Cats Gedankenwelt: Heiler auf vier Pfoten

Manche Themen haben einfach nichts mit dem Geschlecht zu tun – zumindest nicht vorrangig. Um diesen Themen Raum zu geben und meine Gedanken mit euch, den „Ritter“-Lesern, zu teilen, gibt es nun die Rubrik „Gedankenwelt“.

Wissenschaftliche Studien bestätigen, was die Tierhalter unter uns schon lange wussten: Tiere sind sehr sensibel und können echte Heilkünstler sein. Sie können zwar kein ACC Akut von Paracetamol unterscheiden, dafür liegen ihre Talente eindeutig woanders. Durch ihre Bindung zu uns und unser Verhalten spüren sie, wie es uns geht. Ein Beispiel aus dem Leben: Unsere beiden Katzen, Mira und Maya. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein – Mira hat schwarzes Fell mit weißem Lätzchen und weißen Pfötchen, eine „Butlerkatze“, nur, dass sie für einen Butler eine Ecke zu fordernd miaut und Füße im Bett jagt. Hartnäckig, resistent gegen Gemecker und vor allem gegen Lärm. Maya ist das totale Gegenteil, eine „Kuhkatze“, weiß mit schwarzen Stellen im Fell. Sie ist eine stille, zurückhaltende Gesellin und erst einmal vorsichtig, mit wem sie sich abgibt. Doch auf mich ist sie so bezogen, dass sie sich sofort zu mir legt, während Mira sich meinen Freund und seinen Schoß als „Übermama“ auserkoren hat (nicht, dass sie mich deswegen weniger anmaunzt, wenn es um das Wesentliche geht …) .

Am letzten Freitag kam ich vollkommen fertig von meinem Arbeitsort wieder in mein Wochenenddomizil, das meine eigentliche „Herzensheimat“ ist. Denn dort ist der Mann, der mir neben meinem Papa der Wichtigste im Leben ist – und dort warten auch unsere schnurrigen Fellbündel auf uns. Nun, das vergangene Wochenende wurde mir fast vollkommen vergällt, denn mein Körper hat sich anscheinend mit der Gewerkschaft der Lokführer abestimmt und trat erst einmal konsequent nach einer Zahnentfernung und dem Aufkommen einer Erkältung in den Generalstreik. Fast den gesamten Samstag war ich im Bett und ärgerte mich mit all den fiesen Bazillen herum, die sich ausgesucht hatten, mir gerade jetzt einen Besuch abzustatten. Bemüht, widersprüchlichen Genesungstipps zu folgen, die Zahnlücke und Rhinoviren erfordern („Vermeiden Sie Wärme – kühlen Sie notfalls die operierte Stelle“ vs. „Halten Sie sich so warm wie möglich und vermeiden Sie Unterkühlung“), Kurz: Normalerweise wäre das Wochenende im Eimer gewesen, total trostlos allein im Schlafzimmer (allein, weil ich meinen Partner nicht anstecken wollte). Wären da nicht Mira und Maya.

Besonders Maya – so scheint es – hat ein besonderes Gespür für mich entwickelt. Wenn ich bei seltenen Gelegenheiten doch mal krank im Bett liege oder einfach nur down bin, legt sie sich einfach nur neben mich, notfalls mit respektvollem Abstand, und … .ja, ist einfach da. Wenn ich schlecht träume, was hin und wieder vorkommt, schnurrt und tretelt sie, bis ich wach bin oder mein Traum sich wieder zum Guten wendet. Auch an diesem Samstag wich mir mein „Dreamcatcher“ und felliger Schutzengel selten von der Seite, wobei Mira ebenso hin und wieder zu uns kam und sich zu uns gesellte.

Ich liebe meinen Freund und mag meine Verwandten und Freunde, aber wenn ich krank bin und nicht mal das essen kann, was mir schmeckt, sind menschliche Beziehungen einfach nur eine Herausforderung. Gemäß dem Motto: Nach müde kommt doof, nach hungrig kommt bissig und nach krank kommt einfach nur grumpig. Und kommt alles zusammen, ist es wahrscheinlich ein Verstoß gegen die Menschenrechte, mich in die Öffentlichkeit zu wagen. Die Katzen sind keine Menschen, deswegen sind sie wohl die Einzigen, die durch ihr Dasein die Dinge etwas einfacher machen können. Es braucht nicht viele Worte oder Absprachen, nur ein stilles Übereinkommen: Sie kommen und gehen, wann sie wollen, und ich freue mich über ihre stille Zuwendung und ihr beruhigendes Schnurren.

Tiere können aber nicht nur beruhigen, sondern auch motivieren und anregen. Heute Nachmittag kam mein Freund von der Autoreparatur runter und fragte mich: „Was hältst du von einem Picknick?“ Ich schaute ihn nur an, als hätte er mich gefragt, ob wir ein Haus auf dem Mars kaufen wollen. „Picknick?“, fragte ich mit einer Spur Entgeisterung. „Ja, wieso denn nicht – bist du neuerdings ein Vampir und verträgst keine Sonne?“ Ich fragte mich, wie er ernsthaft auf diese Idee kommen konnte, gerade jetzt einen Picknickkorb packen zu wollen. „Ja, klar mag ich Sonne, aber …“ Ich zeigte stumm und ein wenig vorwurfsvoll auf die Stelle, wo meine frische Zahnlücke war. „Ach, du findest schon was.“ Männer, dachte ich ein wenig grummelig und ging runter zur Nachbarin, um mir von dort aus irgendetwas Breiiges zu schnorren, denn als Vollkorn- und Milchproduktehaushalt sind wir eigentlich nicht auf Zahnschonkost ausgelegt. Auf dem Weg nach unten hörte ich auch den Hund der Nachbarn jaulen. Armer Kerl. Wir beschlossen, ihn mitzunehmen, so bekamen wir wenigstens alle etwas frische Luft und ich mehr Motivation, trotz Infekt ein wenig Sonne zu tanken,

An Hunden fasziniert mich vor allem, wie einfach sie zufriedenzustellen sind. Unser Nachbarshund kann 100-mal hinter dem gleichen Ball herjagen und immer noch Spaß daran finden. Nebenbei habe ich dann auch eine Weile das Husten und Niesen vergessen und auch, dass kalte gebackene Bohnen aus der Dose eigentlich nicht gerade mein Lieblingsessen sind. Letztendlich wurde es doch ein schöner Nachmittag – mit Hund, Sonne und Konservenbohnen. Immer wieder muss ich feststellen: Es ist nicht ohne Grund so, dass immer mehr Tiere in der Therapie zugelassen werden. Sie sind beizeiten eben Heiler auf vier Pfoten.

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