Cats Couch | Die unsichtbaren Väter – ein Papa-Plädoyer

Engagierte Väter haben es schwer: Auch im 21. Jahrhundert hält sich der Fortschritt in Sachen Familienplanung und Vereinbarkeit im Grenzen. Jeder beklagt die familiär-berufliche Doppelbelastung von Müttern; aber wie sieht es da eigentlich mit den Männern aus? Zeitgeist, Geschlechterrollen und Stillstand – betrachtet aus einer seltenen Perspektive.

Väter von heute - Vorbilder von morgen!
Väter von heute – Vorbilder von morgen!

Ein Kind braucht seine Mutter“ – da sind wir uns sicherlich alle einig. Mütter sind derzeit eine omnipräsente Mehrheit in der Social-Media-Gemeinde und sogenannte Mama-Blogs schießen wie Pilze aus dem Boden. Auch in beliebten Eltern-Communitys und im gesamten Werbezirkus rund um Baby- und Kinderprodukte sind wir Mütter neben unseren Kindern die Stars in der Manege. „Wir Mütter“ sage ich deshalb, weil ich mich seit einigen Monaten auch zu dieser Clique zählen darf. Allerdings vermisse ich sowohl in der Werbung und in Artikeln über Erziehung als auch in Eltern- und Babytreffs schmerzlich die männliche Hauptrolle. Was mich zu der Ausgangsfrage dieser Ausgabe von „Cats Couch“ führt: Wollen die Männer auf dieser Ebene nicht präsent sein, oder können sie es schlicht und einfach nicht, weil der „aktive Vater“ immer noch schlecht dasteht?

Männer können alles – außer stillen!

Ein Baby kommt und steht für beide Eltern im Mittelpunkt
Ein Baby kommt und steht für beide Eltern im Mittelpunkt

Väter sind mehr als Erzeuger und dieser Konsens setzt sich inzwischen auch zunehmend durch. Endlich, möchte man angesichts der Tatsache einwenden, dass wir inzwischen das Jahr 2016 schreiben. Auf dem Papier und de jure existiert Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen also. Doch wie sieht die Lage de facto aus? Noch immer nimmt nur ein ganz geringer Prozentsatz der frisch gebackenen Väter mehr als die „üblichen“ zwei Monate Elternzeit, im Elterntreff sind männliche Gesprächspartner, die eine solche Runde um interessante Perspektiven erweitern könnten, nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel. Das alles finde ich sehr schade; denn so gerne ich mich als „junge“ Mutter (ist 30 Jahre wirklich noch jung?) mit anderen Müttern austausche und auch fast mehr Gesprächspartnerinnen finde, als ich wirklich würdigen kann, fühlt sich mein Mann wie manch anderer „junger“ Vater doch zeitweise auf dem Abstellgleis. Wir gehören nämlich zu den Paaren, die es anders machen wollen als die Mehrheit: Ich bewerbe mich zurzeit wieder, er nimmt Elternteilzeit in Anspruch. Als ich während der Schwangerschaft Freunden und Familie von unserem geplanten Familienmodell erzählte, bekam ich von verständnislosen Einwänden („Also, ICH könnte das ja nicht, das Kind so früh abgeben …“) bis hin zu Beschwichtigungen mit Augenzwinkern („Ja ja, das sagst du jetzt. Warte erst einmal ab, wenn das Baby da ist!“) Gegenwind aus (fast) allen Himmelsrichtungen. Wobei, faktisch betrachtet hat es wenig mit „abgeben“ zu tun, ein Kind beim eigenen Vater zu lassen. Aber wie heißt es so schön: Errare humanum est. Ich ließ den Zweiflerinnen (in der Tat fast nur Frauen) ihre Zweifel und wartete einfach ab. Das Kind kam, der Wunsch, im Job nicht den Anschluss zu verlieren, blieb. Und überhaupt – der Elterngeldantrag für meinen Mann war sowieso längst eingereicht. Bis jetzt kann ich sagen: Unsere Tochter hat einen tollen Vater. Die Sorte Mann, mit der ich mein eigenes Kind gerne einige Stunden allein lasse. Denn auch wenn wir Mütter es manchmal kaum wahrhaben wollen: In Sachen Babypflege und Kinderbespaßung können Männer im Prinzip alles. Außer stillen; andersherum stillt ja längst nicht jede Mutter voll oder so lange, dass sie wirklich allein deshalb Jahre daheim verbringen müsste. Es zu wollen, ist natürlich legitim und steht auf einem anderen Blatt.

Vater sein – ein Hürdenlauf!

Väter als Alleinverdiener? Längst kein Muss mehr!
Väter als Alleinverdiener? Längst kein Muss mehr!

Ich sollte hier fairerweise erwähnen, dass mein Mann selbstständig ist und nur wenige bürokratische Hürden überspringen musste, um die volle Elternteilzeit für sich und uns zu realisieren. Schwieriger haben es da oftmals (männliche) Angestellte, die sich nicht zufällig in sicheren Zweigen des Staatsdienstes tummeln. Sie ernten oft ebenso wenig Verständnis für ihre Familienauszeit wie ihre weiblichen Kollegen, die im Gegenzug dazu wieder schnell in ihren Job zurückkehren oder sich eine neue Position suchen wollen. Schnell kommt auch heute noch bei Personalern der Verdacht auf, ein Mann hätte somit „kein Interesse mehr am beruflichen Aufstieg“, „keine Lust mehr auf seinen Job“ oder eben eine Partnerin, die ihm „nicht den Rücken freihält“. Dass derartige Vorurteile sich nicht gerade motivierend auf die jüngeren Generationen von Eltern und Arbeitnehmern auswirken, erklärt sich von selbst. Auch im privaten Umfeld brauchen Väter, die sich bewusst eine Babyauszeit nehmen, oftmals nach wie vor ein dickes Fell und ernten statt Verständnis und Anerkennung für ihre Entscheidung eher Skepsis, Spott und Häme. Kein Wunder, denn Väter bleiben auch in den gefühlt omnipräsenten Medien- und Werbebeiträgen rund um „Kind und Windeleimer“ weitgehend unsichtbar. Wann immer eine Pampers-Werbung über unsere Bildschirme flimmert sehen wir: Mutter und Kind. Die Bloglandschaft im Internet, die sich mit den alltäglichen und kontroversen Themen rund ums Elterndasein beschäftigt: Mama-Blogs, wohin man schaut; ein männliches Äquivalent ist selten. Die Betreuungsmisere in den Nachrichten: Mütter mit Problemen bei der Jobsuche. Daran ist prinzipiell nichts Falsches; es fehlt nur etwas. Nämlich die Selbstverständlichkeit, dass Väter eben nicht nur Samenspender auf zwei Beinen sind oder idealerweise sein sollten.

Diskriminierung: nicht nur ein Mütterproblem!

Hart aber fair: Männer können alles genau so gut - außer stillen.
Hart aber fair: Männer können alles genau so gut – außer stillen.

Schließlich gibt es noch den finanziellen Aspekt. Dass das „Gender Pay Gap“ keine Erfindung durchgeknallter Radikalfeministinnen ist und speziell „Frauenberufe“ im sozialen oder geisteswissenschaftlichen Umfeld doch eher knapp bezahlt werden, merkt man auch daran, dass die männlichen „Besserverdiener“ dann eben doch in die klassische Versorgerrolle schlüpfen. „Finanzielle Notwendigkeit“, wird man es nicht ganz zu Unrecht begründen. Da hilft es leider auch wenig, dass unsere Politik sich derzeit beide Beine ausreißt, um eine echte Gleichberechtigung im Familienleben und auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen. Ein Regelwerk ist sinnvoll . Aber was, wenn sich kaum ein Spieler am runden Tisch daran hält? De jure darf kein Arbeitgeber seine Angestellten dafür „bestrafen“, Kinder zu bekommen und sich gar um diese kümmern zu wollen. De facto werden gerade Männer, die Elternzeit, Krankentage und andere rechtliche Ansprüche geltend machen wollen, auf ihre vermeintliche Unverzichtbarkeit hingewiesen oder gleich gefragt, ob sie denn keine Frau hätten, die das machen kann. Umgekehrt wird bei Frauen quasi automatisch davon ausgegangen, dass sie nun eh keine Karriere mehr machen wollten oder andauernd wegen ihrer Kinder dem Arbeitsplatz fernbleiben werden. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde eine solche Einmischung in die Privatsphäre von Mitarbeitern schon ziemlich frech! Nicht nur am Arbeitsplatz haben engagierte Väter häufig einen schweren Stand; auch beim Umgangs- und Besuchsrecht im Falle einer Trennung ziehen sie aufgrund der momentanen Gesetzeslage häufig den Kürzeren. In manchen Fällen mag dies sinnvoll sein; oft handelt es sich dabei aber auch nur um eine Schikane im klassischen Rosenkrieg und schlicht um eine Diskriminierung.

Männerarbeit, Frauenarbeit?

Väter suchen sich eigene Wege - und das ist ihr gutes Recht
Väter suchen sich eigene Wege – und das ist ihr gutes Recht

Schaut man sich soziale und pflegerische Berufszweige an, so trifft man tendenziell auf eine große weibliche Überzahl. Ein Mann als Kita-Leiter? Als Kinderpfleger oder „männliche Hebamme“? Für viele Frauen – aber auch Männer – auch im Jahr 2016 schwer vorstellbar. Was allerdings auch auf dem Mythos beruht, Männern ginge es vor allem ums Geldverdienen. Ebenso wie auf der Tatsache, dass sich viele Männer (und übrigens manche Frau) aufgrund der eher unterdurchschnittlichen Bezahlung in Sozialberufen für andere Branchen entscheiden und Jungen viel zu früh eingeimpft wird, einen „männlichen“ Beruf zu ergreifen. Vorbehalte dagegen, dass Männer ebenso wie Frauen „irgendwas mit Kindern“ machen können, zeigen sich auch im Privaten – und daran sind wir Mütter selbst oft nicht ganz unschuldig. Manch übermotivierte Neu-Hausfrau und „Natural Born Super Mom“ hat nämlich wirklich an allem etwas zu meckern, was ihr hilfsbereiter Partner wie selbstverständlich einfach tun möchte. „Du machst das falsch! Das geht doch anders“; „Männer können das nicht“; „Typisch Mann. Ich zeig dir, wie es geht“… Wer solche Bannbotschaften jeden Tag zu hören bekommt, wird irgendwann resignieren. Und wer sollte es ihm da noch verdenken? Ich überspitze hier natürlich absichtlich ein wenig – aber wenn wir Mamas ehrlich zu uns selbst sind, juckt es vielen doch wirklich hin und wieder in den Fingern, den Mann mal wieder zu korrigieren. Einfach so, fast automatisch. Mein Tipp, den ich selbst übrigens auch befolge: Lasst es kribbeln, Ladys, und beißt euch hin und wieder einfach lieber auf die Zunge. Dann klappt’s auch mit der Gleichberechtigung. Papas haben ihren eigenen Weg, Probleme zu lösen. Und das ist auch gut so.

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