Christoph Wilhelm Hufeland – Seine Liebe galt den Müttern und ihren Kindern

Als mir die Literatur Hufelands kürzlich in die Hand fiel,  wurde mir wieder mal bewusst, dass dieses so scheinbar banale Thema der Körperhygiene immer noch so aktuell ist: Männer die keine Deo kennen, Aluminium im Deodorant, Allergien durch Reinigungsmittel, blanke Faulheit, immer noch grassierende Unkenntnis über gesundheitsfördernde Körperreinigung…

220px-ChristophWilhelmHufelandMedezinerS100Hufeland wurde im August 1762 in Langensalza geboren. Wir kennen seinen Namen von den Hufelandkliniken und die nach ihm benannte Medaille.   Er war Professor der Inneren Medizin, Pharmakologie und Pathologie in Jena, Freund und Berater Goethes. Später dann Leibarzt des Königs von Preußen. Mitbegründer der Berliner Universität. Ebenso: Begründer der ersten deutschen Universitäts-Poliklinik. Patriot und ein Freund Fichtes.

Bei aller Gelehrsamkeit und der hohen Stellung war er Zeit seines Lebens ein Mann des Volkes. Er hat in Jena und Berlin allgemeinverständliche Vorträge gehalten und für die breite Masse des Volks geschrieben.  Am berühmtesten ist seine „Mikrobiotik oder die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“ geworden. Dieses Buch ist in viele Sprachen übersetzt worden, einschließlich dem Chinesischen.  In den letzten 200 Jahren hat es immer wieder neue Auflagen gegeben und ist heute noch immer aktuell. Seine anderen Schriften sind darüber fast vergessen worden.
Hufeland hat sich früh für die Pockenschutzimpfung nach Edward Jenner eingesetzt. Seine besondere Liebe  galt den Müttern und ihren Kindern. Immer wieder hat er für sie geschrieben. „Guther Rat an Mütter über die wichtigsten Punkte der physischen Erziehung der Kinder in den ersten Jahren nebst einem Unterricht für junge Eheleute die Vorsorge für die Ungeborenen betreffend“ heißt der lange Titel einer Schrift, die in vielen Auflagen gedruckt wurde.
Hufeland wollte gelesen werden. Deshalb arbeitete er für Zeitschriften, die von vielen Frauen gelesen wurden. Er schrieb über Themen wie „Über einige Schönheitsmittel, nicht aus Paris“ oder „Wie kann man auf die gewisseste und leichteste Art Schönheit auf Erden allgemein machen?“  – „Nöthige Erinnerung an die Bäder und ihre Wiedereinführung in Deutschland.“

Hufeland_ErziehungEr fasste seine volkserzieherische Arbeit so ernst auf, dass er 1794 acht Aufsätze ,die in verschiedenen Zeitschriften erschienen waren, überarbeitete und zu einem Buch zusammenfasste: „Gemeinnützige Aufsätze zur Beförderung der Gesundheit, des Wohlseyns und vernünftiger medizinischer Aufklärung.“ Dazu schrieb er ein Vorwort, in dem er seine Aufklärungsarbeit begründet:
„Mein sehnlichster Wunsch und meine Lieblingsidee bey diesen Arbeiten war immer die, die Arzneykunst nicht sowohl zur Heilung als zur Verhütung und Verminderung körperlicher Leiden zu benutzen, Vorurteile und Irrtümer über diese Gegenstände zu bestreiten, auf manchen unbemerkten Weg, sein Wohlseyn zu verbessern oder zu verschlechtern aufmerksam zu machen, und mit mit einem Wort die Masse von Gesundheit, oder welches eins damit ist, von Glückseligkeit, Zufriedenheit und Thätigkeit auf Erden auch nach meinen geringen Kräften vermehren und befestigen zu helfen.“

Was sind nun seine Schönheitsmittel, die nicht aus Paris kommen?
„Schönheit der Haut, denn von dieser allein ist hier die Rede, ist nichts mehr und nicht weniger als die Gesundheit der Haut, eine reine Abspiegelung der inneren Harmonie des Körpers in seiner Oberfläche – wenn ich so sagen darf, die sichtbare Gesundheit … Man fürchte sich nicht, Gesicht und Hände oft mit Wasser zu waschen. Es ist ein Vorurteil, dass man glaubt, das Wasser verderbe die Haut und man tue besser, sie bloß trocken abzureiben … Doch ich eile nun auf das wichtigste allgemeine Reinigungsmittel des Körpers, das Baden zu kommen.  Hier vereinigen sich alle Vorzüge, die der Schönheit Vortheil bringen können.“ Der Wiedereinführung der Bäder widmet er einen eigenen, gründlichen Beitrag. Er hatte sie ausgiebig auf seinen Reisen nach Russland kennen gelernt.  Ihm ging auf, dass die französische Sitte, das Gesicht nur mit Kölnischwasser abzureiben, ungesund sei. 

Frau im Waschzuber, sich den Ruecken waschend, 1886„Alle Völker, die baden, sind gesünder und stärker, als die, die es nicht thun … Dann erst, wenn man die Bäder wieder für ein unentbehrliches Stück Erziehung und der ganzen Lebensdiät halten wird, wenn man jede Woche für verloren halten wird, die man, ohne sich diese Reinigung und Erfrischung zu geben, durchlebt hat, dann erst können wir hoffen, dass die Gicht, die Krämpfe, die Hypochondrie und alle Übel, an denen unser Zeitalter schleichend dahinwelkt, aufhören, die Kraft und Festigkeit unserer Deutschen Vorfahren zurückkehren, und wir den Segen unserer Nachkommenschaft einernten werden. Wir werden Restauratoren der Menschheit und unsere Epoche ihre physische Wiederherstellung heißen.“
Hufeland lebte ganz und gar in dem Ideengut der Aufklärung. Er wollte die Menschen bessern und lehren. Dabei war ihm die Natur die große Lehrmeisterin und die Urquelle aller Gesundheit, Schönheit, Lebensfreude. Seine Ratschläge für Mütter ziehen sämtlich auf natürliche Mittel hin, vom Stillen an der Mutterbrust bis zur Hautpflege des Kindes. Immer wieder Wasser, frisches Wasser; reine Luft, reichlich Bewegung, einfache und natürliche Kost. In seiner klassischen , an Lessing, Goethe und Schiller gemessenen Sprache sagt er, was in vieler Beziehung auch noch heute gilt.

Kategorien Lebensqualität

Karola Hinsche, geboren in Potsdam, arbeitete 6 Jahre als Ärztin in einem Magdeburg Krankenhaus. Nach der Geburt Ihrer Tochter zog sie nach Leipzig und arbeitet nun in Lehre und Forschung. Privat beschäftigt sie sich mit der Entwicklung der Medizin: von der Alchemie bis Heute. Insbesondere beschäftigt sich Karola Hinsche mit Pionierinnen in Forschung & Medizin, wie Madame Curie & Franziska Tiburtius..

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