Charles Altamont Doyle malt sich selbst – meditierend

Dieses Aquarell stammt aus einem der Skizzenbücher des Künstlers, welches während seines Aufenthalts in der Montrose Königs Irrenanstalt in Schottland entstanden ist. Er musste wegen erheblicher Hirnschäden aufgrund jahrelangen intensiven Alkoholmissbrauchs behandelt werden. Zudem litt zudem an Epilepsie. 

Charles Altamont Doyle (* 25. März 1832 in London; † 10. Oktober 1893 in Dumfries, Schottland) war ein britischerMaler. Er war der Vater des Schriftstellers Arthur Conan Doyle, zu dessen Buch  -Eine Studie in Scharlachrot – er die Illustrationen der Erstausgabe beisteuerte. Sein Sohn, organisierte zudem 1924 eine Ausstellung mit den väterlichen Werken in London. 

***

 Charles Altamont Doyle – Meditation – Self Portrait | 1885-1893 | Aquarell 

Die Meditation | Eine asiatische Fabel
Einmal hatten sich vier Priester verabredet, eine Nacht in tiefster Meditation zu verbringen, und nahmen sich gegenseitig das Gelübde ab, dass keiner, komme auch, was da wolle, durch ein Wort die Meditation stören dürfe. Für die Bußübung wurde der Hauptraum des Tempels ausersehen, und dort wurden vier Kerzen in Leuchtern aufgestellt. Ein junger Priesterschüler wurde beauftragt aufzupassen, daß die Kerzen hell und gleichmäßig brannten, und sie, falls sich Schuppen bilden sollten, zu putzen. Nach einiger Zeit bildeten sich auch Schuppen an den Dochten, und die Kerzen fingen an, trüber zu leuchten. Der Tempelschüler aber sah es nicht, da er vergeblich versuchte, gegen die Müdigkeit anzukämpfen. Einer der Priester suchte ihn nun durch wiederholtes Winken auf seine Pflicht aufmerksam zu machen. Als der Schüler aber seine Gesten nicht beachtete, verlor er die Geduld und schnauzte ihn an:
»He, du Bursche, siehst du denn nicht, dass die Lichter geputzt werden müssen?«
Da wandte sich der zweite Priester dem Sprecher zu: »Hast du denn vergessen, daß während der Meditation nicht gesprochen werden sollte?« Ärgerlich rief nun der dritte: »Wenn ihr beiden euch hier unterhalten wollt, kann man beim besten Willen nicht meditieren!«
Und der vierte sagte, nachdem er alle der Reihe nach angeblickt hatte, selbstgefällig:
»Ich bin der einzige, der das Gelübde nicht gebrochen hat.«

Charles Altamont Doyle – Meditation – Self Portrait | Charles Altamont Doyle – Meditation – Self Portrait | 1885-1893
Kategorien kunst | werk Leseszeit Volksmärchen
Oliver Simon

Oliver Simon - Herausgeber dieses Magazins, hat das, was man wohl einen bunten Lebenslauf nennen könnte: Schulversager, Hotellehre, selbstständig mit einem Bistro inkl. Kleinkunst und LiveMusik, einem Teeladen. Manchmal arbeitet als noch freiberuflicher Dozent in der Erwachsenenbildung. 2016 startet sein Verlagsprojekt "mannstreu". Er lebt in der Nähe von Lüneburg, ca. 800 m Luftlinie von der Elbe entfernt. In seiner Freizeit unterrichtet er Kleinkinder in musikalischer Früherziehung, macht Linolschnitt, spielt Cajon & Kontrabass.

0 Kommentare zu “Charles Altamont Doyle malt sich selbst – meditierend

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Content is protected !!