Das glücklichste Mädchen der Welt – Eine Kurzgeschichte zum Vorlesen

Marias Vater war ein Fischer und arm. Darum half Maria so gut wie sie konnte, ein wenig Geld hinzu zu verdienen.  Sie hatte selbst ein kleines Boot, in dem sie Feriengäste zu einer malerisch schönen Insel dicht vor der Küste ruderte.
Täglich ging Maria zu ihrem Boot hinunter und jedesmal blieb sie unterwegs am Juweliergeschäft stehen und starrte sehnsüchtig durch die Schreiben. Seit vielen Wochen bewunderte sie eine schöne Halskette im Schaufenster. Und Maria dachte, dass sie das glücklichste Mädchen der Welt wäre, wenn ihr diese Kette gehöre.“Aber, was soll das Träumen?“ sagte sie sich. „Die Kette kostet mehr Geld, als unsere Familie in zehn Jahren verdient.“
Eines Tages war die Kette nicht mehr im Schaufenster. Sie war verkauft worden,
Maria seufzte. Es war, als sei etwas Kostbares aus ihrem Leben gegangen. Doch das Mädchen zwang sich zu einem Lächeln und lief weiter, zu ihrem Boot  hinunter.
Am Boot wartete  schon ein Fahrgast. Ein älterer Herr mit lustigen grauen Augen. „Hallo“, begrüßte er Maria. „Würdest Du mich bitte zur Insel rübersetzen?“

boat-358295_1280_mcconnmamaMaria sah, dass er eine Staffelei, Pinsel und Farben dabei hatte. Sie half ihm an Bord, und schon bald darauf erreichten sie die Insel.
„Soll ich später wiederkommen und sie zurückrudern, mein Herr?“
„Nein, mein Kind, ich möchte, dass Du hierbleibst, damit ich ein Porträt malen kann“, lächelte der Maler.
Maria war erstaunt. Sie konnte sich nicht vorstellen, warum jemand die Tochter eines armen Fischer malen wollte.
Dennoch setzte sie sich bereitwillig so, wie der ältere Herr es wollte, und versprach stillzuhalten und sich nicht zu bewegen.
Dann geschah etwas ganz wunderliches. Maria fühlte plötzlich, wie der Maler ihr sanft etwas um den Hals legte. Und als sie an sich hinunter blickte, sah sie, dass es die gelbe Halskette aus dem Schaufenster war.
Wie in einem Traum vernahm Maria die Worte des Malers: „Mein liebes Kind, ich habe oft beobachtet, wie du die Kette beim Juwelier angeschaut hast. Ganz sehnsuchtsvoll warst du jedesmal. Da verspürte ich den Wunsch, dich zu malen. Und ich dache mir, die gelbe Kette würde dir gut stehen und dem Bild jenen letzten Zauber geben, der es zu einem Kunstwerk macht.“
„Und…und darum haben sie die Kette gekauft?“ flüsterte Maria.
„Ja, mein Kind“, antwortete der Maler. „Und wenn das Bild fertig ist, gehört sie Dir.“
Die Zeit verging wie im Flug und seit dem ist Maria das glücklichste Mädchen der Welt.

Autorin: Josephine Bach, Bamberg 2014

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