Cat’s Couch: Hüter des Badregals

P1030115In einer früheren Episode meiner Kolumne hatte ich es bereits versprochen, über die Dinge zu schreiben, die mehr oder weniger dekorativ im Badregal von uns Frauen stehen bleiben. Unbenutzt, nicht selten unberührt und ohne, dass ihre Besitzerin je Verwendung für sie zu finden scheint. Hier sind sie also – die erfolgreichsten Regalhüter ….

Epilierer
Eine Frau mit glänzenden, restlos glatten Beinen steigt aus einer riesigen Badewanne, streckt und räkelt sich einmal verführerisch und blickt auf einen elegant designten Epilierer, der in ihrem Blickfeld auf einer Kommode liegt. „Mein Rasierer hat Pause!“, verkündet sie stolz lächelnd. „Jetzt habe ich zwei Wochen lang glatte Beine – und so einfach!“ So oder so ähnlich sieht Haarentfernung im Fernsehen aus. Sanft und schmerzlos gleiten die Klingen über perfekt geformte, samtweiche Beine. Ein Traum, „es tut gar nicht weh“. Von wegen! Liebe Männer, habt ihr euch schon einmal ein paar Haare mit einer Minipinzette aus dem Bein gezogen? Man multipliziere den Effekt im zweistelligen Bereich und nehme etwas Geschwindigkeit hinzu. Genauer gesagt, die eines Motors, der die vielen kleinen Klingen. Also doch – es tut weh. Und ich kann die Frauen verstehen, die ihren neuen „Beauty-Gefährten“ nach einem schmerzhaften ersten Mal abschwören. Zumal seine Zuneigung nicht von Dauer ist – bereits nach wenigen Tagen muss er wieder ran. Wenn sie dann überhaupt noch Lust auf ein Intermezzo hat.

Waxing-Streifen
Wenn wir schon beim Thema Enthaarung sind – der zweite Champion unter den Regalhütern ist die Packung mit Heißwachs und Kaltwachs in allen Anwendungsformen. Ob als Roller, zum Aufwärmen oder mit Papierstreifen – Waxing ist in und Waxing-Studios für alle sichtbaren und nicht sichtbaren Körperstellen sprießen allerorten wie Pilze aus dem Boden. Die Wahrheit hinter diesem Hype ist klebrig, macht Dreck und ist vor allem schmerzhaft. Schon einmal mit einem behaarten Männerarm am Kleber in der Werkstatt hängengeblieben und den Arm dann wieder davon befreit? Willkommen in der Welt des Waxing.

Anti-Aging-Produkte

„95 Prozent aller Testerinnen würden dieses Produkt ihrer besten Freundin empfehlen“, säuselt eine verführerische Werbestimme, während auf dem Bildschirm eine faltenfreie (angebliche) Mittvierzigerin ausgelassen in die Kamera lacht. Zum Verständnis, liebe Männer … Produkte, die man „der besten Freundin empfehlen würde“ gelten bei uns beizeiten mehr als jedes CE- oder Stiftung Warentest-Zertifikat. Weil sie uns meist alles bedeutet – neben euch, Kindern und Haustieren natürlich. Der Haken am „Beste-Freundin-Versprechen“: Es ist ein besonders geschickter Werbetrick, und weil irgendwie dann doch keine Creme das Alter aufhalten kann, bleiben die Tuben eben voll oder angebrochen im Schrank stehen.

Straffende Cremes und Lotionen

Zellulitis, Hängebrüste, schlaffes Bindegewebe am Po … und dann noch diese unsäglichen Dehnungsstreifen am Bauch. All diese Dinge, gegen die wir Frauen jeden Tag das Gefühl haben, ankämpfen zu müssen. Kurz: Unsere Körper sind für uns oft ein echtes Sperrgebiet voller Baustellen. Warum also nicht ein paar Bauhelfer einsetzen bei all den Beulen, die sich einfach nicht zu glätten scheinen? Leider stellt sich kaum ein solcher „Bauhelfer“ in Creme- oder Lotionform als wirklich qualifiziert heraus. Und so versuchen wir es dann doch lieber mit dem klassischen Besuch im Fitnesscenter oder beim „BBP“- Kurs (für Frauenfitness-Noobs: Bauch-Beine-Po) oder lassen es einfach sein.

Bräunungscreme und Selbstbräuner

Ganzjährig ein Gefühl von Sommer auf der Haut und eine verführerische Bräune – das wünschen sich viele von uns. Mit einem Hauttyp, der sich selbst unter der kanarischen Sonne stoisch weigert, eine schicke Sommerbräune anzunehmen und einfach käseweiß bleibt, bleibt einem aber oft nur die Option einer Bräunungscreme. Irgendwann, vor einer langen Weile, habe ich es mal mit unterschiedlichen bräunenden Bodylotions versucht. Das Resultat: entweder rotbraun und fleckig oder eben – gar nichts nach dem nächsten Duschen. Von da an trug ich lieber die Haare dunkel und mimte den Schneewittchen-Look.

„Volumen-Wunder“ für die Haare

Die allermeisten Frauen sind mit ihren Haaren unzufrieden. Zu fettig zu trocken, zu splissig, zu fein, zu schlaff, zu stumpf, zu wenig Glanz, zu … na, ihr wisst, worauf das herausläuft. Wir glauben durch die Werbung oft fälschlich daran, dass unsere eigenen Haare genau so aussehen sollten und müssen. Immerhin gibt es gegen suboptimale Haare zwar nichts „von Ratiopharm“, dafür aber von Garnier, Pantene, Schwarzkopf, Swiss-O-Par und vielen mehr. Mit den Haarpflegeprodukten ist es ähnlich wie bei der Partnersuche – es dauert, bis man die oder den Richtigen findet. Wenn man denn das perfekte Produkt findet, alle anderen finden wohl erst einmal nur einen Platz auf Regalbrettern.

Lockenstab, Glätteisen und Lockenwickler

In unseren Frauenzeitschriften gibt es eine große Auswahl an Frisuren, die auf dem Foto einfach wunderschön und so einfach aussehen. Das ganze Ausmaß an Arbeit, das der Haartraum macht, merken wir allerdings oft erst, wenn wir es einmal selbst ausprobieren. Da werden die „sanften Wellen“ schnell zum aufgeplusterten Wischmopp, das Glätten ist ein frustrierender, arbeitsreicher Prozess und die Lockenwickler fallen ständig wieder heraus. Ach ja, und wie viel Zeit das kostet! Kein Wunder, dass Lockenstab & Co gerne mal länger im Badschrank liegen bleiben …

Wer schön sein will, muss schminken?

Und da ist noch die in allen Farben schillernde Make-up-Palette … Die Mode- und Trendfarben wandeln sich auf wöchentlicher Basis, bei Germany’s Next Top Model werden in jeder Werbepause neue Looks präsentiert und all diese Schnäppchen beim Drogeriebesuch. Es gibt auch in Sachen Make-Up einfach zu viele Verlockungen, die unserem Bedürfnis nach mehr Schönheit entgegen kommen. Leider erweist sich auch der vollendete „Gesichts-Picasso“ als eine Menge Arbeit oder stellt die Künstlerinnen am Ende doch nicht zufrieden. Weil sich die Augenringe nach wochenlangem Schlafmangel eben doch nicht komplett überdecken lassen und die Augen eben doch nicht so groß wirken wie auf dem Werbebild im Modemagazin.

Was macht denn nun wirklich schön?

Fest steht: Viel hilft nicht immer viel. Unsere Augen sind nach wie vor das Tor zum Herzen, die Lippen können mehr als verführerische Luftküsse verteilen, sondern auch kluge Gedanken übermitteln. Vor allem aber öffnet ein Lächeln mehr Türen als jedes perfekte Pokerface. Diese ganzen Regalhüter sind vor allem Spiegel dessen, wie gerne wir uns auf Werbeversprechen einlassen. Hin und wieder ist es also Zeit zum Ausmisten – im Badezimmer und im Archiv unserer eigenen Erwartungen.

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