Kategorie: Fauna

Fauna | Der Uhu und die Hühnerküken

Nicht schlecht staunten die Mitarbeiter einer Vogelschutzwarte an der Nordsee, als der alte brave Gehege-Uhu – der dort sein Gnadenbrot bekommt – plötzlich in Brutstimmung kam, sich eine Mulde ausscharrte und dort – mangels Gatten – etliche unbefruchtete Eier legte, die er bebrütete. Natürlich bekam die Uhu-Frau ihr Futter weiter gereicht: lebende Hühnerküken aus einer Großbrüterei.

Nun aber staunten die Beobachter zum zweiten Mal: Anstatt die Küken zu verzehren, nahm sie die Uhu-Frau an Kindes statt an, ließ die kleinen Gelben auf sich herumturnen und wärmte sie; auch unter ihrem Gefieder.

unterwegs | Auf dem Golfplatz des Teufels

Die ersten Siedler, die diese Wüste betraten, riskierten dabei ihr Leben. Heute ist die Landschaft ein Touristenmagnet. Trotzdem glaubt man sich ans Ende der Welt versetzt.

Auf dem Golfplatz des Teufels

Am Weihnachtstag des Jahres 1849 lag – nach der Legende vor den ersten weißen Siedlern, die eine Abkürzung zu den Goldfeldern Kaliforniens suchten, ,ein Tal, das sie später mit den Worten „good bye, Death Valley“ verließen. Das Tal des Todes hatte ihre gesamte Ausrüstung und fast ihr Leben gekostet. Der Treck war in mehrere Gruppen zerrissen, die getrennt versuchten, der Hölle zu entrinnen. Arcane Meadows, Manley Peak, Jayhawker Canyon und viele andere Namen im Death Valley erinnern noch heute an die Familien des Zuges.

Shoshonensiedlung, 1870 | Foto: W. H. Jackson
Shoshonensiedlung, 1870 | Foto: W. H. Jackson

„20 Meilen vom letzten Feuerholz, 20 Meilen vom Wasser, 40 Fuß bis zur Hölle. Gott sei uns gnädig“, lautet ein Spruch aus der amerikanischen Pionierzeit. Namen wie Helis Gate, Dry Bone Canyon, Grave Canyon, Furnace Creek und viele andere lassen erkennen, wie trostlos und wild sich dieses Wüstental den ersten Weißen zeigte. Am „Burned Waggon Point“ verbrannten die Jayhawkers, eine der Familien des Trecks von 1849, ihre Planwagen, um das Fleisch ihres letzten Zugochsen zu braten. Dies war kein Land zum Siedeln. Trotzdem lebten hier seit etwa 1000 Jahren Shoshone-lndianer.

Death Valley | Foto: Alexandra Raddatz
Death Valley | Foto: Alexandra Raddatz

Death Valley im Osten von Kalifornien ist heute bequem im Wagen von Las Vegas (rund 200 Kilometer) oder Los Angeles (rund 340 Kilometer) zu erreichen. An den Einfahrtstraßen stehen auf den Höhenzügen Tanks mit Kühlwasser für die Autos bereit, und Hinweiszettel liegen in Kästen aus: „How to survive in Death Valley” (wie man im Tal des Todes am Leben bleibt), ein Tribut an den modernen Massentourismus, der Menschen auch in die entlegensten Gebiete führt. Die Touristensaison beginnt im Oktober und dauert bis März. Dann findet man hier offene Hotels, Campingplätze und Tankstellen. ln der Hitze des Sommers, in der nur wenige Menschen das Tal besuchen, sind die meisten dieser Einrichtungen geschlossen.

Die Straßen – eine führt von Nord nach Süd durch das insgesamt etwa 250 Kilometer lange Tal, eine andere kreuzt in Ost-West-Richtung – werden täglich von Aufsichtsbeamten der Nationalparks nach liegengebliebenen Autos kontrolliert. Trotz aller Hilfen fordert die Natur auch heute hier noch immer regelmäßig Tote, die meist dem eigenen Leichtsinn zum Opfer fallen. Es gilt: Bei einer Autopanne im Wagen bleiben. Wer sich hier im Sommer ohne Trinkwasser längere Zeit schutzlos der Sonne aussetzt, ist verloren.

Zabriskie Point | Foto: Brigitte Werner
Zabriskie Point | Foto: Brigitte Werner

Obwohl 1922 in einer Wetterstation in Libyen, Al Aziziyah, mit 58 Grad Celsius die „Weltrekordhitze“ gemessen und damit Death Valley (56,7 Grad Celsius im Jahre 1913) „geschlagen“ wurde, ist das Tal des Todes wahrscheinlich der heißeste Landstrich der Erde. Die mittlere Juli-Temperatur beträgt hier 47 Grad, die Bodentemperaturen klettern sogar über 80 Grad Celsius. Auch die Nächte bringen – im Gegensatz zu anderen Wüstengebieten der Erde – durch die spezielle Luftzirkulation in dem tiefen Tal nur wenig Abkühlung, so dass die niedrigsten Nachttemperaturen im Juli noch über 30 Grad liegen. An etwa 100 Tagen des Jahres werden Temperaturen über 38 Grad Celsius gemessen. Hier, im Regenschatten der Sierra Nevada, fallen zudem pro Jahr nur durchschnittlich fünf Zentimeter Regen. Entsprechend niedrig ist die Luftfeuchtigkeit: Selbst wer in der größten Mittagshitze im Death Valley wandert, kommt kaum ins Schwitzen.

Noch ein Rekord: Die Salzpfanne des Bad Water ist mit 86 Metern unter Meereshöhe der tiefste Punkt Nordamerikas. Die Berge dagegen, zwischen die das nur zehn bis zwanzig Kilometer breite Tal eingebettet ist, erreichen in Death Valley ihrem höchsten Punkt, dem Telescope Peak, 3367 Meter. Death Valley liegt in einem Erdbebengürtel, der sich von Feuerland im Westen des amerikanischen Kontinents bis Alaska hinaufzieht. Regelmäßig werden hier Beben registriert. Das Tal des Todes ändert so auch in diesem Erdzeitalter noch ständig sein Gesicht, wie viele der jungen Krater vulkanischen Ursprungs zeigen. Das Gesicht des Tales ist vielgestaltig: Regionen wie von einem anderen Stern mit bizarren Erosionsformen wechseln mit trostlosen Salz- und Sandwüsten ab. Feindselig jedem Leben gegenüber erscheint die Gegend um Bad Water im Süden. Große Salzpfannen überziehen hier das Land.  Ein Aussichtspunkt in den Bergen über Bad Water heißt „Dantes View“. Sah so die Hölle des Dichters aus?

Devils Golf Course | Foto: LoggaWiggler via pixabay
Devils Golf Course | Foto: LoggaWiggler via pixabay

Unmittelbar am Rande der Pfannen, bei einem Chlorid- und Sulfatgehalt des Bodens von mehreren Prozent, findet sich bereits erstes Wachstum: Salzpflanzen. Der Artenreichtum der Flora nimmt mit dem allmählichen Anstieg der Talsohle nach Norden hin zu. So stößt man bei Furnace Creek auf die ersten Mesquite-Büsche (Prosopis strombolifera), deren Bohnen die Ernährungsgrundlage der indianischen Urbevölkerung darstellten. Mit bis zu 20 Meter tiefen Wurzeln hat sich diese Pflanze dem Wüstenklima angepasst. Nördlich von Bad Water liegt der Golfplatz des Teufels, Devils Golf Course: Flaches Land, so weit der Blick in der flimmernden Hitze nach Norden reicht. Der Boden ist zerrissen, wie umgepflügt, und die Schollen sind dick mit Salzausblühungen überkrustet. Diese bizarre Landschaft wurde durch einen flachen See geschaffen, der vor etwa 2000 Jahren austrocknete.

The mating season of the tiny Salt Creek pupfish is in springtime. | National Park Service
The mating season of the tiny Salt Creek pupfish is in springtime. | National Park Service

Vor einigen tausend Jahren, während der Eiszeiten des Pleistozäns, gab es hier mehr Wasser. Man nimmt an, dass Death Valley damals über den Amargosa River mit dem System des Colorado Rivers zusammenhing. Vermutlich dieser Tatsache verdankt Death Valley eine zoologische Attraktion, ein unscheinbares, wenige Zentimeter großes Fischchen, den Pupfisch. Die Tiere, die auch im Colorado River vorkommen, haben hier endemische Rassen entwickelt, die in der Lage sind, Wassertemperaturen bis über 35 Grad Celsius und Salzgehalte, die ein Mehrfaches über dem des Meerwassers liegen, zu ertragen. Aber auch einigen anderen Tierarten gelang es, sich auf das extreme Klima einzustellen. Ohne jedes tierische Leben sind praktisch nur die Salzpfannen im Süden des Tals. Die Flucht vor der Tageshitze mit unerträglichen Bodentemperaturen ist allen Tieren gemeinsam. Nur die Heuschrecken scheinen sich auch in der Sonne wohl zu fühlen.

Kängururatte | Piet Marsfeld
Kängururatte | Piet Marsfeld

Eidechsen, Känguruhratte und Sidewinder – eine Klapperschlangenart, die sich äußerst elegant so fortbewegt, als würde sie auf einem Luftkissen über dem heißen Boden schweben – verkriechen sich tagsüber in Höhlen oder unter Steinen. Eine kleine Leguanart, der Collared Lizard (Halsbandleguan), die hier im Südwesten der USA beheimatet ist, kann Temperaturen bis zu 45 Grad Celsius ertragen. Die Tiere gehen aufrecht auf den Hinterbeinen, wenn der Wüstenboden zu heiß geworden ist. Die wenigen Vogelarten, die im Sommer im Death Valley angetroffen werden, sowie die Coyoten und die Bighornschafe suchen, wenn die Sonne höher steigt, meist in den Bergen Zuflucht.

Halsbandleguan | Foto: Susan Aken
Halsbandleguan | Foto: Susan Aken

Nur widerwillig verlassen die Tiere den schützenden Schatten. Zwei Kolkraben, die ich in den großen Dünen in der Mitte des Tals unter Mittag antraf, hatten sich, dicht aneinandergedrückt, einen winzigen Schattenfleck ausgesucht. Die Vögel, die hier ebenso vorsichtig und scheu sind wie bei uns, flogen erst ab, als ich mich ihnen auf etwa sechs Meter genähert hatte. Wer sich jedoch früh am Morgen im Tal aufhält, kann den Coyoten, der in den Erzählungen der Indianer die Rolle unseres schlauen Fuchses einnimmt, auf seinen Beutezügen beobachten oder Bighorns zur Tränke ziehen sehen.

Zabriskie | Foto: Brigitte Werner
Zabriskie | Foto: Brigitte Werner

Heute führt – wie schon anfangs gesagt – in erster Linie der Tourismus Menschen in dieses Gebiet. Ende des 19. Jahrhunderts wurde hier in mühsamer Arbeit das „weiße Gold der Wüste“, Borax, gefördert. Verfallene Boraxmühlen säumen noch heute die Straßen. Gerüchte von Goldfunden ließen in kürzester Zeit mehrere Städte aus dem Boden schießen. Die Ruinen von Rhyolite beziehungsweise das, was von dieser Ansiedlung nicht zum Aufbau neuer Boomstädte abtransportiert wurde, zeugen heute noch von einer Stadt, die in den Jahren 1905 bis 1908 bis zu 10 000 Einwohner zählte. Damals gab es hier ein Schwimmbad, zwei Krankenhäuser und eine Eisenbahn. Schon 1911 war Rhyolite jedoch eine Geisterstadt. Zahllose Geschichten kursieren noch aus dieser Zeit. Sie handeln von Gold- und Silberfunden, Abenteuern in der Wüste und vom „Twenty mule team“, dem „Zwanzig-Maulesel-Zug“, mit dem der geförderte Borax in zehn bis zwölf Tagen unter härtesten Bedingungen über 200 Kilometer durch die Wüste nach Mojave gebracht wurde. Eine der schillerndsten Figuren aus dieser Zeit, Death Valley Scotty, konnte sich sogar mitten im Tal selbst ein Denkmal setzen: Scotty’s Castle, ein Schlösschen, das heute von der Parkverwaltung betreut wird.

Boraxmühle Death Valley | Foto: Brigitte Werner
Boraxmühle Death Valley | Foto: Brigitte Werner

Etwa die Hälfte des Tales ist heute Nationalpark. Dieses Gebiet steht unter ständiger Aufsicht des Innenministeriums in Washington. Die staatlichen Richtlinien sind darauf abgestellt, die Landschaft in unverfälschter Form zu erhalten.

„Dapat durian runtuh“ | Glück muss man haben | Die Durian-Frucht

Der Indonesier, der Glück hat, hat nicht Schwein, sondern Durian – „Dapat durian runtuh“, lautet die Redensart. Bei der Durianfrucht scheiden sich freilich, wie am Schwein, die Geister. Weniger indes die Nasen: Die kopfgroßen, igeligen Fruchtkapseln des Durianbaums, die reifen jedenfalls, stinken fäkalisch; an ihrem üblen Duft kommt auch ein Versuch zur Ehrenrettung der Frucht nicht vorbei.

„Dapat durian runtuh“ | Glück muss man haben

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Foto: Adrega

Die Amerikaner erschnuppern an ihr Knoblauch, die Nasen anderer Nationen faule Zwiebeln, gärenden Kohl oder überreifen Käse – jeder nach seinem nationalen oder privaten Vorurteil.
Durio zibethinus – Zibetbaum – heißt die Pflanze – nach dem Zibet, dem Drüsensekret der gleichnamigen Schleichkatzen, das ebenfalls Latrinengeruch verströmt.
Doch genau wie der Zibet – als Duftträger in der feinen Parfümerie – ist auch die Durianfrucht zu Besserem berufen, als die Nase zugeben will. Kenner rechnen das zarte, rahmweíße Fleisch, das die kastaniengroßen Samen wie ein Mantel umhüllt, zu den erlesensten Gaumenfreuden und wählen die Durian zur Königin aller tropischen Früchte. Chinesische Durianschlemmer nennen hren Genuß und den von Schwalbennestern in einem Atemzug. Für Duriansüchtige gibt es das Dilemma zwischen Geruch und Geschmack nicht, die Vorfreude auf den cremigen Samenmantel lässt sie ohne Nasenrümpfen zusammen mit Durians in einem Autobus oder einem Bahnabteil reisen.

Foto: Jess Foami
Foto: Jess Foami

Der andere Teil der Menschheit, der ja auch schon rein vokabularisch nicht immer ganz sicher zwischen „riechen“ und „schmecken“ unterscheidet, wünscht in solchen Situationen freilich, daß es Nichtdurian-Abteile gäbe – oder plädiert für ein Verbot der Stinkfrucht. Die Luxuskarawanserei in Medan, Nordsumatras Hauptstadt, verbietet mit Absatz 6 der Hausordnung Besuch nach 22 Uhr und mit Absatz 2 das Mitnehmen von Durian aufs Zimmer. Mit der Durian nimmt’s der Concierge ganz genau: Was hilft es, daß er ein Auge zudrücken will, die Nase lässt die Sünde keinesfalls zu.
Die Enzyklopädie, die ich konsultierte, behauptet mit wohlwollendem Schulterklopfen, dass die übelriechende, wohlschmeckende Durian von den Einheimischen geschätzt werde. lch kann den Enzyklopädisten beim Verlag versichern, dass auch Zugereiste bald auf den Geschmack der Frucht kommen. Bei einem Schweizer Freund häufen sich bei jedem Durian-Nachtisch auf dem Teller die glattgeschleckten Samen zu Bergen. Durianzecher klagen manchmal über einen warmen Kopf und Schweißausbrüche. Die Frucht hat offenbar eine koffeinähnliche Wirkung. Zum Frühstück genossen, unterdrückt sie Hungergefühle für den Rest des Tages.
Die Heimat des Durianbaums ist die lnselflur zwischen dem südostasiatischen Festland und Australien; zuerst wuchs er vermutlich auf Borneo oder Sumatra. Heute wird der Baum – freilich ohne Veredelung – zwischen Indien und Neuguinea angebaut. Sogar in Afrika soll es Durianbäume geben. Der Duft reifender Durians lockt Erzfeinde der Schöpfung wie Tiger und Elefant in paradiesischer Eintracht unter den Baum; der Friede endet erst mit der Rauferei um die gefallene Frucht. Die Durian bedroht das Uberleben des indonesischen Krokodils als Art: die Fänger machten sich den Umstand zunutze, daß das Krokodil einem Durian-Köder nicht widerstehen kann. Der Duft reifender Durians lockt Tapir, Fledermaus und Ameise – die halbe Tierwelt. Aber eben: nur die halbe Tierwelt. Durianverächter nehmen mit Befriedigung zur Kenntnis, daß sich auch Hund und Hauskatze angeekelt abwenden.

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Foto: reginaspics via pixabay

Nur bei den Botanikern ist der Ruhm der Durian frei vom Streit der Nasen und Gaumen. Der Durianbaum liefert unter den lebenden Pflanzen ein Prachtbeispiel für einen primitiven Bedecktsamer.
Da geeignete fossile Belege für die Frühgeschichte der Bedecktsamer fehlen, ist der Baum der Wissenschaft teuer. Eine Deutung des Ursprungs der Bedecktsamer trägt sogar seinen Namen: die Durian-Theorie.

Wie gern würde ich Ihnen mit diesem Beitrag eine Duftprobe übermitteln. Vielleicht gelingt es technisch in naher Zukunft ja. Diese reiche ich dann nach.

Fauna | Über den C-Falter & das Pfifolter von Otto von Greyerz

Der C-Falter ist der Schmetterling mit dem kürzesten Namen. Das kleine, weiße halbrunde Mal auf der Unterseite seiner Hinterflügel ist charakteristisch und namengebend. Er ist einer unserer seltsamsten Tagschmetterlinge, nicht durch seine Farben, sondern durch die Form extravagant. Die Konturen seiner Flügel lösen sich auf in Buchten und Zacken; wenn er mit zusammengelegten Flügeln ruht, wird er fast unsichtbar in seiner Umgebung. Der C-Falter gehört zu den Frühaufstehern im Jahr. Er überwintert übrigens als Falter.

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Pfifolter | Otto von Greyerz

Aus meiner Kindheit liegt mir das seltsame Wort noch in den Ohren, jedoch nicht auf der Zunge. Man bekam es in der Stadt von Landleuten zu hören, brauchte es aber selber nicht, man sagte dafür Summervogel; doch auch das wich vor dem französischen papillon und später, endgültig, vor dem hochdeutschen Schmetterling. Aber hatte dieses Wort etwa mehr Sinn? Was konnte ein so zartes, seidenbeflügeltes Tierchen mit «schmettern» zu tun haben! Da lag es doch näher, bei Pfifolter, und namentlich bei der Nebenform mit a: Pfifalter, an den Falter zu denken. Wenn das Tierchen ruhig auf einer Blume saß, konnte man doch beobachten, wie es seine Flügelchen, als ob es atmete, langsam auf- und zufaltete. Und man hätte recht geraten: der Pfifolter ist seinem Namen nach ein Falter. Althochdeutsch lautet das Wort «fîfaltra» und ähnlich in allen altgermanischen Sprachen.
Aber Pfi — wie unpassend! und wie sinnlos! Das haben unzählige auch empfunden und darum versucht, einen Sinn hineinzulegen, wenn es schon ein Unsinn war: Beinfalter, Weinfalter, Zweifalter, Feuerfalter und natürlich auch Pfeifenfalter! Am sinnigsten war noch Feinfalter, aber auch damit ist es nichts; denn Fifalter — und auf diese Wortform muß man zurückgehen, das pfi- erklärt sich als Verschmelzung der Mehrzahl mit dem Artikel: d’Fifalter — beruht auf einer uns Alemannen wohlbekannten Wortbildungsart: der Wiederholung der Stammsilbe mit verändertem Vokal. Durch solche Wiederholung bilden wir gi-gampfe und das Gigampfi (zu gampfe), bippääpele und Bippääpeler (zu bäppele: mit Bäppeli, Milchbrei füttern), verminggmänggele und es Gminggmangg (zu mangge), gigaarsche (wohl zu gaare: knarren, kreischen). Wie man sieht, wird in diesen Wörtern nicht immer die ganze Stammsilbe, sondern nur der Anfangskonsonant mit folgendem i (gi-, bi-) wiederholt; und so ist es auch in Fi-Falter.
Dieses Spiel mit i und a ist uns aus der hochdeutschen wie aus der mundartlichen Wortbildung wohlbekannt: man denke an das Nebeneinander von knirren und knarren, kritzen und kratzen, kribbeln und krabbeln, zwicken und zwacken, flimmen und flammen, an Zusammensetzungen wie Wirrwarr, Ticktack, Zickzack, Singsang, Tingel-tangel, Wischiwaschi, an schweizerdeutsches zittere und zattere, schlirgge und schlaargge, gyre und gaare, ziberle und zäberle, Verbindungen wie grimsele-gramsele, bisi-bäsi, tyri-täri, gidi-gadi-gaudi, wibi-wäbi-wupp (in jenem wohlbekannten alten Kinderlieb). Dieses letzte Beispiel führt uns auf den Vokaldreiklang, der dieser ganzen Bildung zugrunde liegt: es ist die Ablautreihe der 3. starken Zeitwortbiegung (i — a — u): finde fand gefunden, schwimme schwamm geschwommen (älter geswummen), zwinge zwang gezwungen usw. Nach diesem Dreiklang sind, mit gleicher Grundbedeutung, aber doch verschiedener Bedeutungsschattierung gebildet worden: knirren knarren knurren, bimmeln bammeln bummeln (vgl. bim bam bum), auch älteres krimpfen, Krampf und krumm (mit den Nebenformen krump und krumpf).
Und wie steht’s mit den andern Namen: Schmetterling und Papillon? Wenn man weiß, daß in deutschen Mundarten für Schmetterling auch Milchdieb, Molkendieb, Buttervogel, Butterfliege (engl. buttefly) gesagt wird und daß im östlichen Mitteldeutschland Schmetten (aus tschechischem smetana) Milchrahm bedeutet, daß ferner Schmant, eine mundartliche Nebenform von Schmetten, in dem Worte Smantlecker, dem niederdeutschen Namen für Schmetterling vorkommt, so liegt es nahe, dieses hochdeutsche Wort von Schmetten abzuleiten, jedenfalls näher, als von schmettern. Der Schmetterling galt im Volksglauben als ein elfen- oder hexenartiges Wesen, das Milch, Rahm und Butter stahl oder sie verzauberte. Sein Name wäre also ähnlich gebildet wie der des Hänflings, des Hanfsamen fressenden Vogels.
Das lateinische papilio, das sich in frz. papillon erhalten hat, ist ebenfalls (wie Fifalter) durch Silbenverdoppelung entstanden (pa-pil-io), nur daß hier die Verdoppelungssilbe (pa-) den vollen, die Stammsilbe (pil-) den geschwächten Vokal hat. Der Ursprung des Wortes, wie auch seine Verwandtschaft mit ital. parpaglione und farfalla (beides = Schmetterling) ist nicht aufgeklärt.

Fauna | Der neuseeländische Kiwi und sein SuperEi

Neuseeländische Kiwi-Weibchen wiegen nicht viel mehr als normale Haushühner. Ihre Eier allerdings bringen das Sieben- bis Achtfache unseres gewohnten Frühstückseis auf die Waage.

Karuwai the kiwi on Maungatautari mountain. (North Island brown kiwi, Apteryx mantelli)
Karuwai the kiwi on Maungatautari mountain. (North Island brown kiwi, Apteryx mantelli)

Wie lange muss ein 25 Kilogramm schweres Ei kochen, bis es hart ist? Die Frage ist eigentlich müßig, denn gefiederte Monster, die halbzentner schwere Eier legen, gibt es nicht. Selbst Straußeneier bringen es ››nur« auf 800 bis 1600 Gramm.
Aber: Würde das Straußenei 20 Prozent des Vogelgewichts ausmachen – und eine Straußendame bringt es auf 125 Kilogramm -, dann wären wir bei dem genannten halben Zentner. Und dieses Verhältnis zwischen Körper- und Eigewicht gibt es bei den neuseeländischen Kiwis tatsächlich!
Sie sind eine höchst seltsame, bisher verhältnismäßig wenig erforschte, urtümliche Vogelgattung. Auf den ersten Blick haben die Tiere kaum etwas mit ihren fliegenden Verwandten gemein. Ihnen fehlen Schwanz, Brustbein, Flügel und sogar die Federn. Zumindest sieht das auf den ersten Blick so aus, denn die ››Bekleidung« scheint aus sorgfältig gekämmten, strähnigen Haaren zu bestehen.
In Gefangenschaft lassen sich diese nachtaktiven Vögel gut halten. Und das war das Glück der Wissenschaftler von der Otorohanga Zoological Society in Neuseeland. Aufgrund sorgfältiger Beobachtungen konnten sie ziemlich genau Vorhersagen, wann »ihr« Kiwi-Weibchen ein Ei legen würde.

Ohne dem wertvollen Tier zu schaden, wollten sie Lage und Größe des Eis im Vogelkörper orten und filmen. 24 Stunden vor der Geburt gelang ihnen eine sensationelle Röntgenaufnahme. Sie zeigt die geradezu unglaublichen Dimensionen des Eies. Es wog 415 Gramm und damit exakt 19,27 Prozent (ein Fünftel also) des Vogelkörpers. Die Länge betrug 126, der Durchmesser 76 Millimeter. Aber damit noch nicht genug: Es war schon das zweite Ei in kurzer Zeit. Und innerhalb von 96 Tagen legte das Weibchen vier solcher Rieseneier.
In nur gut drei Monaten produzieren die Kiwis also etwa 80 Prozent ihres Körpergewichts als Gelege. Eine erstaunliche Energieleistung!

Unsere gewöhnlichen Haushuhnrassen brauchen sich dahinter allerdings nicht zu Verstecken. Sie bringen uns zwar keine 400 Gramm schweren Frühstückseier auf den Tisch. Ihre Jahresproduktion ist jedoch deutlich höher als die der Kiwis. So legt zum Beispiel das weit verbreitete »Leghorn« jährlich etwa 200 Eier mit einem Gewicht von je 55 Gramm. Das macht elf Kilogramm bei einem Körpergewicht von zwei Kilogramm. Solche Eier sind in zehn Minuten hart gekocht.

Kiwis sind in jeder Hinsicht merkwürdige Vögel: flügellos, scheinbar behaart statt befiedert, halbblind, aber mit einem guten Riecher ausgestattet – sie erschnüffeln ihre Nahrung, vorwiegend Würmer.

Fauna | Fossilien mit Haut und Haaren aus der Grube Messel

Fossil eines Singvogels mit erhaltenem Federkleid aus der Grube Messel | Größe 30 cm
Fossil eines Singvogels mit erhaltenem Federkleid aus der Grube Messel | Größe 30 cm

Fossilien mit Haut und Haaren

Messel gilt als unvergleichliche Informationsquelle für die Wissenschaft.
Die dunklen Ablagerungen in der Grube stammen von einem Süßwassersee, der hier während des Mittleren Eozäns, vor rund 50 Millionen Jahren, inmitten eines tropisch-subtropischen Urwalds lag. Die durchschnittlichen Jahrestemperaturen betrugen 20 bis 30 Grad Celsius – Funde von Palmen, Lorbeergewächsen und zahlreichen Krokodilarten zeu-
gen von diesem ungewöhnlich warmen Klima, das im See zu einem
starken Algenwachstum führte. Die Folge: Die oberen Wasserschichten
waren arm an Sauerstoff, und darunter herrschte sogar extremer Sauerstoffmangel.
Das begünstigte die Entstehung des Bitumens und verhinderte die rasche Verwesung herabgesunkener Tierkadaver und Organismen. Diese wurden in einzigartiger Weise konserviert.

Weichkörpererhaltung (zum Beispiel des Mageninhalts oder der Hautumrisse), aber auch Haare, Federn und bei Insekten und Pflanzen sogar überlieferte Farben machten aus Messel ein einzigartiges Archiv der Erdgeschichte. Überdies sind nur an zwei Prozent aller Wirbeltierfundstellen Skelette so vollständig erhalten wie hier. Besonders interessant sind auch Chemofossilien – komplizierte organische Verbindungen, die entweder zu Algen oder Bakterien gehören oder charakteristisch sind für andere Lebewesen, die selbst nicht erhaltungsfähig waren.

Messeler Fossilien weisen ein ungewöhnlich großes Artenspektrum auf. Der See wurde nämlich auch vielen Uferbewohnern und fliegenden Tieren zum Grab und nicht nur den Wasserbewohnern selbst.

Fauna | Das wirbelnde Meerschweinchen

Die Raumfrage, so gefasst: lässt sich der Raum als solcher sinnlich wahrnehmen? bildet eins der schwierigsten Probleme der Lebenskunde und leitet weiterhin in die tiefsten Gründe der Erkenntnistheorie.
Es handelt sich hier nicht um abtastbare, den Raum erfüllende Körper, sondern um den Raum selbst, der nach bekannter Lehrmeinung eine Denkform »a priori«, eine Vorstellung außerhalb der Erfahrung darstellt.
Stünde dies unwiderleglich fest, so käme ein menschlicher, ein animalischer Sinn als direkter Empfänger und Wahrnehmer des absoluten Raums gar nicht in Betracht. Es ist aber im Gegenteil nachgewiesen worden, dass dieser Sinn existiert, und zwar auf Grund eines Experiments im Forschungsgebiet des großen Physikers Ernst Mach.
Dieser von Cyon angestellte Versuch führt zu einem ganz verblüffenden Ergebnis: jener Sinn ist nicht – wie man zunächst vermuten könnte – im Auge, sondern im Ohr lokalisiert!
Rüsten wir uns zu diesem Versuch. Wir nehmen vier Meerschweinchen, setzen sie in einen Rotationsapparat und wirbeln sie mit ungeheurer Geschwindigkeit im Kreis umher. Von diesen vier Geschöpfen ist das eine ganz gesund und normal; beim zweiten wurde vorher ein bestimmter Teil im rechten Ohr, das sogenannte »Labyrinth«, zerstört, beim dritten wurde dieselbe Operation am linken Ohr vorgenommen, und dem vierten fehlen beide Labyrinthe.
Die Tiere werden samt ihrem Futter in die mit Glaswänden umgebene Zentrifuge gesperrt und mehreren hundert Umdrehungen in der Minute ausgesetzt.

Und nun begibt sich das Erstaunliche.
Das doppelseitig operierte Tier nimmt von der Drehung gar keine Notiz, frißt vielmehr ruhig und unverdrossen. Das linksseitig operierte hört bei Rechtsdrehung zu fressen auf, läßt sich’s aber bei Linksdrehung gut schmecken, das rechtsseitig operierte verhält sich umgekehrt. Nur das ganz gesunde Meerschweinchen protestiert gegen jede Nahrungsaufnahme, solange überhaupt gedreht wird. Dieses hat sich die Raumempfindung bewahrt, während seine Genossen teilweise oder gänzlich raumtaub gemacht worden sind.
Zur Beobachtung des experimentellen Vorgangs gehört eine Spiegelvorrichtung, die durch Gegenrotation die Bewegung umkehrt. Trotz der enormen Kreisbewegung erscheinen die Meerschweinchen mit ihrer Nahrung, als ob sie durchaus in Ruhe befindlich wären. (Der Spiegel arbeitet so vollkommen synchron, daß man durch ihn eine Zeitung bequem lesen könnte, selbst wenn sich das Blatt zehnmal in der Sekunde drehte.)
Im Vergleich mit allen anderen Sinneserfahrungen beweist das Experiment: der Raum an sich wirkt auf den Organismus und in diesem einzig durch das Ohr. Das Tier, dem beide Labyrinthe fehlen, zeigt durch seinen guten Appetit, daß eine jähe und sonst geradezu betäubende Raumveränderung für seine Wahrnehmung nicht mehr existiert. Vergegenwärtigt man sich das Verhalten des ganzen Quartetts, innerhalb dessen jedes Meerschweinchen als Kontrolle des anderen auftritt, so gelangt man unweigerlich zu dem Schluß: der Raum ist sinnfällig und offenbart sich als etwas Wirkendes durch einen Teil des Gehörorgans.
Diese Erkenntnis verdankt man den Meerschweinchen, die sich einer so peinlichen Operation unterwarfen, um bei der Auffindung einer ins Gebiet der Philosophie schlagenden Wahrheit mitzuhelfen.

Fauna | Der Hummeltrompeter

Der Hummeltrompeter

An großen Hummelnestern kann man im Sommer am frühen Morgen, etwa zwischen ½4 und 4 Uhr, eine seltsame Beobachtung machen. Da sieht man auf dem Dach des Nests, gerade über dem Flugloch eine kräftige Hummel sitzen, die dort ein kolossales Gebrumme aufführt. Der Volksmund hat das in solcher Weise tätige Tier Hummeltrompeter genannt und wollte damit der Meinung Ausdruck geben, dass es eine Art Torwächter sei, der an jedem Morgen den ganzen Bau durch seinen Lärmruf wecke.
Aber wenn auch diese Anschauung nicht das richtige trifft, so ist die tatsächliche Aufgabe des Hummeltrompeters doch nicht weniger interessant. Er stellt nämlich einen Ventilator dar, der durch sein emsiges Flügelschlagen, das 30 bis 60 Minuten währt, einen Luftstrom aus dem Nest herauswirbelt. Auf diese Weise fördert er aus dem Bau die schlechten Gerüche, schädliche Gase, heiße Luft heraus und bewirkt durch Verringerung des Wasserdampfgehalts eine Kondensation des eingebrachten Honigs.
Es handelt sich hier schon um die Ausübung einer sozialen Tätigkeit, die Handlung eines einzelnen Individuums zum Wohl des Ganzen, also um den Ansatz zu einem Insektenstaat, wie er dann bei den Bienen aufs höchste entwickelt erscheint.

Fauna | Der Sperlingsvater der Tuileries

Im Pariser Tuileriengarten gab es viele Jahre lang ein alltägliches Idyll der besonderen Art.
Um die Mittagsstunden erschien ein nachlässig gekleideter, mit einem unmöglichen Filzhut bedeckter und überhaupt wenig anmutig wirkender alter Herr, der sofort der Mittelpunkt einer wahren Vogelwallfahrt wurde. Von allen Seiten flogen die zahllosen Spatzen des Gartens herbei, setzten sich dem Herrn »Pol« auf den Kopf, die Arme, die Hände, und gaben durch ihr ganzes Gebahren zu erkennen, dass zwischen diesem Mann und ihnen eine innige Beziehung obwaltete; vielleicht noch obwaltet, wenn Monsieur Pol noch leben sollte, und falls der Krieg die zarten Fäden zwischen ihm und der Vogelwelt nicht zerstört hat.
Niemals ist beobachtet worden, dass er die Tierchen »abrichtete« oder durch Kunstgriffe zähmte; sie gehörten eben zueinander, wie die Wesen im Urzustand nach dem Bild, das die Dichter vom goldenen Zeitalter entwerfen. Dass Monsieur Pol die Taschen voller Körner und Brosamen hatte, versteht sich von selbst, konnte aber für die Tatsache nur als Begleitmotiv gelten; denn tausend andere füttern die Vögel, ohne im entferntesten einen derartigen Freundschaftsgrad zur gefiederten Welt zu erzielen.

Foto: Gerhard Bögner
Foto: Gerhard Bögner

Das Merkwürdigste aber war, dass die zahllose Schar von Sperlingen ihm gegenüber keine unterschiedslose große Masse bedeutete, sondern individualisiert war, wie die Schüler einer Klasse. Jeder einzelne Sperling hatte seinen Namen und kannte ihn: Jacques, Philippe, Josephe, Mirabeau, Général Hoche, Jean und Jeannette, und jeder folgte dem Namensanruf umgehend.
Monsieur Pol hatte anfänglich mit den Gärtnern zu kämpfen, denen die Menschenaufläufe unbequem waren. Allein die höheren Instanzen verschafften ihm freien Weg wie staatliche Anerkennung, und eines Tags konnte sich der Vogelzauberer seiner piependen Gemeinde als Ritter der Ehrenlegion vorstellen.

MakroVideo | Schwebfliege bei der Nahrungsaufnahme

 

An den modernden Wurfboden einer Fichte schmiegt sich der Mann an und harrt mit halb geschlossenen Augen. Müdigkeit reißt seinen Kopf herab, er wirft ihn wieder hoch. Seltsame Bilder tauchen vor ihm auf, die ihm seine überreizten Nerven vormalen. Die rote Spinne, die dicht vor seinen Augen hängt, erscheint ihm als ein rotes Stück Wild, das dort hinten auf der Lichtung steht, bis er lächelnd seinen Fehlblick gewahr wird. Und wieder werden seine Augen groß, denn da unten schwebt der Schwarzstorch. Aber es war nur eine Schwebfliege, die vor seiner Stirn in der Luft stand. Dann hört er Lieder aus dem Gebrumme der Fuhren, Lieder aus seiner Burschenzeit, und dazwischen einen schluchzenden Ruf von einer, die einst von ihm unter Tränen Abschied nahm. Und Wellen hört er schlagen gegen das Schiff, das ihn der Blonden entführte. – Aus: Hermann Löns: Tiergeschichten

Auerhuhn ω Tierisch wild und leider bedroht

Auerhahn - Foto: Sven LindholmDie Turnierarena der Kampfläufer wird oft Balzplatz genannt. Doch dieser Ausdruck stammt von den Auerhühnern. Während die Kampfläufer ein fast geräuschloses Schauspiel veranstalten, ergehen sich die Auerhähne in einer Fülle von Geräuschen. Sie balzen.

Auf den offenen Heideflächen oder tief in den Heidehügeln haben sie ihre Plätze, die sich, wie man weiß, von Generation zu Generation vererben können, länger als ein Menschenalter währt. Sie sind anscheinend seßhafter als die Kampfläufer, von denen man bisher nur weiß, daß sie einen Platz bis zu sechs Jahre hintereinander benutzt haben.

Früh im März beginnt das Balzspiel der Auerhähne. In der ersten Morgendämmerung hört man ein lebhaftes Kullern und blubberndes Gurgeln, das in Seufzer übergeht und dann mit heiserem Zischen abbricht. Ihre Kehllaute kann man mit dem Krächzen des Raben oder mit dem Meckern der Ziegen vergleichen. Man sagt, daß die Vögel den in Jütland gebräuchlichen Namen Orrhahn bekommen haben, weil ihr Balzruf wie orr orr klingt. Doch in Wirklichkeit besteht der Gesang des Auerhahnes nicht aus einem einzelnen Laut. Bald klingt er wie ein schwacher Eselsschrei, bald wie Fröschequaken, er ist nach allen Seiten zu hören, noch bevor man die Vögel sehen kann. Aber jedesmal, wenn das Kullern mit dem Zischen abbricht, weiß man, daß an der Grenze ihrer Territorien zwei Vögel einander genau gegenüber hochfliegen. Jeder Hahn hat seine eigene Domäne, die viel größer ist als der gemeinsame Platz der Kampfläufer. Sie unterscheiden sich von den Kampfläufern auch dadurch, daß sie nicht gemeinsam kämpfen. Der einzelne Vogel kämpft seinen eigenen Kampf an der Grenze seines Gebietes.  Wenn es hell wird, sieht man die Hähne mit zitterndem, leierförmigem Schwanz, in dem die Deckfedern aufgerichtet stehen wie weiße Spiegel. Die Hautfalten über dem Schnabel sind mit Blut gefüllt und recken sich aufrecht wie feuerrote Kämme. Die sausenden Schwingen schleifen über die Erde, und mit einwärts gerichteten Zehen trippeln die Hähne voreinander her, bis sie zornig in die Luft fliegen und mit offenen Schnäbeln zischen. Sie halten sich nicht so lange oben wie die Kampfläufer, sondern gleiten schwerfällig auf die Erde, dann fliegen sie wieder hoch. Manchmal geraten sie aus dem Takt, dann ist einer oben, der andere unten. An fünf oder sechs verschiedenen Stellen im Heidekraut kämpfen je zwei Vögel miteinander, und ihr Balzen dringt weit über die Heide. Das ruft die Hennen herbei, und wie bei den Kampfläufern sind sie es, die die Wahl treffen und sich ihre Gefährten unter den Hähnen wählen, die Besitzer eines Gebietes sind.

Auherhahn & Henne - Foto: Ruth LeiboldtSchon bald aber hört aller Zusammenhalt zwischen Henne und Hahn auf. Die Hennen verschwinden in der Heide, um Nester zu bauen, während die Hähne ihren Balztanz noch lange fortsetzen. Ober den Zweck dieses Nach-Tanzes sind sich die Zoologen nicht einig. Einige meinen, der Tanz sei das eigentliche Leben des Hahnes, er liebe ihn so sehr, daß er nicht aufhören könne, selbst wenn er ein Weihchen errungen habe. Andere behaupten, der Tanz gehe weiter, damit das Weibchen vielleicht noch einmal angelockt werde. Was davon stimmt, weiß bis heute wohl keiner. Das Verhalten und Leben der Auerhühner birgt noch viel Unerforschtes.

Bei anderen Vögeln in anderen Weltteilen gibt es ein ähnliches Spiel, das auf eigene Art entstanden ist. Die Natur wiederholt ihre Einfälle, doch jedesmal erfindet sie neue Einzelheiten. Noch prächtiger als unser Auerhahn sind seine amerikanischen Verwandten, die auf den großen Salzsteppen inmitten der Rocky Mountains leben. Es gibt verschiedene Arten, doch am merkwürdigsten ist der Salbei-Auerhahn „Sage Grouse“, der von den Blättern der Salbeibüsche in diesen Steppen lebt.

Die Balzplätze dieses Vogels erstrecken sich über große Flächen. Jede Einzelheit im Federkleid des Salbei-Auerhahns ist zum Imponieren geschaffen. Wenn er balzt, steht der Schwanz aufrecht wie ein Fächer, die Flügel wölben sich um den Körper wie ein Panzer, und ein mächtiges Kissen heller Federn liegt über der Brust und gibt dem Vogel ein Aussehen voller Kraft und Mut.

Man kann mehrere Hundert solcher aufgeplusterten Gestalten, jede wie mit einem Panzer und gezogenen Lanzen ausgerüstet, jnit rhythmischen Tritten umhertanzen sehen. Sie begnügen sich dabei nicht nur mit Kehllauten. Alle paar Schritte hin und zurück werfen sie den Kopf nach hinten, während die steifen Nackenfedern gegen die ausgebreiteten Flügel streifen. Das hört sich jedesmal an wie brausender Wellenschlag, und unaufhörlich wird es wiederholt.

Auerhahn - Foto: Piet Marsfeld
Fotos: Piet Marsfeld

Auf der Brust tritt die Speiseröhre wie zwei Luftsäcke hervor, die ständig gefüllt werden. Nach drei Atemzügen entleeren sie sich mit einem Geräusch, als wenn Steine ins Wasser fallen. Diese scharfen Blubbertöne hört man regelmäßig zwischen den „Wellenschlägen“. So imponieren sich die Hähne gegenseitig und halten sich im Abstand. Geschieht es trotzdem, daß ein Vogel von den Büschen aus, die den Balzplatz umgeben, eindringen will, um sich einen Platz zu erkämpfen, dann rücken die beiden Rivalen dicht zusammen und schlagen kräftig mit den Flügeln gegeneinander. Der Staub der trockenen Steppe wirbelt um sie, es können ein paar Federn fliegen — doch ehe größerer Schaden geschehen ist, zieht sich einer von beiden zurück. Bei Sonnenaufgang kommen dann die Hennen, um sich einen Partner zu suchen.

Der Irbis aka Schneeleopard Ω Ein schützenswertes Wesen

snow-leopard-725384_1280_steffiheufelderDer Irbis wird auch Schneeleopard genannt, doch ist er eigentlich gar kein Leopard, obwohl er ihm ähnelt. Sein rauchgraues Fell ist schwarz gefleckt, die Wolle lang und flauschig, besonders am Bauch, wo sie bis zwölf Zentimeter lang werden kann. Der Irbis kommt im Altai, Pamir und Tienschan vor, in Tibet, im Himalaja und in der Mongolei. Im Sommer ist er in viertausend, ja sogar noch in sechstausend Meter Höhe anzutreffen. Im Winter kommt er, den Herden der Huftiere folgend, stellenweise bis auf sechshundert Meter Höhe herunter.
Das Revier eines Irbisses ist groß, andere Artgenossen gelten als Rivalen und werden darin nicht geduldet. Gehen Schneeleoparden gemeinsam auf Jagd, so sind es Männchen und Weibchen oder auch ein Weibchen mit herangewachsenen Jungen. Gewöhnlich halten sie sich im Rhododendrondickicht, auf alpinen Matten und auf kahlen Felsen an der Schneegrenze auf.

snow-leopard-725389_1280_steffiheufelderStundenlang lauert der Irbis auf oder unter einem Felsen Schneeschafen und Wildziegen auf. Ganz allgemein aber ist er ein universeller Jäger: Er schlägt alles, von Mäusen bis zu Yaks. Er schleicht sich an die Beute an und stürzt sich dann in gewaltigen Sprüngen auf sie: Sechs Meter und weiter kann ein Irbis in einem Satz wie ein Vogel über den Boden dahinfliegen.
Irbisse jagen in der Dämmerung und nachts, selten bei Tage. Sic ruhen in Höhlen, in Felsspalten, manchmal sogar in verlassenen Horsten von Geiern auf niedrigen Bäumen. In der Zeit von April bis Juni bringt das Irbisweibchen zwei, drei, selten fünf Junge zur Welt. Die ersten Tage krabbeln diese, eng aneinander geschmiegt, auf der weichen Wolle umher, die die Mutter sich vorher am Bauch ausgezupft und mit der sie die ganze Höhle ausgekleidet hat, was bei Katzen selten ist. Am wehsten bis neunten Tag öffnen sich die Augen der Jungen, und zehnten Tag tappen sie auf unsicheren Beinen umher, ohne jedoch dabei die Höhle zu verlassen.
Der Irbis hat einen sehr langen und sehr buschigen Schwanz, wie kein anderes Raubtier ihn hat. Früher fragte man sich, wozu so ein Luxus wohl gut sei. Doch dann zeigte sich, dass der Natur auch hier kein »Konstruktionsfehler« unterlaufen ist. Wenn Irbisweibchen mit seinen Jungen ruht, presst es diese an sich und bedeckt sie von oben noch mit dem Schwanz wie mit einer Daunendecke. Dort, wo die Irbisse leben, ist es nämlich empfindlich Zwei Monate nach der Geburt verlassen die Irbisjungen zum ersten Mal vorsichtig ihre Höhle. Vor ihrer Behausung empfangen sie die Mutter mit der Beute, sie zanken sich darum und reißen einander die Fleischstückchen weg. Im Juli/August gehen sie der Mutter zusammen auf die Jagd. Kommt der Winter, überlässt die Mutter die jungen Irbisse nicht sich selbst. In der Regel leben sic alle zusammen. Möglicherweise gesellt sich auch der Vater ihnen, im Zoo jedenfalls kümmert er sich um die Kleinen.

snow-leopard-725385_1280_steffiheufelderSeines schönen dichten Felles wegen wird der Irbis überall gejagt. In der Sowjetunion und in Indien ist er zwar schon seit langem gesetzlich geschützt, doch Irbisfelle gelangen trotzdem den Weltmarkt, obwohl die internationalen Handelsorganisa(Ionen dpn Verkauf solcher Felle verboten haben. Der Irbis ist fast so groß wie ein Leopard, ein altes starkes Tier kann fünfundsiebzig Kilogramm wiegen, meist aber bringt der Irbis nur die Hälfte auf die Waage. Körpergröße und einige Besonderheiten stellen ihn in die Nähe der Großkatzen (von Tigern, Löwen und Leoparden), doch hat er auch einiges von den Kleinkatzen. Zum Beispiel schnurrt er, wenn er guter Laune ist, wie es auch Puma und Nebelparder tun. Einige Zoologen bezeichnen Nebelparder, Puma und Schneeleopard als  Kleinkatzen. Heute dürften insgesamt nicht mehr als tausend Irbisse leben.

Blinde Instinkte – Ungewöhnliches im Alltäglichen

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In geschlossener Formation bewegen sich auf der Suche nach Futter die Raupen der Kiefernprozessionsspinner. Dicht aufgerückt folgt jede Raupe der vor ihr kriechenden, wobei sie diese mit ihren Härchen berührt. Die Raupen sondern dünne Spinnfäden ab, die den Nachfolgenden als eine Art Leitseil dienen. Die Leitraupe führt diese ganze hungrige Armee auf neue »Weideplätze« in die Wipfel von Kiefern.
Der namhafte französische Naturforscher Jean Fabre hat einmal den Kopf der vordersten Raupe an den »Schwanz« der in der Kolonne geschoben. Die bisher vordere ergriff das »Leitseil« und verwandelte sich sogleich aus einem »Anführer« in einen »Gemeinen«, folgte jener Raupe dichtauf, mit der sie jetzt Kontakt hatte. Kopf und Schwanz der Kolonne waren so  miteinander verbunden, und die Raupen krochen nun sinnlos im Kreise am Ort – am Rand einer großen Vase entlang. Warum konnten sich die Raupen nicht aus dieser unsinnigen Situation befreien‘? Man legte Futter neben sie, aber sie beachteten es gar nicht.
Eine, zwei Stunden vergingen,. es vergingen Tage, die Raupen aber krochen und krochen wie unter einem Bann immerfort ihre Runden. Eine ganze Woche zogen sie so ihre Kreise, dann zerfiel die Kolonne: Die Raupen waren derart entkräftet, dass sie sich nicht mehr weiterbewegen konnten.

Mistkäfer - Foto: zdenetMistkäfer haben viele Leute schon einmal gesehen, aber nicht  jeder hat sie bei der Arbeit beobachtet. Die Mistkäfer formen aus Kot Kugeln und rollen sie mit den Hinterbeinen —vornweg die Kugel und hinterher im Rückwärtsgang der Käfer. Die Kugeln aus Kot minderer Qualität, wenn man so sagen will, dienen dem Käfer als Nahrung. Er vergräbt eine solche in einer kleinen Höhle, kriecht selbst hinein und bleibt dort mehrere Tage sitzen, bis er die ganze Kugel aufgefressen hat.
Für die Frnährung der Larven wählen die Käfer den besten Mist vorzugsweise Schafsmist. Seinetwegen tragen sie regelrechte Kämpfe aus und stehlen fremde Kugeln. Hat einer sein Eigentum erfolgreich verteidigt oder dem Nachbarn die Kugel weggenommen, rollt er diese schnell weg. Der Käfer verfügt über erstaunliche Kräfte. Selbst wiegt er nur zwei Gramm, die Kugel aber kann bis zu vierzig Gramm schwer sein.  Der englische Verhaltensforscher R. W. Hingston hat die Fähigkeiten von Mistkäfern folgendermaßen getestet: Zwischen eine kleine Höhle und einen Käfer, der gerade seine Kugel auf sie zu rollte, stellte er ein Stück steifes Papier, das nur zwei Zentimeter über den Höhleneingang hinweg ragte. Die Käfer (Hingston unternahm diesen Versuch mit vielen Käfern) stemmten sich gegen das Hindernis und versuchten, es zu durchbrechen. Nicht einer von ihnen kam darauf, das Blatt Papier seitlich zu umgehen. Sie gingen stur auf die Barriere los und versuchten, sie zu durchlöchern. Drei Tage lang stemmten sie sich mit aller Kraft gegen das Papier, am vierten ließen viele, da sie sich nicht auf direktem Wege zu ihrer Höhle durchschlagen konnten, ihre Kugeln im Stich. Einige allerdings setzten das nutzlose Unterfangen auch noch die folgenden Tage fort. Nun ja, Käfer sind, so wird manch einer vielleicht meinen, eben dumm.
Da scheint die Tätigkeit von solitären Wespen schon einen überdurchschnittlichen »Verstand« zu erfordern. Sie machen auf die verschiedensten Insekten Jagd (viele auch auf Spinnen), lähmen ihr Opfer durch einen Stich mit dem Stachel und tragen es zu ihrer Höhle. Dort legen sie auf dem Körper des so konnservierten Beutetiers ihre Eier ab und verscharren es. Mit diesen geschickten Chirurgen« hat Hingston ein höchst einfaches Experiment unternommnen, das zeigt, wie starr hier der Verhaltensablauf ist.
Aus dem unterirdischen Versteck, in dem die Wespe ihr Opfer mit dem Ei abgelegt hatte, holte er sowohl die Beute als auch das Wespenei heraus, als die Wespe die Höhle gerade verschließen wollte. Hatte sie bemerkt, dass das Versteck leer war? Keineswegs.
Als ob nichts geschehen wäre, schüttete sie das leere Erdloch zu. Eine der Wespen bei diesem Experiment trat beim »Versiegeln« ihrer Vorratskammer in dem Durcheinander sogar auf das zuvor von ihr herangebrachte und von Hingston aus der Höhle herausgenommene Beutetier, beachtete dieses aber überhaupt nicht und arbeitete unbeirrt weiter an ihrem Erdloch, obgleich diese Arbeit ja nun völlig sinnlos geworden war. Mörtelbienen bauen ihre Nester gewöhnlich auf Bäumen und tarnen diese so geschickt im Farbton der Borke, dass sie kaum auszumachen sind. Mitunter aber errichten sie ihre Wohnstätten auch in Häusern, zum Beispiel an einer polierten Kaminverkleidung oder auch an der Holztäfelung eines Zimmers. In diesem Fall gereicht ihnen ihre übliche Tarnung jedoch nur zum Schaden, da sie farblich vom Ton des polierten Holzes abweicht. Begreifen die Mörtelbienen, daß sie hier ihre übliche Tarnung unterlassen müssen ? Nein. Einem inneren Antrieb und nicht dem Verstand folgend, nehmen sie wie gewohnt ihre Tarnung vor, die allerdings in diesem Falle das Nest sehr auffällig macht.
Wollkrabbe_kleinTarnung ist auch bei der Wollkrabbe, der Dromia, Brauch. Ausgewachsene Krabben tragen ständig ihre »Tarnhemden«. Die einen bedecken sich oben mit einer auf dem Meeresgrunde auf-gesammelten Muschelschale, andere schmücken ihren Rücken mit einem Schwamm. Es gibt auch Krabben, die geschickt mit den Scheren kleine Zweige von Wasserpflanzen oder Hydroidpolypen abrasieren und sie sich »aufpflanzen«, wobei sie sie mit den Hinterfüßen festhalten. Urplötzlich wird so aus einer Krabbe ein Busch!
Im Aquarium sammeln die Dromia, falls es dort weder Wasserpflanzen noch Polypen gibt, jedweden Abfall und legen ihn sich ebenfalls auf den Rücken. Gibt man farbige Stoffstückchen, es können sogar rote sein, in das Aquarium, sammelt die Krabbe auch diese auf und schmückt sich obenauf mit ihnen. So kommt es zu einer Enttarnung, doch die Krabbe »weiß« das nicht.

Viele Vögel lassen sich leicht folgendermaßen irritieren: Man braucht in ihrer Abwesenheit nur ihr Nest zur Seite zu rücken. Zurückgekehrt, suchen sie dieses an der alten Stelle, wobei sie ihr eigenes Nest, das lediglich ein, anderthalb Meter weit von seinem früheren Standort entfernt wurde, völlig ignorieren. Wird das Nest an die Stelle zurückversetzt, wo es sich vor dem Experiment befunden hat, benutzen die Vögel es unbeirrt weiter. Wird das Nest nicht zurückversetzt, bauen sie ein neues.
dunnock-100008_640_Heckenbraunelle_HansVögel kennen auch ihre eigenen Eier schlecht. Adler, Enten und Hühner beispielsweise können einen beliebigen Gegenstand bebrüten, sofern er nur annähernd wie ein Ei geformt ist. Schwäne versuchen sogar, Flaschen anzubrüten, Möwen Steine und Tennisbälle, die man ihnen anstelle ihrer Eier in ihre Nester gelegt hat.
Man hat die Eier im Nest einer Gartengrasmücke gegen die Eier eines anderen Singvogels, der Braunelle, ausgetauscht. Daraufhin legte die Gartengrasmücke ein weiteres Ei, das den anderen Eiern im Nest überhaupt nicht ähnelte. Die Gartengrasmücke betrachtete interessiert das »verdächtige« Ei und warf es hinaus. Sie hielt es für ein fremdes!
Auch die Kuh kann nicht immer ihr Neugeborenes von einer groben Nachahmung unterscheiden (später verwechselt eine Kuh ihr Kalb allerdings mit niemandem und nichts mehr!). Der britische Zoologe Frank Lane schreibt dazu folgendes : Einer Kuh wurde ihr Kalb weggenommen, und die Mutter schien es sehr zu vermissen. Als Ersatz stellte man ihr den mit Heu ausgestopften Balg eines Kalbes in den Stall, Die Kuh beruhigte sich und begann die grobe Imitation zu belecken, und das mit so großer Zärtlichkeit, dass die ausgestopfte Kalbshaut zerriss und das Heu herausfiel. Da fraß die Kuh seelenruhig das Heu und nach und nach so ihr ganzes »Kalb« auf.

Ratten werden zu den »klügsten« Nagern gezählt. Wie es mit ihrer »Klugheit« bestellt ist, zeigt folgende für uns lustige Episode :
roof-rat-961502_640cwhiteharpEine weiße Ratte war mit dem Nestbau beschäftigt. Vom Baufieber gepackt, durchstöberte sie auf Suche nach geeignetem Materialden Käfig und stieß plötzlich auf ihren eigenen langen Schwanz. Sofort packte die Ratte ihn mit den Zähnen und trug ihn ins Nest. Danach ging sie aufs neue auf Suche, den Schwanz zog sie dabei selbstverständlich hinter sich her. Die Ratte »fand« ihn ein zweites Mal, trug ihn ins Nest, und das wiederholte sich sage und schreibe zwölfmal. Jedesmal, wenn die Ratte auf ihn stieß, ließ ein sturer innerer Antrieb sie diesen einer kleinen Rute ähnlichen Gegenstand aufnehmen. Und doch sieht es so aus, als hätte man im Tierreichein vernunftbegabtes Wesen gefunden! In Amerika lebt die kleine Wüstenratte Neotoma albigula. Kein Raubtier wagt sich in ihre Höhle, denn in den Wänden stecken Dornen, deren Spitzen zum Eingang gerichtet sind. Diese stachligen Barrieren baut die Ratte selbst. Sie klettert auf einen Kaktus, nagt die Dornen ab, trägt sie zu ihrem Loch und rammt sie mit den Spitzen zum Eingang zu in die Wände. Wenn das kein kluges Verhalten ist!
Man gebe der Neotoma aber statt der Kaktusdornen andere spitze Gegenstände, beispielsweise Stecknadeln oder kleine Nägel, die ja die Kaktusdornen als Mittel zum Versperren durchaus ersetzen könnten, aber darauf kommt die Neotoma nicht. In ihrem Verhaltensprogramm ist festgelegt, nur Kaktusdornen zubenutzen. Doch da taucht ein gewandter Räuber auf, ein Skunk. Die Neotoma nimmt Reißaus und flüchtet instinktiv zu ihrem Loch.
Das aber ist weit! Sie macht kehrt und versteckt sich flink im stachligen Kaktusdickicht.

Wie das? Wieso kann ein Tier, das doch gerade seine totale Unfähigkeit zu »vernünftigem« Handeln demonstriert hat, bei Gefahr jedoch den besten Weg zu seiner Rettung wählen?
Diese scheinbare Unvereinbarkeit im Verhalten von Tieren vermochte der bekannte russische Physiologe Iwan Pawlow zu erklären. Er stellte fest, dass das Verhalten höherer Tiere nicht nur von Instinkten gesteuert wird. Wirbeltiere und einige Wirbellose verfügen nämlich über die Fähigkeit, sich Fertigkeiten, die sie sieh als Lebenserfahrungen erworben haben, gut einzuprägen. Vielleicht hat sich die Wüstenratte zufällig einmal vor einem Raubtier unter einen Dornbusch gerettet und dann auch in der Folgezeit im Notfall hier Zuflucht gesucht. Bei dem Tier, so behauptet Pawlow, hat sich im Gehirn ein bedingter Reflex herausgebildet, in diesem Falle also eine Art Erinnerung daran, dass ein Dornbusch ihm als zuverlässiger Schutz vor Raubtieren dienen kann.

Bedingte Reflexe helfen den Tieren, sich ständig wechselnden neuen Bedingungen anzupassen. Die vom Gehirn gespeicherte Erinnerung an erlebte Erfolge und Misserfolge befähigt das Säugetier, sich in veränderlichen Situationen besser zu orientieren.

Über den Gesang der Tiere – die Zoomusikologie

Zhao Shaoang - Blumen & Vogel
Zhao Shaoang – Blumen & Vogel

Vögel zwitschern, Wale singen, Wölfe heulen. Sind diese Laute bereits Lieder? Diese Fragen beschäftigt die Zoomusikologie. Wissenschaftler wie Dario Martinelli untersuchen die Gemeinsamkeiten in der musikalischen Aktivität von Mensch und Tier. Der talienischen Professor für Semiotik Dario Martinelli, hat diesen Grenzbereich zwischen Musik- und Naturwissenschaft zum Schwerpunkt seiner Arbeit gemacht.

Womit beschäftigt sich nun die Zoomusikologie? „Kurz gesagt, befassen wir uns mit jenen tierischen Lautäußerungen, die man als »Musik« bezeichnen kann und über die reine »Kommunikation« hinausgehen“, so der Professor in einem Interview mit den italienischen Magazin FOCUS. „Dazu gehören alle Laute und Töne, die von ihrer Struktur, der Art und Weise ihrer Darbietung, aber auch ihrer Aufnahme beim Gegenüber her so beschaffen sind, dass sie eben eher als »musikalische« Prozesse zu betrachten sind“, soe der Wissenschaftler weiter.
Es geht  um eine simple Frage, die dann eine komplexe Beantwortung zur Folge hat:

Ist Musik ein rein menschliches Phänomen? Weiterlesen

Die jungen Krähen – ein Porträt von Piet Marsfeld mit einer europäischen Fabel

Der Ruf der Krähe - Foto: Privat
Der Ruf der Krähe

Es ist unglaublich viel, was eine junge Krähe alles lernen muß, ehe sie ohne die Eltern in der Welt fertig werden kann. Es ist zum Beispiel ganz ungefährlich, um die Zeit, wenn die Bauern alle auf der Wiese beim Heuen sind, zwischen ihnen herumzugehen und nach Jungmäusen und Käfern zu suchen. Dagegen muß man, wenn man im Dorfe Kirschen holen will, sich sehr dabei vorsehen. Manchmal steht ein Mensch auf dem Felde und rührt sich nicht; dann ist es gar kein Mensch, sondern eine Vogelscheuche, aber man tut doch gut, alles, was ungefähr wie ein Mensch aussieht, erst lange Zeit zu beobachten. Wenn ein Mensch sich auf dem Felde zu schaffen macht und fortgeht, und man findet dort nachher ein Stück Fleisch, das ist immer hochverdächtig. Findet man im Walde eine Eule, so darf man sie so viel plagen, wie man will; sitzt aber auf freiem Felde die große Eule auf einem Pfahle, so ist die Sache faul, denn diese Eule kann schießen.

Wenn man zu mehreren ist, muß man den Habicht fortjagen; ist man allein, so tut man gut, sich zu verstecken. Das alles und noch viel mehr lernten die jungen Krähen den Sommer über unter Führung der Alten. Sie lehrten sie, im Bogenfluge am Rande des Roggenfeldes entlang zu fliegen, eine Ähre zu haschen und abzureißen und sie, wenn ein bis zwei der milchigen Körner herausgepickt waren, fortzuwerfen und sich eine neue zu holen. Sie lehrten sie die Stellen unter den Brücken zu finden, wo selbst um die Mittagszeit das Wasser kühl ist, und zeigten ihnen die Buchten im Flusse, wo die abgestandenen Fische und die ertränkten jungen Hunde und Katzen antreiben. Sie wiesen ihnen die blauen Fliegen und die rot und schwarz gestreiften Käfer, die unfehlbar anzeigen, wo ein totes Tier oder ein Wildgescheide liegt, und machten es ihnen klar, wie man aus dem Benehmen eines Hasen oder eines Vogels erkennt, wo er seine Jungen oder seine Eier hat, und wie man es macht, dorthin, wo ein Schuß fällt, vorsichtig heranzustreichen und aufzupassen, ob man nicht ein Stück Wild findet, das dem Jäger entgangen ist. Wenn der Wind kalt von Osten kommt, ist auf dem Moore wenig zu finden, um so mehr aber, ist die Luft still und scheint die Sonne sehr warm. Wenn ein Hase klagt, kann man nie wissen, ob es ein Hase oder ein Mensch ist, der Krähen schießen will; deshalb muß man vorsichtig von hinten und in guter Deckung heranstreichen.
Der Jäger benutzt die natürliche Feindschaft zwischen Krähe und Eule zum Abschießen der. schädlichen Krähen. Er baut sich eine getarnte Hütte oder einen Erduntersland, wo er von den Vögeln nicht gesehen werden kann. Eine gezähmte Eule wird vor dem Unterstand auf eine Art Krücke gesetzt; sie ist an einem Fang mit einer dünnen Kette gefesselt. Vorbeistreichende Krähen entdecken sofort die Eule, rufen laut quarrend ihre Artgenossen herbei und stoßen „hassend1 auf die Feindin herab. Selbst die Schüsse aus der „Krähenhütte“ in den Schwärm vermögen die Angreifer nicht zu vertreiben.
Findet man ein größeres Tier, das krank ist, so hackt man ihm zuerst die Augen aus, damit es nicht fortlaufen kann. Der schlimmste Fehler für die Krähe ist die Einseitigkeit. Ist in Wald und Moor noch so viel Futter, so muß man doch ab und zu zu Felde fliegen oder bei dem Dorfe herumstöbern, damit man sich in der kargen Zeit dort zurecht findet. Wenn es irgend geht, soll sich die Krähe Gesellschaft suchen; vier Augen sehen doppelt soviel als zwei, und je mehr da sind, um so besser ist es. Der Sommer geht hin, der Herbst zieht in das Land; die einzelnen Krähenfamilien schlagen sich zu Flügen zusammen und treiben sich, bald für sich haltend, bald mit Dohlen und Saatkrähen gemischt, im Lande umher, heute in den Marschen, morgen auf den Stoppeln der Geest, übermorgen auf den Rübenfeldern des Lehmlandes, ungeheure Mengen von Drahtwürmern, Engerlingen und Mäusen vertilgend und Massen verwesender Stoffe forträumend, auch manches angeschossene Rebhuhn, manchen kümmernden Hasen überfallend und tötend. Sinkt der Abend über das Gefilde, färbt sich der Himmel rosig, dann ziehen sie, geführt von den ortskundigen Stücken, krächzend und quarrend nach einem fernen Walde, ihn noch eine Stunde lang mit dem Getöse ihrer rauhen Stimmen und dem Rauschen ihrer harten Schwingen erfüllend, bis der letzte Rosenschein am Himmelsrande erlischt und die Nacht hereinbricht. Jeder Morgen bringt dem Fluge neuen Zuzug j und um das Dreifache nimmt er zu, wenn im Winter Ostelbien, Skandinavien, Rußland und Nordasien die zahllosen Mengen von Nebelkrähen in das Land der Rabenkrähen schicken. Da wird allmählich das Futter spärlich in Feld und Wiese, Moor und Heide, und immer mehr drängen die Scharen nach den Siedlungen der Menschen, erst nach den Dörfern, dann nach den Landstädten und zuletzt zu den Großstädten, wo die Rieselfelder und Schuttplätze liegen, die allwinterlich die Tausende und Abertausende und Aberabertausende von Krähen ernähren müssen.

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Fabeln aus Europa

Die Krähen und das Pulver

Nach der Erfindung des Pulvers beriefen die Krähen krächzend eine Versammlung. In der Luft kreisend besprachen sie, wie man sich jetzt schätzten könnte vor Pulver und Flinten.

»Früher«, sagte ein alter Krähenvater, »war es möglich, sich vor dem Menschen zu hüten. Schon von ferne sahen wir, wenn ein Knabe sich zur Erde beugte, einen Stein oder Knüttel aufzuheben. Und wenn wir das auch nicht bemerkten, dann pflegten wir den Knüppel heransausen zu hören oder sahen den Stein heranfliegen und konnten uns verziehen. Selbst wenn mit Pfeilen geschossen wurde, dann war es doch immer möglich, ihnen auszuweichen, denn auch die sahen wir von Ferne heranfliegen. Aber nun haben die klugen Menschen das Pulver erfunden und sich Flinten fabriziert, nun ist’s Essig! Kaum legen sie die Flinte an, und blitz! burr! fliegt eine Handvoll einer Erbsenart, man kann nicht mehr rechtzeitig wegfliegen, man weiß auch nicht, nach welcher Seite man springen soll. Was sollen wir nun machen?«

»O weh! O weh!« krächzte der Krähenhaufe.

Aber einer von den Jungen, der weit in der Welt herumgekommen war, stand auf und sagte: »Wir Jüngeren sind besser unterrichtet und haben mehr gesehen. Wir müssen mit der Welt mitgehen! Nun hilft nichts anderes, allein auf die Nase müssen wir uns verlassen, das Pulver kann man von weitem riechen.«

»Ja! So werden wir’s machen! Die Nasen werden wir wittern lehren!« krächzten alle Krähen. Und von dem Tage an wittern sie das Pulver und lassen sich von weitem nicht beikommen.

Jean-Henri Fabre – Verhaltensforscher – InsektenForscher – Begründer der Ökologie als Wissenschaft

Jean-Henri_Fabre_peinture_anonymeJean-Henri Casimir Fabre (* 1823 in Saint-Léons du Lévézou; † 1915 in Sérignan-du-Comtat, Vaucluse) war ein französischer Naturwissenschaftler (Entomologe), Dichter und Schriftsteller, Mitglied der Académie Française und der Légion d’honneur. Er gilt als ein Wegbereiter der Verhaltensforschung und der Ökophysiologie.

Bauern, gewohnt in der kargen Welt der Cevennen zwischen Rodez und Millan ihr Brot zu finden, waren die Vorfahren Jean Henri Fabres, der wie nur wenige die großen Vorzüge der Menschen des Mittelmeerraumes, die an den Bewohnern seiner gebirgigen Teile am deutlichsten sichtbar werden, in sich vereint: Bedürfnislosigkeit, Zähigkeit, Lebensklugheit und Klarheit des Denkens. Reichtümer sind auf den steinigen Hängen der Cevennen nicht zu gewinnen, es ist ein ärmliches Land mit Roggen-, Hafer-, Kartoffel- und Hanffeldern und noch viel mehr Ödland, auf dem Schafe ihr Auskommen finden. Herren der kleinen Herden sind die Kinder des Dorfes, die mit diesem ersten Dienst frühzeitig in das arbeitsreiche Landleben hineinwachsen. Als Schaf- oder Ziegenhirt hat man viel Zeit zu müßiger Träumerei. Der junge Jean Henri ist ein sehr aufmerksamer Beobachter, nichts entgeht seinen flinken Augen, und er macht sich bald seine eigenen Gedanken über Art, Wesen und Ordnung der Gräser, Blumen und Bäume, über alles, was kreucht und fleucht. Der Pfarrer, aufmerksam geworden auf den intelligenten Jungen, gibt ihm ein paar Unterrichtsstunden in Naturkunde. Die einfache Dorfschule, zu deren Heizung jeder Schüler im Winter ein Scheit Holz mitbringen muß für den Ofen, der nebenbei auch das Futter für die Schweine des Lehrers kocht, vermittelt die ersten systematischen Kenntnisse von Pflanzen- und Tierkunde, wobei der Anschauungsunterricht durch Absuchen der Schnecken von den Gemüsebeeten des Herrn Lehrers zu dem weniger geschätzten Anschauungsunterricht gehört.

Jean_Henri_Fabre_Foto von NadarJ. H. Fabre ist zehn Jahre alt, als der Vater sein Glück in der Stadt Rodez als Inhaber eines kleinen Kaffees versucht. Um das Schulgeld zu sparen, singt Jean Henri im Kirchenchor und übernimmt das Amt des Meßdieners. Der Pfarrer gibt ihm Lateinunterricht, aber mehr noch als die Sprache, in der er als der Muttersprache auch seiner eigenen urtümlichen provengalischen Mundart bald heimisch wird, interessiert der Inhalt des lateinischen Lehrund Lesebuches: Vergils Landleben mit seinen bis ins einzelne gehenden Tierschilderungen. Nach nur dreijährigem Aufenthalt in Rodez zieht die Familie, deren wirtschaftliche Lage sich eher verschlechtert als verbessert hat, noch weiter nach dem Süden, nach Toulouse. Dort kann Jean Henri wenigstens die fünfte Klasse der Volksschule vollenden. Bald aber wird das wenige Umzugsgut wieder auf den Wagen geladen, und es geht nach Montpellier. An Schule ist nicht mehr zu denken, die Familie ist bettelarm geworden. „Und jetzt, mein Kleiner, Gott befohlen! Verdiene dir, so gut du kannst, deine Bratkartoffeln!“ Mit diesen Abschiedsworten wird der Sechzehnjährige vom Vater in die Fremde entlassen.
Auf Jahrmärkten verkauft er Zitronen, arbeitet als Erdarbeiter an einer Eisenbahnstrecke bei Nimes, muß hungern, schläft unter Brücken und verbringt eine Elendszeit, deren er sich noch nach sechzig Jahren mit Schaudern erinnert. Im Juli 1840 kommt er in Nimes mit nur drei Franken in der Tasche an und ersteht dafür statt eines guten Mittagessens die Gedichte des Bäckerpoeten Jean Raboul, denn fast noch wichtiger als die leibliche ist ihm die geistige Kost. Und darum übersieht er auch nicht den Anschlag am Rathaus, der eine Auswahlprüfung in der Provinzhauptstadt Avignon bekanntgibt. Schüler, die sie bestehen, bekommen einen Freiplatz und können Volksschullehrer werden. Fabre geht als Erster aus der Prüfung hervor, weiß endlich wieder, wie er morgen satt wird, und kann jede Möglichkeit wahrnehmen, sich in den Naturwissenschaften weiterzubilden.

Jean-Henri-Fabre-beim StudiumMit neunzehn Jahren verläßt Fabre das Lehrerseminar, um seine erste Stelle mit siebenhundert Franken im Jahr anzutreten. Beim Feldmeßunterricht, der natürlich im Freien stattfindet, sieht er, wie die Schüler — meist Bauernsöhne aus der Provinz — die Nester der Mörtelbiene öffnen und den Honig mit einem Strohhalm herausschlürfen, eine Kenntnis und Kunst, die bereits von den Jägern und Sammlern der Vorzeit geübt wurde. Fahre schaut interessiert zu,* und er möchte gern mehr wissen über dieses Tier, das bereits im 18. Jahrhundert den großen Reaumur beschäftigt hatte.
Als er in einer Buchhandlung das bekannte illustrierte Insektenbuch von Castelnau, Blanchard und Lucas findet, opfert er dafür ein ganzes Monatsgehalt seiner kleinen, nicht immer regelmäßig ausgezahlten Volksschullehrerbesoldung. Diese Ausgabe war so wenig Verschwendung wie seinerzeit in Nimes, als er sich für die letzten drei Franken den Gedichtband kaufte. Es war die Sicherheit eines Berufenen, der sich sein Handwerkszeug besorgte. Wenige Monate später hätte er das Geld allerdings wieder bitter nötig gehabt. Denn kaum volljährig geworden, heiratet Fabre die junge Lehrerin Marie Villard aus Carpentras. Aus dieser Ehe entsprießen nicht weniger als fünf Kinder.
Wohl hat der junge Ehemann inzwischen auch die Lehrbefähigung für Physik und Mathematik an höheren Schulen erworben, doch wird er erst nach längerer ungeduldiger Wartezeit seinem Examen entsprechend verwendet und bezahlt. Als er seine erste bedeutende wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, wird man in Paris auf ihn aufmerksam. Der Unterrichtsminister Napoleons III. besucht ihn in Avignon, läßt ihn nach Paris kommen, wo er dem Kaiser vorgestellt wird und das Kreuz der Ehrenlegion erhält.

Jean-Henri Fabre_am SchreibtischDen Tagen des Glücks und der Erfolge folgen schwere Zeiten. Da beginnt Fabre, seine Erfahrungen, Beobachtungen und Forschungen aus der Insektenwelt in einem zehnbändigen Werk niederzulegen, das er „Souvenirs entomologiques“ — ,Erinnerungen an Insekten‘ — nennt; fast dreißig Jahre schreibt er an diesen Büchern, die auch heute noch höchst lesenswert sind. Er spricht darin den Gedanken aus, „daß die Insekten geradeso unbewußt zweckmäßig handeln, wie etwa das Herz oder ein anderes Organ, dessen Tätigkeit der Erhaltung des Körpers dient, ohne daß es selbst ein Bewußtsein davon hat“. Die populärwissenschaftliche Buchreihe findet großen Absatz, und Fabre, der auch ein herrliches Sternenbuch geschrieben hat, steht lange Zeit im Mittelpunkt der Interessen des geistigen Frankreich. Fabre war, wie der große Darwin in der „Entstehung der Arten“ feststellte, ein „unnachahmlicher Beobachter“, aber auch ein einfallsreicher Experimentator, dessen Forschungsergebnisse teilweise bis heute Gültigkeit haben. Sein Wohnsitz Harmas in Sevignan ist heute eine vom Museum für die Geschichte der Naturkunde in Paris betreute Gedenkstätte.

Des Ebers Nickerchen

Als Hängebauchschwein (auch Vietnamesisches Hängebauchschwein) wird eine in Südostasien aus dem eurasischen Wildschwein (Sus scrofa) gezüchtete Rasse des Hausschweins (Sus scrofa f. domestica) bezeichnet. Fotot: O. Simon
Als Hängebauchschwein (auch Vietnamesisches Hängebauchschwein) wird eine in Südostasien aus dem eurasischen Wildschwein (Sus scrofa) gezüchtete Rasse des Hausschweins (Sus scrofa f. domestica) bezeichnet.
Fotot: Piet Marsfeld

Infolge ihrer Fähigkeit zur Aufnahme sozialer Beziehungen und ihrer relativ geringen Körpermaße fanden Vertreter der Rasse in den letzten Jahren weltweite Verbreitung als Heimtiere innerhalb von Hobbyzuchten.

Die Launen der Natur – Über den Vogel Strauß – Schlangen – Löwen und das Feuer

Steckt der Vogel Strauß wirklich den Kopf in den Sand?

Entgegen anders lautenden Behauptungen in viel gelesenen Büchern wage ich zu sagen: Er tut es! Doch nicht aus Angst, wie es immer heißt, sondern wegen der Parasiten. Gewöhnlich nimmt der Vogel danach ein Sandvollbad, es muss aber nicht sein.
Hat der Strauß den Kopf in den heißen Sand gesteckt seine großen Augen geschlossen, verharrt er so eine gewisse Zeit, damit die Parasiten, von denen es in seinem Gefieder eine Menge gibt, in dem heißen Sand umkommen oder den Kopf‘ eiligst verlassen. Dann kann er die Erhitzung schließlich selbst nicht mehr aushalten, er zieht den Kopf aus dem Sand und schüttelt sich. Anschließend gräbt er sich gewöhnlich mit Kopf, Hals und Brust im Sand ein und wirbelt ihn mit den Flügeln auf. Das Sandbad dient, wie man vermutet, ebenfalls der Reinigung. in diesem Fall der Abwehr von Parasiten im Gefieder.

Fürchten wilde Tiere das Feuer?

Nein, sie fürchten es nicht! So behauptet es jedenfalls Professor Bernhard Grzimek. Er habe niemals bemerkt, so schreibt er einmal, dass Tiere eine angeborene Angst vor Feuer hätten, wie dies oft in Büchern behauptet werde. Löwen zum Beispiel gingen ruhig ganz nahe an ein Feuer heran und legten sich sogar in die noch warme Asche. Einmal hätten er und seine Leute ein großes Lagerfeuer entfacht und es sich darum herum in Liegestühlen bequem gemacht, um sich ein wenig aufzuwärmen. Da sei nur sechs Meter von ihnen entfernt eine Löwenfamilie vorübergezogen, habe aber weder den Menschen noch dem Lagerfeuer irgendwelche Beachtung geschenkt. Antilopen äsen unmittelbar am Rand eines Flächenbrandes in der Steppe; Vögel versammeln sich hier zu Scharen und machen Jagd auf Insekten, die vor dem Feuer fliehen.

Wieviel Großwild schlägt ein Löwe in einem Jahr?

Durchschnitt fünfzehn Tiere mit einem Gesamtgewicht von etwas über anderthalb Tonnen. Daraus ergibt sich, dass ein Löwe am ungefähr 4,5 Kilogramm Fleisch frisst.

Warum ist es gefährlich, in Gewässern Afrikas zu baden ?

Es gibt in Afrika Flüsse, da geht man besser nicht hinein, nicht einmal bis zu den Knien. Nicht Krokodile stellen hier die Gefahr dar und natürlich auch nicht die harmlosen Flusspferde, sondern kleine parasitäre Würmer—Bilharzien oder Pärchenegel (aus der Gattung der Saugwürmer). Vollständig ausgewachsen sind sie 1 bis 2,5 Zentimeter lang. Bilharzien durchdringen die Haut des Badenden und bahnen sich ihren Weg durch die Blutgefäße bis zu den Lungen, »rufen einen trockenen Husten« hervor. Danach dringen sie auch in Leber und Harnblase ein. Sie leben in den Venen, hauptsächlich der Leber und der Eingeweide. Sie können bis zu zwanzig Jahre alt werden und bereiten dem von ihnen befallenen Menschen quälende Schmerzen. Freilich gibt es schon Mittel, mit deren Hilfe man die Bilharzien aus dem menschlichen Organismus vertreiben kann, doch sich vor ihnen schützen kann man nur auf eine Art und Weise, nämlich die, nicht in verseuchtem Wasser zu baden.

Viele Gewässer Afrikas, besonders der Mobutu-Sese-Seko-See (Incl. der Nil, sind mit Bilharzien verseucht. Mit Exkrementen gelangen die Bilharzieneier ins Wasser. Die aus den Eiern geschlüpften Larven siedeln sich in Schnecken an. Dort verwandeln sich die Larven in Würmer, die frei im Wasser schwimmen und auf einen Wirt warten, den sie befallen können.

Welche Giftschlange ist die allerschnellste?

Fine gefährliche Schlange Afrikas ist die Mamba. Weder die Kobras noch die Vipern sind hier so gefürchtet wie diese schlanke Baumschlange. Es hat Fälle gegeben, da starben Menschen zwanzig bis (Ireißig Minuten nach dem Biss einer Mamba. Gewöhnliche Giftschlangen bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von annähernd einem Kilometer in der Stunde. Die Mamba aber entwickelt eine Schlangen einfach schwindelerregende Schnelligkeit. Auf dem  Erdboden hat man bei ihr eine Geschwindigkeit von 11,3 Kilometern in der Stunde mit der Stoppuhr gemessen. Im Geäst ist die Mamba womöglich noch schneller. Sie beißt oft ohne Vorwarnung oder mit kaum erkennbarer Drohung: Sie hebt nur wenig den Kopf, reißt den Rachen weit auf und zischt leise. Im Laubwerk ist sie ausgezeichnet getarnt (von vier oder fünf Mambaarten sind drei grün gefärbt), die recht langen Giftzähne und die nicht seltene Wahrscheinlichkeit, einer Mamba nicht nur mitten im Wald, sondern auch auf Feldern, in Siedlungen und selbst in Häusern zu begegnen, erklären hinreichend die verständliche Angst der Leute vor der Mamba überall in Afrika, wo sie vorkommt (von der Sahara bis zum Süden des Kontinents).snake-653639_1280_FotoRabe

Woher kommt das Schlangengift?

Bei Amphibien sondert die Haut das Gift ab, bei Schlangen erzeugen es Drüsen des Verdauungssystems, und zwar Speicheldrüsen! Schlangen zerbeißen und zerreißen die Beute nicht in Stücke, sondern schlucken sie im ganzen. Um den nicht zerteilten Nahrungsklumpen zu verdauen, bedürfen sie schnell wirkender, Gewebe zerstörender körpereigener Stoffe. Je eher die Verdauung beginnt, desto früher ist sie beendet. Deshalb wirken starke Fermente nicht erst im Magen, sondern schon im Maul der Schlange auf die Nahrung ein. Natürliche Auslese über Jahrmillionen hat die Effektivität der Fermente so erhöht, dass diese auch für lebendes Gewebe gefährlich wurden. Es entstand also ein Gift, anfangs schwach, dann immer toxischer!
Das Gift hat auch heute seine ursprüngliche verdauende Wirkung nicht eingebüßt. Die Jararacussa zum Beispiel verdaut eine von ihr gebissene Ratte in vier bis fünf Tagen, für eine nicht mit Gift bearbeitete (nicht gebissene) braucht sie die doppelte Zeit. Schnürt man bei einem Versuchstier die Kanäle der Giftdrüsen ab, lebt die Schlange nicht mehr lange. Weil das Gift nicht an der Verdauung beteiligt ist, verläuft diese träge und anomal, und die Schlange leidet an Stoffwechselstörung. Je toxischer ihr Gift ist, desto schneller und erfolgreicher verläuft die Verdauung und um so stabiler ist die Gesundheit des Reptils. Vermutlich ist die Funktion des Giftes als Schutz und Waffe der Schlange nur sekundärer Art. Primäre Bedeutung hat die Beschleunigung der Verdauung durch das Gift.

Wie wirkt Schlangengift?

Nach seiner physiologischen Wirkung unterscheidet man zwei Typen von Schlangengift: neurotoxisches Gift, das die Nervenzentren lähmt, und hämolytisches Gift, das die Erythrozyten und das in ihnen enthaltene Hämoglobin zerstört. Ersteres haben die Kobras, die Kraits (Bungarus) und andere Giftnattern wie auch Wasserschlangen. Besonders starke Schmerzen verursacht deren Gift nicht, und die Bissstelle schmerzt fast gar nicht, doch der Mensch klagt über Schwindelgefühl, Ohnmachtsanfälle und Atemnot. Das zweite Gift findet sich bei Vipern, Dreiecksköpfen, Klapperschlangen, der Jararaca und anderen Grubenottern. Starke Schmerzen, Blutungen, Gewebenekrosen, Schwellungen sind typisch für eine Vergiftung durch Biss dieser Schlangen. Das Gift von Vipern und Grubenottern enthält auch neurotoxische Stoffe, allerdings relativ wenige. Schließlich sind bei einigen Schlangen im Gift beide Stoffe enthalten, die fast gleich stark wirken, zum Beispiel beim Taipan, bei der Massasauga oder Kettenklapperschlange, der Gabunviper, beim Cascabel und anderen.rattlesnake-653642_1280_FotoRabe

Welche Schlange ist die gefährlichste?

Diese Frage eindeutig zu beantworten ist schwer. Der Grund hierfür ist der: Die giftigsten Schlangen der Welt sind die australische Tigerschlange, der Taipan, die Todesotter, die asiatische Königskobra, die afrikanischen Mambas, die amerikanische Klapperschlange, der Cascabel und einige Seeschlangen. Laboruntersuchungen und die traurigen Erfahrungen des tropischen Alltags liefern den überzeugenden Beweis: Fünfzig bis achtzig Prozent der von diesen Schlangen gebissenen Menschen sterben (wenn ihnen keine sofortige  medizinische Hilfe zuteil wird). Nach dem Biss einer gewöhnlichen Otter sterben nur fünf bis acht Prozent der Betroffenen. Schlangen mit einem sehr toxischen Gift sind aber nicht immer die gefährlichsten. Hier ist neben der Stärke auch noch die Dosis des Giftes zu berücksichtigen, das die Schlange in die Wunde injiziert; außerdem spielt eine Rolle, wie tief die Giftzähne  eingedrungen sind, ob sie zum Beispiel erst Kleidung oder Schuhe durchbohrt haben , ferner ob die Schlange aggressiv ist oder eiligst davon kriecht, ob sie sofort zubeißt oder erst durch Drohgebärde und lautes Zischen warnt, wie etwas die Kobra.

Spucken Schlangen?

Ja, sie spucken, und zwar meisterhaft! Allerdings nicht alle,sondern nur zwei Arten der afrikanischen Kobra, die Ringhalskobra und die Schwarzwaldkobra, sowie eine asiatische Art, die Indische Speikobra. Der Speichel dieser Schlangen ist giftig : Er enthält vier Milligramm Gift. Er schnellt aus den Kanälen der Giftzähne hervor und fliegt zwei bis drei Meter weit! Die Schlange kann bis zu dreißigmal hintereinander speien! Die Kobra zielt gewöhnlich auf die Augen des sich nahenden Menschen oder Tieres, und sie trifft genau. Freilich schleudert sie manchmal das Gift irrtümlich auf glitzernde Knöpfe, Schnallen oder Armbanduhren. Ein Treffer ins Auge ist gefährlich: Es treten starke Schmerzen, Entzündungen, vorübergehende oder irreparable Erblindung auf. Selbst wenn die Kobra das Auge verfehlt und einfach das Gesicht trifft, ist der Betroffene nicht besser dran; bei Bewohnern der Tropen hat die Gesichtshaut oft Schrunden, in die der Speichel schnell eindringt. So kann es zu einer schweren Vergiftung kommen.

Welches kleine Tier schlägt selbst Löwen und Elefanten in die Flucht?

Es ist die Treiber- oder Wanderameise! Diese Ameisen haben keinen festen Lebensraum, die meiste Zeit ihres Lebens wandern sie umher, gewöhnlich unter dem Schutz der Nacht oder der Dämmerung. Bei manchen Arten ist die Front ihrer Marschkolonnen Hunderte von Metern, bisweilen sogar einen Kilometer breit. Diesen Ameisen zu entkommen ist nicht leicht. Sie verschlingen auf ihrem Wege buchstäblich alles, was da kreucht und fleucht. Die »Soldaten« der Wanderameisen haben messerscharfe Kiefer, mit denen sie aus den Leibern ihrer Opfer Fleischstückchen herausschneiden. Selbst ein großes Tier, das in ihre Umzingelung gerät, ist in wenigen Minuten bis auf die Knochen abgenagt. »Wenn man bestimmten Meldungen glauben kann«, schreibt der amerikanische Wissenschaftler Osmond Breland, »so ist sogar einmal ein Elefant, dem die Flucht nicht rechtzeitig gelang, wie eine Maus oder Raupe umgekommen.«  Einmal haben Wanderameisen sogar einen eingesperrten Leoparden »aufgefressen« ebenso wie einen Python, der nach reichlichem Mahl nicht schnell genug war. Einen Verbrecher, den die davongelaufene Wache in einem Gefängnis zurückgelassen hatte, bissen die Ameisen zu Tode.  Im übrigen wird in vielen Geschichten die Gefahr, der sich Menschen bei Begegnungen mit Wanderameisenarmeen aussetzen,gewöhnlich übertrieben.
Bei einem Angriff von Wanderameisen auf Dörfer verlassen deren Bewohner in aller Seelenruhe ihre Häuser und begeben sich, die Angriffsfront der Ameisen umgehend, auf die Felder.
Sämtliches Hausvieh, überhaupt alle Haustiere nehmen sie natürlich mit, wobei es allerdings nicht ohne Verluste abgeht. Dafür vernichten die Ameisen in den Häusern alle Parasiten, Skorpione, Ratten, und das ist schon viel wert.ant-807265_1280_fill

Können Fische Ball spielen?

Bisher ist nur ein Fisch bekannt, der das kann: der Nilhecht Gnathonemus petersi, der heute zu einem gefragten Bewohner von Aquarien geworden ist. Wirft man einen kleinen Schaumstoffball ins Aquarium, schwimmt der Fisch sofort zu ihm hin und spielt scheinbar mit Vergnügen mit dem Ball, wobei er ihn mit dem Kopf hochstößt, dann wegschwimmt und sich von neuem auf sein Spielzeug stürzt.

Wer trinkt Wasser mit dem Schwanz?

Bei Babuin-Pavianen hat man folgendes beobachtet: Wenn sie weder mit den Händen noch mit dem Mund ans Wasser gelangen, »schöpfen« sie es mit dem Schwanz. Sie krallen sich mit den Vorderpfoten an einem Vorsprung der Uferböschung, an einer Wurzel oder einem Ast fest und bemühen sich nach Kräften, mit dem Schwanzende das Wasser zu erreichen. Hat der Pavian das geschafft, klettert er flink ans Ufer und lutscht das Schwanzende schnellstens ab, ehe es in der afrikanischen Hitze wieder getrocknet ist. Danach holt er sich auf die gleiche Weise eine neue Portion Wasser, bis er sich satt getrunken hat. Babuine kommen allerdings mit wenig Wasser aus, mit drei bis vier Gläsern am Tag. Deshalb schaffen sie es durchaus, in der beschriebenen Art ihren Durst zu stillen. Müssen sie aber nicht auf Abhängen herumklettern, um ans Wasser zu gelangen, trinken sie wie alle anderen Tiere mit dem Maul.

Welcher Papagei ist der gesprächigste?

Der anerkannt größte Sprechkünstler ist der Jako. Sein Gefieder hat hellgraue Färbung, sein Schwanz leuchtet knallrot. Man erkennt ihn sofort, Verwechslungen mit ähnlichen Papageien gibt es nicht.  Über hundert Wörter und Wendungen kann sich ein Jako merken. Vieles »spricht« er, so könnte man meinen, mit Sinn, wie etwa »Guten Morgen«, »Auf Wiedersehen« oder »Hallo«, wenn das Telefon klingelt. Viele Wörter merkt sich der Jako zehn Jahre lang und länger, auch wenn er sie niemals selbst ausspricht, als habe er sie vergessen. Jahre später aber erinnert er sich ihrer plötzlich wieder. Der Jako ist in den Wäldern Afrikas zu Hause— von Guinea und Angola im Westen bis zu den großen Seen.

Welches Tier jagt mit einem Wurfnetz?

In Afrika lebt die Spinnenart Menneus. Vor Sonnenuntergang knüpft die Menneus aus elastischen Fäden ein dichtes Netz von der Größe einer Briefmarke. Sie verbirgt sich in Zweigen und wartet auf Falter und andere dämmerungsaktive Insekten. Sobald sich ein geflügeltes »Wild« nähert, dehnt die Spinne augenblicklich zwischen ihren weit gespreizten Beinen das Netz aus und wirft es treffsicher auf das fliegende Insekt. Das gespannte Netz ist fünf- bis sechsmal größer als das nicht gespannte.spider-585063_1280_Gellinger

Wer hat das festeste Spinngewebe der Welt?

In Afrika leben die großen, leuchtend gefärbten Seidenspinnen. Die Fäden ihrer Netze sind so fest, dass sich bisweilen sogar kleine Vögel in ihnen verheddern können. Auf Madagaskar gehen die Frauen in den Wald wie zum Pilzesuchen und sammeln diese Seidenspinnen in Bastkörbchen ein. Zu Hause ziehen sie mit geschickter Hand aus den Spinnen Fäden heraus und weben sich dann aus dem goldgelben Gespinst Bänder, die so hübsch aussehen, dass Europäer von deren Anblick ganz hingerissen sind. Die Seidenspinnen sind Verwandte unserer Kreuzspinnen. Sie weben Fangnetze, die den allseits bekannten Radnetzen ähneln. Nur sind die Räder größer, und gewöhnlich fehlt die obere Radhälfte, dafür findet man an dieser Stelle eine weitmaschige Gespinstkuppel, einen Schutz vor Feinden, von denen das dicke, »appetitlich« aussehende Seidenspinnenweibchen viele hat. Seidenspinnen fangen in ihren Netzen Insekten und fressen sie. Einige Forscher behaupten, dass sie auch mit Vögeln, die sich in ihrem Gespinst verfangen haben, ihren Speisezettel ergänzen. Unklar ist nur, wie sie die Vögel töten, ist doch das Gift der Seidenspinne nicht stark. Die Männchen der Seidenspinnen sind winzig, ihr Gewicht beträgt nur ein Tausendstel von dem des Weibchens! Die Männchen gehen nicht auf Jagd, sie fressen als Schmarotzer ihr Gnadenbrot im Gespinst des Weibchens, nähren sich also sozusagen von den »Brosamen«, die von dessen Tische fallen.

Wenn Spinnen spucken

Speispinne - Scytodes thoracica - Foto: Piet Marsfeld
Speispinne – Scytodes thoracica – Foto: Piet Marsfeld

Es gibt Spinnen, die haben die gleichen schlechten Manieren wie Kamele, denen von Kindheit an ihre Mütter zu spucken erlauben, deren Mütter sogar selbst spucken. Es sind dies die Speispinnen. Sie leben in Häusern. Vermutlich auch in Ihrem. Bei Tage bekommt man sie allerdings nicht zu Gesicht, nur in der Dämmerung kriechen sie aus allen möglichen Ritzen hervor.  Netze weben sie nicht, sondern sie jagen wie Wölfe.

Sie marschieren gemächlich an der Decke über Ihnen oder an der Wand entlang, die Vorderbeine nach vorn gestreckt. Hat eine Spinne eine schlafende Fliege entdeckt, nähert sie sich ihr bis auf etwa sechs Millimeter Entfernung. Aus diesem Abstand gibt sie ihren wohlgezielten Schuss ab. Sie bespuckt das Opfer mit einem klebrigen Saft, so dass alle sechs Fliegenbeine und die Flügel fest am Untergrund haften bleiben. Die von der Spinne ausgespiene Flüssigkeit erstarrt, sobald sie die Fliege getroffen hat, und fesselt diese wie ein Strick an Beinen und Flügeln.
Bei einer in Sri Lanka beheimateten Spinnenart ist die ausgespiene Substanz nicht nur klebrig, sondern auch noch giftig. Trifft sie damit eine Fliege, wird diese nicht nur dadurch gefesselt sondern auch getötet!
Mit dem Verspritzen von Leim kühlt die Speispinne auch die Angriffslust feindlicher Artgenossen. Sie ist also eine Spinne, die sich mit ihrer Spucke wehrt.

Klapperschlangen – das Wattebäuschchen und eine gelähmte Zunge

Mojave Klapperschlange Man kann einer Klapperschlange die Augen verbinden, ihre lange züngelnde Zunge lähmen, ihr die Nüstern mit Wattebäuschchen verschließen, braucht dann aber nur die Hand auf etwa dreißig Zentimeter an ihren Kopf heranzuführen, und man kann sicher sein, dass die Schlange einen blitzartigen zielgerichteten Satz macht! Da kann man dann nur noch bereuen, sich auf Experimente mit den Sinnesorganen von Klapperschlangen überhaupt eingelassen zu haben.

Wissenschaftler sind vorsichtiger zu Werke gegangen. Sie haben dem aggressiven Reptil nicht die Hand, sondern eine Lampe hingehalten, die zuerst nicht ans Netz angeschlossen war, danach aber unter Strom stand. Sie meinten, diese zwei Varianten müssten die Schlange eigentlich »kaltlassen«, doch das Gegenteil war der Fall, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Auf die ans Netz angeschlossene, warme Lampe stürzte sich die Klapperschlange jedesmal wie auf eine echte Beute, die erloschene, kalte Lampe dagegen interessierte sie gar nicht. Also besitzen Klapperschlangen spezielle Rezeptoren, die Wärme registrieren — eine Art Wärmeorter. Obwohl im Experiment aller uns vertrauten Sinnesorgane beraubt, bringen es viele Giftschlangen zuwege, ihre Beute trotzdem zu erlangen, als sei nichts geschehen.

Kopf der Klapperschlange Illustration: Maike Voss

So wurde 1937 das Geheimnis um die seltsamen Vertiefungen auf dem Maul von Grubenottern enträtselt. Diese Einbuchtungen an ihrem Kopf haben mit keinem der uns bekannten Sinnesorgane zu tun. Jede (es ist ein Paar) besteht aus einer äußeren und einer inneren Kammer, getrennt durch eine äußerst dünne, nur 0,025 Millimeter starke Membran. Um den vorderen Augenwinkel
herum kann man auf dem Maul von Schlangen ein winziges Löchlein bemerken. Es mündet in einen engen Kanal, der bis zur inneren Kammer reicht. Das Löchlein kann sich weiten und verengen, wenn die Schlange die ringförmige Schließmuskulatur betätigt. Die äußere Kammer öffnet sich als breite Öffnung zwischen Nasenloch und Auge. Diese Öffnung ähnelt einem weiteren Nasenloch, deshalb sehen einige Grubenottern aus, als hätten sie vier Nasenlöcher.
Ähnliche Organe gibt es auch bei nichtgiftigen Schlangen, etwa bei Boas und Pythons, doch befinden sie sich an anderen Stellen, meistens auf den Oberlippenschilden. Die Fähigkeit von Schlangen, Wärme zu orten, ist geradezu
phänomenal! Die Tiere registrieren selbst Temperaturdifferenzen von nur 0,003 Grad auf der äußeren und inneren Fläche der Membran des Wärmesinnesorgans. (Zum Vergleich: Die Schwelle der Temperaturempfindlichkeit beim Menschen liegt bei ein bis zwei Grad.) Das reicht aus, daß selbst blinde und taubstumme Schlangen treffsicher ihre Beute schlagen. Wie funktioniert so ein Lokator? Die Forscher neigen zu der Annahme, die Schlange operiere nach dem Boyle-Mariotteschen Gesetz und betätige den Schließmuskel der Eingangsöffnung zur inneren Kammer, wodurch diese von der Außenwelt isoliert werde.
Die Erwärmung der Vorderwand der Membran führe dann zu einer Erhöhung der Lufttemperatur in der inneren Kammer. Die Luft dehne sich aus und drücke auf die Zwischenwand, wo sich die Luftdruckrezeptoren befinden. Hat die Schlange den Druck auf die Membranen beider Gruben ausgeglichen, wendet sie den Kopf dem warmen Objekt zu und peilt das Opfer exakt nach dem Winkel an, der sich aus den Richtungen (von den beiden Gruben zum Opfer hin) ergibt.

Zitteraal - Foto: Jens FischerDer Zitteraal – Einen eigenen »sechsten« Sinn haben auch viele in südamerikanischen Flüssen verbreitete Nacktaale (der Zitteraal ist einer von ihnen). Sie sind mit elektrischen Organen ausgestattet, mit deren Hilfe sie sich sowohl in der normalen Umwelt als auch gegenüber Feinden orientieren können. Bei diesen Fischen liegen alle lebenswichtigen Organe im ersten Viertel des Rumpfes, selbst der After hat seine Öffnung zum Halsbereich hin. Im Schwanz aber ist das elektrische Organ untergebracht. Die »Batterie« der Nacktaale befindet sich unter der als Isolator wirkenden Haut. Es sind einige wurstförmige Körper mit orangeroter Gallertstruktur, die durch Zwischenwände in kleine »Zellen« unterteilt ist. Die Stromentladungen erfolgen in einer Serie kurzer Niederspannungsimpulse (dreißig bis eintausend in der Sekunde). Im Ergebniss dessen entsteht um den Fisch herum ein elektromagnetisches Feld. Gegenstände mit einer anderen Stromleitfähigkeit als der von Wasser, die in dieses Feld geraten, verzerren dessen elektrische Eigenschaften. Die Verzerrungen werden von speziellen Elektrorezeptoren des Seitenlinienorganswahrgenommen (beim Aal liegen sie im Kopfbereich), das sozusagen dem Gehirn signalisiert: »Achtung! Nebenan ist irgend etwas!« Dieses »irgend etwas« kann eine Wasserpflanze, ein Stein, ein begehrtes Futter, aber auch ein potentieller Feind sein. Der »Elektrofisch« erkennt diese Gegenstände an deren andersartiger elektrischer Leitfähigkeit und handelt den konkreten Umständen entsprechend.

Hochzeitspaläste und ihre Erbauer

Nicht weniger tüchtige Architekten sind auch die australischen Laubenvögel. Ihren Namen verdanken sie ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit, aus herumliegenden Gegenständen unterschiedlich gestaltete bizarre laubenartige Bauten zu errichten. Im Vergleich zu ihnen nehmen sich die Großfußhühner wie armselige Stümper aus. Die Laubenvögel sind Vögel mit Geschmack. Ihre Bauten sind, wie man heute sagen würde, individuell projektiert und dazu noch mit verschiedenen Extras versehen.

Das Baugeschehen geht folgendermaßen vor sich : Inmitten niedriger Büsche, auf Lichtungen und an anderen den Vögeln geeignet erscheinenden Stellen legen die Laubenvogelmännchen Fundamente aus kleinen Gerten. In Abständen von ungefähr einem halben Meter stecken sie (oder befestigen sie irgendwie anders) weitere, etwas längere Stöckchen in die Erde. Die oberen Enden biegen sie aufeinander zu, so dass eine Art Laube mit Satteldach entsteht. Zum Abschluss wird die hübsche Behausung mit Moos, Blumen, Blättern, Pilzen, Muschelschalen und anderen Dingen geschmückt, die wohl das Auge des Laubenvogels erfreuen.

Laubenvogel posierend
Laubenvogel posierend
Foto: Brett Donald - Weiblicher Seidenlaubenvogel (Ptilonorhynchus violaceus)
Foto: Brett Donald – Weiblicher Seidenlaubenvogel (Ptilonorhynchus violaceus)

Geschildert ist das alles hier übrigens schnell und einfach: die Vertreter mancher Arten arbeiten aber unermüdlich jahrelang an so einer Laube, und man muss zugeben, überaus produktiv! Einzelne solche Türmchen und Lauben erreichen drei Meter Höhe. Als Europäer zum ersten Mal auf derartige Bauten stießen, vermuteten sie daher, diese seien das Werk von Ureinwohnern, der »Aborigens«.  Die Männchen einiger Arten bringen es zu Fertigkeiten, die die anderer noch übertreffen. So streut der Hüttengärtner vor seiner Laube einen Teppich aus wilden Rosen aus und bestückt ihn mit bunten Früchten. Der Seidenlaubenvogel trägt blaue und gelbe Blüten herbei und streicht anschließend die Laube von innen mit einer Paste eigener Produktion an. Das Rezept ist folgendes: Man nehme etwas Holzkohle, zerkleinere sie mit dem Schnabel, vermische sie mit Speichel, füge das Fleisch einer Frucht zu und streiche mit der blauschwarzen Masse die Innenwände der Laube.

Einige Laubenvogelarten bringen es gar zuwege, bunte Bänder, Zahnbürsten, Messer, Gabeln, Kaffeekännchen und andere  glänzende Gegenstände, bis hin zu Schmuckgegenständen zu stehlen und sie vor der Hütte zu verstreuen. Wie diebische Elstern schleppen sie von überallher alles mögliche heran.

Welches kleine Tier schlägt selbst Löwen und Elefanten in die Flucht?

Freie Illustration !so?
Freie Illustration !so?

Es ist die Treiber- oder Wanderameise! Diese Ameisen haben keinen festen Lebensraum, die meiste Zeit ihres Lebens wandern sie umher, gewöhnlich unter dem Schutz der Nacht oder der Dämmerung. Bei manchen Arten ist die Front ihrer Marschkolonnen Hunderte von Metern, bisweilen sogar einen Kilometer breit.
Diesen Ameisen zu entkommen ist nicht leicht. Sie verschlingen auf ihrem Wege buchstäblich alles, was da kreucht und fleucht.  Die »Soldaten« der Wanderameisen haben messerscharfe Kiefer, mit denen sie aus den Leibern ihrer Opfer Fleischstückchen herausschneiden. Selbst ein großes Tier, das in ihre Umzingelung gerät, ist in wenigen Minuten bis auf die Knochen abgenagt. »Wenn man bestimmten Meldungen glauben kann«, schreibt der amerikanische Wissenschaftler Osmond Breland, »so ist sogar einmal ein Elefant, dem die Flucht nicht rechtzeitig gelang, wie eine Maus oder Raupe umgekommen.«

Einmal haben Wanderameisen sogar einen eingesperrten Leoparden »aufgefressen« ebenso wie einen Python, der nach reichlichem Mahl nicht schnell genug war. Bis auf die Knochen verspeisen sie angebundene und vergessene Hunde, in Ställe gesperrte Schweine, Ziegen und Hühner. Einen Verbrecher, den die davongelaufene Wache in einem Gefängnis zurückgelassen hatte, bissen die Ameisen zu Tode.
Im übrigen wird in vielen Geschichten die Gefahr, der sich  Menschen bei Begegnungen mit Wanderameisenarmeen aussetzen, gewöhnlich übertrieben.
Bei einem Angriff von Wanderameisen auf Dörfer verlassen  deren Bewohner in aller Seelenruhe ihre Häuser und begeben  sich, die Angriffsfront der Ameisen umgehend, auf die Felder.  Sämtliches Hausvieh, überhaupt alle Haustiere nehmen sie natürlich mit, wobei es allerdings nicht ohne Verluste abgeht. Dafür vernichten die Ameisen in den Häusern alle Parasiten, Skorpione, Ratten, und das ist schon viel wert.

Können Fische Ball spielen?

Bisher ist nur ein Fisch bekannt, der das kann: der Nilhecht (oder auch Elefantenrüsselfisch) Gnathonemus petersii, der heute zu einem gefragten Bewohner von Aquarien geworden ist. Wirft man einen kleinen Schaumstoffball ins Aquarium, schwimmt der Fisch sofort zu ihm hin und spielt scheinbar mit Vergnügen mit dem Ball, wobei er ihn mit dem Kopf hoch stößt, dann wegschwimmt und sich von neuem auf sein Spielzeug stürzt.

J. Jury - Proceedings of the Zoological Society of London (vol. 1864, plate II)
J. Jury – Proceedings of the Zoological Society of London (vol. 1864, plate II)

Dieser vorwiegend nachtaktive Fisch stammt aus Zentralafrika, wo er vonNigera bis Zaire vor allem weichgründige Flussläufe besiedelt. Im Aquarium sollte er in Gruppen gehalten werden. Entsprechend muss das Becken eine Länge von über 180 cm aufweisen. Kleinere Becken mit einer Länge von 120 cm sind nur für Einzeltiere geeignet. Während der Eingewöhnung sind die Tiere sehr scheu und brauchen Verstecke. Eine dichte Bepflanzung, eine Schwimmpflanzendecke und ein weicher Bodengrund erhöhen das Wohlbefinden. Gegenüber Nicht-Artgenossen sind diese Nilhechte friedlich. Hält man aber nur zwei oder drei Exemplare zusammen, dann wird ein Tier sich zum Tyrannen aufschwingen und die Artgenossen unterdrücken. Elefantenrüsselfische gehören zu den Arten mit elektrischem Organ. Dieses ist relativ schwach und wird nur zur Ortung und zur Verständigung verwendet. Das Becken sollte mit weichem Bodengrund ausgestattet werden, damit das Maul der Tiere nicht verletzt werden kann, wenn sie nach Futter wühlen.

Wer trinkt Wasser mit dem Schwanz?

babuin_3Bei Babuin-Pavianen hat man folgendes beobachtet: Wenn sie weder mit den Händen noch mit dem Mund ans Wasser gelangen, »schöpfen« sie es—mit dem Schwanz. Sie krallen sich mit den Vorderpfoten an einem Vorsprung der Uferböschung, an einer Wurzel oder einem Ast fest und bemühen sich nach Kräften, mit dem Schwanzende das Wasser zu erreichen. Hat der Pavian das geschafft, klettert er flink ans Ufer und lutscht das Schwanzende schnellstens ab, ehe es in der afrikanischen Hitze wieder getrocknet ist. Danach holt er sich auf die gleiche Weise eine neue Portion Wasser, bis er sich satt getrunken hat. Babuine kommen allerdings mit wenig Wasser aus, mit drei bis vier Gläsern am Tag. Deshalb schaffen sie es durchaus, in der beschriebenen Art ihren Durst zu stillen. Müssen sie aber nicht auf Abhängen herumklettern, um ans Wasser zu gelangen, trinken sie wie alle anderen Tiere mit dem Maul.

Die Eiche als 5-Sterne-Hotel mit Vollpension

cork-228449_1280_Ben_Kerckx_KorkeicheEine ausgewachsene, bis zu dreißig Meter hohe Eiche bietet mehr Tieren Unterschlupf und Nahrung als jeder andere europäische Baum. So wurden auf einem Exemplar dreißig verschiedene Vogel-, fünfundvierzig Wanzen- und über zweihundert Falterarten gezählt. Dabei hat jeder Teil des Baumes seine besonderen Untermieter. Zwischen den Wurzeln lebende Blatthorn- und Schnellkäferlarven; winzige Falter, viele mit einer Flügelspannweite von nur zwei Zentimetern, verstecken sich tagsüber in den Rindenspalten und fliegen des Nachts zwischen den Ästen umher, und unter der Borke hausen Käfer und hinterlassen dort unzählige verzweigte Gänge.
Die weichen, saftigen Blätter der Eiche werden von ausgewachsenen Blatthornkäfern und von zahlreichen Schmetterlingsraupen gefressen. Dabei verleiben sich die größeren von ihnen ganze Blattstücke ein, während die kleineren lediglich Gänge in das weichere Blattinnere bohren. Rüsselkäfer, wie die Eichelblattroller, benutzen die Blätter dagegen als Behausung für ihre Nachkommen. Sie beißen ein Blatt zuerst von der einen und dann von der anderen Seite bis zur Blattrippe durch, falten die beiden Hälften zusammen und rollen sie zu einer Röhre, in die später die Eier gelegt werden.

Traubeneiche - Baum des Jahres 2014 - Foto: Piet Marsfeld
Traubeneiche – Baum des Jahres 2014 – Foto: Piet Marsfeld

Viele Blätter bilden zur Abwehr Gallen, deren Vielfalt sich aus den verschiedenen Namen ablesen lässt, die ihnen die Forstleute gegeben haben, beispielsweise Gallapfel, Eichenrose, Napfgalle, Linsengalle und Schlafapfel. Anlass für die Gallenbildung sind immer kleine Insekten, etwa Mücken, Falter oder kleine, weniger als einen halben Zentimeter große Wespen. Sie alle legen ihre Eier in Blätter, die darauf mit verstärktem Zellwachstum reagieren. In dieser Wucherung entwickeln sich dann die Insektenlarven, die oftmals sogar dann noch dort bleiben, wenn das Blatt bereits abgefallen ist, um es erst im folgenden Frühjahr als fertige Insekten zu verlassen. In kleinen Gallen sitzt zumeist nur eine Larve, während sich in größeren bis zu dreißig Exemplare aufhalten.
Die nahrhaften Eicheln, von denen ein einziger Baum jährlich bis zu neunzigtausend hervorbringen kann — während eines langen Eichenlebens also viele Millionen —, dienen als Futter für ungezählte Tiere. Das schadet dem Baum nicht, denn es genügt in jedem Jahrhundert eine einzige Eichel, die tatsächlich zu einem Baum auswächst, um die Eichenpopulation zu sichern, so dass ein ungeheurer Überschuss entsteht. Krähen und Häher pflücken die Eicheln von den Ästen, kaum daß sie reif sind; die gefräßigen Ringeltauben schleppen oft bis zu siebzig Früchte gleichzeitig in ihrem Kropf fort, und Rüsselkäfer bohren mit ihren verlängerten Mundwerkzeugen Löcher in die Früchte der Eiche, um dort ihre Eier abzulegen. Aber selbst wenn eine Eichel von all diesen Angriffen verschont bleibt, fällt sie irgendwann auf den Boden, wo bereits hungrige Mäuse, Eichhörnchen, Rehe oder Wildschweine auf die willkommene Mahlzeit warten.
Viele der Insekten, die sich etwa von den Eichelblättern ernähren, werden wiederum von anderen Tieren gefressen. Wespen, Spinnen und Marienkäferlarven machen Jagd auf Raupen, und auch viele Vögel brauchen für ihre Brut tierische Nahrung. Buntspechte und Baumläufer picken die Insekten aus den Rindenspalten; Kohlmeisen ziehen ihre Jungen genau dann auf, wenn besonders viele Raupen auf den Eichenblättern zu finden sind, wobei einige Vogelarten jeden Tag bis zu dreihundert Raupen benötigen, um ihre hungrigen Jungen satt zu bekommen, und auch viele Zugvögel, etwa Grasmücken oder Nachtigallen, beteiligen sich in den Sommermonaten an der Suche nach Kerbtieren. Und wenn die Eiche älter geworden ist und sich Höhlen und größere Spalten im Stamm auftun, ziehen dort Eulen und Fledermäuse ein, und zwischen den knorrigen Wurzeln graben sich Füchse oder Dachse ihren Bau.

Stieleiche - Foto: Piet Marsfeld
Stieleiche – Foto: Piet Marsfeld

Eichen sind also wahrhaftig die Herren des Waldes, und wie verantwortungsvolle Monarchen sorgen sie für den Lebensunterhalt der unzähligen kleinen Bewohner ihres Reiches.
Aber die reichen Nahrungsgründe, die sich während des Sommers in den nördlichen Breiten auftun, sind nicht von Dauer. Im Herbst werden die Tage kürzer, und die Zugvögel machen sich auf den Weg nach Süden. Die meisten Schmetterlinge und Nachtfalter gehen zugrunde, nachdem sie ihre Eier an sicheren Plätzen abgelegt haben, und auch die Laubbäume werfen ihre frostempfindlichen Blätter ab und setzen ihren Stoffwechsel so weit herab, dass ihr Wachstum fast völlig zum Erliegen kommt. Mit dem Verlust ihrer Blätter verlieren die Eichen vorübergehend auch die Herrschaft über ihr Territorium. Zum ersten Mal seit Monaten fällt wieder Sonnenlicht auf den Waldboden. Aber es gibt zu dieser Zeit nur wenige Pflanzen, die damit etwas anfangen können, da die meisten ebenfalls keine Blätter mehr besitzen und deshalb ihre Aktivitäten einstellen müssen.

 

Ein alter Hausfreund – Tierische Wettervorhersage

Foto: Piet Marsfeld
Foto: Piet Marsfeld

Man sagt, ich sei ein guter Meteorologe, ein besonnener Wetterkundler. Gibt es Sonnenschein, bin ich obenauf. Kommt der Regen, halte ich mich zurück; verdrießlich. Und wenn das Wetter für länger unfreundlich bleiben sollte: hinein ins Wasser.

Ich freier Natur kündige ich ein heranziehendes Gewitter  mit aufgeblähter Kehle lauthals an. Dann ist mein „Quak Quak“  oder auch ein „Krack Krack“ laut zu vernehmen. Bei feuchter Witterung bleibe ich allerdings stumm wie ein Fisch.  Unter uns: in Gefangenschaft irre ich mich auch schon mal…kein Wunder, da geht irgendwann der Kontakt zur Quelle etwas verloren, ähnlich dem schwankenden Handysignal in der Pampa…)
Ich werde drei- bis viereinhalb Zentimeter lang, bin obendrauf blattgrün, und unten herum grauweiß gefärbt. Beide Farben werden durch einen schwarzgelben Streifen voneinander getrennt. Bei Männchen, also wie bei mir, ist die Kehlhaut dunkel, beim sogenannten zarten Geschlecht ist sie eher hell getönt. Alle vierzehn Tage ist mir dann zum aus der Haut fahren. Ich häute mich dann, um mir ein frisches Gewand anzulegen.
Meine Lebensdauer? Nun, Verwandte von mir sind in Gefangenschaft acht bis zehn Jahre alt geworden.  Ich bin jetzt drei geworden.

Froschlaich - Foto: Piet Marsfeld
Froschlaich – Foto: Piet Marsfeld

Bekannt bin ich auch für meine sportlichen Fähigkeiten: ich schwimme fast so gut wie mein Artverwandter, der Wasserfrosch. Klettern kann ich ausgezeichnet und Springen sowieso.
Als Hausfreund zeige ich mich selbstverständlich nur von meiner besten Seite. Ich bin anspruchslos, sehr sparsam und, wenn es sein muss, sogar mit einer bescheidenen Unterkunft zufrieden; mit einem einfachen Glas.
Am besten gefällt mir in Gefangenschaft das Leben in einem hohen Terrarium, mit feuchtem Sand, kräftigen Sumpfpflanzen darin und einer Leiter (oder etwas vergleichbarem zum Klettern).Kälte vertrage ich soweit gut. Wärme und Trockenheit überstehe ich in geradezu bewundernswürdiger Weise, wie mein Freund, der Alfred Brehm es für sein „Tierleben“ richtig formuliert hatte.
tree-frog-67779_1280Was ich gern esse? Mücken, Stubenfliegen, Mehlwürmer und ähnliches. Ich nehme auch Spinnen, wenn ihr sie habt. Im Winter halte ich, nach alter Tradition, einen todähnlichen Schlaf. Füttert mich deshalb im Sommer gut, damit ich den Winter wohlgenährt überstehe. Gebt Eurem treuen Hausfreund aber auch in der kalten Jahreszeit hin und wieder eine Fliege; er wird es Euch danken.
Ich gewöhne mich bei Menschen schnell ein. Und wenn Ihr gut zu uns seid, fressen wir Euch vielleicht sogar aus der Hand.
Eine Bitte: lasst uns von Zeit zu Zeit durch die Stube springen, damit wir uns mal so richtig austoben können. Als Gegenleistung dafür, fangen wir Euch die Fliegen, Spinnen und Mücken weg. Gern geschehen.
Beinahe hätte ich es doch vergessen: Wie alle Tiere, die was von und auf sich halten, habe ich nach meinem gewöhnlichen auch einen lateinischen Namen. Man nennt mich in Fachkreisen auch „Hyla arborea“.
Es grüßt Euch Euer Wetterprophet.

B der Baumeister – Der Biber

Biber in Natur - Piet Marsfeld
Biber in Natur – Piet Marsfeld

»Ich habe Leute gekannt, die zwar lesen und schreiben konnten, die aber viel dümmer waren als ein alter erfahrener Biber«, sagt Falkenauge in Fennimore Coopers »Der Letzte der Mohikaner«. Schriftsteller und auch Zoologen bezeichnen den Biber als »Ingenieur«, und das so oft, dass man dessen schon überdrüssig ist, aber einen besseren Vergleich kann man sich wohl kaum ausdenken. Äußerlich ist der Biber ein imposantes Tier. Sein edles Fell mit warmer Unterwolle und harten Grannenhaaren ist zwecks größerer Elastizität und besseren Nässeschutzes mit einem öligen Sekret eingefettet. Nach jedem Bad reinigt der Biber es sorgfältig und »pomadisiert« es neu. Ehemals lebten Biber in ganz Europa (außer Spanien), in Sibirien, der Mongolei, in Nordchina und in Nordamerika von Alaska bis zum Rio Grande, aber sie wurden vielenorts erbarmungslos ausgerottet. Danach stellte man sie unter Schutz und siedelte sie erneut an.

beaver-803910_1280Jetzt regeneriert sich in Europa ihr Bestand, und die alten Verbreitungsgebiete entstehen gewissermaßen neu. Allerdings sind sich die Spezialisten noch nicht einig, ob es nun eine oder zwei Biberarten gibt. Auf jeden Fall weist der europäische Biber außer einigen Besonderheiten des Schädels einen schmaleren und längeren Schwanz auf als der amerikanische, und das Rückenfell hat keine rötlichen Töne. Biber wiegen zwischen neun und zweiunddreißig Kilogramm und können fünfundzwanzig Jahre alt werden, zumindest in Gefangenschaft. Sie haben einmal im Jahr, und zwar im April bzw. Mai, drei bis fünf, selten sechs Junge. Bereits nach ein, zwei Tagen können die Jungen schwimmen, und im Alter von drei Wochen fressen sie schon Pflanzen, obwohl die Mutter sie noch drei weitere Wochen säugt. Mit den Eltern bleiben sie bis zum Alter von zwei, drei Jahren zusammen. Biber fressen Rinde, Triebe, Blätter, wobei sie Espe und Weide, Sumpfgräser und Schilf, Schwert- und Wasserlilien bevorzugen. Für den Winter legen sie sich unter Wasser einen Vorrat an Zweigen an, mitunter fünfzig bis achtzig Kubikmeter!
Betrachtet man einen Biber von vorn, staunt man über seine stattlichen Schneidezähne, die über die Lippen hervorstehen. Dieses Grab- und Schneidewerkzeug ist universell einsetzbar. Mit ihm kann der Biber unter Wasser arbeiten, ohne das Maul zu öffnen. An der Nase fallen einem die beweglichen fleischi- gen Nüstern auf, die sich hermetisch schließen, wenn das Tier taucht. Es kann bis zu fünfzehn Minuten unter Wasser bleiben, ohne zum Atmen auftauchen zu müssen. Wenige nur hatten Gelegenheit, zu sehen, wie Biber ihre Schneidezähne unter Wasser handhaben, am Ufer jedenfalls entwickeln sie eine geradezu phantastische Produktivität: Innerhalb von zwei, drei Minuten fällen sie einen armstarken Baum!

beaver-223711_1280In einem französischen Nationalpark beobachtete der Zoologe P. Richard Biber, die voll und ganz mit Bauarbeiten beschäftigt waren, doch sei mir gestattet, zunächst ein wenig abzuschweifen und kurz zu sagen, welche Bautypen Biber so errichten. Man kann sie nur bestaunen und sich nur schwer vorstellen, daß ein Tier zu solchen Dingen fähig ist! Typ eins: die Biberbaue selbst. Die Tiere graben sie in hohe, feste Ufer, an Steilhängen. Der Eingang liegt ein oder zwei Meter tief unter Wasser; diese dunkle Öffnung, in die auch Fische hineinschwimmen dürfen, ohne daß die Biber sie behelligen, ist schräg nach oben gerichtet. Hat der Gang den Wasserspiegel des Flusses erreicht, wird er weiter unter die Wurzeln eines starken Baumes geführt. Dort wird der dunkle Schlafraum angelegt, der manchmal so groß ist, daß zwei Menschen gut und gern darin übernachten könnten. Hat der Fluß keine gleichbleibende Wasser- führung, sinkt bei Trockenheit sein Wasserspiegel, wird unter dem ersten Eingang in Richtung auf den Schlafraum eine weitere Höhle gegraben. Der Eingang muß unter Wasser liegen, das ist unerläßliche Bedingung. Manchmal hält die »Decke«, die Erdschicht über dem Schlafraum, nicht stand und stürzt ein. Dann häufen die Biber darüber Reisig auf. Bautyp zwei: Reisig- und Erdhütten, die anderthalb bis drei Meter über das Wasser hinausragen, ihr Durchmesser erreichtt zehn bis zwölf Meter. Der Eingang befindet sich gleichfalls unter Wasser. Typ drei: Kanäle. In sumpfigem Gelände verlaufen vom Bau aus wie Sonnenstrahlen auf einer Kinderzeichnung schmale und flache Wasserstreifen in verschiedene Richtungen — die Wasserst:raßen der Biber zum Arbeitsplatz und zu ihrem »Speiseraum«. Schon möglich, daß die Biber den Kanalbau gar nicht aktiv betrei- ben, sie gehen eben immer denselben Weg, und allmählich vertie- fen sich die Pfade und füllen sich mit Wasser. Aufmerksame Beobachter aber behaupten, dass die Biber sich ganz eindeutig bemühen, ihre Kanäle in Ordnung zu halten. Sie haben es nicht gerne, wenn Unrat hineingelangt. Auf diesen Wasserwegen flößen sie Baumstümpfe und Abfall, das ist leichter, als alles mit den Zähnen und Pfoten zu schleppen.

beaver-143703_1280Man behauptet, Biber hätten einmal einen Damm gebaut, der viereinhalb Meter hoch und 652 Meter lang gewesen sei! In Gemeinschaftsarbeit häufen Biber in Flussmitte Baumstämme, Steine, Zweige und Schlamm an, damit sich eine kleine Insel bildet. Danach türmen sie seitlich der Insel in Richtung Ufer Material auf, das sich für das Stauen von Wasser eignet, verflechten es mit Zweigen, bestreichen es mit Schlamm und Lehm stützen das Ganze mit Lanzen und Streben aus Stämmen ab, wobei sie diese nicht selten mit dem einen Ende gegen den Damm und mit dem anderen gegen einen Baum gegenüber lehnen. Sie stapeln und verflechten alles miteinander, bis sie das Ufer erreicht haben. Das Wasser steigt, fließt über, spült Hohlräume aus, doch die Bauleute lassen sich nicht beirren. Sie schleppen und flechten, sie häufen auf, sie verschmieren… Schon hat sich der Wasser- spiegel gehoben, glänzt eine ruhige, glatte Wasserfläche. Das überschüssige Wasser fließt durch einen gut funktionierenden Abfluss aus eng verflochtenen Zweigen ab. Eine solche Abflussrinne kann der Fluss nicht zerstören.
Doch mit einem einzigen Damm ist es nicht getan. Die Biber können nicht untätig mit ansehen, wie wertvolles Naß nutzlos irgendwohin abfließt. Also bauen sie stromab noch einen Damm, dann einen weiteren und immer noch einen…
Das Ergebnis ist eine ganze Kaskade von Teichen, aufeinanderfolgend wie Stufen einer großen Treppe, besser vergleicht man sie noch mit Staustufen. Manchmal allerdings stimmen die Biber ihre Vorhaben nicht mit den Plänen des Menschen ab und okkupieren ausgedehnte Heuwiesen für ihre Stauseen. In Amerika sind solche Fälle so häufig geworden, daß die Menschen Sprengstoff anwenden mußten. Doch die Biber stellen das Zerstörte schnell wieder her. Da verzichtete man auf Dynamit und trieb Dränagerohre durch den Damm, das heißt, man fügte dem nach Meinung der Bi ber ausreichen- den Abfluß noch einen weiteren oder zwei hinzu. Diesmal, meinten die Farmer, alles sei »okay«, und freuten sich schon, doch…

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAn dieser Stelle ist es wohl Zeit, in den französischem Nationalpark zu der angekündigten Geschichte über den Versuch von Richard zurückzukehren. Dem Beispiel der Amerikaner folgend, trieb auch er durch so einen Damm ein Loch und führte ein Dränagerohr hindurch, lang genug, damit die Eingangs- und Ausgangsöffnungen in genügend großem Abstand zu beiden Seiten des Staudammes zu liegen kamen. Das Wasser begann zu sinken.
Die Biber wurden unruhig. Anfangs gingen sie eiligst daran, das Bauwerk oben auf zustocken. Sie stopften alle Abflüsse zu, doch das Wasser floß weiter ab, und sie gaben die sinnlose Arbeit auf. Irgendwie aber müssen sie doch dahintergekommen sein, dass an allem das Rohr schuld war! Sie verstopften also die Einflussöffnung. Doch es gab nicht nur eine. Außer der Hauptöffnung waren da noch ein paar seitliche Löcher, die Richard in die Rohrwand gebohrt hatte und die die Biber nicht verstopfen konnten. Das große hatten sie zwar geschafft, aber alles, was sie in die kleinen stopften, riss das Wasser weg. Da gaben sie auch diese Arbeit auf.
Zoologen, die die Tiere aus Verstecken heraus beobachteten, amüsierten sich: Zu drollig sah es aus, wie die Biber hin und her liefen und Ausschau hielten, was denn nun noch nu tun bliebe, genau wie Bauleiter auf einer Baustelle. Die Biber kamen auf die Idee, auch das andere Endle des Rohres zu verstopfen. Doch dort erwies sich die Strömung, die im Rohr noch schneller wurde, als zu stark, und alles, womit sie die Öffnung zu verschließen suchten, wurde augenblicklich weggespült.
Da gaben sie auch diese Arbeit auf. Trotzdern aber fanden sie einen Ausweg! Sie errichteten einen Damm, der die untere Ausflussöffnung umschloss. Wenn das Wasser schon weg floss, dann doch wenigstens in ihren neuen Teich! Nach dieser Geschichte wird man es wohl kaum noch jemandem verdenken, wenn er die Biber als wahre Ingenieure bezeichnet!
Übrigens lassen sie im Winter einen Teil des aufgestauten Wassers ab, damit sich unter dem Eis Hohlräume bilden. In diesen Hohlräumen zwischen Eis und Wasser tummeln sie sich dann und fressen.

beaver-7471_1280Und noch etwas: Die Mitglieder einer Biberfamilie sind verträglich und friedlich, sie lieben sogar Spaß und Spiel. Ein Männchen lebt in der Regel sein ganzes Leben lang mit demselben Weibchen zusammen, auch wenn es bisweilen andere nicht verschmäht. Mit fremden Bibern aber machen sie nicht viel Federlesens, besonders wenn ihr Nahrungsrevier und das Wasser mit knapper Not für sie selber reichen oder wenn alle Weibchen längst vergeben sind. Dann bekämpfen sie einander erbarmungslos.
Gibt es aber einmal eine große Trockenheit und die Gewässer werden seicht, dann sammeln sich alle dort, wo noch Wasser verblieben ist. Sie unterlassen ihre Raufereien, und die hier ansässigen Biber vertreiben die Gäste nicht. Dürre ist eben ein Unglück, das alle gleichermaßen trifft.

Unter Schutz! Das rote Buch der Tiere

In Büchern, Zeitungsartikeln und Filmen liest, sieht und hört man immer wieder  alarmierende und empörende Meldungen vom Verschwinden vieler Arten von Wildtieren. Von Jahr zu Jahr aber nimmt auch die Zahl der Menschen zu, die sich aktiv für deren Rettung einsetzen, weil sie wegen der rasch voranschreitenden Verarmung der natürlichen Ressourcen unseres Planeten ernstlich besorgt sind.

Was aber sind nun die Ursachen für das Verschwinden ohnehin seltener Tiere? Da gibt es verschiedene. Zum Beispiel die Wilddieberei, doch dies ist nicht das Hauptübel. Einen nicht geringen Schaden fügen der Fauna in vielen Ländern private Tierparks zu, die seltene Tiere erwerben. Ein überzeugender Beweis hierfür, aber bei weitem nicht der einzige, ist der Fang von Orang-Utans. Dabei verfährt man üblicherweise wie folgt: Man tötet ein Weibchen, dessen Junges fällt vom Baum, man versucht es einzufangen; doch das gelingt nicht immer, und oft zieht sich das Junge dabei tödliche Verletzungen zu. Weiterlesen

Ein Herz für die Mücke

Man kann sagen, dass die Mücke ein Amphibium ist, ein Tier, das sowohl auf dem Lande als auch im Wasser lebt, das heißt, ihre Jugend verbringt die Mücke im Wasser, ihr Erwachsenendasein in der Luft. Das Mückenweibchen legt die winzigen Eierchen in einem stehenden Gewässer ab, und zwar eins nach dem anderen, und klebt sie dann mittels klebriger Ausscheidungen zusammen zu einem Klümpchen in Form eines Floßes. Dieses »Mückenschiffchen« schwimmt frei auf der Oberfläche des Teiches oder Tümpels; es ähnelt jenem »Kästlein von Rohr«, das einst für den kleinen Moses angefertigt worden sein soll, und enthält zweihundert bis dreihundert Eier, Es vergehen drei Tage, da platzen die Eier, oder besser gesagt, sie öffnen sich. An ihrem unteren Ende, das ins Wasser hängt, klappt wie eine Tür ein Deckelchen nach unten auf, und die einem Würmchen ähnelnde Larve sinkt, sich windend, in den heimatlichen Sumpf. Sie ist so flink, dass sie nur schwer zu fangen ist. Man strecke die Hand aus, um das Mückenbaby zu packen, doch blitzschnell wird es einem durch die Finger schlüpfen.Weiterlesen

Das Insektenhotel – Eine Nisthilfe

Bauanleitung Insektenhotel

Es gibt sehr viele unterschiedliche Nisthilfen für Insekten  u.a. Wildbienen – die beschriebene ist nur ein Beispiel. Sie können verwendeten Maße variieren; eine Mindesttiefe von 10cm sollte jedoch gegeben sein. (Schilfröhren sind eine häufige Befüllung und sollten mindestens 10 cm lang sein.) Wenn Sie eine größere Nisthilfe bauen, behalten Sie bitte das Gesamtgewicht im Auge; irgendwann lässt sie sich schlecht aufhängen. Dann sorgen Sie bitte für eine gut zugänglichen Standort. Auch bei der Befüllung gibt es Alternativen und vielfältige Möglichkeiten. Sollen markhaltige
Pflanzenstängel benutzt werden, müssen diese vor dem Einbauen in die Nisthilfe trocknen. Beginnen Sie also zeitig mit dem Sammeln, damit genug Trocknungszeit vorhanden ist.
Die Arbeit am Rohbau dauert ca. 1,5 – 2 Stunden. Die zeitintensivste Befüllungsarbeit ist das Zerkleinern der Schilfhalme.
Sollte das Insektenhotel an seinem Platz nicht gut vor Regen geschützt sein, bringen Sie bitte auf dem Dach noch eine Dachpappe an und behandeln Sie das übrige Holz mit natürlichen Mitteln wie zum Beispiel Bienenwachs.
Diese Bauanleitung ist ein Beispiel für eine mittelgroße Nisthilfe.

Zum Bau des Insektenhotels benötigen Sie:
7 Bretter zu 40cm*10cm
4 Bretter zu 20cm*10cm
1 Brett zu  23cm*10cm
2 Rundhölzer  10cm lang (es kann auch Schilf benutzt werden)
1 Rundholz  23cm lang (es kann  auch Schilf benutzt werden)
Holzbrett in Hausform als Rückwand (40cm*40cm+Dach)
dünnes Brett zu 13cm*20cm
Holzleim
Nägel
Hakenschrauben (werden zum Aufhängen von
Bildern verwendet)
Schraubenzieher
Hammer
Bohrer (verschiedene Dicken)
Hasendraht

Für die Füllung:
Schilf (viel Schilf)
Stroh
Lehm (muss nicht unbedingt gekauft werden, kommt auch in der Natur vor)
Fichtenzapfen
trockenes Laub
Holunderäste
Naturholz

Der Rohbau:

Unser Modell besteht aus einem Grundstock von 40cm*40cm plus Dach und ist 10 cm tief. Zuerst werden vier der Bretter zu 40cm*10cm zu einem Quadrat gelegt und ein fünftes als Unterteilung in die Mitte platziert. Dann werden diese Bretter mit Holzleim bestrichen und zusätzlich mit Nägeln befestigt.

Anschließend werden weitere Zwischenfächer auf die gleiche Art verbunden. In unserem Beispiel benötigt man hierfür vier weitere Bretter mit den Maßen 20cm*10cm. Das untere Fach wird einmal unterteilt. Das obere Fach wird in drei Teile annähernd gleich große Kammern unterteilt. Die Kammer links außen wird ein weiteres Mal geteilt.

Fürs Dach benötigt man die zwei noch übrigen Bretter mit den Maßen 40cm*10cm. Diese werden im rechten Winkel zusammengenagelt und anschließend auf den Grundstock gesetzt und dort befestigt. Zuletzt wird die Rückwand am „Haus“ befestigt, also festgenagelt. Zur Unterteilung des Dachgeschosses wird ein Brett zu 23cm*10cm eingesetzt und an den Rändern mit
Rundhölzern verleimt. (Dieser Schritt ist einfacher, wenn die Rückwand schon fest ist.)

Jetzt kann das Füllen beginnen:

Nisthilfe_klein_FotoSketcher

Erdgeschoss
Zimmer 1  – Naturholz:
Hier müssen die Holzstücke auf die Länge von 10cm gesägt werden. Anschließend werden verscheiden große Löcher hineingebohrt. Am besten geeignet sind harte Hölzer wie Kirsche oder Buche. Hier kann so eng gefüllt, dass man keinen Lehm oder Holzleim zur Befestigung braucht. Auch in die Zwischenwände der einzelnen Zimmer können Löcher gebohrt werden und so zum Nistplatz werden. zwischen den Löchern sollte eine Bohrlänge Abstand sein und die Tunnel sich etwas schräg nach oben neigen. So kann sich kein Wasser einlagern. Wichtig ist, dass keine ausgefransten Löcher entstehen, daran können sich die Bienen verletzen. Eigentlich sollten die Löcher seitlich in stehendes Holz gebohrt werden, die Bohrung also quer zur Wuchsrichtung erfolgen.

Zimmer 2 – Stroh
Dieses Fach wird mit Stroh und Schilfhalmen gefüllt (es fallen bei der Füllung von Zimmer 6 viele Schilfhalme an, die hinten keinen Knoten haben. Ein Teil kann hier verwendet werden.) Anschließend wird das Fach mit Hasendraht verschlossen. Der Hasendraht kann mit Nägeln befestigt werden.

Erstes Obergeschoss
Zimmer 3 – Markhaltige Pflanzenstängel:
Wir haben uns für Holunder entschieden. Die Stöcke müssen in passende Stücke geschnitten werden, in unserem Beispiel 10 cm. Das Mark ist leicht auszuhöhlen, z.B. mit dem Handbohrer und bei einigen Stücken kann ein Anfang gemacht werden. Die meisten sollten aber unberührt verwendet werden. Das Holz kann wieder so eng und fest gesteckt werden, dass es von alleine hält.

Zimmer 4 – Lehm:
Purer Lehm ist zu fett und wird zu hart. Deshalb muss der Lehm mit Sand in einem Verhältnis von etwa 60:40 oder sogar 50:50 gemischt werden. Etwas Stroh kann ebenfalls beigemengt werden. Die Mischung wird mit Wasser angerührt, bis beim Mischen mit dem Spatel keine trockenen Stellen mehr auftreten und der Lehm eine breiige Konsistenz hat. Dann wird die Mischung in das Fach gegeben. Es empfiehlt sich diesen Schritt etappenweise zu unternehmen, denn der Lehm muss lange trocknen, teilweise Wochen. Zudem sollte das Insektenhotel an der mit Lehm gefüllten Stelle nicht aufliegen, da die Feuchtigkeit des Lehms auch ins Holz zieht.  Man kann die Ränder des Hotels einfach auf annähernd gleich dicke Bücher setzen.

Zimmer 5 – Schmetterlingskasten:
Das Fach wird locker mit etwas Stroh gefüllt und dann mit einer Holzdecke (13cm*20cm) versehen. Als Eingang und Ausgang für die Schmetterlinge dienen zwei Schlitze. Diese erhält man, wenn ins Brett Löcher gebohrt und diese dann mit einer Feile erweitert und verbunden werden, sodass sie den Schlitz ergeben. Ein Schmetterlingskasten muss gewartet werden, d.h. die Füllung erneuert. Die Klappe sollte deshalb nicht direkt festgenagelt werden, sondern mit Hakenschrauben festgeschraubt.

Zimmer 6 – Schilf:
Die Schilfhalme müssen passend gesägt werden. Das geht am besten in einer Schneidlade und mit der Feinsäge. Dir Röhren müssen eine Mindestlänge von 10cm haben und ein Ende sollte mit einem Knoten verschlossen sein. Dann wird etwas Holzleim ins Fach geschmiert und die Schilfröhren mit dem Knoten nach hinten hineingedrückt. Zwischendurch sollten auch die Stängel etwas mit Leim bestrichen werden.
Am besten zum Fixieren wäre Lehm, in den die Röhren einfach gedrückt werden, – man sollte aber das Gewicht der Nisthilfe im Auge behalten.

Zweites Obergeschoss
Zimmer 7 – Fichtenzapfen:
Dieses Fach wird mit Fichtenzapfen befüllt und mit Hasendraht verschlossen. Da Zimmer 8 ebenfalls mit Hasendraht verschlossen wird, empfiehlt es sich, dies in einem Zug zu tun. (Man sollte nicht zu alte Zapfen verwenden, da diese sehr schnell zerfallen.)

Dachwohnung
Zimmer 8 – Laub
Dieses Fach wird mit Laub befüllt und ebenfalls mit Hasendraht geschlossen.

Viel Spaß beim Nachbauen.
Gastbeitrag von Madeleine Renken / Wanderfalken e.V.