Cats Couch: Brautdepression – Tiefer Fall von Wolke Sieben

Sie haben also eine Frau gefunden, mit der Sie bis ins hohe Alter das Leben teilen wollen. Gratulation! Sie haben ihr einen Antrag gemacht, sich geduldig mit ihr durch eine monate- bis jahrelange Hochzeitsplanung gekämpft und sich mit ihr schließlich das Jawort gegeben. Sie sind ein Glückspilz. Ihre nächste Herausforderung: Ihre frisch Angetraute davon überzeugen, dass es auch ein Leben nach den Flitterwochen gibt – und dass dieses Leben schön ist.

IMG_3554Heiraten und einmal Prinzessin sein – für viele Frauen ist das noch heute ein großes Thema. Es soll dieser eine Tag  sein, der das Leben für immer krönt, an dem alle Augen auf die Braut, ihr prachtvolles Kleid und ihre große Liebe, den Prinzen, gerichtet sind. So lehren es uns Märchen. Und romantische Komödien. Achja, Disney nicht zu vergessen … Seine Filme können hier einfach nicht unter den Tisch fallen. Wie viele Frauen haben schon die tragischen Liebesgeschichten von Belle, Schneewittchen und Cinderella gesehen und mitgefiebert … Hach. Seufz. Also, um es kurz zu machen: So vernünftig und rational viele von uns im Alltag sind – wenn es ums Heiraten geht, werden sie gerne mal wieder zu schmachtenden, sehnsüchtigen Wesen mit Mädchenträumen.

Braut sein bedeutet, im Mittelpunkt zu stehen

Nun kommt also der ersehnte Antrag und es tun sich eine Menge potenzieller Stressquellen auf, von denen Sie bisher gar nicht wussten, dass sie existieren. Weißtöne (ja, davon soll es tatsächlich unzählige von Ivory bis Champagner geben), Geschmacksnuancen bei der Hochzeitstorte (hat sie nicht vor kurzem noch alles gut gefunden, das nur annähernd nach Kuchen roch?) und natürlich die Verwandtschaft, vor allem die im engeren Kreis, die Ihnen wie ein Rudel ausgelassener, laut bellender Welpen vorkommt. Die „perfekte“ Location, das „perfekte“ Outfit und die „perfekte“ musikalische Untermalung finden – puh. Anstrengend, aber machbar. Egal, um sich zu erholen, gibt es ja noch die Hochzeitsreise, an die die „Gattin in spe“ natürlich auch meist hohe Ansprüche hat. Schließlich darf am „Tag der Tage“ nichts schiefgehen.

Also, nehmen wir einmal – rein hypothetisch – an, dass alles ohne Pannen, Stress und Streit über die Bühne gegangen ist. Meist bleibt es da bei der Theorie; „ein bisschen Schwund ist immer“, wie Oma mit ihrer gebündelten Lebensweisheit sagen würde. Und da Omas Sinn für Gelassenheit mich schon mein Leben lang begleitet hat, ist es mir bei meiner eigenen Hochzeit recht leicht gefallen, eher auf mein Bauchgefühl und meinen Verstand als auf all diese Heiratsratgeber „für sie“ zu hören, die mir vorschreiben sollten, welchen Ballkleidschnit ich brauche, wann ich erstmalig zur „Styling-Generalprobe“ zu erscheinen habe und welche x-tausend Etikettevorschriften es gibt.

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Geschärfter Blick: Viele erwarten, dass bei der Hochzeit wirklich alles stimmt

Ich kann auch sagen, dass der Teufel in jedem Detail steckt, mit dem man wirklich am wenigsten gerechnet hätte. An dieser Stelle muss auch ich  kurzzeitig ein richtiges Stimmungstief verbuchen, als ausgerechnet eine kleine Wespe beim Hochzeitsshooting dafür sorgte, dass ich am folgenden Tag der großen Feier mit einem geschwollenen Arm und Verband herumlaufen musste. „Wenn die Ehe so wird, wie sie angefangen hat …“, habe ich laut gedacht und tatsächlich an ein mieses Karma und schlechtes Omen geglaubt. So lange, bis mein Mann mir versicherte: „Das macht nichts. Ich liebe dich genau so , wie du bist.“ Also wischte ich mir ein Tränchen aus den Augen und wusste: Das ist unser Abend. Trotz mancher Panne. Show must go on. So viel zu: „Es darf nichts schiefgehen.“ Merken Sie sich eines: Es wird nicht alles schiefgehen, was schiefgehen kann – aber die Fehlerquellen von Großtante Emma in Motzlaune bis hin zum Riss im Kleidsaum sind eben zu zahlreich, als dass nichts schiefgehen könnte. Zum Glück bedeuten die meisten Pannen nicht das Ende der Welt und gehen mit einem Schmunzeln in die Lebensgeschichte ein.

Just Married: Nach der Hochzeitsreise kommt der Alltag zurück
Just Married: Nach der Hochzeitsreise kommt der Alltag zurück

Wenn dies die „Brautzillas“ dieser Welt nur auch verstehen würden, nicht wahr? Denn für sie gibt es nur eine Maxime: Zero Tolerance. Wer sich ausgerechnet so ein „Brautmonster“ zum Heiraten ausgesucht hat, wird neben dem Glück, verheiratet zu sein, auch eine weitere Erleichterung verspüren – die Gewissheit, dass die Zeit der klein(lich)en Diskussionen über Menüpunkte (nein, nicht die auf Ihrem Bildschirm …) , der extremen Stimmungsschwankungen von hysterisch heulend bis ausgelassen kichernd und der Dauerthemas „Hochzeit“ überstanden ist.

Wobei – überstanden ist es erst wirklich, wenn die frisch Angetraute nach der Hochzeitsreise wieder im Heimatflughafen und vor allem im Alltag gelandet ist. Weich und ohne Komplikationen. Ist der Hochzeits- und Flitterwochentrubel nämlich erst einmal vorbei, folgt …. nichts. Zumindest nichts Sinnstiftendes für eine Frau, die Monate allein in ihre Hochzeit investiert hat. Verstehen Sie als Mann nicht? Kein Problem. Das ist einfach. Stellen Sie sich vor, ein wichtiges Projekt (Hausbau, Beförderung, Studienabschluss) ist in trockenen Tüchern. Ein wichtiges Ziel ist erreicht, es gibt nichts mehr, was Ihre ganze Aufmerksamkeit benötigt.

Heiraten bedeutet, einfach einen Schritt weiter zu gehen
Heiraten bedeutet, einfach einen Schritt weiter zu gehen

Vielleicht fühlen Sie sich im ersten Moment planlos, ratlos, oder nutzlos, bis sich ein nächstes großes Etappenziel auftut. Ebenso ergeht es ihr, wenn „Projekt Traumhochzeit“ abgeschlossen ist. Womöglich weiß sie jetzt, wo der Alltag Sie als Paar einholt, nichts mehr mit sich anzufangen und findet nur schwer zurück. „Brautdepression“, oder auch im Englischen „Post Bridal Depression“, ist verbreiteter, als man(n) denkt – vor allem nach aufwendigen, rauschenden Feierlichkeiten. Die gute Nachricht: Es geht vorbei, und Sie können diesen Prozess beschleunigen. Es geht nun darum, das Leben Ihrer Frau (und das gemeinsame Leben als Paar) auch im „tristen Alltag“ wieder mit Sinn zu füllen. Der Fall von Wolke Sieben ist immer tief und schmerzhaft, seien Sie ein Gentleman und spannen Sie ein Fangnetz auf. Zu einem anderen Zeitpunkt wird sich ihr „Brautzilla“ daran erinnern und Ihnen die gleiche Unterstützung geben.

Was genau gegen den „Alltagsblues“ nach den Flitterwochen hilft, ist von Person zu Person unterschiedlich; aber das sollten Sie als Ehemann am besten wissen. Überlegen Sie einfach: Was braucht sie, wann fühlt sie sich gebraucht, was macht ihr Freude? Lassen Sie sich nicht von diesem temporären Zustand der Unzufriedenheit bei ihr beirren; sie hat soeben eine Weltenwanderung von der „Braut“ zur „Ehefrau (im Alltag)“ hinter sich gebracht und muss sich neu orientieren. Geben Sie ihr etwas Zeit – und wenn es nötig ist, eine genordete Karte mit den nächsten Zielen auf ihrer Lebensroute.

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