Cats Gedankenwelt: All you can(‚t) eat!

P1050639Ob Low Carb, Paleo, Frutarier, Vegetarier, Veganer, Steakliebhaber oder Genuss aus der Region – jeder Mensch hat seinen eigenen Ernährungsstil, wie er seinen eigenen Modestil hat. Ärgerlich nur, wenn die Stimmen, die einem alles verbieten wollen, was Spaß macht und schmeckt, sich derzeit lauter denn je in unsere Köpfe bohren wollen. Das kann einem ganz schön den Appetit verderben.

Wir alle müssen essen. Es ist ein Grundbedürfnis aller Lebewesen, Energie zu sich zu nehmen und zu verwerten. Im besten Fall bringt uns das auch noch Genuss und eine gewisse Form von Zufriedenheit. Nun ja, zumindest sollte es das – gäbe es nicht diese vielen kleinen, zynischen Stimmen, die uns vergessen lassen wollen, dass Nahrung uns mehr als nur Sättigung gibt. Und Zeitgenossen, die sich das „richtige“ und „falsche“ Essen zum Lebensziel erklärt haben. Aber gibt es ein „Richtig“ und ein „Falsch“, wenn es um die schönste Hauptsache der Welt geht? Vor allem aber, worin liegt der missionarische Ehrgeiz mancher Menschen, anderen die Speisen auf ihrem Teller madig zu machen? Eine Typologie.

Immer nach Vorschrift essen? Wie langweilig ,,,
Immer nach Vorschrift essen? Wie langweilig ,,,

Immer diese Kalorienspalterei! Ich weiß nicht genau, wer wann damit begonnen hat, unsere Nahrung begrifflich in immer kleinere Elemente aufzuspalten und jedes davon mit detaillierten Mengenangaben zu listen. Inklusive Durchschnittstagesbedarf – und den „gesundheitlichen Vorteilen“ des Nahrungsmittels, ob nun wahr oder nur PR-geschönt. Jedenfalls kann es ganz schön nerven, ständig eine Welt „guter“ und „böser“ Nährstoffe vor Augen zu haben oder auch von anderen ungefragt dauernd daran erinnert zu werden.

Schreckgespenst Krebs und andere Panikmache. Es ist gut zu wissen, wenn eine reale Seuche das Fleisch im Supermarkt und auf den Wochenmärkten gefährlich macht. Oder wenn ein Spritzmittel auf Obst und Gemüse für uns oder die Umwelt tödliche Folgen hat. Eigentlich können wir für jede fundierte Studie dankbar sein, die über wirkliche große Gefahren aufklärt. Doch wie seriös können Meldungen um neue „krebserregende“, „gefährliche“ Stoffe in Nahrungsmittel noch sein, wenn gefühlt jeden Tag neue Schreckensnachrichten über das Internet über wenig fundierte Nachrichtenportale verbreitet werden?

Diäten, Diäten, Diäten. Der Verzicht auf alles, was schmeckt und Freude macht, scheint schon seit jeher eine Art der Selbstoptimierung zu sein; von der vor allem Frauen seit Cleopatras Zeiten Gebrauch gemacht haben. Doch auch bei Männern im Sport haben schon immer bereitwillig Einschränkungen in Kauf genommen, um ihrer athletischen Form auch weiterhin Rechnung zu tragen. Sei es bei den frühen Olympischen Spielen oder im heutigen Profiradsport. Das ist gerechtfertigt und passt in den Sport – dennoch sollten Sportler und auf Aussehen bedachte Menschen nicht alle anderen „missionieren“ wollen, die diese Leidenschaft für das „richtige“ Essen nicht uneingeschränkt teilen.

Sein Essen zu publizieren, liegt im Trend - deshalb haben wir es zur Anschauung auch mal gemacht!
Sein Essen zu publizieren, liegt im Trend – deshalb haben wir es zur Anschauung auch mal gemacht!

Das ewige schlechte Gewissen. In Ordnung, die ethischen Gründe gegen Fleisch, Milch, Eier und gegebenenfalls nicht fair gehandelte Lebensmittel gehören noch zu denen, die mich am ehesten berühren. Im Grunde will niemand viel über Massentierhaltung, ausgebeutete Landwirte und unmenschliche Produktionsbedingungen etwas hören und lesen – dennoch muss ein Bewusstsein entstehen. Dies lässt sich jedoch nicht mit der Holzhammermethode erzwingen, denn Erkenntnisse müssen immer freiwillig kommen und akzeptiert werden.

Das Verteufeln von Alltagsritualen. Wir haben oft schon von Kindheit an bestimmte Ernährungsmuster, die uns prägen. Bei mir war es zum Beispiel zu Hause seit jeher üblich, dass es morgens Toast mit süßem Aufstrich oder bestimmte Arten von Cerealien zu essen gab. Was soll ich sagen, ich bin fast dreißig – und habe diese „Tradition“ immer noch so verinnerlicht, dass ich sie gar nicht hinterfrage. Ebenso gab es bei uns zu Hause über Jahre hinweg samstags fast immer Pasta mit unterschiedlichen Soßen und sonntags Kartoffeln mit Fisch oder Gemüse. Und ja, mir gibt es immer noch ein Gefühl von Zufriedenheit, von „Heimat“. Menschen, die diese Art von Lebensritual verspotten oder schlecht machen wollen, sorgen nicht selten für Unmut und wirken respektlos.

Essen gehört in jede Kultur hinein - und ist ein soziales Ritual
Essen gehört in jede Kultur hinein – und ist ein soziales Ritual

Genussverächter auf Missionskurs. Wer sich nicht hin und wieder selbst etwas gönnen möchte und anderen gar missbilligend auf den Teller schielt, macht sich gerne unbeliebt. Bei manchen ist es ein sehr harmloser Anfang, zum Beispiel Diät- und Kaloriendiskussionen am Tisch in größerer Runde. Während jeder dabei mit viel Mühe noch weghören kann oder das Thema umlenken, gibt es allerdings auch besonders unangenehme Situation, wo selbsternannte „Ernährungspäpste“ ungefragt den Schüsselinhalt ihrer Mitmenschen kommentieren oder ihnen ein schlechtes Gewissen einreden wollen.

Um es kurz zu machen: Ich weiß nicht genau, warum viele Menschen mit #foodporn, Belehrungen (online auf Facebook sowie „offline“ am Mittagstisch) und geradezu fiebrigem Eifer Essen zu einer Art neuen Religion erklären. Ist es eine der weniger verbliebenen Arten, sich hervorzuheben und zu profilieren? Eines steht jedenfalls fest … Das Prinzip „All you can’t eat!“ nervt gewaltig und die Devise sollte wieder lauten: „Essen und essen lassen“. In diesem Sinne – guten Appetit!

  1. Ich achte selbst darauf, was ich esse und was nicht (Kalorien zählen und so…). Grundsätzlich gehe ich damit aber niemandem auf die Nerven, halte es anderen unter die Nase oder profiliere mich, dass ich mich gesund ernähren würde. Ich finde, essen und essen lassen passt da wirklich wunderbar 😀 Solange jeder glücklich ist, soll er doch essen, was und wie er will 🙂
    Liebe Grüße,
    Missi

  2. Toller Beitrag! Ich finde mich da wirklich zu 100% wieder. Auch immer diese Diskussionen ‚Du kaufst nur Schminke ohne Tierversuche? Dann musst du aber auch Vegetarier oder Veganer werden.‘ Bla bla bla. Vielen Dank und ich wühle mich noch etwas durch deine Seite 🙂

  3. Ein wirklich tolle Post und tolle Gedankengänge. Es ist wirklich wichtig, dass man über das Thema essen Bescheid weiß. Im Moment ist es ja sowieso ein ziemlich großer Hype und jeder ist verrückt danach. Lieben Gruß, Naomi

    • Liebe Naomi, vielen Dank für das Kompliment. Ich sehe in den ganzen „Alarmmeldungen“ einfach die Gefahr, dass man das Wichtige bald nicht mehr vom Unwichtigen trennen kann.

  4. Sehr interessantes Thema!
    Ich bin da auch der Meinung, dass jeder das Thema Ernährung für sich selber entscheiden sollte. Wenn jemand auf Fleisch verzichten mag, keine Milchproukte mehr zu sich nimmt, sich generell low-carb ernähren will, dann soll er das tun. Genauso sollte man dann aber auch so tolerant sein und akzeptieren, wenn eine andere Person andere Essgewohnheiten hat. Ich finde es ganz schrecklich, dass auf Instagram Leute schon teilweise angefeindet werden, wenn sie Milchprodukte posten. Es kann doch echt nicht sein, dass manche Menschen in dieser Beziehung so intollerant sind…

    Liebe Grüße

    • Liebe Carolin, leider gibt es genug Menschen, die denken, ihre Meinung sei die einzig richtige … 🙂

  5. Oh ein so toller Post! Hat richtig Spaß gemacht zu lesen! 🙂
    Ich bin gerade in Australien am Reisen und da ist es echt schwer! Ich versuch halt nicht 100 Cookies am Tag zu essen und auch mal was zu kochen, aber es ist hier leider einfacher was ungesundes zu essen. Dabei esse ich gerne gesund, aber gerade auf Reisen ist das leider echt teuer 🙁

    Ich wünsche dir einen wundervollen Tag <3
    Liebst, Sarah von Belle Mélange

    • Ich denke, das passt schon 😀 Auf Reisen verbrauchst du ja sicher auch viel Energie. Dennoch würde mir immer nur Cookies auch irgendwann zum Halse raushängen.

  6. Hallo Cat,
    ein wundervoller Post der mir aus der Seele spricht. Ich kenne viele Menschen, die zur Zeit entweder auf den Trend Vegan, oder oder keine Kohlenhydrate mehr essen aufspringen. Sitze ich mit jenen Menschen an einem Tisch , darf ich erst einmal einen Vortrag über mein ungesundes Leben hören. Ich esse was mir schmeckt! Ich esse 1 X die Woche Fleisch und Fisch vom Fleischer meines Vertrauens, auch wenn es für viele Menschen verwerflich ist. Ja, auch Schokolade, Nudeln, Reis und Co. gibt es bei mir noch. Nach dem Besuch im Restaurant denke ich mir:“ Macht was ihr wollt und lasst mich einfach ohne schlechtes Gewissen essen,DANKE.“ Liebe Grüße
    http://www.instylequeen.de

    • Oh oh, wenn mir jemand meine Nudeln, meine Milchprodukte oder gar meinen KAFFEE wegnehmen wollte, wäre echt was los ;).

  7. ein herrlicher beitrag!
    was mir beim thema ernährung wirklich am allermeisten auf den keks geht, ist diese ewige missioniererei. das unsinnige dabei ist doch, dass es kein „one size fits all“ gibt. jeder körper hat andere bedürfnisse, jeder lebensstil andere anforderungen. die wichtigste regel (und die ist dann doch wieder irgendwie übertragbar?) ist meiner ansicht nach, auf den eigenen körper zu hören. da muss man natürlich lernen, die echten bedürfnisse herauszufiltern (klar, mein hirn sagt mir vor dem keksregal auch „ich BRAUCHE jetzt ganz dringend all diese schokocookies“, aber ich weiß auch, dass der weitaus größere teil meines systems sich später dafür rächen wird), und das ist manchmal anstrengend. und muss auch nicht nonstop sein. denn wie du schon sagst – essen ist ein wesentlicher bestandteil unserer (jeder?) kultur, insofern spielen immer auch noch andere aspekte mit hinein, die nichts mit den reinen körperbedürnissen zu tun haben. bzw wer sagt, dass wohlfühlen/das gefühl von heimat kein körperbedürfnis ist? hach da könnte ich jetzt noch eine ganze weile weiterlabern…
    alles liebe und einen wunderbaren tag dir!

    • cats Kolumnen

      Liebe Melanie, manche Menschen erklären es sich eben zur „Religion“, anderen auf den Teller zu schauen 😉 . Bei mir isses so, dass ich echt grumpig werde, wenn ich Hunger habe. Also, richtig unangenehm, da ist nix mehr mit unkompliziert. Deshalb tue ich meiner Umwelt besser keine Hardcore-Diät an. Aber mein Körper weiß auch sehr genau, wann „Schicht im Schacht“ ist – bei einer ganzen Tafel Schokolade würde es mir einfach übel.

      • das gefühl kenn ich – noch schlimmer wird es, wenn der hunger in kombination mit „müde und kalt“ auftritt. dann sollte man mir entweder aus dem weg gehen oder mir auf der stelle was essbares besorgen 😀

        • Ich werd dann wie der Typ aus der Snickers-Werbung ;). Oder, wie ein Freund es mal ausdrückte: Immer, wenn sie hungrig ist, wird sie zur Diva. 😀

  8. Du sprichst mir aus der Seele. Mittlerweile darf man, laut den Nachrichten usw, nichts mehr essen. Aber genau genommen darf man auch nichts mehr trinken und Atmen sollte man auch ein stellen.

    Aber im Ernst. Aufklärung ist gut, aber alles hat seine Grenzen. Erst wird viel Wind um nichts gemacht. Und dann, wenig später heißt es, man muss Unmengen zu sich nehmen um eine schädliche Wirkung zu erhalten. Leider bleibt etwas hängen und der Erzeuger wird dadurch geschädigt.

    Mal ehrlich, jeder von uns möchte möglichst wenig ausgeben. Aber das heißt auch, das es gerade mal die Kosten für die Ernte deckt. Wenn er jetzt auch Einbußen hat, wird es bei viele Eng.

    Davon mal abgesehen das die Tiere bereits im Stall stehen und das Gemüse und Getreide schon angebaut ist, geht es hier auch um Menschen die jeden Tag zwölf und mehr Stunden akern, damit wir Gemüse, Getreide, Kartoffeln und Fleisch essen können. Hinter jeden dieser Produkte steckt eine Existenz, eine Familie.

    Mittlerweile hören so viele auf, weil es nicht mehr geht. Körperlich, Finanziell und auch wegen den ganzen Vorschriften, die es gibt. Und ich bin mir sicher das es nicht besser wird, wenn es so weiter geht.

    Dann bleibt uns nur noch die Produkte von woanders her zu holen (die andere und vor allem weniger Vorschriften haben) oder auf lange Sicht, es Künstlich zu erzeugen.

    Ich bin mir sicher das wir das essen mehr wertschätzen würden, wenn es angemessene Preise gibt. Und vor allem erhaltendann die Landwirte endlich mal ein wenig Anerkennung und Lohn für das was sie jeden Tag leisten.

    • cats Kolumnen

      Nicht mehr essen, trinken und atmen? Oh GOTTm wir werden alle sterben! *theatralisch ausruft und sich ans Herz fasst* *räusper* Was die Landwirte angeht, geb ich dir recht … Jeder soll nen fairen Lohn kriegen, der dafür arbeitet.

      • Ja, werden wir, so oder so. Ist nur die Frage woran 😛 Was fairer Lohn betrifft, hab ich noch meine Zweifel, das es ihn in näherer Zukunft geben wird, leider

  9. Ein sehr interessanter Post.
    Ich denke auf der einen Seite wird sich zu viele Gedanken gemacht – und auf der anderen Seite zu wenig. Als ethisch motivierter Veganer ist meine Haltung ziemlich eindeutig – mehr Gedanken in die Tiere und die Umwelt und weniger in kleine Polster an den Hüften!

    RIOTS NOT DIETS

    Liebst,
    Justine

  10. Ich habe manchmal die Theorie, dass Menschen, die alles haben, sich absichtlich einschränken, um nicht mehr alles zu haben. „Alles haben“, „Wohlstand“ , „Luxus“ ist in unserer Gesellschaft nicht mehr sozial erwünscht, das ist snobistisch, das ist bourgois. Wenn ich aber etwas nicht habe (n kann), dann hab ich etwas zum reden, dann habe ich eine Mission.

    Psychologisch gesehen kann man das auch damit erklären, dass die Ernährung ein Teil der Identität ist, und das macht nur Spaß, wenn man sich dadurch von anderen abheben kann. Das „Essen kritiesieren“ ist im Grunde also nur ein selbstwertdienlicher Intergruppenprozess…nervig, aber offensichtlich zum Wohlergehen der Menschen notwendig.

    • cats Kolumnen

      Ja, an deiner Theorie mag durchaus was dran sein – jeder sieht sich dann als „Besseresser“ … 😉

  11. Ich finde es schon wichtig auch andere Leute über mögliche Gefahren aufzuklären oder neue Gerichte zu zeigen. Mein Freund hat durch mich angefangen viel weniger Fleisch zu essen und dafÇür mehr Gemüse. Ansonsten hast du natürlich Recht und niemand sollte zu aufdringlich über die Essgewohnheiten sprechen 🙂

    • cats Kolumnen

      Mich stört nur das Missionarische. Etwas vorschlagen ist ja schon noch was Anderes als anderen Leuten massiv auf die Nerven zu gehen.

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