„Dapat durian runtuh“ | Glück muss man haben | Die Durian-Frucht

Der Indonesier, der Glück hat, hat nicht Schwein, sondern Durian – „Dapat durian runtuh“, lautet die Redensart. Bei der Durianfrucht scheiden sich freilich, wie am Schwein, die Geister. Weniger indes die Nasen: Die kopfgroßen, igeligen Fruchtkapseln des Durianbaums, die reifen jedenfalls, stinken fäkalisch; an ihrem üblen Duft kommt auch ein Versuch zur Ehrenrettung der Frucht nicht vorbei.

„Dapat durian runtuh“ | Glück muss man haben

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Foto: Adrega

Die Amerikaner erschnuppern an ihr Knoblauch, die Nasen anderer Nationen faule Zwiebeln, gärenden Kohl oder überreifen Käse – jeder nach seinem nationalen oder privaten Vorurteil.
Durio zibethinus – Zibetbaum – heißt die Pflanze – nach dem Zibet, dem Drüsensekret der gleichnamigen Schleichkatzen, das ebenfalls Latrinengeruch verströmt.
Doch genau wie der Zibet – als Duftträger in der feinen Parfümerie – ist auch die Durianfrucht zu Besserem berufen, als die Nase zugeben will. Kenner rechnen das zarte, rahmweíße Fleisch, das die kastaniengroßen Samen wie ein Mantel umhüllt, zu den erlesensten Gaumenfreuden und wählen die Durian zur Königin aller tropischen Früchte. Chinesische Durianschlemmer nennen hren Genuß und den von Schwalbennestern in einem Atemzug. Für Duriansüchtige gibt es das Dilemma zwischen Geruch und Geschmack nicht, die Vorfreude auf den cremigen Samenmantel lässt sie ohne Nasenrümpfen zusammen mit Durians in einem Autobus oder einem Bahnabteil reisen.

Foto: Jess Foami
Foto: Jess Foami

Der andere Teil der Menschheit, der ja auch schon rein vokabularisch nicht immer ganz sicher zwischen „riechen“ und „schmecken“ unterscheidet, wünscht in solchen Situationen freilich, daß es Nichtdurian-Abteile gäbe – oder plädiert für ein Verbot der Stinkfrucht. Die Luxuskarawanserei in Medan, Nordsumatras Hauptstadt, verbietet mit Absatz 6 der Hausordnung Besuch nach 22 Uhr und mit Absatz 2 das Mitnehmen von Durian aufs Zimmer. Mit der Durian nimmt’s der Concierge ganz genau: Was hilft es, daß er ein Auge zudrücken will, die Nase lässt die Sünde keinesfalls zu.
Die Enzyklopädie, die ich konsultierte, behauptet mit wohlwollendem Schulterklopfen, dass die übelriechende, wohlschmeckende Durian von den Einheimischen geschätzt werde. lch kann den Enzyklopädisten beim Verlag versichern, dass auch Zugereiste bald auf den Geschmack der Frucht kommen. Bei einem Schweizer Freund häufen sich bei jedem Durian-Nachtisch auf dem Teller die glattgeschleckten Samen zu Bergen. Durianzecher klagen manchmal über einen warmen Kopf und Schweißausbrüche. Die Frucht hat offenbar eine koffeinähnliche Wirkung. Zum Frühstück genossen, unterdrückt sie Hungergefühle für den Rest des Tages.
Die Heimat des Durianbaums ist die lnselflur zwischen dem südostasiatischen Festland und Australien; zuerst wuchs er vermutlich auf Borneo oder Sumatra. Heute wird der Baum – freilich ohne Veredelung – zwischen Indien und Neuguinea angebaut. Sogar in Afrika soll es Durianbäume geben. Der Duft reifender Durians lockt Erzfeinde der Schöpfung wie Tiger und Elefant in paradiesischer Eintracht unter den Baum; der Friede endet erst mit der Rauferei um die gefallene Frucht. Die Durian bedroht das Uberleben des indonesischen Krokodils als Art: die Fänger machten sich den Umstand zunutze, daß das Krokodil einem Durian-Köder nicht widerstehen kann. Der Duft reifender Durians lockt Tapir, Fledermaus und Ameise – die halbe Tierwelt. Aber eben: nur die halbe Tierwelt. Durianverächter nehmen mit Befriedigung zur Kenntnis, daß sich auch Hund und Hauskatze angeekelt abwenden.

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Foto: reginaspics via pixabay

Nur bei den Botanikern ist der Ruhm der Durian frei vom Streit der Nasen und Gaumen. Der Durianbaum liefert unter den lebenden Pflanzen ein Prachtbeispiel für einen primitiven Bedecktsamer.
Da geeignete fossile Belege für die Frühgeschichte der Bedecktsamer fehlen, ist der Baum der Wissenschaft teuer. Eine Deutung des Ursprungs der Bedecktsamer trägt sogar seinen Namen: die Durian-Theorie.

Wie gern würde ich Ihnen mit diesem Beitrag eine Duftprobe übermitteln. Vielleicht gelingt es technisch in naher Zukunft ja. Diese reiche ich dann nach.

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