Cats Gedankenwelt: Armer Valentin

Foto: Katherina Ibeling
Foto: Katherina Ibeling

Kaum ist Weihnachten vorbei und es sind einige Wochen vergangen, da klingeln bei den Blumen- und Süßwarenhändlern wieder die Kassen. Genaugenommen in jeder Branche, die bereits im Januar verkündet: „Vergessen Sie nicht! Am 14. Februar ist Valentinstag“, oder: „Schenken Sie Liebe“. Aber kann man Liebe wirklich in Konsum ausdrücken? Und ist es vor allem nicht ein wenig makaber, den Tag der Liebe ausgerechnet auf ein Datum zu legen, wo der Namensgeber als Märtyrer hingerichtet wurde?

Herzen, Dessous mit der Aufschrift „Be my Valentine“ und Rosensträuße, wo man hinschaut. Zugegeben, mit dem Valentinstag ist es so wie mit der zeitlich abgestimmten Filmpremiere von „Fifty Shades of Grey“ – manche lieben es, manche hassen es, aber wirklich vorbei kommt man daran nicht. Keine Chance, es zu ignorieren, selbst dann, wenn man sich gerade etwa so romantisch gestimmt fühlt wie in einer Zahnarztpraxis. Oder Single ist und ungerne Pärchen beim Knutschen zusieht. Ich erinnere mich an eine Tradition in unserer Schule, wo an Valentinstag jedes Jahr Liebesrosen (in Rot) und Freundschaftsrosen (in Weiß) verteilt wurden – vor der ganzen Klasse. Und so unsinnig dieser „Teenie-Brauch“ mir heute erscheint, so kehre ich in Gedanken doch zu den Momenten zurück, wo die Rosenbringer hereinkamen und man selbst irgendwie – nichts bekommen hat.

Wer eine rote Rose bekam, war gefühlt der Star, wer viele weiße bekam, besonders beliebt. Aber so ist es wohl, wenn man nicht gerade die beliebteste Person der gesamten Stufe ist. Am schlimmsten waren die überheblichen oder auch mitleidigen Blicke, wenn irgendwer leer ausging. Und das taten im Endeffekt die Wenigsten, denn wer etwas auf sich hielt und die Möglichkeit dazu hatte, sprach sich halt in der eigenen verschworenen Gemeinschaft ab, wer wem gegenseitig etwas schenkte Es ging um das Prestige, um die Ehre. Um ein Zeichen nach außen, das besagte: Schaut her, ich werde geliebt. Ich bin beliebt.

Ich war nie wirklich Teil dieses Systems, vielleicht war ich auch einfach zu stolz, um etwas zu erbitten, was mir jemand nicht einfach so und freiwillig geben wollte. Was blieb, war irgendeine schale Form von Enttäuschung, die Gewissheit, dass einfach niemand an einen gedacht hatte oder daran, einem auch etwas zu schenken. Nicht besonders überraschend, aber dennoch unangenehm. Diese Zeiten sind jetzt, fast 15 Jahre später, natürlich Schnee von vorgestern. Man lebt eben, lernt und entwickelt sich weiter. Heute macht mein Partner mir gerne Geschenke und ich ihm auch. Valentinstag feiern wir trotzdem nicht. Einfach, weil wir keinen Tag brauchen, der uns für unser Leben nichts bedeutet, dafür gibt es andere. Trotzdem, als ich letztens für ein Lokalmagazin einen Artikel über den Valentinstag schreiben sollte, sind mir einige Einsichten gekommen.

Vieles war mir im Zuge meiner Recherche nicht unbekannt, weil es offensichtlich war, aber einige Fakten haben mich doch überrascht. Tatsächlich beruht der Brauch, an Valentinstag Blumen zu schenken, auf der Geschichte des Heiligen Valentin, der gegen römische Erlasse junge Paare zusammenbrachte und heimlich verheiratete. Auch die Geschenke ähneln sich in vielen Regionen der Welt, was nicht nur der Kolonisierung zuzuschreiben ist – Blumen und Schokolade gelten selbst in asiatischen Ländern als Symbole der Zuneigung. Eine „Schattenseite“, die ich als ziemlich makaber empfinde, sehe ich aber doch. Was sagt es über den „Tag der Liebe“ aus, wenn er genau am Todestag seines Begründers als inoffizieller Feiertag begangen wird, und zwar in Anlehnung an seine Hinrichtung als Märtyrer? Irgendwie, so scheint mir, hatte die katholische Kirche schon immer einen sehr merkwürdigen Sinn für Ironie.

Abgesehen davon, dass Liebe eben nichts Käufliches ist und die Marketingmaschine hinter diesem „magischen“ Datum monströse Formen annimmt, frage ich mich, wer eigentlich die Opfer dieses Kultes sind. Vermutlich diejenigen, die hinter jeder billigen Produktionskette für die Fest- und Feiertagsverkäufe stehen. Diese Menschen aus Osteuropa, Asien und Afrika sind zwar keine Märtyrer, opfern sich aber unter teils katastrophalen Arbeitsbedingungen eher unfreiwillig auf (von irgendetwas müssen sie leben), damit wir Herzchengirlanden, speziell verzierte Schokolade und beschriftete Valentins-Dessous aus Polyester aus dem Ein-Euro-Shop bekommen, selbstverständlich „Made in Taiwan“ oder sonstwo, wo keine Arbeitsschutzkontrollen garantiert sind. Armer Valentin – ob es ihm gefallen würde, was man aus seinem Todestag gemacht hat? Wahrscheinlich nicht.

0 Kommentare zu “Cats Gedankenwelt: Armer Valentin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error: Content is protected !!