Cats Couch: Liebesgrüße aus der Ferne

Wer frisch verliebt oder in einer glücklichen Langzeitbeziehung ist, will eigentlich (fast) alles mit seinem Partner teilen und (er)leben. Dumm nur, dass es manchmal Situationen gibt, in denen Paare sich räumlich „trennen“ müssen, um im Leben erfolgreich zu sein oder überhaupt nur ihr Auskommen zu sichern. Gedanken von einer, die auszog, weil der Beruf ihr keine Wahl ließ. Weg

Liebe ist nichts für Feiglinge – und Liebe auf Distanz schon gar nicht. Als ich vor einigen Jahren meinen ganz persönlichen Schatz fand und wir uns nach und nach ein gemeinsames Leben aufbauten, verdrängte ich so gut wie möglich einen unangenehmen Gedanken: Spätestens nach der Uni steht eine Veränderung ins Haus. Natürlich wusste ich, dass gerade im Publizistikbereich die Jobs in meiner Heimatregion nicht auf der Straße liegen – bekanntlich sitzen die meisten Medienhäuser Deutschlands entweder im Norden oder im Süden der Republik. Dennoch sträubte sich lange Zeit alles in meinem Inneren gegen einen Wechsel des Studienorts oder gar einen Umzug für den ersten Job.

Bahn
Zwischen zwei Standorten – die Züge sind voll von Wochenendpendlern wie mir

Da war diese leise Stimme, die mir sagte: Irgendwann musst du gehen – gewöhn dich dran. Ich war eine Meisterin im Ignorieren; schließlich hatte ich die Abschiede schon bei meinem sechswöchigen Auslandspraktikum und einem weiteren dreimonatigen Praktikum in einer anderen Stadt erlebt und mir geschworen: Nie wieder Fernbeziehung. Kurz, ich hatte eigentlich keine besonders extravaganten Wünsche. Nur den, auch körperlich dort zu bleiben, wo mein Herz zu Hause war und nach wie vor ist. Wenn ich gehe, vielleicht länger als ein Jahr, und nur an den Wochenenden zu Hause bin – zerstöre ich damit unser Glück?

Die gemeinsamen Jahre gingen, zwei tierische Mitbewohner kamen hinzu und der Abschluss rückte näher; mit ihm eine Masse an Bewerbungen. Anfangs versuchte ich, mich wirklich regional zu orientieren – doch meine kleine, fiese innere Stimme hatte leider recht gehabt. Die Jobs liegen nicht auf der Straße. Habe ich dir doch gesagt. Entweder meinen Karrierewunsch aufgeben – oder mich dem Angstgegner „Fernbeziehung“ stellen. Nach fast einem Jahr Stellensuche mit einem Übergangsjob im Nachhilfesektor hatte ich sie – die begehrte Volontariatsstelle, die viele vergeblich suchen, rund 300 Kilometer von meiner „sicheren Bank“ entfernt.

Und sowohl meine bessere Hälfte als auch meine innere Stimme sagten im Chor: „Da müssen wir nun wohl durch!“ In den ersten paar Wochen fühlte ich mich trotz Wohngemeinschaft furchtbar einsam und grübelte viel zu viel. Jetzt, nach etwas über einem Jahr, einem weiteren Umzug und dem Übergang zu einer „Ehe auf Distanz“ sind viele Dinge leichter geworden – und wir um einige „Survival-Strategien“ reicher. Ich habe eingesehen und mich daran gewöhnt, dass sich mein Leben durch die Fernbeziehung einfach verändert hat. so wie das vieler Liebender in der gleichen Situation. 

Gerade die Liebe auf Entfernung erfordert einen "gemeinsamen Kurs"
Gerade die Liebe auf Entfernung erfordert einen „gemeinsamen Kurs“

Nur gemeinsam sind wir stark. Wo mindestens zwei Menschen zusammenkommen, ist man entweder ein Team – oder im Streit miteinander. Anfangs hatte ich die Befürchtung, dass die Entfernung das Band zwischen mir und meinem Mann zersetzt. Kommunikation ist alles – das klingt wie eine abgedroschene Coaching-Weisheit, ist aber das wichtigste Prinzip, wenn eine Beziehung Bestand haben soll. Wir sind viele Kompromisse eingegangen, haben die Abschiede und Wiedersehen am Bahnhof nicht mehr gezählt und hatten auch die eine oder andere bittere Pille zu schlucken – aber unsere Hochzeitsbilder bezeugen: Es hat sich gelohnt.

Allein lebt man nur halb. Es mag wie ein Klischee klingen, doch wenn mein Mann nicht bei mir ist, fühle ich mich unvollständig, sozusagen „nicht ganz da“. Egal, wie oft und eindringlich gutgemeinte Internetratgeber davor warnen, das Leben in der Ferne (fast) ausschließlich nach dem Partner daheim auszurichten – wenn wir Fernliebende ehrlich sind, kennen wir das doch alle. Zumindest phasenweise, in Zeiten, wo es einfach an Ablenkung fehlt. Da freut man sich doch vor allem auf – Freitag!

Ein "Jetlag" braucht keine weite Reise - der ständige Ortswechsel reicht
Ein „Jetlag“ braucht keine weite Reise – der ständige Ortswechsel reicht

Dieser verdammte „Jetlag“. Auch, wenn wir mit dem Zug, Bus oder Auto meist in keine andere Zeitzone reisen – der Übergang von der „Arbeitswoche“ ins „Wochenende“ und zurück kann ein ganz schön holpriger Weg sein. Vor allem, wenn es immer wieder heißt: Packen – arbeiten – Bahn fahren – ankommen – Aufenthalt – packen- Bahn fahren – ankommen – arbeiten … Auf die Dauer kann das ziemlich zermürbend sein, wenn man sich nicht immer wieder darin bestärkt, warum man diesen ganzen Zirkus eigentlich mitmacht. Und wo wir schon bei Zeitzonen sind – wer mit Bus und Bahn reist, lernt mit der Zeit, manche betriebsbedingte Verzögerung lächelnd in Kauf zu nehmen. Die Bahn kommt … eben manchmal etwas später.

Nervt. Mich. Nicht. Beim Übergang von einem (relativ) harmonischen Alltag in der gemeinsamen Wohnung in eine Voll- oder Teilfernbeziehung können sich Formen der Eifersucht entwickeln, die einem vorher gänzlich unbekannt waren. Wie die Verteidigung der „Paarzeit“. Wer sich nur eine begrenzte Zeit lang sieht und dafür Stunden in Staus und auf Schienen verbringt, kann da schließlich besondere Ansprüche stellen, das Wochenende nur für sich und den Partner zu haben. Dachte ich zumindest – und jeder, der mit Einladungen, „verlängerten Familienwochenenden“ oder anderen Anfragen auf uns zukam, bekam erst einmal kategorisch das Label „Zeitdieb“ aufgedrückt. Nicht zu vergessen, dass die Zeitgenossen, die man eh schon als aufdringlich empfindet, innerhalb der kostbaren gemeinsamen Zeit gefühlt zu den „Nervensägen der Nation“ werden. Inzwischen sehe ich das alles etwas entspannter – dennoch genieße ich jede Stunde, die wir mal ohne Telefonklingeln, Familienfeiern und Freundschaftsdienste in der Nachbarschaft für uns haben.

Ein wandelnder Kalender. Wer ständig auf Reisen zwischen zwei und mehr Koordinaten ist, entwickelt mit der Zeit ein erstaunliches Gedächtnis für Termine jeglicher Art. Das ist auch eine notwendige Fähigkeit, wenn zu einem funktionierenden Rhythmus von Wegfahren, Ankommen und Rückreise noch diese Gelegenheiten „außer der Reihe“ hinzukommen – wie der Geburtstag einer guten Freundin, die Konfirmation seines Patenkindes oder eben auch die eigene Hochzeit. Aber ich kann hier Mut machen. Anfangs wirkt der Pendelwahnsinn verwirrend, aber man gewöhnt sich dran.

Packen nervt - deswegen lohnt sich ein "Double" von allem Notwendigen
Packen nervt – deswegen lohnt sich ein „Double“ von allem Notwendigen

Alles im Doppelpack. Wer wörtlich auf „zwei Standbeinen“ lebt, tut gut daran, die wichtigen Dinge des Alltags an jeder „Homebase“ griffbereit zu haben. Das gilt für die Hausapotheke, das Ladekabel fürs Handy und Kopien wichtiger Unterlagen ebenso wie für all die Sachen die man eben täglich am Leib trägt oder womit man eben diesen pflegt. Es ist nämlich ganz schön nervig, bei jeder möglichen Gelegenheit zu merken: „Das habe ich ja zu Hause – aber im anderen Zuhause!“ Und auch wenn Kofferschleppen ein gutes Krafttraining ist – warum sich das Leben unnötig schwer machen?

Nähe und Distanz. Lassen Sie es mich erklären, wie es einst ein Tanzlehrer beim Tango beschrieben hat … Die Spannung und Leidenschaft bei diesem Tanz baut sich nämlich durch die Prinzipien von Nähe und Distanz (oder, etwas flapsiger, „Komm her“ und „Geh weg“) auf. Ich denke, der Tango und ähnliche Tänze sind hier gute Metaphern für die Liebe – und besonders für die Liebe auf Distanz. Es gilt vor allem, das richtige Verhältnis von Intimität („Ich brauche dich“) und Respektabstand („Ich brauche etwas Zeit für mich“) zu finden. Was in einer Nahbeziehung schon schwierig ist, kann auf Entfernung zu einem Drahtseilakt werden; schnell ziehen Gewitterwolken auf, wenn der eine gerade mitteilungsbedürftig ist und der andere einfach nur zu müde, um den Messenger zu aktivieren und lange Gespräche zu führen. Oder wenn einer in der knappen gemeinsamen Zeit mehr körperliche Nähe sucht, als der andere ihm geben kann oder will. Man muss eben ein Gespür für den Partner entwickeln und das fällt besonders schwer, wenn man sich selbst dauernd in einem Schwebezustand befindet.

Je verbundener ein Paar ist, desto schwerer fällt die Zeit ohne die "bessere Hälfte"
Je verbundener ein Paar ist, desto schwerer fällt die Zeit ohne die „bessere Hälfte“

Probleme, die man vorher nie hatte. Seit ich nicht nur in einer Fernbeziehung bin, sondern auch noch den halben Monat allein in unserer „Zweitwohnung“ verbringe, habe ich Ängste und Macken entwickelt, die mir vorher nie in den Sinn gekommen wären. Absolute Stille in der Nacht? Gruselig. Licht im Flur ausmachen? Undenkbar … (und ja, ich weiß, wie umweltschädlich das ist!) Das Einschlafen – jede Nacht wieder ein Kampf zwischen Unterbewusstsein und Ratio. Überhaupt, ist die Wohnungstür doppelt abgeschlossen und die Türkette fixiert? Aus irgendeinem Grund nutze ich, während ich allein bin, auch das Wohnzimmer nicht. So, als ob ich alleine nur ein „halber“ Bewohner wäre.

Intim nach Plan. In der Regel kommt und geht die Lust auf (körperliche) Liebe, Sex und Zärtlichkeit spontan und oftmals unberechenbar. Wer sich allerdings in der Situation befindet, dass nur 48 Stunden in der Woche überhaupt dafür in Frage kommen, auf eine erotische Entdeckungsreise zu gehen, muss auch die „schönste Nebensache der Welt“ timen , wenn er in der aktuellen Woche überhaupt noch zum Zug kommen will. Wenn sich dem nicht Antagonisten wie die eigene Periode, ein grippaler Infekt, die totale Müdigkeit von einer anstrengenden Arbeitswoche oder ähnliche Störenfriede entgegenstellen.

Es gibt sicherlich noch einige Punkte mehr, die uns Fernliebende verbinden, glücklich oder traurig machen oder uns einfach unsäglich auf die Nerven gehen. Wir kennen die Veränderungen, die die Pendelei mit sich bringt; vielleicht die Klagen unserer Freunde und Familien, wir hätten zu wenig Zeit (richtig, so ist es auch!) und das eigene schlechte Gewissen, weil immer irgendwas oder irgendwer auf der Strecke bleiben muss. Aber wer liebt, setzt besondere Prioritäten – und es ist an sich schwer genug, „zweigeteilt“ durchs Leben zu gehen. Doch zum Glück – hoffentlich – nie allzu lange.

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