Cats Gedankenwelt: Schwarz-weiße Abbilder von Leben

Manche Themen haben einfach nichts mit dem Geschlecht zu tun – zumindest nicht vorrangig. Um diesen Themen Raum zu geben und meine Gedanken mit euch, den „Ritter“-Lesern, zu teilen, gibt es nun die Rubrik „Gedankenwelt“.

Manchmal überfällt mich etwas, was schon Goethes junger Werther kannte, der allseits bekannte Weltschmerz. Ich beginne, die Welt zu hassen und mich selbst gleich mit, weil meine Möglichkeiten zu gering sind, alles umzuschmeißen und neu zu erfinden. Nein, eigentlich hasse ich dann nicht die Welt, sondern die menschliche Spezies, beziehungsweise, um es weiter einzugrenzen – das Übel, zu dem sie fähig ist. Ebenso oft frage ich mich aber: Warum eigentlich?Ich informiere mich, bilde mich weiter. Höre News im Radio und browse durch diverse Wissens- und Nachrichtenportale. Ich war schon immer ein kritischer, vieles hinterfragender Mensch, der die Welt verbessern wollte. Seit einigen Jahren bin ich bekennende Menschheitsskeptikerin, die gelernt hat, mit einer Dauerflut an schlechten Nachrichten zu leben, irgendwie. Würde ich mir 24 Stunden am Tag Gedanken um die Flüchtlingskrise, die Klimaerwärmung und das gesammelte Tierleid auf der Welt machen, müsste ich wahrscheinlich schon schreiend im Kreis laufen und die Wände hochgehen, weil vieles einfach zu erdrückend wirkt.

Also wird man irgendwann stumpf und taub, hat nicht mehr für jede Ungerechtigkeit auf diesem Planeten ein Ohr und ein Auge. Man hat weder die Zeit, noch die Möglichkeiten, noch die Kraft, an jeder Demonstration teilzunehmen, sei es virtuell in einer Petition oder live auf der Straße. Aus Wut wird Frustration, aus Frustration Resignation. Ich kenne das, und sehr viele andere Menschen vermutlich auch. Und ich möchte behaupten, die Medienwelt ist nicht ganz unschuldig am Geist der ohnmächtigen Wut, der über dem leben so vieler Individuen schwebt. Das „Alles-Wissen“, die Informationskultur, ist ein Geist, den wir seit der Aufklärung selbst gerufen haben.

Um hier mal etwas vorzugreifen: Es folgt keine Abhandlung über eine Kritik der Aufklärung, das ist kein Kolumnenthema. Was aber festzustellen bleibt – unsere Medienwelt schafft etwas, das einer harten Schwarz-Weiß-Fotografie gleicht. Nach dem Motto „Only bad news are good news!“ zeigen uns Fernsehen und Zeitungen, was Aufruhr schafft. Bilder von Bränden, hungernden Kindern, leidenden Tieren und Kriegsgebieten. Das ist alles richtig und wichtig, immerhin ist Wissen wichtig und hilft uns, Dinge, die falsch laufen, zu verändern. Das Manko ist nur: Das Bild, das uns die Mattscheiben dieser Welt spiegeln, ist insgesamt sehr düster.

Um ehrlich zu sein – wenn ich Kinder hätte, würde ich sie lieber einen Gruselfilm mit virtuellen Monstern sehen lassen als die Acht-Uhr-Nachrichten. Für mich sind die „Breaking News“ nämlich die eigentliche Horrorshow, weil sie eben so real sind. Ich fühle mich als Erwachsene schon manchmal mut- und hoffnungslos, weil ich ein zu kleines Rädchen bin, um das Uhrwerk anzuhalten, wie müssen solche Bilder dann erst auf die Kleinen, die die Welt erst kennenlernen, wirken? Kann man ihnen überhaupt eine Erklärung und Rechtfertigung dafür geben, was sich „da draußen“ abspielt? Vielleicht habe ich auch deswegen einen Heidenrespekt davor, eigene Kinder zu bekommen, es gibt Dinge, die ich ahnungslosen kleinen Wesen nicht antun will und die globale Universaldauerkrise gehört dazu.

So viel zum medialen Negativ des Weltbildes. Das Positiv, die Kehrseite der Darstellung, ist glamourös und im Hochglanzformat. Hier taucht man ein in die Welt der Reichen und Schönen, die kaum andere Sorgen zu haben scheinen als den weißen Anstrich ihrer Millionenvilla in Malibu oder den trendigsten Oscar-Dress. Oder man sieht perfekte, harmonische Familien im Eigenheim mit Hund und Traumgarten, immer witzige Männer-WGs und märchenhaft romantische Liebesgeschichten mit einer Happy-End-Hochzeit am Ende, die sich in der Realität kaum jemand leisten könnte. Doch wie auch bei der Villa bröckelt bei den Lichtgestalten der Hochglanzwelt irgendwann die Fassade. Was kommt danach? Ein riesiger Skandal natürlich. Selbst in sozialen Netzwerken kommt kaum ein Bild noch ohne eine langwierige Vorbearbeitung aus und jeder will so glücklich, erfolgreich und schön wie möglich wirken. Eine Lichtgestalt sein, eine „bessere“ Version des eigenen Lebens zeigen, ohne Augenringe, Chaos im Bad oder langweilige Bürobilder. Den Vogel soll wohl letztens eine Niederländerin abgeschossen hat, die mit viel Aufwand einen ganzen Urlaub für ihr Facebook-Profil inszenierte.

So funktioniert Polarität, irgendwo zwischen Apokalypseängsten und Barbies Glitzerwelt. Zwischen Katastrophenszenarien und hoffnungsloser Romantik. Die Frage ist: Wo in diesem ganzen Strom von Messages zwischen Plus und Minus befindet sich unser Durchschnittsleben, das, was wir Menschlichkeit nennen? Ich sehe sie jeden Tag. Wenn ein Kollege wegen eines Krankheitsfalls vollkommen überlastet ist und keiner sich wie ein „Kollegenschwein“ verhält und das einfach ignoriert. Wenn ein kleines Kind mir im Zug ein Scoobidoo-Band schenkt, weil ich mit ihm gemalt habe. Oder einfach, wenn die Verkäuferin mir mit meiner EC-Karte hinterherrennt, weil ich sie in der Eile einer kurzen Mittagspause fast vergessen hätte. Es macht mich nicht direkt zum totalen Optimisten, aber es zeigt mir zumindest, dass es zwischen Hochglanzbild und Negativ noch Graustufen gibt.

Wie steht ihr zum Thema? Findet ihr, dass einseitige Medienberichte und -formate uns beeinflussen, oder könnt ihr euch komplett davon freimachen? Hinterlasst mir doch einen Kommentar! 🙂

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