Cats Medienkommentar: Der Wert des Worts

Als Gutenberg vor einigen Jahrhunderten die Kunst des Buchdrucks erfand, besaß das geschriebene Wort, das plötzlich für jeden zugänglich war, einen unermesslichen Wert und löste eine echte Faszinationswelle aus. Alle wollten lesen, lernen, Neues wissen. Das Paradoxon: Je „älter“ das freie Wort wird, desto mehr scheint es an monetärem Wert zu verlieren. Warum es sich dennoch lohnt, zu schreiben.

Aus dem Nichts einen Bestseller landen? Nicht wirklich realistisch!
Aus dem Nichts einen Bestseller landen? Nicht wirklich realistisch!

Wer heute als Autor ohne „Bestseller-Bonus“, freier oder angestellter Journalist, PR-Texter oder in einem anderen Mediensektor des „geschriebenen Wortes“ arbeitet, muss mitunter im Vergleich zu anderen Branchen einen niedrigeren Lohn hinnehmen. Das ist eine Tatsache, die nur die größten und naivsten Idealisten unter uns „Wortkünstlern“ erst sehen, wenn es zu spät ist – die meisten Schreiber sind sich ihres steinigen Karrierewegs durchaus bewusst. Und selbst die abgeklärtesten Realisten unter uns fragen sich hin und wieder, ob unserer Arbeit überhaupt ein Wert zugemessen wird – sowohl finanziell als auch durch unsere Leser.

Ich glaube, als ich mich willentlich für eine nicht so lukrative Karriere in den Medien entschieden habe, hat mich so mancher für komplett verrückt erklärt. Nicht, dass ich damals das Gefühl gehabt hätte, eine echte Wahl zu haben. Vor Schulklassen stehen kam für eine eher publikumsscheue Person wie mich nicht infrage, in Mathe und Naturwissenschaften fühlte ich mich dank entsprechender Verständnisschwierigkeiten im Unterricht schlicht „zu blöd“. Allerdings konnte ich seit der Grundschule eine gewisse Liebe zum geschriebenen Text nicht verleugnen und auch gute Noten in Sprachen verbuchen.

Manchmal frage ich mich, wohin der Weg mich überhaupt führt
Manchmal frage ich mich, wohin der Weg mich überhaupt führt

Es war also kein träumerischer, idealistischer Weg, den ich ging, als ich Geisteswissenschaft studierte – sondern der einzig mögliche, der mir meinen Fähigkeiten nach logisch und praktisch erschien. „Man tut halt, was man kann“, würde meine leidgeprüfte und weise Großmutter sagen – oder auch: „Keiner kann alles und keiner kann nichts.“ Geometrie fiel also damit raus – aber schreiben, das ging immer. Spätestens nach dem Studium wurde mir klar, um es mit Xavier Naidoo zu sagen, „dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer“. Vielleicht liegen einem tatsächlich mehr als genug Steine im Weg, wenn man in der ständig veränderbaren Medienlandschaft sein Glück sucht.

Dass ich ein bezahltes Volontariat bekommen habe, wenn auch nach monatelanger Suche und in einer anderen Stadt, kann man weitgehend schon als Glück bezeichnen Wenn auch als hart erarbeitetes. Dass ich früh genug – also von Stunde Eins meines neuen Weges – Realistin war und meine Pläne, gleich als Buchlektorin oder freie Autorin durchzustarten, erst einmal weit nach hinten schob, ebenso. Vermutlich hat mich das vor einigen Enttäuschungen bewahrt. Einen Bestseller zu landen kommt schließlich einem Sechser im Lotto gleich.

Nun gehöre ich eben auch zu dem oft als „kreativ schaffenden“ verklärten Kader der Textgestalter – aber mit den romantischen Vorstellungen vieler, die neu anfangen, hat die Agenturwelt nichts zu tun. Gar nichts, um genau zu sein. Manche fragem mich, „was ich da eigentlich tue“. Platt gesagt: Ich schreibe Branchentexte, PR, nur mit weniger Werbeausschmückung. Nach einem immer wiederkehrenden Schema, das hin und wieder etwas abweicht, je nach Produkt, Kunde oder Textform. Nicht selten bekommen wir in unserem Büro auch Aufgaben aus dem „echten“ Wirtschaftsjournalismus, wo wir dann halt etwas länger recherchieren müssen und auch zum Schreiben etwas länger brauchen.

In idyllischer Umgebung die Ideen fließen lassen? Für viele nur Klischee!
In idyllischer Umgebung die Ideen fließen lassen? Für viele nur Klischee!

Auch am „einsamen, meditativen Schreiben, wann immer die Ideen fließen“ ist nichts dran. Fakt ist: Ich komme gegen neun Uhr ins Büro – und verlasse es jeden Tag gegen 18 Uhr. Außer freitags, wo wir eine Stunde früher Schluss haben. Alles romantisiertes Gewäsch; und überhaupt, warum sollte ich mich denn alleine auf eine Wiese setzen und schreiben, wenn ich jeden Tag bekannte Gesichter um mich haben kann?

Manchmal habe ich diese Momente als Schreiberin, wo sich mein Kopf leer anfühlt und ich die Ideen für eine Produktbeschreibung geradezu herbeizerren muss: manchmal habe ich die Textstruktur von der ersten Minute an vor Augen. Auf jeden Fall gilt es, zu produzieren. Wer heute Texte produziert, stellt eine Ware her. Eine Ware, die viele Menschen kostenlos aus dem großen, weltweiten Internet bekommen können und die deswegen immer billiger wird – seien es E-Books für zwei Euro Einstiegspreis bei einer gewissen Plattform mit „A“ oder riesige Textmengen für Magazine und Zeitungen, die sich auf einem schwindenden Markt immer neu behaupten müssen. Entsprechend fällt dann der Lohn für viele „Schreibmaschinen“ aus und … ach, die viel beschworenen Konsequenzen für den Journalismus und die Kulturschaffenden können Sie sich eigentlich selbst denken.

Manchmal ässt Inspiration auf sich warten. Egal- "Show must go on!"
Es gibt immer Höhe- und Tiefpunkte. „Show must go on!“

Kurzum, hin und wieder sitze ich mit „voll leerem Kopf“ an meinem Schreibtisch und frage mich selbst das, was mich zu Anfang meines Volontariats viele Freunde fragten: „Was tust du eigentlich?“ Ich glaube, die Sinnfrage haben sich schon viele gestellt, die irgendwie mit Kultur arbeiten und deren Berufsalltag recht wenig mit dem zu tun hat, was sie einmal gelernt oder studiert haben. Ehrlich gesagt frage ich mich auch manchmal, was es mir eigentlich bringt, Kolumnen wie diese zu schreiben. Denn Geld gibt es nicht für eine freiwillige Schreibleistung.

Ich frage mich: Wäre ich nun schon reicher, unbefristet beschäftigt und hätte ein Ferienhäuschen irgendwo im Süden, wenn ich nur einen anderen Berufsweg eingeschlagen hätte? Möglich, wenn auch nicht zwingend wahrscheinlich. Nebenbei bemerkt – Geld ist nicht alles und Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Ebenso wenig wie ein Haus mit Sonnenterrasse. Aber vielleicht lassen sich ja irgendwann die vielen Stolpersteine dazu nutzen, die ich und so viele andere auf dem Weg gefunden haben. Bis dahin muss das „freie Wort“ dieser Kolumne abseits der Geschäfts- und PR-Sphäre seinen eigenen Wert entwickeln – nämlich den, den ich irgendwann meinen Enkeln vermitteln kann und der mir als alte Frau mein jüngeres Selbst verstehen hilft.P1020285

Alle Fotos: cat

8 Kommentare zu “Cats Medienkommentar: Der Wert des Worts

  1. cat

    Liebe Faye und Marie-Theres,

    leider hat mich mein Internet in letzter Zeit im Stich gelassen, deswegen erst jetzt. 🙂 Danke für eure Kommentare. Ich denke auch, dass manche Wege eben länger brauchen und vieles eine Frage der Ewartungen ist.

  2. Genau um dieses Thema mache ich mir auch gerade viele Gedanken, vor allem um diese „Was tust du?“-Frage. Alle anderen können sagen: „Ich verkaufe Brötchen“, „Ich arbeite in einer Arztpraxis“ oder „Ich jobbe in einem Laden“ – aber als kreativer Schreiber ist das immer schwierig…
    Liebe Grüße und alles Gute für dich,
    Marie

  3. Manchmal ist das was einem glücklich macht halt nicht das grosse Geld und das ist doch auch gut so =) Ich arbeite zurzeit in einem erlernten Beruf den ich nicht mag , nie mochte und mich geistig schon immer unterforderte , nur um in 2 Jahren das studieren zu können wofür mein Herz seit ich 13 bin schlägt . Manche halten mich für verrückt , ich nenne es mein persönliches Glück =)

    LG Faye
    http://www.feathersandgoldbears.com

  4. Ich schreibe zwar nicht (beruflich), aber mit meinen Fächern Latein und Philosophie bin ich wohl kaum besser dran als du o.O man tröstet sich dann mit dem berühmten „Geld ist nicht alles“-Spruch =D

  5. Das hast du wirklich toll geschrieben 🙂
    <3 Anna

    • cat

      Vielen Dank! 😉 Ich bemühe mich, jede Woche wieder etwas dazu zu schreiben und nach eniem Jahr haben Leser ziemlich viel Lesestoff :D.

  6. Danke für den Einblick!

    Ich arbeite im Büro, aber nicht kreativ. In letzter Zeit nervt mich die stupide Arbeit immer mehr und ich werde lustloser.
    Da bringt mir auch die Gleitzeit wenig :/

    • cat

      Ich denke meist, „Arbeit ist, was du draus machst!. Ob ich mein Leben lang in der PR bleiben will, weiß ich aber noch nicht. Mein Traum wär noch das freie Schreiben – aber als Realist bleibt das wohl nur ein Hobby :).

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