Cats Gedankenwelt: Brautalarm

Foto: Privat
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Heiraten ist aufregend, ohne Frage. Nicht nur für Braut und Bräutigam, sondern auch für alle drumherum. Eigentlich wollte ich die coolste Braut auf dem Planeten sein und mich nicht in Kleinigkeiten, Selbstzweifeln und nervigen Fragen verzetteln. Manche Fragen kommen trotzdem auf, seit ich „offiziell Braut“ bin. Ein Auszug aus meiner zurzeit etwas wirren Gedankenwelt.

Frage 1: Haben Bräute mit Traumhochzeiten eigentlich Dauerurlaub?

Früher, wenn ich romantische Komödien rund ums Heiraten gesehen habe, die tollen Kleider, die rührenden Reden und die makellosen Frisuren und Make-Ups, dachte ich: „Wow, wie schön!“. Heute, wo ich wenige Wochen vor meiner eigenen Hochzeit stehe, frage ich mich: „Woher zur Hölle nehmen die in den Filmen die ganze Freizeit?“ Freizeit, um sich tage- und wochenlang in Braut- und Dekoläden aufzuhalten und über jedes kleine Detail minutiös aufeinander abzustimmen. Das sieht immer so nach Spaß aus – dabei muss das in Wahrheit echt harte Arbeit sein. Ein Zweitjob, sozusagen. Es sei denn, man ist ein Meister im Delegieren – und selbst das erfordert eine Menge Einsatz und Geduld.

Frage 2: Haben die eigentlich alle im Lotto gewonnen?

Ich erinnere mich an eine Szene aus „Bride Wars – Beste Feindinnen“, wo Kate Hudson sich ein sündhaft teures Vera Wang-Kleid kauft und lieber einen Haufen Geld in Schlankheitsmittel und teure Beautyexperimente steckt, anstatt einige Kleinigkeiten ändern zu lassen. Überhaupt – Geld spielt im Film mal so gar keine Rolle, wenn eine Frau nur ihre absolute Traumhochzeit haben kann. Zu genau diesem schicksalhaften Tag auf einem tollen Schloss oder in der größten und schönsten Location, die die Umgebung hergibt. Leider halten bei dem Durchschnittspaar allzu große Träume dem Reality-Check nicht stand – und doch wissen wir: Es macht unsere Beziehung und die Feier nicht schlechter, keine Millionen auf dem Konto zu haben.

Frage 3: Wo kommen auf einmal die vielen First-World-Problems her?

„Der Teufel steckt im Detail!“ Nirgendwo sonst trifft das so wie bei der eigenen Hochzeit, wo einfach alles „passen“ soll. Zunächst sieht das alles recht harmlos aus; doch je mehr Grundfragen (Kirchlich oder nur Standesamt? Weißes Kleid oder Hosenanzug? Große oder kleine Feier?) geklärt sind, wird das Planen dieses Lebensereignisses zu einem Fass ohne Boden. Und je mehr vermeintliche Kleinigkeiten sich gleichzeitig in den Vordergrund drängen (wie die Farbe der Servietten, die Blumen des Brautstraußes oder die Sitzordnung an der Festtafel), desto höher muss die Frustrationstoleranz vieler Brautpaare werden.

Frage 4: Wie schaffe ich es, alle Erwartungen unter einen Hut zu bekommen?

Die ernüchternde Antwort: Gar nicht. Es wird immer jemanden geben, der etwas zu meckern hat – sei es ein Gewürz in der Hochzeitssuppe, der Stil des Brautkleids oder der zweite Sitznachbar von links, der lautstark mit der Gabel über den Teller fährt. Oder, wie Taylor Swift singt: Haters gonna hate. Wer einen Grund zum Meckern sucht, findet ihn auch (wir Deutschen sollen wahre Meister darin sein) … Um das Motzpotenzial zu minimieren, setzen wir in unserem Fall einfach auf breite Auswahl. Gemischte Musik, ein gemischtes Buffet und ein gemischtes Publikum.Letztendlich wollen wir eine schöne Feier, aber kein perfekt steriles Event, sondern einfach nur unsere Liebsten um uns und sie teilhaben lassen. 

Frage 5: Was ist, wenn irgendwas schiefgeht?

Das Gefühl, dass einen 100, 70, 50 oder nur 30 Augenpaare anschauen und jeden Schritt beobachten, kann ganz schön beängstigend sein, wenn man sonst nicht gerade oft im Mittelpunkt steht. Was, wenn ich auf der Tanzfläche ausrutsche? Wenn mir die Suppe aufs Kleid schwappt oder mir sonst etwas Blödes passiert? Schließlich habe ich nicht umsonst den Spitznamen „Murphys Tochter“ bei meinem Liebsten. Was, wenn sich „Onkel Murphy“, der seine Patenschaft echt nicht leugnen kann, auch auf der Feier blicken lässt und uns in irgendeine peinliche Lage bringt? Inzwischen bin ich mehr und mehr dabei, das abzuschütteln. Denn selbst wenn Murphy als blinder Passagier auftaucht – ohne ihn ist das Leben auch irgendwie langweilig. 

Frage 6: Was werden die Gäste hinterher über die Feier sagen?

Natürlich wünschen wir uns, dass alles gut läuft. Dass es keine unnötigen Ärgernisse, keine größeren Missgeschicke und, keine Stromausfälle und keine anderen skurrilen Situationen geben wird. Wir hoffen, dass unsere Gäste sich an unserem großen Tag und Abend amüsieren werden und nur gute Erinnerungen mitnehmen. Dennoch: Es ist und bleibt unsere Feier – und auch wir wollen unseren Spaß haben und können nicht allen An- und Nachfragen sofort nachkommen. Und wenn es so sein soll, dann reißt eben der Wind ein paar Gläser um. Man kann nicht alles planen.

Frage 7: Der große Tag, eine rauschende Feier – und was kommt danach?

Ich habe einmal gelesen, dass viele Frauen nach ihrer perfekt durchgeplanten Traumhochzeit eine gar nicht mal so seltene und dennoch ungewöhnliche „Krankheit“ trifft – die „Post Bridal Depression“. Das ist der Moment, wo der Druck, aber auch das Hochgefühl und Adrenalin, die sich im Zuge monatelanger Arbeit am „Projekt Prinzessin“ aufgebaut haben, plötzlich auflösen. Nach dem rauschenden Fest und den Flitterwochen kommt erstmal – gar nichts. Außer der tiefe (und zum Glück weiche) Fall in einen Haufen Urlaubsdreckwäsche, die Landung in der Welt der Rechnungen, der dreckigen Katzenklos und der Büroarbeit. Also: Eine Rückkehr in die Welt des grauen, „tristen“ Alltags. Mancher kennt das Gefühl, im Job ein wichtiges Projekt oder in der Uni sein Studium abgeschlossen zu haben. Dann stellt sich die Frage der Fragen: Und was jetzt? Genau so ist es wohl mit der Ehe. Die Hochzeitsfeier ist nicht der Beginn unserer Geschichte, denn die begann viel früher; sie ist auch nicht das berühmte „Happy End“, bei dem der klassische Hollywood-Film einen ebenso klassischen Cut macht. Die Hochzeit ist ein Schritt auf dem Weg; vielleicht ein Meilenstein. Das Leben geht weiter. Mit dieser Gewissheit lässt es sich besser damit leben, dass eben auch Stress im Job, Spülmaschinen und Regentage zum Leben gehören. Das Gute an der Ehe ist doch: Zu zweit geht das alles leichter.

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Manchmal können Frauen auch im 21. Jahrhunderten noch ein Rätsel für Männer sein. Oder sogar für andere Frauen – ja, das gibt es auch. Dabei ist es meistens gar nicht so kompliziert, wie es aussieht. Ich sehe mich nicht als Beziehungsexpertin, Sex-Know-it-all oder Lebensratgeberin und das sollte auch niemand sonst. Allerdings bin ich eine Frau und habe die eine oder andere ernsthafte oder humoristische Antwort auf Verständnisfragen. Für alle Themen, die mit Geschlechtern nichts am Hut haben, gibt es die Kategorien "Cats Medienkommentar" und "Cats Gedankenwelt".

1 Kommentar zu “Cats Gedankenwelt: Brautalarm

  1. Schöner Text =) Im Prinzip ist alles, was du hier genannt hast, der einzige Grund, warum ich noch nicht verheiratet bin =D Ich wäre gern verheiratet, ich will nur einfach nicht heiraten, das sieht immer nach ewig viel Stress aus… Mein Liebster und ich haben schon über Möglichkeiten gesprochen, wie wir es klein halten, aber alle kann man halt nicht aussperren…

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