Cats Medienkommentar: Voll auf Klischee

Eigentlich bin ich gar kein Serienjunkie. Doch als ich letztens bei einem faulen Fernsehabend auf eine Kultserie meiner Jugend gestoßen bin, versank ich für ein paar Stunden tief in der weiblichen Klischeekiste. Dabei blieb ich bei vier Freundinnen hängen, die mit der ewig Wartenden, der Naiven, der Sexhungrigen und dem Kontrollfreak, der beim „Richtigen“ doch weich wird, ein berühmtes Quartett abgeben. Ein kurzer Nostalgierückfall in die Glitzerwelt.

P1080670trennlinie2Es gibt viele Drogen auf der Welt – manche mehr, manche weniger gefährlich und manche wirken eher unterschwellig auf einen langen Zeitraum hin gesehen. Unter letztere Kategorie ordnen manche Psychologen und Experten auch gerne die Fernseh- oder Mediensucht ein. Normalerweise bin ich gegenüber der Fernsehversuchung recht immun; ich habe sogar jahrelang ohne Flimmerkiste gelebt. Was bei mir und vielen meiner Geschlechtsgenossinnen quasi ewig nachwirken wird, sind die vielen Klischees von Weiblichkeit, Romantik und Glitzer. Es sind Bilder, die nach und nach in unser Denken und Fühlen einsickern, unsere Gedankengänge heimlich beeinflussen und auf einmal nicht mehr „wegzudenken“ sind – sind Klischees also auch eine Art Droge? Es scheint fast so.

Style, Geld und jede Menge Luxus "Made in Hollywood"

Jedenfalls habe ich mir letztens die volle Dröhnung gegeben und mir fünf Folgen SATC (für die, die es wider Erwarten nicht kennen sollten: Sex and the City) Am Stück reingezogen. Für jemanden, der sonst kaum fernsieht, schon eine beachtliche Zahl. Ich kann sagen, ich war wie berauscht. Frauen mit tollen Jobs, einem Raum voller Schuhe und fast immer makellos gestylt; mit einem teilweise atemberaubenden Sexleben und mit ganz viel Zeit, um jeden Abend bei einem Cosmopolitan und Sex on the Beach die neueste Trendlocation aufzusuchen. Dabei mit einem Humor, der die Durchschnittsfrau alt aussehen lässt. Wow. Es muss toll sein, so zu leben, als selbstständige Kolumnistin genug Geld für einen Schrank voller Designerschuhe zu verdienen oder als Anwältin fast jeden Fall zu gewinnen.

Alles glänzt - und oft trügt der Schein!
Alles glänzt – und oft trügt der Schein!

Als ich nach der „Ladies‘ Night“ auf dem TV-Sender dann unweigerlich aus den „Mädchenträumen“ wieder durch einen Werbeblock geweckt wurde, begann auch mein Gehirn, wieder ohne die „Glitzerdroge“ im Normalmodus zu funktionieren. Ich erinnerte mich daran, dass diese Serie ganz klar auf ein weibliches Publikum zugeschnitten war und an diesen einen Kinoabend, wo ich auch mit exakt drei Freundinnen in der SATC-Verfilmung im Kino war. Es war ein Provinzkino mit nur zwei Sälen; und die Schlange an der Kartenverkaufskasse spaltete sich schon am Eingang. Im zweiten Saal lief „Prince of Persia“ – dort standen die Männer und Paare. In der „SATC“- Schlange fanden sich nur einige missmutig dreinblickende Herren (womöglich von ihrer Freundin liebevoll „gezwungen“, mitzugehen) und ansonsten eine Menge junger Frauen wie wir in Stöckelschuhen und engen Jeans, deren Augen erwartungsvoll leuchteten.

Tüll und Kitsch können süchtig machen
Tüll und Kitsch können süchtig machen

Nach dem Film in der örtlichen Cocktailbar diskutierten wir noch, mit wem wir im realen Leben mehr Ähnlichkeit hatten – mit der männermordenden Samantha, der braven, konservativen Charlotte, der kühlen, karrierebewussten Miranda oder der hoffnungslos romantischen Carrie, die mit ihrem „Mr. Big“ immer noch extreme Höhen und Tiefen erlebte (nachdem es sie mehrere Staffeln gekostet hatte, ihn überhaupt zu bekommen). Man mag es kaum glauben; aber diese vier Freundinnen hatten für uns sogar etwas Vorbildhaftes; mit einem Mann, einer Karriere, immer genug Geld und natürlich einem glamourösen Look. Es war erst später, als ich „Sex and the City“ und überhaupt viele Serien „für Frauen“ kritisch unter die Lupe nahm und bewusst auf all diese Klischees achtete, die jede einzelne Folge zu pflastern scheinen.

Einmal "Grande Dame" sein wie im Film ... Foto: Juan Zamalea
Einmal „Grande Dame“ sein wie im Film … Foto: Juan Zamalea

Ich denke, das mit den Klischees hat schon mit Disney angefangen. Damals hießen die Heldinnen eben Jasmin, Belle, Schneewittchen, Arielle oder Cinderella und erlebten viel Schlechtes – aber auch unendlich romantische Liebesgeschichten. Gut; die meisten Mädchen, die heute im Schulalter sind, würden sich in Sachen Disney wohl eher an Elsa und Anna aus „Frozen“ erinnern. Die kleine Tochter einer Freundin ist jetzt schon ganz verrückt nach Disney-Prinzessinnen und möchte immer Cinderella, Elsa oder Anna sein. So wird der „Klischeekonsum“ eben chronisch – die kleinen Mädchen werden erwachsen und ihre Vorbilder wachsen mit. Und irgendwann wird aus Schneewittchen eine Carrie, aus Cinderella eine Charlotte, aus Belle eine Miranda und Samantha? Gut, für die gibt es andere Vorbilder. Vielleicht schon in den griechischen Sagen über die Welt der Nymphen.

Beim Wiederansehen der Serie sind mir mal wieder einige Punkte aufgefallen, die ich womöglich zwischendurch verdrängt habe (wer versaut sich schon gerne selbst den Spaß). Man sieht die vier Frauen wirklich nie bei der Arbeit oder im Jogginganzug vor dem Fernseher an einem „Bad Hair Day“. Selbst beim Sex hält die Frisur und multiple Orgasmen sind an der Tagesordnung. Einfach so. Es scheint, als hätten diese Glamour-Ladys gar keinen Alltag, der ihnen auf den Wecker geht und Spuren hinterlässt. Vielleicht ist es das, was SATC als Format so erfolgreich macht – eine gelungene Realitätsflucht weg von Rechnungen, Babykotze, Katzenklos, Wäscheständern und all dem anderen, was uns Frauen und auch vielen Männern gerne mal im Alltag graue Haare bereitet. Eben die Flucht in die bunte, glitzernde und doch erwachsen gewordene Welt unserer Kleinmädchenträume. Eine Dosis Kitsch hin und wieder ist in Ordnung; solange wir uns bewusst sind, dass eben auch dieser „Stimmungsaufheller“ am besten in Maßen und nicht in Massen zu genießen ist.

  1. ich bin so ein richtiger serienjunkie und ein richtiger filmfan.
    ein wochenende besteht bei uns oft daraus dass freunde zu besuch kommen. wir kochen gemeinsam bereiten finger food vor und wählen dann die serie aus, die den abend füllen soll. auf dem dorf und vorallem im winter eine geniale beschäftigung 😀
    ich sehe viele serien bei denen ich mir denke „Realität sieht ja anders aus“und damit meine ich nicht mal the walking dead, sondern serien die anscheinend das ganz normale leben spiegeln sollen. aber ich denke wenn man sich dessen bewusst ist, kann man sich schonmal davon berieseln lassen 🙂

    liebe grüße

  2. Ich liebe SEX AND THE CITY und ich habe noch keine einzige Serie gefunden, die diese toppen könnte. Samanta ist doch des öfteren im Jogginganzug zu sehen, oder erinnere ich das falsch??
    Liebe Grüße
    http://www.instylequeen.de

    • cats Kolumnen

      Liebe Jasmin, das ist gut möglich – in den Folgen, die ich geschaut habe, war es nicht so 😉 Aber alle anderen sind ja auch verdammt lang her für mich. Finde die Charaktere von ihrem Humor trotz aller Klischees übrigens super. LG

  3. also ich bin ein absoluter Serienjunkie!
    es gibt soo viele gute Serien, die du dir unbedingt noch anschauen solltest ! 🙂

  4. Toller Artikel! Ich bin ein totaler Serienjunkie.
    Die Serien darf man aber nie mit dem echten Leben vergleichen. Man würde ja schließlich keine Serie schauen, um den langweiligen Alltag von anderen zu sehen. Man hat ja meist selbst einen 😀

  5. Hey,

    finde deine Seite seeeehr toll !
    Allein deine Bilder und deine Ausdrucksweise, sprechen mich an. Werde mir deine Seite auf jeden Fall merken 🙂 LG

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