Cats Gedankenwelt: Kampfplatz Kind

„Eltern oder nicht Eltern- das ist hier die Frage!“ Oder, um die ganze Fragestellung noch ein wenig kniffliger zu gestalten: Wie wird man eigentlich „der perfekte Elternteil“? Wer heute Kinder bekommt, bekommt die Spannung eines Arenakampfes gleich mitgeliefert. Nicht nur, wie man es denken könnte, im Kinderzimmer zur Schlafenszeit, sondern auch auf dem virtuellen Kampfplatz, der sich „soziale Medien“oder auch „Gemeinschaft“ nennt. Doch auch die, denen nicht allzu viel an der Verbreitung der eigenen Gene liegt, bekommen oft einen rauen Gegenwind zu spüren.

Mir scheint, je weniger Kinder man auf den Straßen und Spielplätzen unseres Landes, desto präsenter sind sie auf Facebook, Twitter und in diversen (Online-)Zeitungen. Das Schlimme ist, dass diese armen kleinen Menschen nicht einmal etwas dafür können. Sie wurden eben in eine Welt hineingeboren, oder eher, in eine Region, wo sie fast schon wie ein exotisches Accessoire betrachtet werden – oder wie ein Projekt, das es zu optimieren gilt. Am besten schon im Mutterleib und vor dem ersten Kita-Besuch. Eines vorweg: Ich habe noch keine Kinder und weiß auch noch nicht, ab wann die Vorbedingungen für mich erfüllt sind, welche zu bekommen. Zum Beispiel ein unbefristeter Arbeitsplatz, ohne den für mich nichts geht in der Zukunftsplanung. Eine Einstellung, für die manche mich im virtuellen Raum beglückwünschen und andere bemitleiden oder verurteilen würden. Wie überall gibt es eben auch im Netz eine „Mehrheitsmeinung“, „Außenseiter“ und „Protestmeinungen“.

Vor allem, wenn es ums Thema Kinder geht, scheint die Netzgemeinde hochsensibel zu sein. Das fängt bei der Schwangerschaft an und endet .. niemals. Egal, wie alt die „Kinder“ inzwischen sind. Offen gesagt, kommt es mir vor, als würden Facebook & Co jeden Tag wieder von „Mami-Blogs“ und Elternratgebern, von subjektiven Erfahrungsberichten bis zu neu interpretierten Studien, überschwemmt. Das ist okay, ich kann meinen Newsfeed ja schließlich selbst sortieren und alles rausschmeißen, was mich nicht interessiert. Für den Moment belasse ich es dabei, auf dem Laufenden zu bleiben – einfach der Neugierde eines Beobachters wegen. Was ich allerdings absolut nicht in Ordnung finde und was mir immer wieder sauer aufstößt, ist der giftige Ton, in dem Mütter von „Stillkindern“ und „Flaschenkindern“, „Vollzeitmamis“/“Vollzeitpapis“ und „Vollzeitarbeiter“ mit Kita-Affinität und andere „verfeindete“ Gruppen im virtuellen Raum – und nicht nur dort – aufeinander losgehen. Öffentlich, für den Rest der Welt sichtbar. Und für diesen „Rest“ ist der andauernde „Krieg ums Kind“ eben … anstrengend. Fast so anstrengend wie detaillierte Erlebnisberichte von Kinderkacke über Supermarktanfälle bis hin zu Mama- und Papa-Intimzeiten.

Das Gute an den vielen Details aus dem Privat- und Sexleben wildfremder Leute in sozialen Netzwerken: Ich kann das Abonnement kündigen, einfach keine Frauenzeitschriften kaufen oder allzu rührselige oder reißerische Artikel einfach ignorieren. Sprich, niemand zwingt mich, mir Stillfotos, Berichte über Babykotze und „bedingungslose Liebe“- Schwärmen wirklich anzusehen. Leider ist das in der „echten“ Realität nicht so einfach, wo ziemlich dicke Luft herrscht, wenn man in gemütlicher gemischter Runde auf das Thema „Kinder“ kommt. Für die Einen geht es nicht ohne; die Anderen rollen schon mit den Augen, wenn sie nur ein einziges Kind irgendwo weinen hören. Extrembeispiele in die eine oder andere Richtung begegnen mir immer wieder – im Laden, in der Arztpraxis oder auch im Zug.

Wo immer sich viele Menschen treffen, ob online oder offline, treffen zahlreiche Meinungen und Weltanschauungen aufeinander. In allen Lebensbereichen – auch beim Thema Kinder. Und so streitet sich die (Internet-)Gemeinschaft der Erwachsenen teilweise bis aufs Blut und drehen jedes Wort der Mitdiskutierenden dreimal um. Dabei fallen plakative, provozierende und manchmal sogar beleidigende Worte. Mütter beschimpfen Mütter als „Glucken“, „egoistisch“ oder „unfähig“; Männer und Frauen wettern wahlweise gegen „Lieblosigkeit“ und „Überbehütung“, „Helikoptereltern“ und „schlechten Vorbildern“. Es scheint, als wolle „es“, also die Erziehung des heranwachsenden Steuerzahlers, jeder am besten machen; fast wie bei einem Wettbewerb, bei dem als Preis eine Auszeichnung als „Eltern des Jahres“ winkt. Doch wofür eigentlich?

Bei genauerer Betrachtung erinnert mich der „Kult ums Kind“, der besonders unter Frauen gepflegt wird, die auch den „Mutterkörper“ geradezu verehren ein ziemlich antiquiertes Weltbild, in dem sich Frauen nur als „Lebensspenderinnen“ und Familienmenschen betrachteten. Also irgendwann vor dem Wahlrecht und der Ausübung eines Berufes ohne Einwilligung des Ehemannes. Ist das Kind am Ende ein weiteres Rädchen in der „Optimierungsmaschine“? Und wenn ja – wem nützt es, sich als „perfektes“ Elternteil im Vergleich zu anderen zu profilieren und dabei wie in einer Sekte alle bekehren zu wollen? Nicht den Eltern und bisher Unentschlossenen auf jeden Fall – denn ihnen werden überhöhte Erwartungen und mehr Hürden als nötig präsentiert. Auch nicht den (gewollt) Kinderlosen, die so unter „Dauerbeschuss“ stehen. Und, was viel wichtiger ist: Es nützt am wenigsten den Kindern, die so zum Spielball im Match der Rechthaberei werden – und die sich nicht einmal wehren können.

  1. Kinder und ich kommen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zu einander …
    Einer ist z.B. die Frage nach dem „richtigen“ Weg …
    Perfekt sein? Geht das? Nein – schon gar nicht als Elternteil …

    Liebst
    Justine

  2. Kinder sind in unserer Gesellschaft wirklich zum Satussymbol geworden. Ich finde Kinder toll. Sie sind ehrlich, aber auch anstrengend, wenn die Eltern es nicht schaffen Grenzen zu setzen, da sie das schlechte Gewissen plagt ( da sie so lange arbeiten) usw. Macht man diesen Kinder-Hype ab einem bestimmten Alter nicht mit, oder ist noch unentschlossen wird die Frau oft mitleidig angeschaut oder soll zu ihrem „Glück“ überredet werden. Geht sie darauf nicht ein, wird sie als egoistisch dargestellt. Aber was hat das EINE mit dem ANDREN zu tun? Ist es nicht genauso egoistisch die Kleinen in die Öffentlichkeit zu stellen, um zu zeigen, dass man es geschafft hat?
    Liebe Grüße

  3. Ein sehr schweres Thema.
    Für mich persönlich sind Kinder ja ein rotes Tuch – und eben auch das ständige Berichten über Kinder …
    Daher kündige ich meist das Abo in den Netzwerken wenn es mir zuviel wird …

    Liebst,
    Justine

  4. Du hast so recht! Ich finde es auch krass, dass Kinder so oft als Statussymbol dienen und man möglichst viele tolle Fotos postet. Eigentlich dienen sie der Selbstdarstellung, wenn andere sehen wie süß doch das Kind ist. Aber das ist nicht in Ordnung. In Maßen gerne finde ich, denn es ist schon schön kleine lustige Anekdoten zu hören, aber Mütter die ihre Kinder jeden Tag 10x ins Netz stellen, da tun mir die Kinder etwas leid.

    Ich wünsche dir einen wundervollen Tag <3
    Liebst, Sarah von Belle Mélange

    • cats Kolumnen

      Puh … ich sag mal so, man hat ja – zum Glück – die Option, Inhalte „nicht sehen zu wollen“ und zu überscrollen. Ich würde mir einfach wünschen, dass besonders Frauen auch mal anders zu „lesen“ sind als „nur“ in der Mutterrolle und als körperliche Wesen. Oder habe ich einfach die falsche Newsfeed-Selektion?

  5. Genau wie Herloise bin ich in der schule unterwegs – als studentin, aber mit einer menge praktischen erfahrung. beim thema eigenes kind im kontrats zu den anderen brennen da schon mal ein paar synapsen durch bei so manch einem elternteil…. aber alle sind gottseidank nicht so.
    da wird einfach jeder weiterhin seine eigene suppe kochen- und vielleicht kannst du eltern erst verstehen, wenn du selbst ein elternteil geworden bist.

    • cats Kolumnen

      Auf mich wirkt diese ganze „Hysterie ums Kind“ eher (zusäzlich) abschreckend. Mich stört vor allem, wie sehr diese Konflikte in sozialen Medien und anderswo noch „gepusht“ werden.

  6. Gott, da sagst du was… Ich bin Lehrerin und habe damit täglich zu kämpfen. Und mein Eindruck ist, die Kinder, deren Eltern sich am meisten mit dem Eltern sein blähen, die werden am schnellsten zu wirklich unerträglichen kleinen Narzissten -.-

  7. Das ist mir auch schon aufgefallen , ich folge auf Insta n par Mädels die Kinder bekommen haben und da ists teilweise richtig krass was die für Kommentare kriegen . Meine Mutter ist Kleinkinder Erzieherin und hat da dann jeweils nochmals ne eigene Meinung dazu , ich bin zurzeit wirklich froh das bei mir keine Kinder geplant sind.

    LG Faye

  8. CarosSchminkeckchen

    Man wird nie auf einem Standpunkt kommen..es wird einfach immmer unterschiedliche Meinungen geben. Die Menschen sind zu verschieden.
    Liebe Grüße
    Carolin

  9. Man muss hier glaub ich einfach seinen eigenen Weg finden. Es wird immer welche geben die meinen es besser zu wissen und zu machen aber mit dem eigenen Bauchgefühl und Verstand wird man auch mit den eigenen Kindern seinen Weg finden, wie bei allem anderen auch. Nur dieses ständige reinreden ist bestimmt wirklich nervig, davon sollte man sich etwas abschotten können 🙂
    Liebe Grüße, Mona

  10. Man wird nie perfekte Eltern sein, weil es immer etwas zu meckern gibt.
    Die heutige (online) Zeit bringt viele Vor- und Nachteile mit sich.

    Man sollte sich viele Gedanken um das eigene Kind machen, es aber nicht übertreiben und schon gar nicht sich selbst vergessen.

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