Cats Gedankenwelt: Generation P und das reale Leben

Manche Themen haben einfach nichts mit dem Geschlecht zu tun – zumindest nicht vorrangig. Um diesen Themen Raum zu geben und meine Gedanken mit euch, den „Ritter“-Lesern, zu teilen, gibt es nun die Rubrik „Gedankenwelt“.

Selbstporträt - Anna Stainer-Knittel
Selbstporträt – Anna Stainer-Knittel

Mich faszinieren soziologische Studien. Ich finde es hochinteressant, zu erfahren, in welchem Ausmaß und warum sich der weibliche Teil der Weltbevölkerung oft unwohl in der eigenen Haut fühlt; warum es manchen Männern so schwer fällt, eine mit der aktuellen Zeit vereinbare Identität zu finden und was es mit dem Zusammenhang von Geschlecht, sozialer Herkunft, Äußerlichkeiten und Chancen im Berufsleben auf sich hat. Ich setze mich auch oft und gerne mit der Frage auseinander, was eigentlich mit unserer hiesigen Demographie los ist und was diese Welt zu einer besseren für eine Generation neuer Erdenbürger machen könnte.

Aber „Generation“ ist das eigentliche Stichwort für diesen Ausflug in Cats Gedankenwelt. Es geht um die Generation, der ich angehöre, die sogenannte Generation Y. Alias „die Ypsiloner“ oder „Generation Why“. Um die widersprüchlichen Aussagen – auch von Soziologen – zu unseren Jahrgängen von etwa 1980 bis 1996, in Kürze wiederzugeben: Wir sind anspruchsvoll, aber anpassungsfähig. Egoistisch, aber stille Weltverbesserer. Weltkritisch und doch irgendwie viel zu wenig mutig dabei. Umweltbewusst, aber dabei vollkommen abhängig von Technik. Sprunghaft und unberechenbar, aber dabei doch auf Balance bedacht. Es wird viel über die Generation Y geschrieben, wie auch schon über die Babyboomer, die Generation Internet und die Generation X geschrieben und gesagt wurde und ich ziehe meinen unsichtbaren Hut vor all jenen, die es sich zur (Lebens-)Aufgabe gemacht haben, Milliarden Menschen weltweit in Buchstaben und Kategorien einzuteilen. Ich könnte das nicht, mir wäre das zu anstrengend und, um offen zu sein, viel Sinn sehe ich darin auch nicht.

Foto: Katherina Ibeling
Foto: Katherina Ibeling

Eigentlich bin ich gegenüber der Annahme, ein einfacher Buchstabe könne die Bedürfnisse und Lebensentwürfe von so vielen Menschen beschreiben, mehr als skeptisch, aber weil eben jeder das Brimborium mitmacht und ich auch meinen 50 Cent an Gedanken dazugeben möchte … nenne ich die Generation, die ich in meinem Umfeld erlebe, lieber „Generation P“. P steht hier nicht für Party und auch nicht für Praktikum (auch wenn das für viele junge Leute auf dem Arbeitsmarkt durchaus treffend erscheint), sondern schlicht für „Pragmatismus“. Die meisten Menschen, die ich in meinem näheren und weiteren Umfeld kennengelernt habe, sind keine Hedonisten, wie man es uns gerne mal vorwirft. Sie sind auch keine Rebellen, die alles und jeden hinterfragen, denn, wie wir aus Soziologie und Philosophie wissen, kann einen die ständige Hinterfragung von allem und jedem viel Zeit und Nerven kosten oder einen gar vollkommen zu Boden ringen.

Wir wissen, dass auf dem Arbeitsmarkt nur der „überlebt“, der Durchhaltevermögen und Disziplin beweist und ein cleveres Selbstmarketing betreibt – wir haben es ja auch seit Anbeginn unserer Schul- und Studienzeit nie anders vermittelt bekommen. Wir sind uns auch darüber im Klaren, dass sich eine Menge auf diesem Planeten ändern muss. Es erfüllt uns mit Sorge, Wut und Skepsis, wenn wir jeden Tag erneut in den Nachrichten hören, was für eine Spur der Zerstörung unsere Spezies Stunde um Stunde hinterlässt, und doch besitzt der Einzelne nicht die Möglichkeiten, die ganze Welt auf einmal zu retten. Jeder kann seinen Teil dazu tun, sicherlich, das ist realistisch. Viele geben sich selbstsicher, stecken aber voller Ängste und fragen sich: Quo vadis, vita?- Leben, wohin soll es gehen? … Nicht wenige suchen auch einfach nach Sicherheit, sehen sich allerdings mit einem Umfeld konfrontiert, das ihnen stattdessen die absolute Flexibilität anbietet, gerade, wenn es ums Geldverdienen geht. Probleme werden in der Öffentlichkeit thematisiert, und das nicht zu knapp – Lösungen? Ach, die schafft euch mal selbst … Chancen gibt es ja genug. Notfalls eben ganz woanders, als ihr eigentlich hinwolltet.

Wir, die „Generation P“, sind eigentlich gar nicht so viel anders als die „Generationen P“ zuvor. Denn Pragmatismus heißt eigentlich nichts anderes, als die Herausforderungen und Probleme anzupacken, die uns irgendein Vorgänger hinterlassen hat, ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren. Das haben die Nachkriegsgenerationen nach dem Krieg getan, indem sie eine gesamte Gesellschaft inklusive ihrer Lebensräume neu aufbauen mussten, und die Babyboomer, indem sie den aufgebauten Wohlstand dazu nutzten, auch die Bevölkerungszahlen mit wachsen zu lassen. Das hat die Generation Internet getan, indem sie bisher papier- und verlagsgebundene Informationen mit dem Aufkommen des virtuellen Online-Geschehens kostenlos für alle zugänglich machten. Die Generation X hat sich jeden Schritt auf der Erfolgs- und Karriereleiter hart erarbeitet, oft mit großen Opfern und Einbußen für das Privat- und Familienleben.

Wir, die Generation Y, oder auch die „neue Generation P“, haben mit steigenden Umweltbelastungen, der globalen Wirtschaftssituation, einer Menge Schuldgefühlen für alles, was in der Welt geschieht und mit dieser heimlichen, ständigen Unsicherheit derzeit genug zu tun. Doch wir sind keine Superhelden, sondern auch nur Menschen und müssen unsere eigenen Chancen und Möglichkeiten suchen, manchmal kühl berechnend, manchmal per Trial-and-Error-Verfahren und hin und wieder auch rein aus dem Bauch heraus. Viele von uns werden es schaffen und den richtigen Weg finden – für sich selbst und im Sinne von Belangen, die allen helfen.
Dabei ist die Frage nach einem Buchstaben eigentlich vollkommen unnötig – zumindest sagt das meine innere pragmatische Stimme. Denn leben und zurechtkommen müssen wir am Ende alle, ob wir uns nun A, C, L oder eben P nennen. Man darf sich eben nur kein X für ein U vormachen lassen.

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