Der Baum – Birken

Fritz Overbeck - „Im März (Vorfrühling)“ von 1908
Fritz Overbeck – „Im März (Vorfrühling)“ von 1908

Schon immer ist den Menschen die schöne und helle, die feine und beseelte Birke mit ihrem leuchtend weißen und seidig glänzenden Stamm, ihren hellgrünen und glänzenden Blättern als der Bote des Lichts, des Frühlings und der wiedererwachenden Lebenskraft erschienen. Als schlanker Maibaum wandert sie um Pfingsten in die Dörfer und Städte, schmückt die Häuser, die Kirchen und verschönt die fröhlichen Sitten und Gebräuche, die sich um die Frühlingsfeste ranken.

Birkenstamm - Foto: PrivatSeit Jahrtausenden lebt die alte Sage, dass die letzte große Schlacht, der Entscheidungskampf zwischen Abend und Morgen, unter einem alten Birkenbaum ausgefochten werde. Wenn das Geklirr der Waffen verstumme, bräche das goldene Zeitalter des ewigen Friedens an.  Ebenso alt ist der Glaube, daß man die Krankheiten, an denen man leidet, auf eine Birke übertragen und sich auf diese Weise von ihnen befreien kann. Die Birkenrute gilt im Volksglauben als Lebensrute, sie bringt Segen und Gesundheit ins Haus. Man meint, dass viele starke und wundersame Heilkräfte in der Birke verborgen sind. Ihr Saft, wie ihre Rinde, ihre Knospen, wie ihre Blätter sollen viele schwere Erkrankungen, wie Gicht und Rheuma, Krätze und Ausschlag, Nierenleiden und Wassersucht günstig beeinflussen. Köstlich mundet der Birkenwein aus dem frischen Saft der angezapften Bäume; Birkensaft stärkt auch die Haarwurzeln und — davon sind viele Mädchen auf dem Lande überzeugt — vertreibt die hässlichen Sommersprossen.

Aber immer daran denken: Das unbefugte Anzapfen von Birkenbäumen wird als Baumfrevel bestraft!
Als Baum ist die Birke die Anspruchslosigkeit selbst. Jeder Boden ist ihr recht, der sandige und trockene, wie der moorige und stickige, wenn sie nur ihre Zweige und Blätter ins Sonnenlicht strecken kann. Sie besiedelt die armselige, dürre Heide wie das schwankende, düstere Moor, dringt im Norden bis nach Grönland vor und ist auf Island überhaupt der einzige Baum. Ihre schönste Gestalt erreicht sie in der uns allen wohlbekannten Hängebirke , die auch Weißbirke oder Gemeine Birke genannt wird. Sie bevorzugt die trockenen und sandigen Standorte.

autumn-landscape-993702_1280_AlainAudetIn der Jugend, in der sie nur langsam wächst, hat sie einen schlanken Stamm mit einer weißen, dünnen Korkrinde, die sich leicht schilfert und in Bändern löst. Es ist allerdings streng verboten, junge Birkenstämme um der Rinde willen zu schälen! Im Alter bekommt sie eine tiefrissige, schwarze Borke. Der Stamm geht geradschäftig bis zur höchsten Wipfelspitze hinauf. Die dünnen und biegsamen, im Winde wehenden Zweige hängen stark durch. Sie tragen lang zugespitzte, klebrig-glänzende und balsamisch duftende Blätter von einem im Frühling und Frühsommer wahrhaft festlich leuchtenden Maiengrün.

Schon Ende März beginnt sich die Birke zu belauben und gleichzeitig auch zu blühen. Die männlichen Kätzchen erinnern an die hängenden Troddeln der Haseln und Erlen, werden auch im Sommer gebildet, überwintern und strecken und dehnen sich im Frühjahr mächtig. Die bräunlichen Deckschuppen spreizen sich, und der Wind nimmt den staubartigen Samen mit auf die Reise durch die Wälder und Auen.

Bereits im Juni reifen die Fruchtzapfen, zerfallen bis zum August, und die Samen schweben als beidseitig geflügelte Nüsschen davon. Sie keimen nach zwei bis drei Wochen, nehmen mit dem geringsten Krümchen Erde vorlieb und entfalten sich unbekümmert auf Mauern und Türmen, Ruinen und Felsen. Zum erstenmal blüht die Birke zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr. Mit 50 bis 60 Jahren hat sie bereits ihre größte Höhe von 25 bis 28 Metern erreicht. Ganz selten nur wird sie älter als 100 bis 150 Jahre.

border-collie-665162_1280Das gilt auch für ihre etwas widerborstige Schwester, die Besenbirke , die es gern feucht hat, in Sümpfen und Mooren, Brüchen und Auwäldern siedelt und nicht so anmutig wie die Hängebirke ihre Zweige im Winde wiegt. Das kommt vor allem wohl daher, weil sie ihre Äste nicht durchhängen lässt, sondern sie steif und besenartig in die Luft streckt. Aus dem guten und harten Birkenholz werden wertvolle Möbel angefertigt, Holzlöffel, Holzschuhe und Gewehrschäfte geschnitzt, Holznägel für die Schuhmacher gestanzt. Mit dem Gerbstoff der Kinde wird das feine Juchtenleder bearbeitet. Die Reiser aber liefern die widerstandsfähigen Besen, mit denen die Hausfrau Haus und Hof kehrt. Die Birke wird uns also recht nützlich, obwohl sich kein Mensch um ihr Fortkommen kümmern und sorgen muss. Noch nie brauchten in unseren Wäldern die Birken gesät oder gepflanzt zu werden. Sie sind so fruchtbar und lebenstüchtig, dass sie ganz allein durchkommen.

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