Claudia Severin über Ihre Arbeit im Network-Marketing

Porträt_SeverinDu hast in einem facebook-Eintrag beklagt, dass so wenige dazu stehen, im Network-Marketing tätig zu sein um Dich dann direkt dazu zu bekennen. Wie kam es dazu? Worin siehst Du den Grund für diesen beschämten Umgang?
Zu wenig Überzeugung, und eine Umwelt natürlich, die den Berufsstand Network Marketing nicht hoch einschätzt, um es freundlich zu sagen.

Von Neulingen wird oft erwartet, dass sie zum Einstieg ihren Freundes- und Bekanntenkreis als Kunden akquirieren. Wie stehst Du dazu?
Ich kenne überhaupt niemanden, der gerne akquiriert wird, aber gerade die Menschen im persönlichen Umfeld wollen natürlich den Kumpel, Freund, Bruder, Schwester so haben, wie er schon die Jahre durch war. Zusätzlich brauchen die Menschen Anerkennung, und gerade das nahe stehende Umfeld positioniert sich in diesen Augenblicken zum selbst ernannten Experten, in dem man eben im Internet nach so vielen wie möglichen kritischen Punkten sucht. Und diese dann als abzuratendes Ergebnis präsentiert. Schließlich ist die Freundschaft dazu da, jemanden von ‚schlechten’ Dingen abzubringen.
Ich halte gerade das nächste Umfeld für die sprichwörtliche Höhle des Löwen und würde ohne weiteres meine Partner da nicht reinschicken.

Was mache ich als Neuling, wenn ich nur wenig Menschen kenne, ich dennoch vom Metier fasziniert bin und einsteigen möchte?
Eine Entscheidung treffen.

Gibt es eine bestimmte Lebensphilosophie, die notwendig um Multi-Level-Marketing bestehen zu können?
Ja, unternehmerisches Denken entwickeln. Sich von Anfang an auf Widerstände einstellen, auf Herausforderungen, mit diesen aber so spielerisch wie möglich umgehen. Persönliches Wachstum und überdurchschnittlicher Einsatz wird dein Durchbruch sein. Sofern du ihn anstrebst.

Wie definierst Du Dich in Deinem Job? Bist Du quasi Rund-um-die-Uhr im Dienst? Gibt es eine Trennung von Beruf und Privatperson?
Ich muss da mal was von Götz Werner herauskramen, dem Gründer der dm Drogerie…moment. Er sagt: «Streichen Sie die Begriffe Arbeitszeit und Freizeit aus Ihrem Wortschatz. Ersetzen Sie diese durch Lebenszeit und fragen Sie sich: Macht das Sinn, was ich mache?»
Ich bin einfach eine Person. Das was ich tue, ist Bestandteil von mir. Ob ich nun im Gespräch bin, eine Präsentation mache, im Garten was tue, ein Buch lese, oder auch diese Fragen beantworte – ich trenne da nichts. Würde aber immer bei engen Familienmitgliedern oder Freunden alles stehen und liegen lassen, um zu helfen, wenn es nötig ist.

Ich bedauere ein bisschen die Menschen, die von der Work-Life-Balance reden müssen, und sich von ihrer Arbeit in ihrem ‚Lebensbereich’ erholen müssen. Was ist dann Arbeit für sie? Der Tod? Das Übel? Also wenn das so ist, stimmt was mit dem Beruf nicht.

Was magst Du an Deinem Job besonders und was überhaupt nicht?
Beides mal:  menschliches Verhalten.

Wie gehst Du mit kritischen Stimmen um?
Kritik ist ja gut. Und zeigt, ob jemand und in wie weit sich jemand sogar mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Wenn die Kritik Substanz hat, spreche ich gerne weiter im Dialog. Wenn es ‚Gossen-Jargon’ ist und keine Substanz hat, interessiert es mich nicht. Diskutieren möchte ich sowieso nicht.

Kennst Du Angst vor dem Erfolg? Wie kann man damit umgehen?Ich glaube nicht, dass es den meisten klar ist, dass sie Angst vor dem Erfolg haben. Das ist etwas sehr unbewusstes. Dass ‚reiche’ Menschen zum Beispiel sich ihren Freunden abwenden, dass Erfolg Verzicht bedeutet. Dass der Charakter sich verändert. Und eigentlich sind ja Unternehmer auch Ausbeuter – das sind die Glaubenssätze in den Köpfen… und zu so was will man ja nicht werden.
Sehr wohl haben Menschen aber immer Angst vor neuen Dingen, die ihnen eigene Aktivität abverlangen. Dinge, die sie noch nie getan haben.
Ich weiß nicht, da scheinen einfach Ziele und Veränderungswünsche im Leben noch nicht klar genug zu sein. Sonst würde man einfach viel mehr über den berühmten Schatten springen.
Ja, hab ich gemacht, ich hatte eine Ur Angst vor Leuten zu sprechen. Ich habe mir Tonnen von Büchern gekauft, ich habe in der Theorie geübt und geübt. Ich habe gezittert, als ich die ersten Male vor einer kleinen Gruppe sprach. Ich konnte fast kein Wort rausbringen, bzw. ich dachte, bald brauch ich einen Übersetzer, es versteht mich keiner mehr, mein Mund war staubtrocken und klebte bei jedem Wort zu.
Hat das was mit Erfolg zu tun? Ich finde nicht. Nur die Häufigkeit, etwas zu tun, trotz der unsäglichen Angst oder trotz eines Widerwillens, das ist Erfolg. Man sagt, um Experte in einer Sache zu werden, brauchst du 10.000 Stunden Übung. Also fang an. Oder auch nicht. Es ist immer eine persönliche Entscheidung. Erfolg ist freiwillig.

Worauf sollten Interessierten Deiner Erfahrung nach achten, wenn Sie nach einem passenden Anbieter suchen?
Schau den Leuten ins Gesicht. Darin kannst du so viel lesen, schau auch dem Management ins Gesicht.
Wem helfen die Produkte? Liefern sie dem Markt Wert, oder helfen sie nur den Gründern und ‚Leadern’ die Taschen zu stopfen?

Warum hast Du Dich für Deine aktuelle MLM-Firma entschieden? Worum geht es dabei?
Um den Bereich von IT Technologie, Kommunikationsprodukten, in Bälde auch tragbaren Computerprodukten – und ein ganz gegensätzlicher Bereich: der Aufbau des größten Solarprojektes, wir wollen hier etwas schaffen, wo jeder partizipieren kann, aber auch jeder beitragen kann, dem Planeten zu helfen, saubere Energie  zu produzieren.
Mit 300.000 Geschäftspartnern insgesamt hat das Unternehmen in den ersten 3 Jahren bewiesen, etwas Außergewöhnliches zu tun und anzubieten. Für mich und meinen Lebensgefährten stimmten Produkt, das Management, der Zeitpunkt und das Warum.

Was ist Dein Traumjob?
Tja 😉

Welche Ziele hast Du Dir gesteckt? Was bedeuten Sie Dir?
Ich bin nicht so der Ziele Typ. Ja, ich habe persönliche Dinge, die ich erreichen will.
Ich halte, das Ziele-setzen in vielen Fällen für schädlich, demotivierend. Die meisten verlangen es ihren Geschäftspartnern ab, sich mit Zielen auseinanderzusetzen, diese klar zu fixieren. Aber haben sich die Leute wirklich Gedanken um ihre eigenen Ziele gemacht? Oder nur nachgeplappert, was andere meistens als Ziele, Wünsche, Träume nennen.
Werden sie parallel ausgebildet, überhaupt die Ziele realistisch erreichen zu können? Ist ihnen klar, wie sehr sie sich von ihren Zielen, mehrmals die Woche oft, selbst entfernen?
Was passiert mit Menschen, die wieder und wieder ihre Ziele nicht erreichen? Verlieren diese Menschen nicht irgendwann den Mut?
Ich bin überzeugt, wenn man immer und immer die richtigen Dinge tut, und seinen Focus auf sein großes Warum hält, hat man wie ein Bauarbeiter, der in den Alpen ein Loch bohrt, eines Tages seinen persönlichen Durchbruch.
Manchmal geht es schneller, Manchmal langsamer.

Interview: Oliver Simon
Headerfoto: _Andreas Carjell_pixelio.de
Porträt: Claudia Severin

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