Cats Couch: Die allwissende Dritte

Die Hochzeit Henri Rousseau Gesellschaft Hund Braut Bräutigam
Die Hochzeit Henri Rousseau – Gesellschaft Hund Braut Bräutigam

Für viele Männer ist die (zukünftige) Schwiegermutter der „Angstgegner“ schlechthin. Ob sie mit der Person, die ihre Frau auf die Welt gebracht hat, zurechtkommen, kann im Konflikt zum Zünglein an der Beziehungswaage werden. Es gibt jedoch eine zweite weibliche Person im Leben der meisten Frauen, an die man(n) sich erst einmal gewöhnen muss – die beste Freundin, die oft mehr Wissen und Einfluss hat, als ihm lieb ist.

Die meisten Frauen gibt es nur im Doppel- oder Mehrfachpack auf dem „Heiratsmarkt“. Auch wenn wir natürlich alle Individuen sind, existieren diese wenigen Personen im Umkreis einer Frau, mit denen man(n) sich arrangieren sollte – das können die leiblichen Kinder, die engste Familie oder eben die beste Freundin sein. Ohne Letztere läuft nämlich für viele von uns nichts. Und ja, ich will an dieser Stelle nichts schönreden. Oft weiß sie einfach alles – von den typischen „Frauenleiden“ ihrer Allerbesten (von denen Männer sowieso meist nichts hören wollen) und den geheimsten Lebensträumen, über die mit dem Partner vielleicht noch nie gesprochen wurde bis hin zu intimen Bettgeschichten. Was dem Partner wie ein himmelschreiender Loyalitätsbruch vorkommen kann, sehen die besten Freundinnen häufig als total normal an. Schließlich kennen sie sich eine halbe Ewigkeit, können die Sätze der jeweils anderen quasi telepathisch vervollständigen und entwickeln geradezu hellseherische Fähigkeiten – zumindest, was diese eine Person in ihrem Leben angeht. Schwierig wird es, wenn ein Mann mit dieser Bindung, die bei manchen Frauen untereinander die Qualität eines Ehebundes ohne Sex einnehmen kann, nicht zurecht kommt. Deswegen gibt es hier von Frauenseite ein paar Tipps, um mit dieser „allwissenden Dritten“ in der Beziehung Frieden und Freundschaft zu schließen. Denn, eines vorweg: Lieber würden wohl einige Frauen wohl eher den Mann an ihrer Seite als ihre allerbeste Freundin in den Wind schießen!

Foto: Privat
Foto: Privat

Das „weibliche Paralleluniversum“. Ja, manchmal ist es zum Mäusemelken. Da würde man am liebsten den Abend gemeinsam auf dem Sofa ausklingen lassen und plötzlich klingelt das Telefon und „sie“ hat ein „unglaublich wichtiges“ Problem mit Ihrer Liebsten zu besprechen. Als Madame nach einer geschlagenen Stunde geheimer Unterredungen wieder ins Wohnzimmer zurückkehrt, ist der Film halb vorbei – und sie versteht gar nicht, warum Sie das sauer machen könnte. „Ich kann sie doch nicht abwimmeln. Sie ist schließlich seit 15 Jahren meine beste Freundin!“

Mein Tipp: Sehen Sie Ihre Freundin oder Frau als „Weltenwandlerin“. Sie mag der Mittelpunkt Ihrer Welt sein (im Idealfall) und irgendwie sind Sie auch der Mittelpunkt im Leben Ihrer Partnerin. Allerdings gibt es eben auch diese Welt, die eine Art „weibliches Paralleluniversum“ darstellt. Eine Welt, die Ihnen als Mann verschlossen bleibt und wo eben die allerbeste Freundin und andere wichtige gleichgeschlechtliche Beziehungen im Mittelpunkt. Es ist sicher auch für Ihre Frau
schwer, sich in beiden Sphären gleichzeitig zu bewegen. Deswegen: machen Sie ihr keinen Vorwurf daraus, dass sie hin und wieder einfach in eine Welt abtaucht, in die sie Sie einfach nicht einbeziehen kann. Sie kann nicht anders – und tut wahrscheinlich schon ihr Bestes, damit niemand zu kurz kommt.

Die Seelenschwester. Irgendwie haben Sie oft unterschwellig das Gefühl, dass Sie Ihre Frau nie ganz verstehen werden. Die beste Freundin scheint schon intuitiv jeden Gedanken Ihrer Liebsten erahnen zu können, bevor sie ihn überhaupt aussprechen kann. Das wurmt Sie. Ja, klar wurmt Sie das – schließlich wollen auch Sie mit Ihrer Partnerin alles teilen und besprechen können. Wenn Ihre Frau allerdings im Alltag Sätze sagt wie: „Ach gib mir doch mal das Dings, du weißt schon, von dem Stapel mit dem Zeugs da“, haben Sie tausend Fragezeichen über dem Kopf und gucken ziemlich in die Röhre. Die Allerbeste Ihrer Frau jedoch scheint aus dem kryptischen Gefasel sofort zu entnehmen, dass es um das Notizbuch vom Bürostapel auf dem Sekretär geht – und bringt es ihr mit einem verschwörerischen Schmunzeln. Beneidenswert – und etwas, das einen Mann ein wenig eifersüchtig machen kann.

Mein Tipp: in einer sehr engen Frauenfreundschaft, solange sie besteht, suchen und finden Frauen eine Verbindung, die über jede „normale“ Freundschaft hinausgeht – eine „Seelenschwester“. Dieser feste Glaube daran, dass die Beziehung zur „Best Friend Forever“ etwas Exklusives, Einzigartiges ist, hält beide zusammen und stellt eine Art heiligen Schwur dar. Das Gefühl, Teil der jeweils anderen zu sein, gibt Halt und Selbstvertrauen, denn es macht Ihre Liebste – zumindest für ihre beste Freundin – unverzichtbar. Kommt Ihnen das bekannt vor? Erinnern Sie sich zurück, an die Momente, die Sie mit ihr als schicksalhaft empfunden haben, eventuell an den Treueschwur bei der Hochzeit – und Sie werden verstehen, dass es ähnlich ist. Nur eben auf einer komplett anderen Ebene. Die beste Freundin Ihrer Frau respektiert diese exklusive Beziehung, die Sie mit ihr pflegen? Gut, dann sollten Sie das Gleiche tun.

Allwissend, einflussreich, machtvoll. Müsste jemand die Lebensgeschichte Ihrer Frau aus der dritten Person in einem Buch wiedergeben, ist die beste Freundin aus Kinder- und Jugendtagen die beste allwissende Erzählerin, die es gibt. Denn sie weiß mehr, als die NSA erlaubt – eigentlich so ziemlich … alles. Mit Aussagen wie: „Aber X sagt, dass sie wohl ähnliche Streitigkeiten wegen Geld hatten“ kann Ihre Liebste Sie schon mal gehörig auf die Palme bringen – schließlich muss auch ihre „Allerbeste“ nicht alles wissen und darf sich längst nicht mit Ratschlägen in Ihre Beziehung einmischen. Zumindest ist das Ihre Sicht der Dinge. Sie fragen sich: „Wenn X schon so gut über unseren letzten Streit wegen des Hauskredits Bescheid weiß- was weiß sie dann noch über mich?“ Ein berechtigter Gedanke, denn meistens weiß sie … nun ja, so ziemlich alles, auch wenn sie es Ihnen gegenüber nie erwähnen würde. Das bereitet Ihnen Unbehagen, Sie fühlen sich bewertet, beurteilt, beobachtet. Und dadurch auch ein wenig im Einfluss auf das gemeinsame Leben mit Ihrer Partnerin bedroht.

Mein Tipp: Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken darum, was diese Geste oder jenes Wort gerade bedeuten könnte und bleiben Sie auf dem Boden der Tatsachen. Für diese beiden Frauen ist es vollkommen normal, sich über die intimsten Details ihres Lebens auszutauschen. Trotzdem und gerade deshalb wird es einen Grund für dieses bedingungslose Vertrauen zwischen ihnen geben. Denn: Was unter dem Siegel der Verschwiegenheit unter besten Freundinnen beredet wird, nehmen diese meist als Geheimnis mit ins Grab. Zumindest haben sie das vor. Kurz: Es gibt Personen und Gespräche, wo private Details aus dem Beziehungsalltag (auch dem sexuellen) bedeutend schlechter aufgehoben wären. Auch die Angst, die beste Freundin könne ihren Einfluss dazu nutzen, einen Partner „madig zu machen“, ist meist unbegründet. Schließlich will die „Schwester im Geiste“ Ihrer Frau in der Regel auch nichts anderes, als dass es ihr gut geht.

Kommunikation ist menschlich. Also, nun haben Sie wirklich genug und Ihnen geht die Hutschnur hoch. Denn egal, was Sie mit Ihrer Partnerin vor haben, ihre „ABF“ muss sich einfach ständig einmischen und in den Vordergrund drängen. Klarer Fall – Sie haben ein Eifersuchtsproblem. Alle drei, damit ist gemeint: die beste Freundin (weil sie Sie als Störenfried in der Freundschaft sieht), Sie selbst (Sie wollen schließlich auch mal Ihre Partnerin für sich!) und schließlich Ihre Frau, die den ganzen Schlamassel ausbaden muss, indem sie sich in der Pflicht sieht, zwischen den Interessen zu vermitteln. Da „Zoff im Pott“ bei Dreiecksgespannen generell nichts Ungewöhnliches oder gar Seltenes ist, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Nur: Wie diesen Konflikt lösen?

Mein Tipp: Arbeiten Sie miteinander, nicht gegeneinander. Denn da wird die einzige Leidtragende im Endeffekt die sein, die sowohl Sie als auch die beste Freundin am wenigsten verletzen wollen. Offenheit hilft – wenn Sie die beste Freundin Ihrer Frau als aufdringlich empfinden, klären Sie dies gemeinsam mit ihr oder eben allen Beteiligten in einem sachlichen, auf Lösungen ausgelegten Gespräch. Verwenden Sie wie immer bei Konflikten Ich-Botschaften, damit die Auseinandersetzung nicht eskaliert. Sie können auch Ihre Partnerin bitten, manche Dinge grundsätzlich mit Ihnen zu bereden, bevor sie ihre beste Freundin gleich zu Rate zieht. Grenzen, und damit sind die Grenzen aller Beteiligten gemeint, sollten bestmöglich gewahrt werden und sind notwendig, die Situation zu definieren und zu klären. Zuletzt sollten Sie nicht vergessen: Die beste Freundin Ihrer Frau muss keine Rivalin sein. Sind Sie mit ihr auf einer Wellenlänge, klappt’s vielleicht auch besser mit Ihrer Beziehung – schließlich kann die „oberste Anwältin“ Ihrer Frau dann auch ein gutes Wort für Sie einlegen.

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