Cats Gedankenwelt: Eine Bahnsinnsgeschichte – Teil 2

Bahnreisende können viel erleben
Bahnreisende können viel erleben

Es ist eine Weile her, dass ich die skurrilsten Geschichten von meinen Bahnreisen hier zum Besten gegeben habe. Seitdem ist auf Schienen wieder einiges passiert; Erheiterndes, Nerviges, oder auch einfach nur Absurdes. Daher geht der „Bahnsinn“ hier in eine zweite Runde.

Vor allem Langstrecken- und Wochenendpendler kennen das zu gut – Bahnfahren gleicht manchmal einem Überraschungsei, man weiß nie, was man bekommt. Gäbe es eine soziologische Studie über Bahnfahrer, würde vermutlich folgendes herauskommen: Bahnfahrer und vor allem die Pendler unter ihnen sind oftmals (gezwungenermaßen) stressresistent, regen sich weniger über Kleinigkeiten wie kurze Verzögerungen auf und zeigen sich in unglücklichen Situationen äußerst gesellig und solidarisch. Kein Wunder, denn häufiges Reisen mit dem „Unternehmen Zukunft“ erfordert eben genau solche „Soft Skills“ – Geduld, Gelassenheit, kreative Lösungen und eine ausgeprägte Hilfsbereitschaft gegenüber anderen Mitreisenden. Nicht zu vergessen eine gute Prise Humor – wie ich letztens erst wieder feststellen durfte.

Total tote Hose: Manchmal geht es einfach nicht weiter!

Normalerweise beträgt meine Pendelstrecke, die ich an manchen Freitagen und den meisten Sonntagen zurücklege, nur rund 250 Kilometer und dauert dreieinhalb bis vier Stunden. Das ist gut aushaltbar und bietet einem einen gewissen Zeitpuffer, um zum Beispiel einen Blogbeitrag zu schreiben. Doch die Deutsche Bahn wäre ja nicht die Deutsche Bahn, wenn immer alles nach Plan liefe (bei wem tut es das schon). Manchmal kommt man gar nicht erst so los, wie man es sich vorstellt – so wie einmal vor ein paar Monaten, als der Zug gerade losgefahren war und nach einer Station bereits umkehren musste. Grund: eine erst einmal irreparable Weichenstörung. Uns blieb letztendlich nichts übrig, als uns doch noch zu später Stunde ins Auto zu setzen und nach Norddeutschland zu düsen, damit ich am nächsten Tag zur Arbeit erscheinen konnte.

Zugegeben, die Fälle, in denen man so gar nicht mit der Bahn oder dem entsprechenden Schienenersatzverkehr vom Fleck kommt, sind recht selten. In der Regel kommt man irgendwie an – trotz mancher Fahrplanänderung oder Verspätung. Wenn aber etwas beginnt, schief zu laufen, dann gilt meist Murphys Gesetz und eine Panne kommt selten allein. Hin und wieder landet man auch buchstäblich „am Arsch der Welt“ – so wie ich und 50 andere Fahrgäste letztens im Regionalzug in Richtung Oldenburg. Eigentlich hatte ich meine Route nach bestem Wissen und Gewissen geplant, sogar den etwas teureren ICE über Kassel ausgewählt, um zu viele Umstiege zu vermeiden. Bei einer halben Stunde Aufenthaltszeit kann je eigentlich kaum etwas, passieren, dachte ich. Außer, dass es statt 35 Minuten Wartezeit auf den ICE auf einmal zwei Stunden werden sollten. Wenn auf der Anzeigetafel am Bahnsteig geradezu hämisch die Leuchtschrift erscheint: „ICE XYZ – etwa 90 Minuten Verspätung“, wissen erfahrene Bahnreisende, was zu tun ist. Also sich entweder ärgern und sich ein Restaurant mit Sitzgelegenheit suchen, oder aber nach der schnellstmöglichen, „zweitklassigen“ Regionalverbindung schauen.

Wer keinen Humor hat, sollte das Bahnfahren seinlassen - sonst droht Bluthochdruck!
Wer keinen Humor hat, sollte das Bahnfahren seinlassen – sonst droht Bluthochdruck!

Ich hatte also (erst einmal Glück) – eine halbe Stunde später als eigentlich geplant fuhr doch noch eine Regionalbahn. Voll, eng und stickig, aber immerhin: Besser als gar nicht vorankommen. Dann kurz vor Ahlhorn die Durchsage, ein umgestürzter Baum versperre ab Ahlhorn die Strecke, „Bitte steigen Sie in Ahlhorn in die bereitgestellten Ersatzbusse“. Naja, denke ich mir dann immer, das kommt bei Sturm eben mal vor. Übrigens auch schon einmal so vorgekommen im letzten Winter, als die Züge von Bremen nach Oldenburg einen ganzen Tag lang wegen Sturmschäden auf der Strecke nicht fuhren. Ich freute mich insgeheim also schon auf einen komfortablen Bussitz – auch wenn mein Anschlusszug so oder so weg sein würde. Aber warum fährt man auch eine Stunde eher los, ein guter Bahnfahrer weiß: Pufferzeit muss sein.

Was danach passierte, hätte jedoch niemand der noch inzwischen rund 50 Mitreisenden erwartet. Anstatt uns bis nach Oldenburg zu fahren, hielt der zuständige Busfahrer nach einer ewig scheinenden Kurvenfahrt über Ortschaften, deren Namen ich vorher noch nie gehört hatte, an einem einsamen Ort namens Huntlosen. „Huntlosen“ klingt übrigens nicht nur so, als sei dort der Hund begraben – Dorf und Bahnhof sehen auch genau so aus. Es mag zweifellos ein schöner Ort für motorisierte Familien sein, die idyllisch wohnen wollen – als Knotenpunkt für wartende Zuggäste ist er aber schlicht ungeeignet, ohne Süßigkeiten- und Getränkeautomat und ohne Bahnhofstoilette. „Da kommt gleich ein Zug zur Weiterfahrt“, hat man uns versichert. Also warteten wir. Es war inzwischen fast Mitternacht und kein Zug in Sicht. Um Viertel nach zwölf, nachdem wir fast eine Stunde am zugigen Bahnsteig mitten in der Pampa gewartet hatten, machte sich die Karawane wieder zur Bushaltestelle auf, um dort wieder peitschendem Regen und Sturm zu trotzen. Die Ersten witzelten schon über eine „unerlaubte Demo am Arsch der Welt“, die Zweiten riefen nach Freibier und die Dritten riefen bereits ihre Kumpels, Mitbewohner und Familien an, damit diese wieder aus ihren Betten aufstanden und sie von diesem Bahnhof, wo einfach der versprochene Bus nicht kommen wollte, abholten.

Idiotensichere Toilettentüren sind die Regel - aber es gibt auch Ausnahmen
Idiotensichere Toilettentüren sind die Regel – aber es gibt auch Ausnahmen

Tatsächlich kam ein Bus vorbei – nur war dieser schon voll. Die Fahrerin versprach, „da kommt gleich noch einer“. Also wieder Warten – und zwar bis Viertel nach eins am Morgen. Inzwischen spielte ich mit dem Gedanken, mir ein Hotel in Oldenburg zu nehmen und einen Erstattungsantrag bei der Bahn einzureichen. Doch dann hatte ich in dem ganzen Schlamassel noch Glück. Irgendwann gegen halb eins sprach mich nämlich ein junger Mann an: „Entschuldigung, ich habe gerade gehört, Sie müssen auch nach Delmenhorst?“ Er wollte seinen Mitbewohner anrufen – leider hatte sein Handy keinen Akku mehr. Handy laden am Laptop gegen Mitfahrgelegenheit bis vor die Haustür, das hielt ich für einen fairen Deal. So kam es, dass ich mit zwei fremden Soldaten in ein Auto einstieg, etwas, das ich unter „normalen“ Umständen nicht tun würde. Aber ungewöhnliche Situationen erfordern besondere Mittel.

Wie entspannt man mit der Bahn reist, hängt von Strecke und Verkehrslage ab
Wie entspannt man mit der Bahn reist, hängt von Strecke und Verkehrslage ab

Dass der Bus nach Oldenburg doch noch kam, sahen wir, nachdem wir diverse Taxiunternehmen in Delmenhorst und Oldenburg für andere Mitfahrer angerufen hatten und diese wieder abbestellen mussten, als der Bus schließlich unverhofft in Sichtweite kam. Ende gut, alles gut – dennoch, als ich meinem besorgten Ehemann zu Hause meine sichere Ankunft vermelden konnte (etwa gegen zwei Uhr nachts), sagte er nur: „Na, das war ja mal wieder eine Bahnsinnsgeschichte!“ Manchmal passieren auch innerhalb des Zuges die seltsamsten Dinge; so kam es letztens, dass ein Betrunkener sich derart ungünstig in der Toilette eingeschlossen hatte, dass die Feuerwehr ihn am Zielort hinaus sägen musste. Und da sage noch einer, die Türen bei der Deutschen Bahn seien idiotensicher. Der erste basserstaunte Kommentar des Bahnangestellten: „Das habe ich ja in meinen letzten zehn Dienstjahren nicht erlebt!“ Hin und wieder erlebt man in der Bahn eben Dinge, von denen man nicht wusste, dass es sie gibt. Habt ihr über die Feiertage auch kuriose, „bahnbrechende“ Erlebnisse gehabt? Dafür ist natürlich Platz in den Kommentaren. Egal, wohin die Reise euch also führt: Kommt gut an!

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