Kategorie: Wörterbuch-Roman

Wörterbuch -H wie Heinrich Himmler über Marschall Tito (Josip Broz Tito)

Fundstück bei den Recherchen zu einem Bericht über Josip Broz Tito:

Josip Broz Tito
Josip Broz Tito

Ich möchte Ihnen noch ein Beispiel von Ausdauer nennen: die Ausdauer des Marschall Tito…Leider ist er unser Gegner. Den Marschalltitel hat er wirklich verdient. Wenn wir ihn jedoch erwischen, werden wir ihn auf der Stelle hinrichten. Er ist unser Feind, doch wäre ich froh, wir hätten in Deutschland ein Dutzend Titos, Männer mit solchen Führungsqualitäten, dieser Entschlossenheit und so guten Nerven, die sich nie ergeben, auch wenn sie völlig eingekreist sind.

Vor deutschen Offizieren, 1944

Besondere Anmerkung: mein Bekannter vom Archiv merkt dazu an; er überlege sich, wie dies in der Öffentlichkeit ankäme, würde dies ein amerikanischer Präsident zu einem Amtskollegen aus einem der „Schurkenstatten“ sagen….Besondere Anmerkung 2: ich hatte postwendend Lust auf eine Weißweinschorle bei Jacques….. 

Ein Wörterbuch-Roman – Inhalt-Destillat

Wörterbuch-Roman800„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“  – Marie Luise Kaschnitz

Mehr zur Idee lesen Sie hier.

Die Einträge in das Wörterbuch folgen dem Aufmerksamkeitsprinzip: Fällt etwas ins Auge, wird es festgehalten. Die spannende Aufgabe die daraus entsteht, ist darin einen Zusammenhalt zu finden und aufzuzeigen. Sei es als Roman, als Dokumentation.trennlinie2

Das Wörterbuch-Roman-Destillat:

 A
Askese
Anfang

B
Bildungssystem
Bilderrätsel
Bräutigam

C

D
Din Rodef (Todesurteil)

E
Erdnuss-Effekt

F
F wie Faden

G

H
Hunger
Heinrich Himmler

I

J

K
Knappenehe
Körper

L
Lebenszeit

M
Männer

N

O

P

Q

R
Rotgießer

S
System

T
Tee
Tokyo
Tod

U
Umgang
Utopie

V

W
Wollust
Weiber

X
Madame X

Y
Baskisches Y mit StreetArt aus Vitoria-Gasteiz

Z
Zweiundvierzig

trennlinie2

Wird stetig ausgebaut – bis zu jedem Buchstaben 5 Beiträge vorhanden sind.

Wörterbuch – T wie Tee

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Liselotte von der Pfalz
Liselotte von der Pfalz – Quelle: Wikimedia – gemeinfrei

„Thee kombt mir vor wie Heu und Mist, mon Dieu, wie kann sowas Bitteres und Stinkendes erfreuen?!“
Das schreibt die geistvoll-humorige Liselotte von der Pfalz, die Schwägerin Ludwig XIV., eine Frau, deren unbestechliche  Beobachtungsgabe von aller Welt gerühmt wurde.

Wörterbuch – S wie System

Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz
Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Frei nach Henry Ford:

„Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.”

Twitter-Tweet-Fund

Wörterbuch – A wie Askese

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Christoph Martin Wieland - Geimeinfrei - Quelle: wikimedia
Christoph Martin Wieland – Geimeinfrei – Quelle: wikimedia

„Ich werde bemüht sein, die Gegenwart meines Körpers so wenig wie möglich merklich zu machen.“
Und so reitet Don Quichote, bereit zu jeglicher Askese, in die Schweiz.

(Aus: Jutta Hecker – Wieland – Weimar 1963)

Wörterbuch – Z wie Zweiundvierzig

42„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

 


42 – Per Anhalter durch die Galaxis – Douglas Adams

Per Anhalter durch die Galaxis - Douglas Adams
Per Anhalter durch die Galaxis – Douglas Adams

Es ist die Antwort auf die vom Autor unklar gestellte Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ (life, the universe and everything), die in der Geschichte der zweitgrößte existierende Computer des Universums zu errechnen hat und sie als mit absoluter Sicherheit korrekt darstellt. Letztlich aber können die Protagonisten mit der Antwort nichts anfangen, weil niemand weiß, wie die eigentliche Frage lautete.

*****

42: Roman von Thomas Lehr – 2007

42_Thomas Lehr
42 – Roman – Thomas Lehr

Unweit von Genf liegt das Kernforschungszentrum CERN. Als an einem Sommertag eine Besuchergruppe aus dem Fahrstuhl tritt, ist Europa in einen Dornröschenschlaf gefallen und die Zeit steht still. Was ist zu tun? In diesem furiosen Roman schießt alles wie in einem Teilchenbeschleuniger zusammen: eine beklemmende Idee, modernste Zeittheorien und eine berauschende Sprache.

 

 

*****

§ 42 – Missbrauch von rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten

(1) Durch Missbrauch von Gestaltungsmöglichkeiten des Rechts kann das Steuergesetz nicht umgangen werden. Ist der Tatbestand einer Regelung in einem Einzelsteuergesetz erfüllt, die der Verhinderung von Steuerumgehungen dient, so bestimmen sich die Rechtsfolgen nach jener Vorschrift. Anderenfalls entsteht der Steueranspruch beim Vorliegen eines Missbrauchs im Sinne des Absatzes 2 so, wie er bei einer den wirtschaftlichen Vorgängen angemessenen rechtlichen Gestaltung entsteht.

(2) Ein Missbrauch liegt vor, wenn eine unangemessene rechtliche Gestaltung gewählt wird, die beim Steuerpflichtigen oder einem Dritten im Vergleich zu einer angemessenen Gestaltung zu einem gesetzlich nicht vorgesehenen Steuervorteil führt. Dies gilt nicht, wenn der Steuerpflichtige für die gewählte Gestaltung außersteuerliche Gründe nachweist, die nach dem Gesamtbild der Verhältnisse beachtlich sind.
Aus: Abgabenordnung Zweiter Teil – Steuerschuldrecht (§§ 3377) – Zweiter Abschnitt – Steuerschuldverhältnis (§§ 3750)

Wörterbuch – R wie Rotgießer

Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz
Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Der Rotgießer gießt aus verflüssigtem Gemisch von Kupfer, Zinn und Zink in Formen Gebrauchsgegenstände. Der Berufststand war insbesondere im 18. Jahrhundert von Bedeutung.


Rotgiesser
Rotgiesser

Quelle: Bild entnommen dem Buch „Beschreibung alter Berufsstände, im Druck verfertigt zu Franckfurt am Mayn – 1567“.

Wörterbuch – D wie „Din Rodef“ (Todesurteil)

Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz
Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Din Rodef ist ein von religiösen Autoritäten des Judentums aussprechbares Todesurteil über einen Juden. Es ist damit trotz Unterschieden im Detail das Analogon zur islamischen Fatwa. Din Rodef ist je nach Interpretation eine halachische Pflicht eines Juden, einen anderen Juden, der Leben oder Eigentum eines Juden gefährdet, zu töten. Sie leitet sich von der Mischna aus dem Traktat Sanhedrin ab. Din Rodef ist der einzige Fall, in dem es einem Juden erlaubt ist, einen anderen Juden ohne vorhergehende Gerichtsverhandlung und Verurteilung zu töten. Ein Jude ist religiös verpflichtet und autorisiert die mit einer ausgesprochenen Din Rodef sozusagen wie im christlichen Mittelalter als vogelfrei erklärte Person soweit ihm möglich auch selber zu töten.

Wörterbuch – F wie Faden

Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz
Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

„Wir hören von einer besondern Einrichtung bei der englischen Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, dass ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, dass sie der Krone gehören.“ (Teil 2, Kapitel 2)

„Ebenso zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden der Neigung und Anhänglichkeit, der alles verbindet und das Ganze bezeichnet.“ (Teil 2, Kapitel 4)

Aus den „Wahlverwandtschaften“ von Johann Wolfgang von Goethe.

Wörterbuch – E wie Erdnuss-Effekt

Erdnüsse„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Psychischer Zwang, immer weiter konsumieren zu müssen [ähnlich wie beim Essen von Erdnüssen]. Die Folge davon sind Übersättigung und Schuldgefühle. Der Erdnuss-Effekt wird besonders bei Menschen beobachtet, die überdurchschnittlich viel fernsehen.

(Aus: Matthias Horx – Trendwörterbuch, Köln, 1997)

Meine Gedanken dazu: es schaut doch kaum noch jemand TV, oder?! Gesalzen oder ungesalzen?  Wie stellt man solch einen Trend fest?  Was sagen die wahren Experten dazu – die Psychologen?!  Wenn ich die Klatsche beseitigen will, wo muss ich dann ansetzen? Wieso Schuldgefühle?

Wörterbuch – T wie Tokyo

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Tokyo - Foto: Sven Pfuller
Tokyo – Foto: Sven Pfuller

Keine andere Weltstadt wirkt auf den frisch eingeflogenen Europäer auf den ersten Blick so vertraut und nach dem zweiten Blick so verwirrend wie Tokyo. Einerseits modernste Architekturen, glitzernde Konsumtempel, eine perfekt funktionierende Großstadtinfrastruktur. Anderseits, nur ein paar Fußgehminuten von den modernen Atherien entfernt, traditionelle Häuslein in Holzbauweise, Bambusstauden im Miniaturvorgarten, nachts kommt der Kloakenwagen, der die Fäkalien wegschafft.

Wörterbuch – K wie Körper

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Heldenepos - Illustration: !so?
Heldenepos – Illustration: !so?

Der Körper ist dem Menschen
zugleich das nächste und das
fernste. Das nächste als Körper,
der er ist, den er braucht,
in dem er in seiner ganzen
Sinnlichkeit lebt und webt.
Das fernste, weil der Mensch
seinen Körper nicht selbstver-
ständlich besitzt wie das Tier,
weil er ihm ein Rätsel ist,
das Rätsel aller Rätsel.

Hans F. Geyer

Wörterbuch – L wie Lebenszeit

Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz
Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Es gibt Krümmungen in der Faserung
der Lebenszeit, die unmerklich
vom Unmöglichen zum Wirklichen
und vom Unvorstellbaren zum
Vollbrachten führen.

Paul Valéry

Wörterbuch – T wie Tod

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Selbstbildnis mit fiedelndem Tod Arnold Böcklin, 1872
Selbstbildnis mit fiedelndem Tod
Arnold Böcklin, 1872

Hier ist das Heiligtum des Todes,
das Atelier der Mediziner.
Hier leben sie gemächlich in der
Umgebung von Skeletten und
Leichnamen, wie der Maler bei
seinen Modellen. Hier werden
sie in die Mysterien des Lebens
eingeweiht, und mit feurigen
Buchstaben scheint in den Salon
die Aufschrift: Hie mors vitam
tueri docet – hier lehrt der Tod
Leben zu erhalten.

Aus einer alten französischen Schrift – Titel unbekannt.

 

Das Wörterbuch – H wie Hunger

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Bartolomé Esteban Perez Murillo: Die Trauben- und Melonenesser
Bartolomé Esteban Perez Murillo: Die Trauben- und Melonenesser

Der erhellender Schrecken, der mich durchfuhr, als ich in der Zeitung das altbekannte Sprichwort las: „Hunger ist der Koch“. Und beim weiteren Durchblättern ein Foto aus Afrika sah, dass mir zeigte: die besten Köche kochen offensichtlich nicht für die Hungernden. …und dann die Erkenntnis, wie vorschnell man Sätze nach ihren Inhalten bewertet, ohne darauf zu achten, wer etwas zu wem sagt. 

Ein Wörterbuch-Roman

Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz
Ein Wörterbuch-Roman inspiriert durch Marie-Luise Kaschnitz

„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ Marie Luise Kaschnitz

Prosa  in Form eines Wörterbuches von A bis Z. – 
Je 5 Texte für jeden Buchstaben. Mit diesem Gedanken spielte Marie Luise Kaschnitz (MLK) in den frühen 1960er Jahren. Sie überlegte sich, wie sie ein neues Buch in Inhalt und Form gestalten könne.

In ihren Notizen stellte MLK immer wieder Überlegungen zu neuen Formen für Prosabücher  an. Eine Idee war, Texte ohne inhaltlichen Zusammenhang zueinander in einem Werk zusammen zu fassen. Dabei spielt es keine Rolle, woraus diese bestehen. Dies können Zitate sein, Zeitungsanzeigen, Textfragmente, offenen Fragen, Metaphern, Erinnerungen, Bilder oder, …. .
Als Titel dafür hatte sie „Tage, Tage, Jahre“ oder „Kraut und Rüben“ bzw. „Gott und die Welt“ notiert.
„Ein Wörterbuch anlegen, ein Verzeichnis der seit Jahrzehnten bevorzugten Worte, da käme man sich auf die Schliche, auf die Farben, auf die Objekte…“ (Steht noch dahin, GW III, 392)Weiterlesen