Cat’s Couch: Mauerblümchen – na und?

Foto: Privat
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Graue Maus, Mauer-blümchen, nichts-sagend, Langweilerin … Es gibt viele abwertende Begriffe für Frauen, die nicht viel Aufwand darauf verwenden, im Mittelpunkt zu stehen und alle Augen und Ohren auf sich zu ziehen. Aber warum eigentlich so herablassend? Immerhin hat Unscheinbarkeit auch ihre Vorteile …

Jeder kennt die Menschen, die man eben kennen muss. Denn sie fallen auf wie bunte Hunde, kennen alles und jeden und ziehen die Aufmerksamkeit an wie das Licht die Motten. Wo eine Kamera ist, schauen sie hinein und geben ihr strahlendstes Lächeln, und auch bei auffälligen, besonders modischen Outfits sind sie ganz vorne mit dabei. Und der Rest? Der leistet auch Großes … nur in kleineren Schritten, und dort, wo es einen zweiten Blick benötigt. Etwas, das die „Showstars“ unter uns vielleicht nicht wissen – auch auf der Schattenseite lebt es sich angenehm und sogar zum Teil stressfreier.

Auf dem Beobachtungsposten. Menschen, die sich eher im Hintergrund aufhalten, sind zumeist gute Beobachter. Eine Frau kann viel über andere herausfinden, indem sie einfach deren Verhalten studiert und sich in aller Stille ein Bild davon machen kann. Dadurch kann sie eventuell auf längere Sicht eine clevere Strategie entwickeln, auf die ihre auf Außenwirkung bedachten Mitstreiterinnen oder Freundinnen nie gekommen wären.

Paul Klee - Mauerblümchen
Paul Klee – Mauerblümchen

Umgänglich statt kompliziert. Ein „Mauerblümchen“ ist oft so pragmatisch veranlagt, dass es keine Stunden im Badezimmer braucht, keine Eifersuchtstirade anstimmt, wenn der Partner sich länger mit einer anderen Frau auf einer Party unterhält und auch nicht wegen jeder Kleinigkeit Bestätigung sucht. Das macht diese Art von Frau gelassener und gibt ihr einen ganz eigenen Charme.

Die Kunst des Zuhörens. In einem Gespräch kann immer nur einer gleichzeitig reden, sonst versteht keiner mehr sein eigenes Wort. Und da es schon genug Menschen gibt, die grundsätzlich und aus Prinzip den größten Redeanteil an sich reißen, muss es eben auch solche geben, die zuhören, das Gehörte filtern und eine reflektierte Antwort erwidern können.

Blender müssen draußen bleiben. Oder eher: „Graue Mäuse“ ohne ein besonders auffälliges Styling oder Auftreten bleiben einfach außerhalb des Blickfeldes oberflächlicher Menschen, die sich nur mit ihnen schmücken wollen oder ein Stück vom Aufmerksamkeitskuchen haben wollen. Sie warten zwar nicht immer auf den „Richtigen“, aber schon auf jemanden, der den Mut und die Geduld für einen „zweiten Blick“ hat.

Rückendeckung statt Dauerkonkurrenz. Wenn man eine Gruppe Freundinnen beobachtet, gibt es meist diejenigen, die jeden Blick und jede Form der Bewunderung genießen wie der Pfau, der sein Gefieder stolz den anderen Pfauen zeigt. Und die anderen? Manche mag es stören, manche auch nicht. Letztendlich liegt es an jedem selbst, wie er sich präsentieren möchte.

Unscheinbare sind (auch) Kämpfernaturen. Oftmals wirken sehr vordergründig und energisch auftretende Menschen kämpferischer als ihre zurückhaltenden Mitstreiter. Wie Imponierverhalten aus der Tierwelt – oder es liegt auch einfach in ihrem Charakter, im Vordergrund zu stehen. Viele können auch durch ihre offenkundige Attraktivität punkten, weil man ihnen auf Anhieb mehr zutraut (das sogenannte „Halo“-Prinzip). Doch man sollte sich nicht täuschen: Auch unscheinbare Naturen haben ihre Art, Konkurrenz und Konflikte auszutragen – nur eben eine andere. So wie Diplomatie statt Konfrontation, oder ein reiner Leistungsgedanke statt Selbstmarketing.

Gute Führungspersönlichkeiten. Führungsstärke traut man auf den ersten Blick zuerst denjenigen zu, die sich vor Publikum wohlfühlen und mit ihrem Charisma oder auch mit ihrem Äußeren alle Augen auf sich ziehen. Doch auch andere Führungsstile treten in der aktuellen Berufswelt immer mehr in den Vordergrund, zum Beispiel, sich in das Team zu integrieren, im Hintergrund die Fäden zusammenzuhalten und das eigene Profil zu stärken, ohne ständig im Mittelpunkt zu stehen.

Bedacht und vorsichtig. „Graue Mäuse“ wirken auf forschere Persönlichkeiten manchmal übertrieben ängstlich, dabei sind sie einfach nur vorsichtig und gehen meist jeden Schritt mit Bedacht. Das wirkt sich dann auch auf Entscheidungen aus – klar kann zu viel Grübeln auch das Urteilsvermögen schwächen, aber im richtigen Maß lohnen sich kleine Schritte statt Sprünge ins Ungewisse. Zum Beispiel bei der Partnerwahl und bei der Karriereplanung.

Verborgene Kräfte. Unscheinbare werden oft unterschätzt. Das kann sehr frustrierend sein, aber auch ein Vorteil. Denn in Situationen, wo sie es brauchen, kommen auf einmal ungeahnte Kräfte zum Vorschein, die sie für das Notwendige aufgespart haben. Gerade, wenn es um Langzeitprojekte geht, die einen langen Atem erfordern und an denen Ungeduldige gerne resignieren.

Ob extrovertiert oder introvertiert, der Star im Scheinwerferlicht oder der Dirigent im Schatten, im Endeffekt sind beide Seiten und alle Grauzonen dazwischen sinnvoll und machen eineVielfalt aus, die wir dringend brauchen. Zur Verteidigung des Unscheinbaren bleibt also zu sagen: Never judge a book by its cover!

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