Alter bald längsrissig aufklafft und dann leicht von der Rotbuchenborke zu unterscheiden ist. Ihre Blätter sind deutlich doppelt gesägt, länglich eiförmig und gefaltet.

Die Hainbuche wird höchstens 150 Jahre alt und nur 20 Meter hoch. Zu fruchten beginnt sie bereits im zwanzigsten Lebensjahr. Ihre kleinen Nüßchen reifen erst nach dem Laubfall und werden von einem großen, dreizackigen Deckblatt wie von einem eigenen Sonderflugzeug davongetragen.

Rotbuche
Rotbuche – Foto: Piet Marssfeld

Das sehr harte, gelblichweiße Holz wird gern für Handwerkszeuge, Holzschuhe, Holzleisten, Holznägel und Holzschrauben verwendet. Die Rotbuche dagegen liefert uns Holzpflaster, Treppenstufen, Eisenbahnschwellen, Brückenbelag, gute Möbelbretter und Zellwolle.

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