Cats Gedankenwelt: Die Tyrannin

Ein kleines Gedicht über Körperwahrnehmung – und nicht ohne ein wenig Humor zu lesen …

In meiner Welt bin ich eine Königin.

Ich richte und entscheide, ehre und verstoße

ganz allein und souverän.

Mein Reich ist perfekt organisiert

alle Teile sind dort, wo sie hingehören

und sie funktionieren meist, wie sie sollen.

Alle Organe meiner Herrschaft sind vernetzt,

tun in harmonischer Einheit ihren Dienst,

murren kaum, begehren selten auf.

Und wenn es doch an irgendeiner Stelle hakt,

dann habe ich eine Menge Wege,

die Untertanen zu unterstützen und zu motivieren.

 

Ich tue jeden Tag das, was eine Königin tun muss.

Herausfordern, antreiben, bestrafen,

aber auch Belohnungen und Vorteile zusichern,

wenn die Dinge zu meiner Zufriedenheit laufen.

Und wenn ich mal nicht weiter weiß,

suche ich Hilfe bei einem Berater.

 

Es gibt draußen eine Fülle von Beratern,

die genau wissen, wie mein Reich zu sein hat,

damit es für die Ewigkeit bestehehen kann.

Sie schauen sich jedes Staatsorgan, jede Schicht,

jeden Untertan an, rufen zum Verhör,

geben mir Meldung über die schwächsten Glieder.

 

Also höre ich auf ihre Empfehlung,

mache ihre Entscheidungen zu meinen.

Ich erlasse neue Gesetze darüber,

wem wie viel Nahrung und Achtsamkeit zusteht,

wer für seine Leistungen geehrt wird

und wer noch eine Lektion lernen muss.

 

Als Königin repräsentiere ich mein Reich,

bin eitel und lege Wert auf das Urteil anderer.

Elemente, die es ins rechte Licht rücken,

zeige ich gerne her, verweise stolz auf sie.

Wer mich bloßstellt, den verstecke ich,

verändere und bestrafe ihn, ersticke Widerstand.

 

Als Tyrannin fürchte ich Veränderungen,

das Unsichere, das ich nicht steuern kann.

Ich bin eine Königin und ich erwarte,

dass meine Untertanen das tun, was ich befehle.

Was sich nicht anpasst, wird ausgemerzt,

umerzogen, verstoßen, unsichtbar gemacht.

 

Ja, ich bin eine berechnende Tyrannin,

mein Körper ist mein Reich, mein Stolz.

Er ist das, was jeder zuerst von mir sieht,

das, was mich unterstützt, solange ich dafür sorge.

Er ist von mir abhängig und ich von ihm.

So ist sie wohl – die weibliche Selbst-Beherrschung.

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