Kategorie: Piet Marsfeld

Auerhuhn ω Tierisch wild und leider bedroht

Auerhahn - Foto: Sven LindholmDie Turnierarena der Kampfläufer wird oft Balzplatz genannt. Doch dieser Ausdruck stammt von den Auerhühnern. Während die Kampfläufer ein fast geräuschloses Schauspiel veranstalten, ergehen sich die Auerhähne in einer Fülle von Geräuschen. Sie balzen.

Auf den offenen Heideflächen oder tief in den Heidehügeln haben sie ihre Plätze, die sich, wie man weiß, von Generation zu Generation vererben können, länger als ein Menschenalter währt. Sie sind anscheinend seßhafter als die Kampfläufer, von denen man bisher nur weiß, daß sie einen Platz bis zu sechs Jahre hintereinander benutzt haben.

Früh im März beginnt das Balzspiel der Auerhähne. In der ersten Morgendämmerung hört man ein lebhaftes Kullern und blubberndes Gurgeln, das in Seufzer übergeht und dann mit heiserem Zischen abbricht. Ihre Kehllaute kann man mit dem Krächzen des Raben oder mit dem Meckern der Ziegen vergleichen. Man sagt, daß die Vögel den in Jütland gebräuchlichen Namen Orrhahn bekommen haben, weil ihr Balzruf wie orr orr klingt. Doch in Wirklichkeit besteht der Gesang des Auerhahnes nicht aus einem einzelnen Laut. Bald klingt er wie ein schwacher Eselsschrei, bald wie Fröschequaken, er ist nach allen Seiten zu hören, noch bevor man die Vögel sehen kann. Aber jedesmal, wenn das Kullern mit dem Zischen abbricht, weiß man, daß an der Grenze ihrer Territorien zwei Vögel einander genau gegenüber hochfliegen. Jeder Hahn hat seine eigene Domäne, die viel größer ist als der gemeinsame Platz der Kampfläufer. Sie unterscheiden sich von den Kampfläufern auch dadurch, daß sie nicht gemeinsam kämpfen. Der einzelne Vogel kämpft seinen eigenen Kampf an der Grenze seines Gebietes.  Wenn es hell wird, sieht man die Hähne mit zitterndem, leierförmigem Schwanz, in dem die Deckfedern aufgerichtet stehen wie weiße Spiegel. Die Hautfalten über dem Schnabel sind mit Blut gefüllt und recken sich aufrecht wie feuerrote Kämme. Die sausenden Schwingen schleifen über die Erde, und mit einwärts gerichteten Zehen trippeln die Hähne voreinander her, bis sie zornig in die Luft fliegen und mit offenen Schnäbeln zischen. Sie halten sich nicht so lange oben wie die Kampfläufer, sondern gleiten schwerfällig auf die Erde, dann fliegen sie wieder hoch. Manchmal geraten sie aus dem Takt, dann ist einer oben, der andere unten. An fünf oder sechs verschiedenen Stellen im Heidekraut kämpfen je zwei Vögel miteinander, und ihr Balzen dringt weit über die Heide. Das ruft die Hennen herbei, und wie bei den Kampfläufern sind sie es, die die Wahl treffen und sich ihre Gefährten unter den Hähnen wählen, die Besitzer eines Gebietes sind.

Auherhahn & Henne - Foto: Ruth LeiboldtSchon bald aber hört aller Zusammenhalt zwischen Henne und Hahn auf. Die Hennen verschwinden in der Heide, um Nester zu bauen, während die Hähne ihren Balztanz noch lange fortsetzen. Ober den Zweck dieses Nach-Tanzes sind sich die Zoologen nicht einig. Einige meinen, der Tanz sei das eigentliche Leben des Hahnes, er liebe ihn so sehr, daß er nicht aufhören könne, selbst wenn er ein Weihchen errungen habe. Andere behaupten, der Tanz gehe weiter, damit das Weibchen vielleicht noch einmal angelockt werde. Was davon stimmt, weiß bis heute wohl keiner. Das Verhalten und Leben der Auerhühner birgt noch viel Unerforschtes.

Bei anderen Vögeln in anderen Weltteilen gibt es ein ähnliches Spiel, das auf eigene Art entstanden ist. Die Natur wiederholt ihre Einfälle, doch jedesmal erfindet sie neue Einzelheiten. Noch prächtiger als unser Auerhahn sind seine amerikanischen Verwandten, die auf den großen Salzsteppen inmitten der Rocky Mountains leben. Es gibt verschiedene Arten, doch am merkwürdigsten ist der Salbei-Auerhahn „Sage Grouse“, der von den Blättern der Salbeibüsche in diesen Steppen lebt.

Die Balzplätze dieses Vogels erstrecken sich über große Flächen. Jede Einzelheit im Federkleid des Salbei-Auerhahns ist zum Imponieren geschaffen. Wenn er balzt, steht der Schwanz aufrecht wie ein Fächer, die Flügel wölben sich um den Körper wie ein Panzer, und ein mächtiges Kissen heller Federn liegt über der Brust und gibt dem Vogel ein Aussehen voller Kraft und Mut.

Man kann mehrere Hundert solcher aufgeplusterten Gestalten, jede wie mit einem Panzer und gezogenen Lanzen ausgerüstet, jnit rhythmischen Tritten umhertanzen sehen. Sie begnügen sich dabei nicht nur mit Kehllauten. Alle paar Schritte hin und zurück werfen sie den Kopf nach hinten, während die steifen Nackenfedern gegen die ausgebreiteten Flügel streifen. Das hört sich jedesmal an wie brausender Wellenschlag, und unaufhörlich wird es wiederholt.

Auerhahn - Foto: Piet Marsfeld
Fotos: Piet Marsfeld

Auf der Brust tritt die Speiseröhre wie zwei Luftsäcke hervor, die ständig gefüllt werden. Nach drei Atemzügen entleeren sie sich mit einem Geräusch, als wenn Steine ins Wasser fallen. Diese scharfen Blubbertöne hört man regelmäßig zwischen den „Wellenschlägen“. So imponieren sich die Hähne gegenseitig und halten sich im Abstand. Geschieht es trotzdem, daß ein Vogel von den Büschen aus, die den Balzplatz umgeben, eindringen will, um sich einen Platz zu erkämpfen, dann rücken die beiden Rivalen dicht zusammen und schlagen kräftig mit den Flügeln gegeneinander. Der Staub der trockenen Steppe wirbelt um sie, es können ein paar Federn fliegen — doch ehe größerer Schaden geschehen ist, zieht sich einer von beiden zurück. Bei Sonnenaufgang kommen dann die Hennen, um sich einen Partner zu suchen.

Der Irbis aka Schneeleopard Ω Ein schützenswertes Wesen

snow-leopard-725384_1280_steffiheufelderDer Irbis wird auch Schneeleopard genannt, doch ist er eigentlich gar kein Leopard, obwohl er ihm ähnelt. Sein rauchgraues Fell ist schwarz gefleckt, die Wolle lang und flauschig, besonders am Bauch, wo sie bis zwölf Zentimeter lang werden kann. Der Irbis kommt im Altai, Pamir und Tienschan vor, in Tibet, im Himalaja und in der Mongolei. Im Sommer ist er in viertausend, ja sogar noch in sechstausend Meter Höhe anzutreffen. Im Winter kommt er, den Herden der Huftiere folgend, stellenweise bis auf sechshundert Meter Höhe herunter.
Das Revier eines Irbisses ist groß, andere Artgenossen gelten als Rivalen und werden darin nicht geduldet. Gehen Schneeleoparden gemeinsam auf Jagd, so sind es Männchen und Weibchen oder auch ein Weibchen mit herangewachsenen Jungen. Gewöhnlich halten sie sich im Rhododendrondickicht, auf alpinen Matten und auf kahlen Felsen an der Schneegrenze auf.

snow-leopard-725389_1280_steffiheufelderStundenlang lauert der Irbis auf oder unter einem Felsen Schneeschafen und Wildziegen auf. Ganz allgemein aber ist er ein universeller Jäger: Er schlägt alles, von Mäusen bis zu Yaks. Er schleicht sich an die Beute an und stürzt sich dann in gewaltigen Sprüngen auf sie: Sechs Meter und weiter kann ein Irbis in einem Satz wie ein Vogel über den Boden dahinfliegen.
Irbisse jagen in der Dämmerung und nachts, selten bei Tage. Sic ruhen in Höhlen, in Felsspalten, manchmal sogar in verlassenen Horsten von Geiern auf niedrigen Bäumen. In der Zeit von April bis Juni bringt das Irbisweibchen zwei, drei, selten fünf Junge zur Welt. Die ersten Tage krabbeln diese, eng aneinander geschmiegt, auf der weichen Wolle umher, die die Mutter sich vorher am Bauch ausgezupft und mit der sie die ganze Höhle ausgekleidet hat, was bei Katzen selten ist. Am wehsten bis neunten Tag öffnen sich die Augen der Jungen, und zehnten Tag tappen sie auf unsicheren Beinen umher, ohne jedoch dabei die Höhle zu verlassen.
Der Irbis hat einen sehr langen und sehr buschigen Schwanz, wie kein anderes Raubtier ihn hat. Früher fragte man sich, wozu so ein Luxus wohl gut sei. Doch dann zeigte sich, dass der Natur auch hier kein »Konstruktionsfehler« unterlaufen ist. Wenn Irbisweibchen mit seinen Jungen ruht, presst es diese an sich und bedeckt sie von oben noch mit dem Schwanz wie mit einer Daunendecke. Dort, wo die Irbisse leben, ist es nämlich empfindlich Zwei Monate nach der Geburt verlassen die Irbisjungen zum ersten Mal vorsichtig ihre Höhle. Vor ihrer Behausung empfangen sie die Mutter mit der Beute, sie zanken sich darum und reißen einander die Fleischstückchen weg. Im Juli/August gehen sie der Mutter zusammen auf die Jagd. Kommt der Winter, überlässt die Mutter die jungen Irbisse nicht sich selbst. In der Regel leben sic alle zusammen. Möglicherweise gesellt sich auch der Vater ihnen, im Zoo jedenfalls kümmert er sich um die Kleinen.

snow-leopard-725385_1280_steffiheufelderSeines schönen dichten Felles wegen wird der Irbis überall gejagt. In der Sowjetunion und in Indien ist er zwar schon seit langem gesetzlich geschützt, doch Irbisfelle gelangen trotzdem den Weltmarkt, obwohl die internationalen Handelsorganisa(Ionen dpn Verkauf solcher Felle verboten haben. Der Irbis ist fast so groß wie ein Leopard, ein altes starkes Tier kann fünfundsiebzig Kilogramm wiegen, meist aber bringt der Irbis nur die Hälfte auf die Waage. Körpergröße und einige Besonderheiten stellen ihn in die Nähe der Großkatzen (von Tigern, Löwen und Leoparden), doch hat er auch einiges von den Kleinkatzen. Zum Beispiel schnurrt er, wenn er guter Laune ist, wie es auch Puma und Nebelparder tun. Einige Zoologen bezeichnen Nebelparder, Puma und Schneeleopard als  Kleinkatzen. Heute dürften insgesamt nicht mehr als tausend Irbisse leben.

Blinde Instinkte – Ungewöhnliches im Alltäglichen

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In geschlossener Formation bewegen sich auf der Suche nach Futter die Raupen der Kiefernprozessionsspinner. Dicht aufgerückt folgt jede Raupe der vor ihr kriechenden, wobei sie diese mit ihren Härchen berührt. Die Raupen sondern dünne Spinnfäden ab, die den Nachfolgenden als eine Art Leitseil dienen. Die Leitraupe führt diese ganze hungrige Armee auf neue »Weideplätze« in die Wipfel von Kiefern.
Der namhafte französische Naturforscher Jean Fabre hat einmal den Kopf der vordersten Raupe an den »Schwanz« der in der Kolonne geschoben. Die bisher vordere ergriff das »Leitseil« und verwandelte sich sogleich aus einem »Anführer« in einen »Gemeinen«, folgte jener Raupe dichtauf, mit der sie jetzt Kontakt hatte. Kopf und Schwanz der Kolonne waren so  miteinander verbunden, und die Raupen krochen nun sinnlos im Kreise am Ort – am Rand einer großen Vase entlang. Warum konnten sich die Raupen nicht aus dieser unsinnigen Situation befreien‘? Man legte Futter neben sie, aber sie beachteten es gar nicht.
Eine, zwei Stunden vergingen,. es vergingen Tage, die Raupen aber krochen und krochen wie unter einem Bann immerfort ihre Runden. Eine ganze Woche zogen sie so ihre Kreise, dann zerfiel die Kolonne: Die Raupen waren derart entkräftet, dass sie sich nicht mehr weiterbewegen konnten.

Mistkäfer - Foto: zdenetMistkäfer haben viele Leute schon einmal gesehen, aber nicht  jeder hat sie bei der Arbeit beobachtet. Die Mistkäfer formen aus Kot Kugeln und rollen sie mit den Hinterbeinen —vornweg die Kugel und hinterher im Rückwärtsgang der Käfer. Die Kugeln aus Kot minderer Qualität, wenn man so sagen will, dienen dem Käfer als Nahrung. Er vergräbt eine solche in einer kleinen Höhle, kriecht selbst hinein und bleibt dort mehrere Tage sitzen, bis er die ganze Kugel aufgefressen hat.
Für die Frnährung der Larven wählen die Käfer den besten Mist vorzugsweise Schafsmist. Seinetwegen tragen sie regelrechte Kämpfe aus und stehlen fremde Kugeln. Hat einer sein Eigentum erfolgreich verteidigt oder dem Nachbarn die Kugel weggenommen, rollt er diese schnell weg. Der Käfer verfügt über erstaunliche Kräfte. Selbst wiegt er nur zwei Gramm, die Kugel aber kann bis zu vierzig Gramm schwer sein.  Der englische Verhaltensforscher R. W. Hingston hat die Fähigkeiten von Mistkäfern folgendermaßen getestet: Zwischen eine kleine Höhle und einen Käfer, der gerade seine Kugel auf sie zu rollte, stellte er ein Stück steifes Papier, das nur zwei Zentimeter über den Höhleneingang hinweg ragte. Die Käfer (Hingston unternahm diesen Versuch mit vielen Käfern) stemmten sich gegen das Hindernis und versuchten, es zu durchbrechen. Nicht einer von ihnen kam darauf, das Blatt Papier seitlich zu umgehen. Sie gingen stur auf die Barriere los und versuchten, sie zu durchlöchern. Drei Tage lang stemmten sie sich mit aller Kraft gegen das Papier, am vierten ließen viele, da sie sich nicht auf direktem Wege zu ihrer Höhle durchschlagen konnten, ihre Kugeln im Stich. Einige allerdings setzten das nutzlose Unterfangen auch noch die folgenden Tage fort. Nun ja, Käfer sind, so wird manch einer vielleicht meinen, eben dumm.
Da scheint die Tätigkeit von solitären Wespen schon einen überdurchschnittlichen »Verstand« zu erfordern. Sie machen auf die verschiedensten Insekten Jagd (viele auch auf Spinnen), lähmen ihr Opfer durch einen Stich mit dem Stachel und tragen es zu ihrer Höhle. Dort legen sie auf dem Körper des so konnservierten Beutetiers ihre Eier ab und verscharren es. Mit diesen geschickten Chirurgen« hat Hingston ein höchst einfaches Experiment unternommnen, das zeigt, wie starr hier der Verhaltensablauf ist.
Aus dem unterirdischen Versteck, in dem die Wespe ihr Opfer mit dem Ei abgelegt hatte, holte er sowohl die Beute als auch das Wespenei heraus, als die Wespe die Höhle gerade verschließen wollte. Hatte sie bemerkt, dass das Versteck leer war? Keineswegs.
Als ob nichts geschehen wäre, schüttete sie das leere Erdloch zu. Eine der Wespen bei diesem Experiment trat beim »Versiegeln« ihrer Vorratskammer in dem Durcheinander sogar auf das zuvor von ihr herangebrachte und von Hingston aus der Höhle herausgenommene Beutetier, beachtete dieses aber überhaupt nicht und arbeitete unbeirrt weiter an ihrem Erdloch, obgleich diese Arbeit ja nun völlig sinnlos geworden war. Mörtelbienen bauen ihre Nester gewöhnlich auf Bäumen und tarnen diese so geschickt im Farbton der Borke, dass sie kaum auszumachen sind. Mitunter aber errichten sie ihre Wohnstätten auch in Häusern, zum Beispiel an einer polierten Kaminverkleidung oder auch an der Holztäfelung eines Zimmers. In diesem Fall gereicht ihnen ihre übliche Tarnung jedoch nur zum Schaden, da sie farblich vom Ton des polierten Holzes abweicht. Begreifen die Mörtelbienen, daß sie hier ihre übliche Tarnung unterlassen müssen ? Nein. Einem inneren Antrieb und nicht dem Verstand folgend, nehmen sie wie gewohnt ihre Tarnung vor, die allerdings in diesem Falle das Nest sehr auffällig macht.
Wollkrabbe_kleinTarnung ist auch bei der Wollkrabbe, der Dromia, Brauch. Ausgewachsene Krabben tragen ständig ihre »Tarnhemden«. Die einen bedecken sich oben mit einer auf dem Meeresgrunde auf-gesammelten Muschelschale, andere schmücken ihren Rücken mit einem Schwamm. Es gibt auch Krabben, die geschickt mit den Scheren kleine Zweige von Wasserpflanzen oder Hydroidpolypen abrasieren und sie sich »aufpflanzen«, wobei sie sie mit den Hinterfüßen festhalten. Urplötzlich wird so aus einer Krabbe ein Busch!
Im Aquarium sammeln die Dromia, falls es dort weder Wasserpflanzen noch Polypen gibt, jedweden Abfall und legen ihn sich ebenfalls auf den Rücken. Gibt man farbige Stoffstückchen, es können sogar rote sein, in das Aquarium, sammelt die Krabbe auch diese auf und schmückt sich obenauf mit ihnen. So kommt es zu einer Enttarnung, doch die Krabbe »weiß« das nicht.

Viele Vögel lassen sich leicht folgendermaßen irritieren: Man braucht in ihrer Abwesenheit nur ihr Nest zur Seite zu rücken. Zurückgekehrt, suchen sie dieses an der alten Stelle, wobei sie ihr eigenes Nest, das lediglich ein, anderthalb Meter weit von seinem früheren Standort entfernt wurde, völlig ignorieren. Wird das Nest an die Stelle zurückversetzt, wo es sich vor dem Experiment befunden hat, benutzen die Vögel es unbeirrt weiter. Wird das Nest nicht zurückversetzt, bauen sie ein neues.
dunnock-100008_640_Heckenbraunelle_HansVögel kennen auch ihre eigenen Eier schlecht. Adler, Enten und Hühner beispielsweise können einen beliebigen Gegenstand bebrüten, sofern er nur annähernd wie ein Ei geformt ist. Schwäne versuchen sogar, Flaschen anzubrüten, Möwen Steine und Tennisbälle, die man ihnen anstelle ihrer Eier in ihre Nester gelegt hat.
Man hat die Eier im Nest einer Gartengrasmücke gegen die Eier eines anderen Singvogels, der Braunelle, ausgetauscht. Daraufhin legte die Gartengrasmücke ein weiteres Ei, das den anderen Eiern im Nest überhaupt nicht ähnelte. Die Gartengrasmücke betrachtete interessiert das »verdächtige« Ei und warf es hinaus. Sie hielt es für ein fremdes!
Auch die Kuh kann nicht immer ihr Neugeborenes von einer groben Nachahmung unterscheiden (später verwechselt eine Kuh ihr Kalb allerdings mit niemandem und nichts mehr!). Der britische Zoologe Frank Lane schreibt dazu folgendes : Einer Kuh wurde ihr Kalb weggenommen, und die Mutter schien es sehr zu vermissen. Als Ersatz stellte man ihr den mit Heu ausgestopften Balg eines Kalbes in den Stall, Die Kuh beruhigte sich und begann die grobe Imitation zu belecken, und das mit so großer Zärtlichkeit, dass die ausgestopfte Kalbshaut zerriss und das Heu herausfiel. Da fraß die Kuh seelenruhig das Heu und nach und nach so ihr ganzes »Kalb« auf.

Ratten werden zu den »klügsten« Nagern gezählt. Wie es mit ihrer »Klugheit« bestellt ist, zeigt folgende für uns lustige Episode :
roof-rat-961502_640cwhiteharpEine weiße Ratte war mit dem Nestbau beschäftigt. Vom Baufieber gepackt, durchstöberte sie auf Suche nach geeignetem Materialden Käfig und stieß plötzlich auf ihren eigenen langen Schwanz. Sofort packte die Ratte ihn mit den Zähnen und trug ihn ins Nest. Danach ging sie aufs neue auf Suche, den Schwanz zog sie dabei selbstverständlich hinter sich her. Die Ratte »fand« ihn ein zweites Mal, trug ihn ins Nest, und das wiederholte sich sage und schreibe zwölfmal. Jedesmal, wenn die Ratte auf ihn stieß, ließ ein sturer innerer Antrieb sie diesen einer kleinen Rute ähnlichen Gegenstand aufnehmen. Und doch sieht es so aus, als hätte man im Tierreichein vernunftbegabtes Wesen gefunden! In Amerika lebt die kleine Wüstenratte Neotoma albigula. Kein Raubtier wagt sich in ihre Höhle, denn in den Wänden stecken Dornen, deren Spitzen zum Eingang gerichtet sind. Diese stachligen Barrieren baut die Ratte selbst. Sie klettert auf einen Kaktus, nagt die Dornen ab, trägt sie zu ihrem Loch und rammt sie mit den Spitzen zum Eingang zu in die Wände. Wenn das kein kluges Verhalten ist!
Man gebe der Neotoma aber statt der Kaktusdornen andere spitze Gegenstände, beispielsweise Stecknadeln oder kleine Nägel, die ja die Kaktusdornen als Mittel zum Versperren durchaus ersetzen könnten, aber darauf kommt die Neotoma nicht. In ihrem Verhaltensprogramm ist festgelegt, nur Kaktusdornen zubenutzen. Doch da taucht ein gewandter Räuber auf, ein Skunk. Die Neotoma nimmt Reißaus und flüchtet instinktiv zu ihrem Loch.
Das aber ist weit! Sie macht kehrt und versteckt sich flink im stachligen Kaktusdickicht.

Wie das? Wieso kann ein Tier, das doch gerade seine totale Unfähigkeit zu »vernünftigem« Handeln demonstriert hat, bei Gefahr jedoch den besten Weg zu seiner Rettung wählen?
Diese scheinbare Unvereinbarkeit im Verhalten von Tieren vermochte der bekannte russische Physiologe Iwan Pawlow zu erklären. Er stellte fest, dass das Verhalten höherer Tiere nicht nur von Instinkten gesteuert wird. Wirbeltiere und einige Wirbellose verfügen nämlich über die Fähigkeit, sich Fertigkeiten, die sie sieh als Lebenserfahrungen erworben haben, gut einzuprägen. Vielleicht hat sich die Wüstenratte zufällig einmal vor einem Raubtier unter einen Dornbusch gerettet und dann auch in der Folgezeit im Notfall hier Zuflucht gesucht. Bei dem Tier, so behauptet Pawlow, hat sich im Gehirn ein bedingter Reflex herausgebildet, in diesem Falle also eine Art Erinnerung daran, dass ein Dornbusch ihm als zuverlässiger Schutz vor Raubtieren dienen kann.

Bedingte Reflexe helfen den Tieren, sich ständig wechselnden neuen Bedingungen anzupassen. Die vom Gehirn gespeicherte Erinnerung an erlebte Erfolge und Misserfolge befähigt das Säugetier, sich in veränderlichen Situationen besser zu orientieren.

Der Baum – Ulmen

Foto: Stefan OtteIn Schinsheim in Rheinhessen stand eine Ulme, deren Stamm einen Umfang von fünfzehneinhalb Metern hat. Das heisst, dass diesen Stamm sechzehn Schulkinder gerade umspannen können. Diese Ulme, die man das „Rathaus von Schinsheim“ nennt, ist der stärkste Baum in Deutschland und soll über tausend Jahre alt sein. Ob das Alter stimmt, mag dahingestellt sein. Aber etliche hundert Jahre alt können die Ulmen schon werden, vor allem die Feldulmen, und dazu über dreißig Meter hoch.

Ulmus minor 'Louis van Houtte' - Dyke Road Brighton GB - Foto von Ronnie Nijboer - Quelle: wikipedia

Es sind mächtige Bäume, die man zuverlässig an den immer sehr tief angesetzten Kronen, die fast den ganzen starken Stamm von unten her bis zum Wipfel bedecken, zu erkennen vermag. Die Kronen sind licht und locker, viel feingliedriger als die der Buchen und Eichen. Bei näherer Betrachtung schwindet jeder Zweifel, denn die Blätter der Ulmen haben auffallend ungleiche Hälften, von denen die eine größer und tiefer angesetzt ist als die andere. Die Feldulme, die auch Rotulme, Rüster oder Rüsche genannt wird, wurde früher besonders gern als Alleebaum angepflanzt, bildete dort wundervolle, grüne Säulengänge, die heute hier und da noch zu alten Schlössern und großen Landgütern führen. Die Feldulme wächst nämlich recht schnell, ist mit fünfzig Jahren schon dreißig Meter hoch und mehr als zwei Meter stark. Allerdings ist sie auch einer unserer anspruchsvollsten Bäume, verlangt einen guten, tiefgründigen Boden, mildes Klima, viel Wärme und Luftfeuchtigkeit. Und das ist wohl auch der tiefere Grund dafür, daß sie heute gar nicht mehr so recht gesund ist, sich bei uns einfach nicht mehr wohlfühlt, vorzeitig wipfeldürr wird und so leicht von der Ulmenkrankheit dahingerafft wird.

Großer Ulmensplintkäfer (Scolytus scolytus) - Meyers 1888

Es ist viel über das große „Ulmensterben“ geschrieben, gesprochen und gerätselt worden, bis es gelang, in einem vom Ulmen-Splintkäfer übertragenen Schlauchpilz den Urheber der Krankheit zu entdecken. Vielleicht ist die Ulme aber auch müde, glattweg lebensmüde und der Krankheit aufgeschlossen, weil ihre Zeit auf Erden abgelaufen ist. Denn die Ulme ist ein uralter Laubbaum, der schon grünte, als es in unseren Landstrichen noch Feigen-, Zimt- und Kampferbäume gab, als sich bei uns noch Palmen wiegten und die Mimose das Heidekraut vertrat.

Zeitig im März beginnt die Ulme zu blühen. Als dichte, kugelige Büschel brechen die rötlichen Blüten aus den schwarzen, noch unbelaubten Zweigen, werden vom Winde bestäubt und reifen bereits im Mai – Juni die rötlichen Nüsschen heran. Jede kleine Samennuss liegt in der Mitte eines sie allseitig umfassenden häutigen Flügels, mit dessen Hilfe sie weit davonzufliegen vermag. Hunderttausende und Millionen dieser Samennüsschen schickt die Ulme alle zwei Jahre auf die Reise, aber nur verschwindend wenige finden den guten Grund, den sie brauchen, um fortzukommen. Die Feldulme erkennt man an der längsfurchigen, dunkelgrau-braunen Borke, die in rechteckige Stücke aufreißt und an die Borke der Eiche erinnert. Die Borke der Flatterulme ist dagegen längst nicht so dick, mehr graubraun, längsrissig und blättert in flachen und gekrümmten Schuppen ab. Außerdem unterscheidet sich die Flatterulme von der Feldulme wie von der Bergu1me dadurch, daß ihre Blüten und Früchte langgestielt sind und im Winde flattern. Die Feldulme und noch mehr die Flatterulme sind Flachlandbewohner und fehlen oft bereits schon im hügeligen Mittelgebirge.

Flatterulme - Foto: Peter Bourne

Bescheidener als ihre empfindsame Schwester ist die Flatterulme, die wir deshalb auch oft in dichtverwachsenen Auwäldern antreffen. Dafür ist ihr lichtbraunes Holz aber auch viel geringwertiger als das Holz der Feldulme, das ungewöhnlich fest, zäh, schwer und dazu noch sehr schön gemasert ist. Feldulmenholz wird von der Möbelindustrie hoch bezahlt. Die Stellmacher verwenden es gern für Wagenspeichen. Ein Kind des Bergwaldes ist die Bergulme, Weißulme oder Weißrüster.

Berg-Ulme (Ulmus glabra)Bis zu einer Höhe von 1300 Metern steigt sie in den Alpen empor, ist in allen unseren Mittelgebirgen zu Hause. Es ist gar nicht so leicht, sie von der Feldulme rein äußerlich zu unterscheiden. Wir müssen schon die Blätter vergleichen, die bei ihr ein wenig größer, etwas rauher auf der Oberseite und behaarter auf der Unterseite sind. Auch die Früchte sind größer als bei den anderen Ulmen. Das Holz der Bergulme ist ebenfalls bei der Möbelindustrie wegen seiner schönen Maserung begehrt; es hat keinen schokoladebraunen, sondern einen blaßbraunen Kern. In den Bergen ist die Ulme noch verhältnismäßig gesund und wird weniger von der Ulmenkrankheit befallen wie in der Ebene. Ein Hinweis dafür, daß wahrscheinlich doch die mindere Güte unserer heute überbeanspruchten Ackerböden für das Ulmensterben mitverantwortlich zu machen ist.

Die jungen Krähen – ein Porträt von Piet Marsfeld mit einer europäischen Fabel

Der Ruf der Krähe - Foto: Privat
Der Ruf der Krähe

Es ist unglaublich viel, was eine junge Krähe alles lernen muß, ehe sie ohne die Eltern in der Welt fertig werden kann. Es ist zum Beispiel ganz ungefährlich, um die Zeit, wenn die Bauern alle auf der Wiese beim Heuen sind, zwischen ihnen herumzugehen und nach Jungmäusen und Käfern zu suchen. Dagegen muß man, wenn man im Dorfe Kirschen holen will, sich sehr dabei vorsehen. Manchmal steht ein Mensch auf dem Felde und rührt sich nicht; dann ist es gar kein Mensch, sondern eine Vogelscheuche, aber man tut doch gut, alles, was ungefähr wie ein Mensch aussieht, erst lange Zeit zu beobachten. Wenn ein Mensch sich auf dem Felde zu schaffen macht und fortgeht, und man findet dort nachher ein Stück Fleisch, das ist immer hochverdächtig. Findet man im Walde eine Eule, so darf man sie so viel plagen, wie man will; sitzt aber auf freiem Felde die große Eule auf einem Pfahle, so ist die Sache faul, denn diese Eule kann schießen.

Wenn man zu mehreren ist, muß man den Habicht fortjagen; ist man allein, so tut man gut, sich zu verstecken. Das alles und noch viel mehr lernten die jungen Krähen den Sommer über unter Führung der Alten. Sie lehrten sie, im Bogenfluge am Rande des Roggenfeldes entlang zu fliegen, eine Ähre zu haschen und abzureißen und sie, wenn ein bis zwei der milchigen Körner herausgepickt waren, fortzuwerfen und sich eine neue zu holen. Sie lehrten sie die Stellen unter den Brücken zu finden, wo selbst um die Mittagszeit das Wasser kühl ist, und zeigten ihnen die Buchten im Flusse, wo die abgestandenen Fische und die ertränkten jungen Hunde und Katzen antreiben. Sie wiesen ihnen die blauen Fliegen und die rot und schwarz gestreiften Käfer, die unfehlbar anzeigen, wo ein totes Tier oder ein Wildgescheide liegt, und machten es ihnen klar, wie man aus dem Benehmen eines Hasen oder eines Vogels erkennt, wo er seine Jungen oder seine Eier hat, und wie man es macht, dorthin, wo ein Schuß fällt, vorsichtig heranzustreichen und aufzupassen, ob man nicht ein Stück Wild findet, das dem Jäger entgangen ist. Wenn der Wind kalt von Osten kommt, ist auf dem Moore wenig zu finden, um so mehr aber, ist die Luft still und scheint die Sonne sehr warm. Wenn ein Hase klagt, kann man nie wissen, ob es ein Hase oder ein Mensch ist, der Krähen schießen will; deshalb muß man vorsichtig von hinten und in guter Deckung heranstreichen.
Der Jäger benutzt die natürliche Feindschaft zwischen Krähe und Eule zum Abschießen der. schädlichen Krähen. Er baut sich eine getarnte Hütte oder einen Erduntersland, wo er von den Vögeln nicht gesehen werden kann. Eine gezähmte Eule wird vor dem Unterstand auf eine Art Krücke gesetzt; sie ist an einem Fang mit einer dünnen Kette gefesselt. Vorbeistreichende Krähen entdecken sofort die Eule, rufen laut quarrend ihre Artgenossen herbei und stoßen „hassend1 auf die Feindin herab. Selbst die Schüsse aus der „Krähenhütte“ in den Schwärm vermögen die Angreifer nicht zu vertreiben.
Findet man ein größeres Tier, das krank ist, so hackt man ihm zuerst die Augen aus, damit es nicht fortlaufen kann. Der schlimmste Fehler für die Krähe ist die Einseitigkeit. Ist in Wald und Moor noch so viel Futter, so muß man doch ab und zu zu Felde fliegen oder bei dem Dorfe herumstöbern, damit man sich in der kargen Zeit dort zurecht findet. Wenn es irgend geht, soll sich die Krähe Gesellschaft suchen; vier Augen sehen doppelt soviel als zwei, und je mehr da sind, um so besser ist es. Der Sommer geht hin, der Herbst zieht in das Land; die einzelnen Krähenfamilien schlagen sich zu Flügen zusammen und treiben sich, bald für sich haltend, bald mit Dohlen und Saatkrähen gemischt, im Lande umher, heute in den Marschen, morgen auf den Stoppeln der Geest, übermorgen auf den Rübenfeldern des Lehmlandes, ungeheure Mengen von Drahtwürmern, Engerlingen und Mäusen vertilgend und Massen verwesender Stoffe forträumend, auch manches angeschossene Rebhuhn, manchen kümmernden Hasen überfallend und tötend. Sinkt der Abend über das Gefilde, färbt sich der Himmel rosig, dann ziehen sie, geführt von den ortskundigen Stücken, krächzend und quarrend nach einem fernen Walde, ihn noch eine Stunde lang mit dem Getöse ihrer rauhen Stimmen und dem Rauschen ihrer harten Schwingen erfüllend, bis der letzte Rosenschein am Himmelsrande erlischt und die Nacht hereinbricht. Jeder Morgen bringt dem Fluge neuen Zuzug j und um das Dreifache nimmt er zu, wenn im Winter Ostelbien, Skandinavien, Rußland und Nordasien die zahllosen Mengen von Nebelkrähen in das Land der Rabenkrähen schicken. Da wird allmählich das Futter spärlich in Feld und Wiese, Moor und Heide, und immer mehr drängen die Scharen nach den Siedlungen der Menschen, erst nach den Dörfern, dann nach den Landstädten und zuletzt zu den Großstädten, wo die Rieselfelder und Schuttplätze liegen, die allwinterlich die Tausende und Abertausende und Aberabertausende von Krähen ernähren müssen.

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Fabeln aus Europa

Die Krähen und das Pulver

Nach der Erfindung des Pulvers beriefen die Krähen krächzend eine Versammlung. In der Luft kreisend besprachen sie, wie man sich jetzt schätzten könnte vor Pulver und Flinten.

»Früher«, sagte ein alter Krähenvater, »war es möglich, sich vor dem Menschen zu hüten. Schon von ferne sahen wir, wenn ein Knabe sich zur Erde beugte, einen Stein oder Knüttel aufzuheben. Und wenn wir das auch nicht bemerkten, dann pflegten wir den Knüppel heransausen zu hören oder sahen den Stein heranfliegen und konnten uns verziehen. Selbst wenn mit Pfeilen geschossen wurde, dann war es doch immer möglich, ihnen auszuweichen, denn auch die sahen wir von Ferne heranfliegen. Aber nun haben die klugen Menschen das Pulver erfunden und sich Flinten fabriziert, nun ist’s Essig! Kaum legen sie die Flinte an, und blitz! burr! fliegt eine Handvoll einer Erbsenart, man kann nicht mehr rechtzeitig wegfliegen, man weiß auch nicht, nach welcher Seite man springen soll. Was sollen wir nun machen?«

»O weh! O weh!« krächzte der Krähenhaufe.

Aber einer von den Jungen, der weit in der Welt herumgekommen war, stand auf und sagte: »Wir Jüngeren sind besser unterrichtet und haben mehr gesehen. Wir müssen mit der Welt mitgehen! Nun hilft nichts anderes, allein auf die Nase müssen wir uns verlassen, das Pulver kann man von weitem riechen.«

»Ja! So werden wir’s machen! Die Nasen werden wir wittern lehren!« krächzten alle Krähen. Und von dem Tage an wittern sie das Pulver und lassen sich von weitem nicht beikommen.

Jean-Henri Fabre – Verhaltensforscher – InsektenForscher – Begründer der Ökologie als Wissenschaft

Jean-Henri_Fabre_peinture_anonymeJean-Henri Casimir Fabre (* 1823 in Saint-Léons du Lévézou; † 1915 in Sérignan-du-Comtat, Vaucluse) war ein französischer Naturwissenschaftler (Entomologe), Dichter und Schriftsteller, Mitglied der Académie Française und der Légion d’honneur. Er gilt als ein Wegbereiter der Verhaltensforschung und der Ökophysiologie.

Bauern, gewohnt in der kargen Welt der Cevennen zwischen Rodez und Millan ihr Brot zu finden, waren die Vorfahren Jean Henri Fabres, der wie nur wenige die großen Vorzüge der Menschen des Mittelmeerraumes, die an den Bewohnern seiner gebirgigen Teile am deutlichsten sichtbar werden, in sich vereint: Bedürfnislosigkeit, Zähigkeit, Lebensklugheit und Klarheit des Denkens. Reichtümer sind auf den steinigen Hängen der Cevennen nicht zu gewinnen, es ist ein ärmliches Land mit Roggen-, Hafer-, Kartoffel- und Hanffeldern und noch viel mehr Ödland, auf dem Schafe ihr Auskommen finden. Herren der kleinen Herden sind die Kinder des Dorfes, die mit diesem ersten Dienst frühzeitig in das arbeitsreiche Landleben hineinwachsen. Als Schaf- oder Ziegenhirt hat man viel Zeit zu müßiger Träumerei. Der junge Jean Henri ist ein sehr aufmerksamer Beobachter, nichts entgeht seinen flinken Augen, und er macht sich bald seine eigenen Gedanken über Art, Wesen und Ordnung der Gräser, Blumen und Bäume, über alles, was kreucht und fleucht. Der Pfarrer, aufmerksam geworden auf den intelligenten Jungen, gibt ihm ein paar Unterrichtsstunden in Naturkunde. Die einfache Dorfschule, zu deren Heizung jeder Schüler im Winter ein Scheit Holz mitbringen muß für den Ofen, der nebenbei auch das Futter für die Schweine des Lehrers kocht, vermittelt die ersten systematischen Kenntnisse von Pflanzen- und Tierkunde, wobei der Anschauungsunterricht durch Absuchen der Schnecken von den Gemüsebeeten des Herrn Lehrers zu dem weniger geschätzten Anschauungsunterricht gehört.

Jean_Henri_Fabre_Foto von NadarJ. H. Fabre ist zehn Jahre alt, als der Vater sein Glück in der Stadt Rodez als Inhaber eines kleinen Kaffees versucht. Um das Schulgeld zu sparen, singt Jean Henri im Kirchenchor und übernimmt das Amt des Meßdieners. Der Pfarrer gibt ihm Lateinunterricht, aber mehr noch als die Sprache, in der er als der Muttersprache auch seiner eigenen urtümlichen provengalischen Mundart bald heimisch wird, interessiert der Inhalt des lateinischen Lehrund Lesebuches: Vergils Landleben mit seinen bis ins einzelne gehenden Tierschilderungen. Nach nur dreijährigem Aufenthalt in Rodez zieht die Familie, deren wirtschaftliche Lage sich eher verschlechtert als verbessert hat, noch weiter nach dem Süden, nach Toulouse. Dort kann Jean Henri wenigstens die fünfte Klasse der Volksschule vollenden. Bald aber wird das wenige Umzugsgut wieder auf den Wagen geladen, und es geht nach Montpellier. An Schule ist nicht mehr zu denken, die Familie ist bettelarm geworden. „Und jetzt, mein Kleiner, Gott befohlen! Verdiene dir, so gut du kannst, deine Bratkartoffeln!“ Mit diesen Abschiedsworten wird der Sechzehnjährige vom Vater in die Fremde entlassen.
Auf Jahrmärkten verkauft er Zitronen, arbeitet als Erdarbeiter an einer Eisenbahnstrecke bei Nimes, muß hungern, schläft unter Brücken und verbringt eine Elendszeit, deren er sich noch nach sechzig Jahren mit Schaudern erinnert. Im Juli 1840 kommt er in Nimes mit nur drei Franken in der Tasche an und ersteht dafür statt eines guten Mittagessens die Gedichte des Bäckerpoeten Jean Raboul, denn fast noch wichtiger als die leibliche ist ihm die geistige Kost. Und darum übersieht er auch nicht den Anschlag am Rathaus, der eine Auswahlprüfung in der Provinzhauptstadt Avignon bekanntgibt. Schüler, die sie bestehen, bekommen einen Freiplatz und können Volksschullehrer werden. Fabre geht als Erster aus der Prüfung hervor, weiß endlich wieder, wie er morgen satt wird, und kann jede Möglichkeit wahrnehmen, sich in den Naturwissenschaften weiterzubilden.

Jean-Henri-Fabre-beim StudiumMit neunzehn Jahren verläßt Fabre das Lehrerseminar, um seine erste Stelle mit siebenhundert Franken im Jahr anzutreten. Beim Feldmeßunterricht, der natürlich im Freien stattfindet, sieht er, wie die Schüler — meist Bauernsöhne aus der Provinz — die Nester der Mörtelbiene öffnen und den Honig mit einem Strohhalm herausschlürfen, eine Kenntnis und Kunst, die bereits von den Jägern und Sammlern der Vorzeit geübt wurde. Fahre schaut interessiert zu,* und er möchte gern mehr wissen über dieses Tier, das bereits im 18. Jahrhundert den großen Reaumur beschäftigt hatte.
Als er in einer Buchhandlung das bekannte illustrierte Insektenbuch von Castelnau, Blanchard und Lucas findet, opfert er dafür ein ganzes Monatsgehalt seiner kleinen, nicht immer regelmäßig ausgezahlten Volksschullehrerbesoldung. Diese Ausgabe war so wenig Verschwendung wie seinerzeit in Nimes, als er sich für die letzten drei Franken den Gedichtband kaufte. Es war die Sicherheit eines Berufenen, der sich sein Handwerkszeug besorgte. Wenige Monate später hätte er das Geld allerdings wieder bitter nötig gehabt. Denn kaum volljährig geworden, heiratet Fabre die junge Lehrerin Marie Villard aus Carpentras. Aus dieser Ehe entsprießen nicht weniger als fünf Kinder.
Wohl hat der junge Ehemann inzwischen auch die Lehrbefähigung für Physik und Mathematik an höheren Schulen erworben, doch wird er erst nach längerer ungeduldiger Wartezeit seinem Examen entsprechend verwendet und bezahlt. Als er seine erste bedeutende wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, wird man in Paris auf ihn aufmerksam. Der Unterrichtsminister Napoleons III. besucht ihn in Avignon, läßt ihn nach Paris kommen, wo er dem Kaiser vorgestellt wird und das Kreuz der Ehrenlegion erhält.

Jean-Henri Fabre_am SchreibtischDen Tagen des Glücks und der Erfolge folgen schwere Zeiten. Da beginnt Fabre, seine Erfahrungen, Beobachtungen und Forschungen aus der Insektenwelt in einem zehnbändigen Werk niederzulegen, das er „Souvenirs entomologiques“ — ,Erinnerungen an Insekten‘ — nennt; fast dreißig Jahre schreibt er an diesen Büchern, die auch heute noch höchst lesenswert sind. Er spricht darin den Gedanken aus, „daß die Insekten geradeso unbewußt zweckmäßig handeln, wie etwa das Herz oder ein anderes Organ, dessen Tätigkeit der Erhaltung des Körpers dient, ohne daß es selbst ein Bewußtsein davon hat“. Die populärwissenschaftliche Buchreihe findet großen Absatz, und Fabre, der auch ein herrliches Sternenbuch geschrieben hat, steht lange Zeit im Mittelpunkt der Interessen des geistigen Frankreich. Fabre war, wie der große Darwin in der „Entstehung der Arten“ feststellte, ein „unnachahmlicher Beobachter“, aber auch ein einfallsreicher Experimentator, dessen Forschungsergebnisse teilweise bis heute Gültigkeit haben. Sein Wohnsitz Harmas in Sevignan ist heute eine vom Museum für die Geschichte der Naturkunde in Paris betreute Gedenkstätte.

Die seltsamen Käuze des Waldes

Waldkauz - Foto: Claudio Petrella
Waldkauz – Foto: Claudio Petrella

Bis gegen Mitternacht war der Himmel von geballtem Gewölk verhangen. Jetzt stößt ein steifer Nordwest in die träge dahintreibenden Wolkenherden, daß sie auseinanderstieben, als wenn der Wolf unter sie gefahren wäre. Sterne blitzen durch die aufgerissenen Lücken. Gleißend tritt der volle Mond hervor. Wie von magischem Licht getroffen, schimmern die letzten, körnigen SchneeDer Waldkauz inseln im Unterholz des Stadtwaldes. Im gleichen Augenblick setzt mit voller Lautstärke ein wahrhaft höllischer Chor ein, ertönt ein grausiges Gemisch von kreischendem Gelächter und dunklem Geheul. Schrille Pfiffe gellen, schnarchendes Fauchen mischt sich ein. Die müden Nachtschwärmer, die von den letzten Faschingsbällen heimwärts streben, sind jäh zusammengefahren und starren mit weitaufgerissenen Augen in die Wipfel. Das Grauen rinnt ihnen über den Rücken. Doch noch ehe sie eine Erklärung gefunden haben, ist der Spuk wie auf den Wink eines unsichtbaren Dirigenten schon wieder verklungen. Schwer lastet die plötzliche Stille. Leise knarren die schwarzen Äste im Winde. Dann kommt es weich und klagend aus der Tiefe des Waldes:

„Huhuhuuuu-ui-uitt!“ Ein sanftes, voller anschwellendes Echo antwortet wie eine dunkle Flöte vom Rande der beleuchteten Waldstraße her. Große Schatten schaukeln um die Wipfel, lautlos, geisterhaft. Kleine, glühende Lichtbälle funkeln auf und verlöschen.

tawny-vulture-702231_640_Maky_OrelGleich darauf bricht es wieder los! Es gellt und pfeift, schnalzt] und knappt, heult und kreischt, faucht und lacht, daß sich den ] Menschen unter der Straßenlaterne die Haare isträuhen. Zehn, zwölf, vielleicht auch zwanzig Waldkäuze sind es, die diese schauerliehen Lieder singen, die dem bleichen Mond, dem nächtlichen Wald und den Gefährtinnen ihre Sehnsucht zurufen und den nahenden Lenz verkünden. In lockeren, weichumflossenen Klumpen hocken 6ie auf den niederen Ästen, verbeugen und verrenken sich, schneiden Grimassen und glotzen glutäugig umher. Ihre großen, schräg nach \ vorn gerichteten und fest in den Höhlen sitzenden Augen zwingen sie, bei jeder Blickwendung den Kopf zu verdrehen. Und wie sie den Kopf verrenken können! Um 180 bis 270 Grad! Es sieht aus, als ob sie sich selbst den Hals umdrehen wollen. Und was für Grimassen sie dabei schneiden! Die Spaziergänger, di sich über die Eulengesänge entsetzten, würden sich vor Lachen ausschütten, wenn sie das sehen könnten. Wie die Schalksnarren^ wie lustige Papageien gebärden sich die nächtlichen Sänger. Diese koboldartige, schnelle Ducken und Aufrecken, das unermüdliche Verbeugen und Verneigen ist wahrscheinlich auch auf die besondere Art des Sehens zurückzuführen. Bei jeder Verbeugung wippt der Schwanz wie bei einer Bachstelze, sträuben sich die Kopffedern und plustert sich der Schleier auf, der die schönen Augen umrahmte Stundenlang währt das Konzert der närrischen Käuze, die der Mangel an natürlichen Nisthöhlen aus den düsteren Wäldern und eintönigen Nutzforsten unserer Zeit immer stärker in die städtischen Anlagen zieht. Hier finden sie noch die schönen, alten Bäume mit geborstenen Stämmen und faulenden Astlöchern, die in den Wäldern nicht mehr geduldet werden. Hier fühlen sie sich auch sicher und umkreisen neugierig den nächtlichen Wanderer oder verfolgen ihn von Wipfel zu Wipfel. Hier können sie sich getrost auch am Tage sehen lassen und ausgedehnte Sonnenbäder nehmen. Denn die Käuze und Eulen sind durchaus nicht tagblind. Sie fliegen im grellsten Sonnenschein mit derselben Sicherheit wie im milden Mondlicht. Und sie brauchen die Sonne wie jedes andere Lebewesen. In einem düsteren Käfig gehen sie schnell zugrunde. Vielleicht ist das Licht überhaupt die einzige „Freude“ des Eulenauges, denn in seiner Netzhaut überwiegen die helligkeitsempfindlichen Stäbchen die farbenempfindenden Zäpfchen derart stark, daß die Eulen wohl kaum Farben zu unterscheiden vermögen.

In diesen Vorfrühlingstagen können die Waldkäuze seihst am Tage keine Ruhe finden. Mögen sie das ganze Jahr hindurch auch ein ziemlich heimliches Lehen führen und sich von den hassenden Kleinvögeln vertreiben lassen, jetzt gehört der Wald ihnen. Und mag der Waldkauz sonst auch ein etwas schwerfälliger und plumper Bursche sein, jetzt ist er genau so wendig, lustig und beweglich wie der drollige Steinkauz. Die großköpfigen, kurzhalsigen, tiefgrauen Gesellen sind immerwährend in Bewegung. Sie dienern um die Weibchen, blinzeln verschmitzt, piepsen zärtlich, liebkosen sich wie die Turteltauben. Sie hacken aber auch mit dem scharfgekrümmten Schnabel nach dem lästigen Nebenbuhler, fauchen ihn an und verfolgen ihn schreiend. Zurückgekehrt, umwerben sie die spröde Schöne, kraulen ihr d’e Federn und sind so rastlos, wie jeder andere Vogel in der Balzzeit. Bis endlich jeder Kauz sein Käuzchen gefunden hat und d;e Lediggeidiebenen sich in ihr Schickaal ergeben und das Feld geräumt haben. Schon vierzehn Tage später, ganz gleich, ob der März noch mit Schnee und Frost aufwartet oder schon sonnige, warme Tage bringt, legt das Weibchen seine zwei bis drei weißen Eier. Es legt sie am liebsten in eine Baumhöhle, zur Not aber auch in ein altes Krähenoder Elsternnest. Sogar Eichhörnchenkobel und künstliche Nistkästen werden angenommen. Denn vom Nestbauen verstehen weder Herr Waldkauz noch seine Frau etwas. Sie tragen auch keine Halme, Haare und Federn zusammen, um die Kinderwiege auszupolstern. Die Eier werden, wenn nicht der alte Nestbesitzer eine Unterlage hergestellt hat, auf den nackten Boden der Höhle gelegt. Die Hauptsache ist, daß Wind und Wetter keinen Zutritt haben und daß es genügend Mäuse in der Umgebung gibt. Denn die Waldkäuze leben fast ausschließlich von Mäusen. Nur ganz ausnahmsweise greifen sie einmal einen schlafenden Vogel. Eher halten sie sich an die fetten und großen Raupen der Schwärmer und der Spinner. Volle vier Wochen brütet das Weibchen und hütet das werdende Leben so treu und brav, daß es sich eher greifen läßt, ehe es wegfliegt. Herr Waldkauz bleibt der liebevolle und aufmerksame Gatte. Reichlich trägt er seiner Frau Atzung zu und überwacht die Höhle. Ende April ist es meistens so weit. Schnell hintereinander purzeln die Küken aus den Eiern, allerliebste und äußerst drollige Kerlchen, die dicken, weißen Wollknäueln gleichen. Sie kommen mit geschlossenen Augen und Ohren zur Welt, sind aber schon quicklebendig und sperren gierend die winzigen Krummschnäbel auf. Nun muß der Wialdkauz zeigen, daß er ein erstklassiger Mäusefänger ist. Die Nacht ist zu kurz für die Jagd. Schon am frühen Nachmittag ist er unterwegs und noch in der Morgendämmerung rege. Sorglich zerreißt das Weibchen die Beute in kleine Happen und berührt damit die Schnabelwinkel der blinden Jungen. Selbst der Kauz hilft füttern. Später trägt auch das Weibchen Beute herzu. Und alle beide verteidigen ihre Brut tapfer und mutig gegen jeden Feind. Ja, sie verlassen die Jungen selbst dann nicht, wenn die Kleinen fortgetragen werden, sondern folgen ihnen und füttern sie noch im Käfig. Nach neun bis zehn Tagen öffnen die jungen Käuze die schönen, tiefdunkelbraunen, großen Augen. Jetzt sprossen ihnen auch schon die seltsamen Zwischenfedern, die auf ihrer Spitze die Erstlingsdunen tragen. In diesem Kleid erscheinen die Jungkäuze grundhäßlich und erinnern an befederte Igel. Ihr Hunger ist kaum noch zu stillen. Ununterbrochen verlangen sie nach Nahrung. Die geplagten Alten sind herzlich froh, wenn die kleine Gesellschaft endlich flügge ist und die Familie das von Mäusen ausgeplünderte Brutgebiet verlassen kann. Inzwischen ist der Mai ins Land gezogen, der Wald wird schon wieder grün, und die Wipfel sind so dicht belaubt, daß die ungeschickten Jungkäuze nicht mehr auf die Höhle angewiesen sind. Sie werden auch jetzt noch geatzt. Sdireiend melden sie sich aus den Bäumen der Umgebung, wenn es etwas zum Fressen gibt. Bald streifen sie mit den Alten weit umher, sitzen nachts gleich den Steinkäuzen vor den erleuchteten Fenstern und lehren die abergläubischen Gemüter unter den Menschen das Gruseln.

Des Ebers Nickerchen

Als Hängebauchschwein (auch Vietnamesisches Hängebauchschwein) wird eine in Südostasien aus dem eurasischen Wildschwein (Sus scrofa) gezüchtete Rasse des Hausschweins (Sus scrofa f. domestica) bezeichnet. Fotot: O. Simon
Als Hängebauchschwein (auch Vietnamesisches Hängebauchschwein) wird eine in Südostasien aus dem eurasischen Wildschwein (Sus scrofa) gezüchtete Rasse des Hausschweins (Sus scrofa f. domestica) bezeichnet.
Fotot: Piet Marsfeld

Infolge ihrer Fähigkeit zur Aufnahme sozialer Beziehungen und ihrer relativ geringen Körpermaße fanden Vertreter der Rasse in den letzten Jahren weltweite Verbreitung als Heimtiere innerhalb von Hobbyzuchten.

Die Launen der Natur – Über den Vogel Strauß – Schlangen – Löwen und das Feuer

Steckt der Vogel Strauß wirklich den Kopf in den Sand?

Entgegen anders lautenden Behauptungen in viel gelesenen Büchern wage ich zu sagen: Er tut es! Doch nicht aus Angst, wie es immer heißt, sondern wegen der Parasiten. Gewöhnlich nimmt der Vogel danach ein Sandvollbad, es muss aber nicht sein.
Hat der Strauß den Kopf in den heißen Sand gesteckt seine großen Augen geschlossen, verharrt er so eine gewisse Zeit, damit die Parasiten, von denen es in seinem Gefieder eine Menge gibt, in dem heißen Sand umkommen oder den Kopf‘ eiligst verlassen. Dann kann er die Erhitzung schließlich selbst nicht mehr aushalten, er zieht den Kopf aus dem Sand und schüttelt sich. Anschließend gräbt er sich gewöhnlich mit Kopf, Hals und Brust im Sand ein und wirbelt ihn mit den Flügeln auf. Das Sandbad dient, wie man vermutet, ebenfalls der Reinigung. in diesem Fall der Abwehr von Parasiten im Gefieder.

Fürchten wilde Tiere das Feuer?

Nein, sie fürchten es nicht! So behauptet es jedenfalls Professor Bernhard Grzimek. Er habe niemals bemerkt, so schreibt er einmal, dass Tiere eine angeborene Angst vor Feuer hätten, wie dies oft in Büchern behauptet werde. Löwen zum Beispiel gingen ruhig ganz nahe an ein Feuer heran und legten sich sogar in die noch warme Asche. Einmal hätten er und seine Leute ein großes Lagerfeuer entfacht und es sich darum herum in Liegestühlen bequem gemacht, um sich ein wenig aufzuwärmen. Da sei nur sechs Meter von ihnen entfernt eine Löwenfamilie vorübergezogen, habe aber weder den Menschen noch dem Lagerfeuer irgendwelche Beachtung geschenkt. Antilopen äsen unmittelbar am Rand eines Flächenbrandes in der Steppe; Vögel versammeln sich hier zu Scharen und machen Jagd auf Insekten, die vor dem Feuer fliehen.

Wieviel Großwild schlägt ein Löwe in einem Jahr?

Durchschnitt fünfzehn Tiere mit einem Gesamtgewicht von etwas über anderthalb Tonnen. Daraus ergibt sich, dass ein Löwe am ungefähr 4,5 Kilogramm Fleisch frisst.

Warum ist es gefährlich, in Gewässern Afrikas zu baden ?

Es gibt in Afrika Flüsse, da geht man besser nicht hinein, nicht einmal bis zu den Knien. Nicht Krokodile stellen hier die Gefahr dar und natürlich auch nicht die harmlosen Flusspferde, sondern kleine parasitäre Würmer—Bilharzien oder Pärchenegel (aus der Gattung der Saugwürmer). Vollständig ausgewachsen sind sie 1 bis 2,5 Zentimeter lang. Bilharzien durchdringen die Haut des Badenden und bahnen sich ihren Weg durch die Blutgefäße bis zu den Lungen, »rufen einen trockenen Husten« hervor. Danach dringen sie auch in Leber und Harnblase ein. Sie leben in den Venen, hauptsächlich der Leber und der Eingeweide. Sie können bis zu zwanzig Jahre alt werden und bereiten dem von ihnen befallenen Menschen quälende Schmerzen. Freilich gibt es schon Mittel, mit deren Hilfe man die Bilharzien aus dem menschlichen Organismus vertreiben kann, doch sich vor ihnen schützen kann man nur auf eine Art und Weise, nämlich die, nicht in verseuchtem Wasser zu baden.

Viele Gewässer Afrikas, besonders der Mobutu-Sese-Seko-See (Incl. der Nil, sind mit Bilharzien verseucht. Mit Exkrementen gelangen die Bilharzieneier ins Wasser. Die aus den Eiern geschlüpften Larven siedeln sich in Schnecken an. Dort verwandeln sich die Larven in Würmer, die frei im Wasser schwimmen und auf einen Wirt warten, den sie befallen können.

Welche Giftschlange ist die allerschnellste?

Fine gefährliche Schlange Afrikas ist die Mamba. Weder die Kobras noch die Vipern sind hier so gefürchtet wie diese schlanke Baumschlange. Es hat Fälle gegeben, da starben Menschen zwanzig bis (Ireißig Minuten nach dem Biss einer Mamba. Gewöhnliche Giftschlangen bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von annähernd einem Kilometer in der Stunde. Die Mamba aber entwickelt eine Schlangen einfach schwindelerregende Schnelligkeit. Auf dem  Erdboden hat man bei ihr eine Geschwindigkeit von 11,3 Kilometern in der Stunde mit der Stoppuhr gemessen. Im Geäst ist die Mamba womöglich noch schneller. Sie beißt oft ohne Vorwarnung oder mit kaum erkennbarer Drohung: Sie hebt nur wenig den Kopf, reißt den Rachen weit auf und zischt leise. Im Laubwerk ist sie ausgezeichnet getarnt (von vier oder fünf Mambaarten sind drei grün gefärbt), die recht langen Giftzähne und die nicht seltene Wahrscheinlichkeit, einer Mamba nicht nur mitten im Wald, sondern auch auf Feldern, in Siedlungen und selbst in Häusern zu begegnen, erklären hinreichend die verständliche Angst der Leute vor der Mamba überall in Afrika, wo sie vorkommt (von der Sahara bis zum Süden des Kontinents).snake-653639_1280_FotoRabe

Woher kommt das Schlangengift?

Bei Amphibien sondert die Haut das Gift ab, bei Schlangen erzeugen es Drüsen des Verdauungssystems, und zwar Speicheldrüsen! Schlangen zerbeißen und zerreißen die Beute nicht in Stücke, sondern schlucken sie im ganzen. Um den nicht zerteilten Nahrungsklumpen zu verdauen, bedürfen sie schnell wirkender, Gewebe zerstörender körpereigener Stoffe. Je eher die Verdauung beginnt, desto früher ist sie beendet. Deshalb wirken starke Fermente nicht erst im Magen, sondern schon im Maul der Schlange auf die Nahrung ein. Natürliche Auslese über Jahrmillionen hat die Effektivität der Fermente so erhöht, dass diese auch für lebendes Gewebe gefährlich wurden. Es entstand also ein Gift, anfangs schwach, dann immer toxischer!
Das Gift hat auch heute seine ursprüngliche verdauende Wirkung nicht eingebüßt. Die Jararacussa zum Beispiel verdaut eine von ihr gebissene Ratte in vier bis fünf Tagen, für eine nicht mit Gift bearbeitete (nicht gebissene) braucht sie die doppelte Zeit. Schnürt man bei einem Versuchstier die Kanäle der Giftdrüsen ab, lebt die Schlange nicht mehr lange. Weil das Gift nicht an der Verdauung beteiligt ist, verläuft diese träge und anomal, und die Schlange leidet an Stoffwechselstörung. Je toxischer ihr Gift ist, desto schneller und erfolgreicher verläuft die Verdauung und um so stabiler ist die Gesundheit des Reptils. Vermutlich ist die Funktion des Giftes als Schutz und Waffe der Schlange nur sekundärer Art. Primäre Bedeutung hat die Beschleunigung der Verdauung durch das Gift.

Wie wirkt Schlangengift?

Nach seiner physiologischen Wirkung unterscheidet man zwei Typen von Schlangengift: neurotoxisches Gift, das die Nervenzentren lähmt, und hämolytisches Gift, das die Erythrozyten und das in ihnen enthaltene Hämoglobin zerstört. Ersteres haben die Kobras, die Kraits (Bungarus) und andere Giftnattern wie auch Wasserschlangen. Besonders starke Schmerzen verursacht deren Gift nicht, und die Bissstelle schmerzt fast gar nicht, doch der Mensch klagt über Schwindelgefühl, Ohnmachtsanfälle und Atemnot. Das zweite Gift findet sich bei Vipern, Dreiecksköpfen, Klapperschlangen, der Jararaca und anderen Grubenottern. Starke Schmerzen, Blutungen, Gewebenekrosen, Schwellungen sind typisch für eine Vergiftung durch Biss dieser Schlangen. Das Gift von Vipern und Grubenottern enthält auch neurotoxische Stoffe, allerdings relativ wenige. Schließlich sind bei einigen Schlangen im Gift beide Stoffe enthalten, die fast gleich stark wirken, zum Beispiel beim Taipan, bei der Massasauga oder Kettenklapperschlange, der Gabunviper, beim Cascabel und anderen.rattlesnake-653642_1280_FotoRabe

Welche Schlange ist die gefährlichste?

Diese Frage eindeutig zu beantworten ist schwer. Der Grund hierfür ist der: Die giftigsten Schlangen der Welt sind die australische Tigerschlange, der Taipan, die Todesotter, die asiatische Königskobra, die afrikanischen Mambas, die amerikanische Klapperschlange, der Cascabel und einige Seeschlangen. Laboruntersuchungen und die traurigen Erfahrungen des tropischen Alltags liefern den überzeugenden Beweis: Fünfzig bis achtzig Prozent der von diesen Schlangen gebissenen Menschen sterben (wenn ihnen keine sofortige  medizinische Hilfe zuteil wird). Nach dem Biss einer gewöhnlichen Otter sterben nur fünf bis acht Prozent der Betroffenen. Schlangen mit einem sehr toxischen Gift sind aber nicht immer die gefährlichsten. Hier ist neben der Stärke auch noch die Dosis des Giftes zu berücksichtigen, das die Schlange in die Wunde injiziert; außerdem spielt eine Rolle, wie tief die Giftzähne  eingedrungen sind, ob sie zum Beispiel erst Kleidung oder Schuhe durchbohrt haben , ferner ob die Schlange aggressiv ist oder eiligst davon kriecht, ob sie sofort zubeißt oder erst durch Drohgebärde und lautes Zischen warnt, wie etwas die Kobra.

Spucken Schlangen?

Ja, sie spucken, und zwar meisterhaft! Allerdings nicht alle,sondern nur zwei Arten der afrikanischen Kobra, die Ringhalskobra und die Schwarzwaldkobra, sowie eine asiatische Art, die Indische Speikobra. Der Speichel dieser Schlangen ist giftig : Er enthält vier Milligramm Gift. Er schnellt aus den Kanälen der Giftzähne hervor und fliegt zwei bis drei Meter weit! Die Schlange kann bis zu dreißigmal hintereinander speien! Die Kobra zielt gewöhnlich auf die Augen des sich nahenden Menschen oder Tieres, und sie trifft genau. Freilich schleudert sie manchmal das Gift irrtümlich auf glitzernde Knöpfe, Schnallen oder Armbanduhren. Ein Treffer ins Auge ist gefährlich: Es treten starke Schmerzen, Entzündungen, vorübergehende oder irreparable Erblindung auf. Selbst wenn die Kobra das Auge verfehlt und einfach das Gesicht trifft, ist der Betroffene nicht besser dran; bei Bewohnern der Tropen hat die Gesichtshaut oft Schrunden, in die der Speichel schnell eindringt. So kann es zu einer schweren Vergiftung kommen.

Welches kleine Tier schlägt selbst Löwen und Elefanten in die Flucht?

Es ist die Treiber- oder Wanderameise! Diese Ameisen haben keinen festen Lebensraum, die meiste Zeit ihres Lebens wandern sie umher, gewöhnlich unter dem Schutz der Nacht oder der Dämmerung. Bei manchen Arten ist die Front ihrer Marschkolonnen Hunderte von Metern, bisweilen sogar einen Kilometer breit. Diesen Ameisen zu entkommen ist nicht leicht. Sie verschlingen auf ihrem Wege buchstäblich alles, was da kreucht und fleucht. Die »Soldaten« der Wanderameisen haben messerscharfe Kiefer, mit denen sie aus den Leibern ihrer Opfer Fleischstückchen herausschneiden. Selbst ein großes Tier, das in ihre Umzingelung gerät, ist in wenigen Minuten bis auf die Knochen abgenagt. »Wenn man bestimmten Meldungen glauben kann«, schreibt der amerikanische Wissenschaftler Osmond Breland, »so ist sogar einmal ein Elefant, dem die Flucht nicht rechtzeitig gelang, wie eine Maus oder Raupe umgekommen.«  Einmal haben Wanderameisen sogar einen eingesperrten Leoparden »aufgefressen« ebenso wie einen Python, der nach reichlichem Mahl nicht schnell genug war. Einen Verbrecher, den die davongelaufene Wache in einem Gefängnis zurückgelassen hatte, bissen die Ameisen zu Tode.  Im übrigen wird in vielen Geschichten die Gefahr, der sich Menschen bei Begegnungen mit Wanderameisenarmeen aussetzen,gewöhnlich übertrieben.
Bei einem Angriff von Wanderameisen auf Dörfer verlassen deren Bewohner in aller Seelenruhe ihre Häuser und begeben sich, die Angriffsfront der Ameisen umgehend, auf die Felder.
Sämtliches Hausvieh, überhaupt alle Haustiere nehmen sie natürlich mit, wobei es allerdings nicht ohne Verluste abgeht. Dafür vernichten die Ameisen in den Häusern alle Parasiten, Skorpione, Ratten, und das ist schon viel wert.ant-807265_1280_fill

Können Fische Ball spielen?

Bisher ist nur ein Fisch bekannt, der das kann: der Nilhecht Gnathonemus petersi, der heute zu einem gefragten Bewohner von Aquarien geworden ist. Wirft man einen kleinen Schaumstoffball ins Aquarium, schwimmt der Fisch sofort zu ihm hin und spielt scheinbar mit Vergnügen mit dem Ball, wobei er ihn mit dem Kopf hochstößt, dann wegschwimmt und sich von neuem auf sein Spielzeug stürzt.

Wer trinkt Wasser mit dem Schwanz?

Bei Babuin-Pavianen hat man folgendes beobachtet: Wenn sie weder mit den Händen noch mit dem Mund ans Wasser gelangen, »schöpfen« sie es mit dem Schwanz. Sie krallen sich mit den Vorderpfoten an einem Vorsprung der Uferböschung, an einer Wurzel oder einem Ast fest und bemühen sich nach Kräften, mit dem Schwanzende das Wasser zu erreichen. Hat der Pavian das geschafft, klettert er flink ans Ufer und lutscht das Schwanzende schnellstens ab, ehe es in der afrikanischen Hitze wieder getrocknet ist. Danach holt er sich auf die gleiche Weise eine neue Portion Wasser, bis er sich satt getrunken hat. Babuine kommen allerdings mit wenig Wasser aus, mit drei bis vier Gläsern am Tag. Deshalb schaffen sie es durchaus, in der beschriebenen Art ihren Durst zu stillen. Müssen sie aber nicht auf Abhängen herumklettern, um ans Wasser zu gelangen, trinken sie wie alle anderen Tiere mit dem Maul.

Welcher Papagei ist der gesprächigste?

Der anerkannt größte Sprechkünstler ist der Jako. Sein Gefieder hat hellgraue Färbung, sein Schwanz leuchtet knallrot. Man erkennt ihn sofort, Verwechslungen mit ähnlichen Papageien gibt es nicht.  Über hundert Wörter und Wendungen kann sich ein Jako merken. Vieles »spricht« er, so könnte man meinen, mit Sinn, wie etwa »Guten Morgen«, »Auf Wiedersehen« oder »Hallo«, wenn das Telefon klingelt. Viele Wörter merkt sich der Jako zehn Jahre lang und länger, auch wenn er sie niemals selbst ausspricht, als habe er sie vergessen. Jahre später aber erinnert er sich ihrer plötzlich wieder. Der Jako ist in den Wäldern Afrikas zu Hause— von Guinea und Angola im Westen bis zu den großen Seen.

Welches Tier jagt mit einem Wurfnetz?

In Afrika lebt die Spinnenart Menneus. Vor Sonnenuntergang knüpft die Menneus aus elastischen Fäden ein dichtes Netz von der Größe einer Briefmarke. Sie verbirgt sich in Zweigen und wartet auf Falter und andere dämmerungsaktive Insekten. Sobald sich ein geflügeltes »Wild« nähert, dehnt die Spinne augenblicklich zwischen ihren weit gespreizten Beinen das Netz aus und wirft es treffsicher auf das fliegende Insekt. Das gespannte Netz ist fünf- bis sechsmal größer als das nicht gespannte.spider-585063_1280_Gellinger

Wer hat das festeste Spinngewebe der Welt?

In Afrika leben die großen, leuchtend gefärbten Seidenspinnen. Die Fäden ihrer Netze sind so fest, dass sich bisweilen sogar kleine Vögel in ihnen verheddern können. Auf Madagaskar gehen die Frauen in den Wald wie zum Pilzesuchen und sammeln diese Seidenspinnen in Bastkörbchen ein. Zu Hause ziehen sie mit geschickter Hand aus den Spinnen Fäden heraus und weben sich dann aus dem goldgelben Gespinst Bänder, die so hübsch aussehen, dass Europäer von deren Anblick ganz hingerissen sind. Die Seidenspinnen sind Verwandte unserer Kreuzspinnen. Sie weben Fangnetze, die den allseits bekannten Radnetzen ähneln. Nur sind die Räder größer, und gewöhnlich fehlt die obere Radhälfte, dafür findet man an dieser Stelle eine weitmaschige Gespinstkuppel, einen Schutz vor Feinden, von denen das dicke, »appetitlich« aussehende Seidenspinnenweibchen viele hat. Seidenspinnen fangen in ihren Netzen Insekten und fressen sie. Einige Forscher behaupten, dass sie auch mit Vögeln, die sich in ihrem Gespinst verfangen haben, ihren Speisezettel ergänzen. Unklar ist nur, wie sie die Vögel töten, ist doch das Gift der Seidenspinne nicht stark. Die Männchen der Seidenspinnen sind winzig, ihr Gewicht beträgt nur ein Tausendstel von dem des Weibchens! Die Männchen gehen nicht auf Jagd, sie fressen als Schmarotzer ihr Gnadenbrot im Gespinst des Weibchens, nähren sich also sozusagen von den »Brosamen«, die von dessen Tische fallen.

Der Baum – Pappeln

Claude Monet - Pappeln im Sonnenlicht - 1887 - Staatsgalerie Stuttgart
Claude Monet – Pappeln im Sonnenlicht – 1887 – Staatsgalerie Stuttgarttrennlinie2

Wie die Schwarzerlen den Bach, so begleiten die Pappeln die Flüsse. Denn auch sie lieben die Feuchtigkeit, brauchen einen nährstoffreichen, tiefgründigen Humusboden, wachsen ebenfalls sehr schnell und erreichen bedeutende Höhen schon in jungen Jahren.

Von unseren einheimischen Pappeln wissen seltsamerweise die meisten Menschen so gut wie gar nichts. Viel bekannter ist ihnen die schmale und gleichsam engbrüstige, die aus dem Orient stammende Pyramidenpappel, die vor allem Napoleon I. gern an markante Landschaftspunkte und längs der großen Überlandstraßen setzte, um seinen Soldaten gute Landmarken zu verschaffen. In den staubigen Ebenen und auf den Höhenzügen kämpft sie schwer um ihr Leben, bekommt bald eine dürre Spitze, verkümmert an der Windseite, treibt tief angesetzte Manschetten und schwenkt zuletzt nur noch eine traurige Wipfelfahne. In den Flussauen dagegen gedeiht sie großartig, kann einen Meter dick, über 30 Meter hoch und etliche hundert Jahre alt werden.

Pyramidenpappel - Foto: Piet Marsfeld
Pyramidenpappel – Foto: Piet Marsfeld

Sie blüht bereits im März bis April, noch vor dem Laubaustrieb.  Ihre Blätter ähneln sehr denen unserer heimischen Schwarzpappel. Im Gegensatz zu der südlichen Pyramidenpappel baut die S c h w a r z p a p p e l — wie auch alle anderen einheimischen Pappeln — eine sehr lockere und breite Krone aus kräftigen Ästen auf und stützt ihren starken Stamm mit hohen Tafel- und Plankenwurzeln. In der Erde streichen ihre Wurzeln dagegen ziemlich flach, sie vermögen dem großen Baum kaum genügend Halt zu verleihen.

In ihrer Jugend erkennen wir die Schwarzpappel leicht an der grauweißen Rinde, im Alter an der tiefgefurchten, längsrissigen und schwarz-bräunlichen Borke, die an die Eichenborke erinnert. Mit 40 bis 50 Jahren hat sie eine Höhe von 20 bis 30 Metern erreicht, verdickt dann ihren Stamm bis auf einen Durchmesser von 2 Metern und kann gut 300 bis 400 Jahre alt werden.

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Im April, noch bevor sie sich belaubt, beginnt sie zu blühen. Dann tragen die männlichen Bäume — alle unsere Pappeln sind getrenntgeschlechtlich — dickwalzige Kätzchen mit leuchtendroten Staubbeuteln, die weiblichen Bäume beträchtlich schlankere und grüngelbliche Kätzchen. Der Same reift im Juni und fliegt mit Hilfe seidigweißer Haarschöpfchen wie Schneeflocken davon.
Die lang gestielten Blätter sind fast dreieckig, oberseits dunkelgrün, unterseits mattgrün. Fast die gleiche Höhe und Stärke, Rinde und Borke, Blüte- und Fruchtzeit wie die Schwarzpappel hat ihre Schwester, die S i l b e r p a p p e l , die sich ihr oft zugesellt, sich aber auch im Moor- und im Sandboden recht wohl fühlt. Wir können sie schnell und einwandfrei an ihren handförmig gelappten, efeuähnlichen, oberseits dunkelgrünen, unterseits weißfilzigen Blättern von der Schwarzpappel unterscheiden.
Noch anspruchsloser ist die Dritte der Familie, die  Z i t t e r p a p p e l oder E s p e , die sich überall anzupassen vermag, als echte Pappel jedoch am liebsten im frischen und feuchten Boden steht. Zierlicher als ihre Schwestern, wird sie nicht älter als 150 Jahre, schließt ihr Wachstum bereits mit dem 60. Lebensjahr ab und ist dann bald kernfaul. Schon von weitem verrät sie sich durch das immerwährende Zittern und Flattern ihrer fast kreisrunden, oberseits dunkelgrünen, unterseits hellgrünen, ungewöhnlich lang und flach bestielten Blätter. Der geringste Windhauch lässt den ganzen Wipfel erbeben und sich beleben, ja, oft zittern ihre Blätter, ohne dass ein Lüftchen weht. Man nimmt an, dass sich dieser Baum in seinen beweglichen Blättern eine Art von Ventilator geschaffen hat, der sofort in Tätigkeit tritt, wenn es ihm zu schwül ist, das heißt, wenn er seine Verdunstung steigern will.

Zitterpappel - Foto: Piet MarsfeldNoch ein anderes Lebenswunder offenbart die Zitterpappel: sie hält sich eine Ameisenschutztruppe! Im Frühjahr nämlich entwickelt sie die ersten Blätter an den Zweigen durchaus nicht langgestielt und flattrig, sondern recht festsitzend und versieht sie mit zahlreichen Honigdrüsen. Dieser Honig lockt die immer auf Süßigkeiten versessenen Ameisen auf die Zweige, verführt sie zum fleißigen Zechen und lässt sie wütend die Raupen und Käfer vertreiben, die ebenso versessen auf junge Pappelblätter sind. So kann es der Zitterpappel nie geschehen, daß sie schon den ersten Laubaustrieb verliert, selbst wenn das Jahr sehr insektenreich ist und ihre Nachbarn gefährlich zerfressen werden.

Da wir in den Kriegs- und Nachkriegsjahren schwere Verluste an unserem Holzbestand erlitten haben, wird der Anbau dieser schnellwüchsigen Pappeln heute sehr gefördert. Ihr Holz ist zwar leicht und weich, wird jedoch von der Papier- wie von der Möbelindustrie gern verwendet und lässt sich sehr gut schnitzen.

Schwarzpappel

Der Baum – Birken

Fritz Overbeck - „Im März (Vorfrühling)“ von 1908
Fritz Overbeck – „Im März (Vorfrühling)“ von 1908

Schon immer ist den Menschen die schöne und helle, die feine und beseelte Birke mit ihrem leuchtend weißen und seidig glänzenden Stamm, ihren hellgrünen und glänzenden Blättern als der Bote des Lichts, des Frühlings und der wiedererwachenden Lebenskraft erschienen. Als schlanker Maibaum wandert sie um Pfingsten in die Dörfer und Städte, schmückt die Häuser, die Kirchen und verschönt die fröhlichen Sitten und Gebräuche, die sich um die Frühlingsfeste ranken.

Birkenstamm - Foto: PrivatSeit Jahrtausenden lebt die alte Sage, dass die letzte große Schlacht, der Entscheidungskampf zwischen Abend und Morgen, unter einem alten Birkenbaum ausgefochten werde. Wenn das Geklirr der Waffen verstumme, bräche das goldene Zeitalter des ewigen Friedens an.  Ebenso alt ist der Glaube, daß man die Krankheiten, an denen man leidet, auf eine Birke übertragen und sich auf diese Weise von ihnen befreien kann. Die Birkenrute gilt im Volksglauben als Lebensrute, sie bringt Segen und Gesundheit ins Haus. Man meint, dass viele starke und wundersame Heilkräfte in der Birke verborgen sind. Ihr Saft, wie ihre Rinde, ihre Knospen, wie ihre Blätter sollen viele schwere Erkrankungen, wie Gicht und Rheuma, Krätze und Ausschlag, Nierenleiden und Wassersucht günstig beeinflussen. Köstlich mundet der Birkenwein aus dem frischen Saft der angezapften Bäume; Birkensaft stärkt auch die Haarwurzeln und — davon sind viele Mädchen auf dem Lande überzeugt — vertreibt die hässlichen Sommersprossen.

Aber immer daran denken: Das unbefugte Anzapfen von Birkenbäumen wird als Baumfrevel bestraft!
Als Baum ist die Birke die Anspruchslosigkeit selbst. Jeder Boden ist ihr recht, der sandige und trockene, wie der moorige und stickige, wenn sie nur ihre Zweige und Blätter ins Sonnenlicht strecken kann. Sie besiedelt die armselige, dürre Heide wie das schwankende, düstere Moor, dringt im Norden bis nach Grönland vor und ist auf Island überhaupt der einzige Baum. Ihre schönste Gestalt erreicht sie in der uns allen wohlbekannten Hängebirke , die auch Weißbirke oder Gemeine Birke genannt wird. Sie bevorzugt die trockenen und sandigen Standorte.

autumn-landscape-993702_1280_AlainAudetIn der Jugend, in der sie nur langsam wächst, hat sie einen schlanken Stamm mit einer weißen, dünnen Korkrinde, die sich leicht schilfert und in Bändern löst. Es ist allerdings streng verboten, junge Birkenstämme um der Rinde willen zu schälen! Im Alter bekommt sie eine tiefrissige, schwarze Borke. Der Stamm geht geradschäftig bis zur höchsten Wipfelspitze hinauf. Die dünnen und biegsamen, im Winde wehenden Zweige hängen stark durch. Sie tragen lang zugespitzte, klebrig-glänzende und balsamisch duftende Blätter von einem im Frühling und Frühsommer wahrhaft festlich leuchtenden Maiengrün.

Schon Ende März beginnt sich die Birke zu belauben und gleichzeitig auch zu blühen. Die männlichen Kätzchen erinnern an die hängenden Troddeln der Haseln und Erlen, werden auch im Sommer gebildet, überwintern und strecken und dehnen sich im Frühjahr mächtig. Die bräunlichen Deckschuppen spreizen sich, und der Wind nimmt den staubartigen Samen mit auf die Reise durch die Wälder und Auen.

Bereits im Juni reifen die Fruchtzapfen, zerfallen bis zum August, und die Samen schweben als beidseitig geflügelte Nüsschen davon. Sie keimen nach zwei bis drei Wochen, nehmen mit dem geringsten Krümchen Erde vorlieb und entfalten sich unbekümmert auf Mauern und Türmen, Ruinen und Felsen. Zum erstenmal blüht die Birke zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr. Mit 50 bis 60 Jahren hat sie bereits ihre größte Höhe von 25 bis 28 Metern erreicht. Ganz selten nur wird sie älter als 100 bis 150 Jahre.

border-collie-665162_1280Das gilt auch für ihre etwas widerborstige Schwester, die Besenbirke , die es gern feucht hat, in Sümpfen und Mooren, Brüchen und Auwäldern siedelt und nicht so anmutig wie die Hängebirke ihre Zweige im Winde wiegt. Das kommt vor allem wohl daher, weil sie ihre Äste nicht durchhängen lässt, sondern sie steif und besenartig in die Luft streckt. Aus dem guten und harten Birkenholz werden wertvolle Möbel angefertigt, Holzlöffel, Holzschuhe und Gewehrschäfte geschnitzt, Holznägel für die Schuhmacher gestanzt. Mit dem Gerbstoff der Kinde wird das feine Juchtenleder bearbeitet. Die Reiser aber liefern die widerstandsfähigen Besen, mit denen die Hausfrau Haus und Hof kehrt. Die Birke wird uns also recht nützlich, obwohl sich kein Mensch um ihr Fortkommen kümmern und sorgen muss. Noch nie brauchten in unseren Wäldern die Birken gesät oder gepflanzt zu werden. Sie sind so fruchtbar und lebenstüchtig, dass sie ganz allein durchkommen.

Der Baum – Weiden in ihren vielfältigen Varianten

pasture-653623_1280_FotoRabeDie einheimischen Weidenarten zu kennen und auseinander zu halten, ist gar nicht einfach. Da gibt es, um nur einige zu nennen: Bruchweiden, Silberweiden, Mandelweiden, Lorbeerweiden, Purpurweiden, Grauweiden, Reifweiden, Korbweiden, Salweiden, Aschweiden, Ohrweiden, Schwarzweiden und Kriechweiden.
Aber alle zusammen unterscheiden sich von unseren anderen Laubbäumendurch den oft nur strauchartigen Wuchs, die häufig besenförmige Krone, die dünnen, rutenförmigen Zweige und die kurzgestielten, ungeteilten, meist schmalen und lanzettförmigen, unterseits grau-grünen Blätter.

Eine Weidenart kennt wohl jeder — die Sal- oder Palmweide. Zumindest kennt man ihre zuerst silberweißen und dann goldenen Blütenkätzchen, die schon Anfang März aus den braunen Knospenkapuzen lugen und den nahenden Lenz verkünden. Der Lockung können die frühlingssüchtigen Menschen einfach nicht widerstehen, sie müssen sich ein Sträußchen dieser Blütenzweige mit nach Hause nehmen. Es sollte jeder wissen, dass er damit ein Unrecht begeht, denn die Palmkätzchen stehen unter Naturschutz, weil sie die erste ergiebige Nektar- und Pollenweide der Honigbienen sind. Daran sollten wir denken, wenn uns im Frühjahr der Spaziergang an einem blühenden Weidenbusch vorüberführt.

Paul Baum (1859 - 1932 - Weiden am Wasser (1899)
Paul Baum (1859 – 1932 – Weiden am Wasser (1899)

Die arme Salweide wird trotz aller Ermahnungen und Hinweise jedes Jahr weidlich geplündert, und den Bienen, wie den anderen Frühaufstehern unter den Insekten, den Hummeln und Wespen, Schmetterlingen und Fliegen, bleibt nicht viel, um ihren Hunger und Durst stillen zu können. Vor allem bringen wir uns selbst mit diesem Zweigraub um ein wunderschönes Erlebnis, nämlich um den Anblick einer voll erblühten, im Sonnenlicht wie mit Gold überstäubten Weide, in der es von Insekten derartig wimmelt und kribbelt, summt und schwirrt, dass der ganze Strauch oder Baum wie eine Frühlingsorgel ertönt.
Zudem verderben wir es gründlich mit den Flechtern und Korbmachern, für die die Weidenruten bares Geld sind. Kein anderer Baumzweig ist so biegsam und läßt sich so vielseitig verwenden wie der Weidenzweig. Deshalb werden schon seit langem große Weidenkulturen angepflanzt — vor allem von Korbweiden, Purpurweiden, Silberweiden und Bruchweiden — denn der Bedarf an diesem Material steigt unaufhörlich. Weidenzweige spielen eine beachtliche wirtschaftliche Rolle, während das weiche und schwammige Weidenholz nur wenig gefragt ist.

pussy-willow-502575_640_condesignDie Weiden sind fortschrittliche Bäume, die von der „altmodischen“ Windbestäubung zur „modernen“ Insektenbestäubung übergegangen sind. Gleich den Pappeln sind sie zweihäusig, d. h. es gibt männliche und weibliche Bäume. Die männlichen Bäume tragen ovale, höchstens 3 cm lange und 2 cm dicke Kätzchen, aus denen dichtgedrängt die leuchtend gelben Staubgefäße ragen, die weiblichen Bäume dagegen bis zu 6 cm lange und nur 16 mm dicke Kätzchen mit locker und licht beieinander sitzenden Narben. Verhältnismäßig stattliche Bäume bilden hin und wieder die Sal-, Bruch- und Silberweiden. Sie wachsen sehr rasch, können eine Höhe von 10 bis 24 Metern und eine Stärke von einem Meter erreichen. Älter als 60 Jahre werden sie nur selten, dm Höchstfalle 150 Jahre. Dann sind sie aber schon lange kernfaul, morsch, tief geborsten, fast hohl, und man wundert sich, dass sie immer noch grünen und blühen.

Mittlere bis große Sträucher treiben die Mandelweide, Lorbeerweide , Purpurweide, Grauweide, Korbweide , und Aschweide . An der kleineren Buschform erkennt man die Ohr- und die Schwarzweide.  Zur Erde geduckt ist die Kriech- oder Moorweide. Einen besonders schönen Anblick bietet die rot blühende Purpurweide mit den jungen, roten Zweigen, die außerordentlich lang, dünn und zäh sind. Wir können die Sträucher, die vorwiegend in den Alpen zu Hause sind und dort die Bäche und Flüsse säumen, oft auch als Ziergehölz in den Parkanlagen und Gärten finden.

Alle Weidenarten siedeln gern in nächster Nachbarschaft der Erlen und Pappeln, also in sehr feuchtem, oft sumpfigem und moorigem Grund. Es gibt wohl nur selten einen Bach oder Fluss, Teich oder See, dessen Ufer ganz ohne Weiden sind. Oft bilden sie schier undurchdringliche Buschwälder und festigen mit ihren sehr weit streichenden Wurzeln die Ufer und Dämme.
Da die Weiden alle recht zäh und frosthart sind, steigen sie auch hoch in die Berge und wagen sich bis nach Spitzbergen und  Grönland hinauf. Dort treiben sie dann freilich nur noch winzige Zwergsträucher.
Die Weiden sind fast ausschließlich auf die nördliche Halbkugel beschränkt. Nur die Trauerweide mit den tief herabhängenden Zweigen, die wir von den Parkteichen her kennen, ist ein Gast aus China und Japan, der durch Vermittlung der Länder des Nahen Ostens zu uns gekommen ist.

Der Baum – Erlen

Illustration SchwarzerleDer einzige Baum unserer Heimat, der es wie die tropische Mangrove fertigbringt, gleichsam auf Wurzelstelzen ins Wasser zu steigen, ist die Schwarzerle, überall dort, wo sich die von den Wasserpflanzen dicht durchwachsenen Teiche und Seen in Grasmoore verwandeln, stellt sie sich ein, strebt rank und schlank empor und festigt den schwankenden Grund.

So siegreich ist ihr Vordringen, dass die von ihr besiedelten Flachmoore in wenigen Jahren großen Buschwäldern gleichen und sich in dichte Erlenbrüche verwandeln. In diesen Brüchen vermögen bald auch Weiden, Moorbirken und Moorkiefern zu leben. Haben die Neulinge Fuß gefaßt, hat die Schwarzerle ihre Aufgabe bereits erfüllt, erstickt in der starken Torfschicht und kehrt wieder zu ihrer angestammten Lebensstätte, zu den Bächen und Flüssen, zurück. Hier steht sie dicht an den Ufern, denn sie liebt die Nässe und das rieselnde Wasser, braucht den tiefgründigen, mineralreichen und immerfeuchten Boden. Es gibt kaum einen Bach und kaum einen Fluss, den sie nicht begleitet, vorausgesetzt, dass der Wasserlauf nicht künstlich befestigte und begradigte Ufer hat. Und sie ist auch nicht leicht zu verdrängen, selbst wenn sie gefällt oder zurückgeschnitten wird. Ihre Stümpfe schlagen immer wieder aus, und ihre Ruten bilden dichte Büsche. Die Schwarzerle wächst sehr schnell, ist mit zwanzig Jahren schon 20 bis 25 Meter hoch, kann eine Höhe von 33 Metern und ein Alter von 100 Jahren erreichen. Der schlanke Stamm — meist nicht stärker als einen halben Meter — verläuft geradlinig bis zur höchsten Spitze des Wipfels. Die schwachen Äste strahlen in ziemlich großen Abständen aus und bilden eine längliche bis pyramidenförmige, lichte und lockere Krone. Der Stamm ist in der Jugend dunkelschokoladebraun und bekommt im Alter eine schwarz-braune Borke.

alnus-glutinosa-848856_1280_SchwarzerleZu blühen und zu fruchten beginnt die Schwarzerle bereits zwischen dem 12. bis 20. Lebensjahr. Ihre langgestielten Kätzchen legt sie schon im Sommer an, lässt sie überwintern und streckt sie im zeitigen Frühjahr, im Monat März, noch vor dem Laubausbruch. Dann spreizen sich die violettbraunen Deckschuppen, quellen die goldgelben Staubbeutel und die roten Narben hervor, und der Wind besorgt die Befruchtung.  Im April entfalten sich die wechselständigen, verkehrt eiförmigen, grob doppelgezähnten, oberseits glänzend dunkelgrünen, unterseits helleren Blätter, die in ihren Nervenwinkeln zarte, rostfarbige Bärtchen tragen. Und bald entwickeln sich die eiförmigen, zuerst graugrünen und etwas klebrigen, später dunkelbraunen und unverholzenden Fruchtzäpfchen mit den glänzendbraunen, flachen und rundlichen oder fünfeckigen Samennüsschen, die nur sehr schmale Flügelränder haben. Der Same reift im September bis Oktober, fliegt manchmal schon im Spätherbst aus, bleibt aber meist bis zum Februar oder März am Baum und keimt dann bereits nach vier bis sechs Wochen. Die entleerten, schwarzen und holzigen Fruchtzäpfchen bleiben noch bis zum Sommer an den Zweigen und machen es uns sehr leicht, die Schwarzerle einwandfrei zu bestimmen.

Ihr Holz, das sich an der Luft schnell gelbrot verfärbt und dunkle Zonen aufweist, ist nicht viel wert, ist zu weich, brennt schlecht, bleibt aber im Wasser geradezu unbegrenzt haltbar und wird deshalb gern bei Wasserbauten und als Grubenholz verwendet. Die durstige Schwarzerle hat eine „trockene“ Schwester: die kleinere und zartere W e i ß – oder G r a u e r l e . Im Gegensatz zu der Schwarzerle siedelt sich die Schwester lieber auf flachgründigen und steinigen Hängen an und fühlt sich auf allen Ödländern wohl. Dem kargen Grund entsprechend ist ihr Stamm häufig krumm; sie hat einen sogenannten Spannrücken, bleibt selbst klein und wird nur selten über 50 Jahre alt. Ihre Rinde ist zuerst graubraun, später glänzend silbergrau und verwandelt sich nicht in eine starke Borke. Die Weiß- oder Grauerle blüht oft schon im Februar, hat unterseits graugrüne und filzig behaarte Blätter und trägt kleinere Fruchtzäpfchen mit größeren Samennüsschen.

Picture by Andrea Moro - Courmayeur, pendici del Monte Bianco., AO, Valle d'Aosta, Italia,
Foto: Andrea Moro – Courmayeur, pendici del Monte Bianco., AO, Valle d’Aosta, Italia

Die dritte im Bunde ist die hoch in die Berge kletternde G r ü n e r l e, die Nachbarin der Latsche oder Legföhre, die sich vor Sturm und Wetter tief auf den Boden duckt und mit einem höchstens prügelholzstarken Stamm aufwarten kann. Sie wird meistens nur ein Strauch von 25 bis 50 Zentimeter Höhe, kann günstigstenfalls auch einmal bis drei Meter hoch werden, hat in der Jugend kleine, klebrige Blätter und blüht erst im Mai bis Juni. Sie liebt die feuchten und schattigen Nordhänge der höchsten Berge und bildet hier ein wichtiges Schutzgehölz gegen Steinschläge und Lawinen.

Warum ich Jäger bin – ein Weidmann erzählt

Franz von Defregger - Jäger - um 1900
Franz von Defregger – Jäger – um 1900

Ich bin als Junge schon immer viel im Wald gewesen, damals nannte man das noch einfach „Kind im Wald“… Viele natur- und tierkundliche Bücher habe ich damals verschlungen, Froschlaich umgesiedelt, Nisthilfen gebaut, im Wald biwakiert, mehrere Biotope mit angelegt und oft mit meinem Opa (Jäger) lehrreiche Zeit im Wald verbracht.

Später kamen dann noch Bücher von Jo Bentfeld, Nehberg und Buzek als Erstanschaffungen in meine eigene kleine Bibliothek, so dass ich von einem Selbstversorgerleben träumte. Damals schon reifte in mir der Gedanke, später Jäger zu werden, und zwar noch ohne, dass ich bis dahin überhaupt mal eine Waffe in der Hand hatte. Ich fand nur das Drumherum (Hege, Wissen über die Naturzusammenhänge, geschärfter Beobachtungssinn,…) so faszinierend. Beutetrieb hatte ich auch noch keinen. Es ging mir einzig um das Wissen und die Fertigkeiten. Das Beutemachen kam erst, als ich den Jagdschein bereits hatte, dann kam auch erst der Ernährungsaspekt. Den Jagdschein habe ich auch wegen eines längeren Auslandsaufenthaltes gemacht, was sich im Nachhinein als sehr richtig herausstellte.

Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage:Weiterlesen

Piet Marsfeld – Umwelt – Natur – Technik

Piet Marsfeld - Autor - Umweltwissenschaftler - Umweltschützer
Piet Marsfeld – Autor – Umweltwissenschaftler – Umweltschützer – Foto: Privat

Piet Marsfeld studierte Umweltwissenschaften in Lüneburg und engagiert sich seit Jahren im Umweltschutz. Derzeit nimmt er an einem Großprojekt zum Thema Getreideanbau teil. Thema: Weg vom Weizen. Reaktivierung alter Getreidesorten und die Möglichkeiten diese in unserer Ernährung stärker zu integrieren.  Dazu hält er sich überwiegend in Griechenland, Ungarn und Schweden auf. 
Seine Motivation für unser Magazin zu schreiben: Piet ärgert es, dass wir immer mehr den Kontakt zur Natur verlieren. Viele Kinder glauben, dass unser Fleisch schon immer in der Platikverpackung war und können sich nicht vorstellen, dass diese Teil eines Tieres waren. Es ist ihm ein Anliegen uns die Wunder der Natur wieder näher zu bringen und den ein oder anderen zu animieren sich um Umweltschutz zu engagieren, damit wir nicht eines Tages nur noch in Riesenstädten leben und uns von Nahrungspillen ernähren.

Piet Marsfeld im Magazin.

 

Wenn Spinnen spucken

Speispinne - Scytodes thoracica - Foto: Piet Marsfeld
Speispinne – Scytodes thoracica – Foto: Piet Marsfeld

Es gibt Spinnen, die haben die gleichen schlechten Manieren wie Kamele, denen von Kindheit an ihre Mütter zu spucken erlauben, deren Mütter sogar selbst spucken. Es sind dies die Speispinnen. Sie leben in Häusern. Vermutlich auch in Ihrem. Bei Tage bekommt man sie allerdings nicht zu Gesicht, nur in der Dämmerung kriechen sie aus allen möglichen Ritzen hervor.  Netze weben sie nicht, sondern sie jagen wie Wölfe.

Sie marschieren gemächlich an der Decke über Ihnen oder an der Wand entlang, die Vorderbeine nach vorn gestreckt. Hat eine Spinne eine schlafende Fliege entdeckt, nähert sie sich ihr bis auf etwa sechs Millimeter Entfernung. Aus diesem Abstand gibt sie ihren wohlgezielten Schuss ab. Sie bespuckt das Opfer mit einem klebrigen Saft, so dass alle sechs Fliegenbeine und die Flügel fest am Untergrund haften bleiben. Die von der Spinne ausgespiene Flüssigkeit erstarrt, sobald sie die Fliege getroffen hat, und fesselt diese wie ein Strick an Beinen und Flügeln.
Bei einer in Sri Lanka beheimateten Spinnenart ist die ausgespiene Substanz nicht nur klebrig, sondern auch noch giftig. Trifft sie damit eine Fliege, wird diese nicht nur dadurch gefesselt sondern auch getötet!
Mit dem Verspritzen von Leim kühlt die Speispinne auch die Angriffslust feindlicher Artgenossen. Sie ist also eine Spinne, die sich mit ihrer Spucke wehrt.

Der Baum – Buche

Der Buchenwald
Der Buchenwald – Foto: Piet Marsfeld

Ein eindrucksvoller, feierlicher, gründämmernder Dom ist der Buchenwald. Gleich mächtigen Säulen ragen die starken, silbergrauen Stämme empor. Zu einem dichten Gewölbe schließen sich die Wipfel. Nur wenig Licht und Sonne erreicht den mit vergilbtem Laub bedeckten Boden, der deshalb auch arm an Unterholz, an Zwergsträuchern und Büschen ist. Ein rechter Märchenwald ist es, den die Buchen bilden. Nicht umsonst tragen allein in Deutschland über anderthalbtausend Ortschaften den Namen dieses Baumes. Es gibt bei uns zu Lande nur wenige Gebiete ohne Buchenwälder, obwohl viele der Axt zum Opfer gefallen sind und nur wenige wieder angepflanzt werden. Und dabei ist kaum ein anderer Baum so geeignet, uns die Majestät der Waldriesen eindrucksvoll vor Augen zu führen wie die Buche.

Schauen wir einmal hinauf in den Wipfel einer hundertjährigen Buche! Lassen wir unseren Blick über den drehrunden und glattborkigen Stamm bis zu den gleich gespannten Muskelträgern ausladenden Ästen gleiten! Ermessen wir staunend den Umfang der breitschattenden Krone, die Tausende und Abertausende grüner Blattspreiten ins Licht hebt! Denken wir daran, daß der Baum diese unzähligen Blätter zu einem riesigen „Lichtfangnetz“ zusammenfügt, so daß kein Sonnenstrahl ungenützt bleibt, solange die Sonne über den Himmel rollt! Stellen wir uns vor, wie viele hundert Liter Wasser alltäglich und unaufhörlich durch diesen Pflanzenleib kreisen!

Überblicken wir mit dem Auge der Phantasie auch das weitverzweigte Wurzelgeflecht des Baumes im dunklen Erdreich — wie da von der senkrechten

Buchenwurzeln - Foto: Piet Marsfeld
Buchenwurzeln – Foto: Piet Marsfeld

Pfahlwurzel aus die hundert flachstreichenden Wurzeln in waagerechter Richtung ausstrahlen, und von jeder dieser hundert Seitenwurzeln wiederum mindestens hundert kleinere Wurzeln abzweigen, wie schließlich von jeder einzelnen dieser zehntausend Nebenwurzeln in sechzehnfacher (!) Folge nochmals hundert und wieder hundert Würzelchen ausgehen 1 Kaum vermag man sich dieses unentwirrbare Geflecht auszudenken und auszumalen. So weit der Wipfel sich breitet, durchziehen die Wurzeln das Erdreich. Und das alles ist gewachsen ganz aus eigener Kraft, im ununterbrochenen Kampf um Licht und Lebensraum, im gnadenlosen Ringen mit den Wettergewalten, mit abertausend

Schädlingen, die Wurzel wie Rlatt, Zweige wie Stamm befallen. Dreihundert Jahre alt kann eine Buche werden. Langsam nur wächst sie im Anfang. Im zwanzigsten Lebensjahr erreicht sie knapp eine Höhe von sechs Metern. Im Alter von hundert Jahren aber ist sie 25 bis 30 Meter hoch und hat einen Stammdurchmesser von fast einem Meter.Und immer noch ist die Borke glatt und rein, lediglich gezeichnet vom schwärzlichen Regenwasserband, das aus der großen Wipfeltraufe kommt und am Stamm hinunterläuft — oder aber von den Schnitzkünsten törichter Menschen, die da glauben, sich in der Rinde der Bäume mit ihrem Namen verewigen zu müssen.

Von ihrem 60. Lebensjahr an blüht und fruchtet die Buche und liefert dann etwa alle fünf bis acht Jahre eine reiche Ölfruchtmast. Die im September oder Oktober aufspringenden, verholzten, gelbbraunen Fruchtbecher haben vier bepelzte Klappen und enthalten zwei dreikantige, glänzend rotbraune Samen, die Bucheckern oder Buchein.

Außer am glatten, grauen Stamm erkennen wir die „Rotbuche’leicht an ihren maiengrünen, spitz eiförmigen, schwach gezähnten Blättern, die sich im April bis Mai entfalten und in den ersten Wochen an den Rändern wie an den Rippen der Unterseite seidig behaart sind und im Lichte schimmern. Später verlieren die Blätter diesen haarigen Verdunstungsschutz, bekommen eine glänzend dunkelgrüne Oberseite und eine helle Unterseite.

Hainbuche - Foto: Piet Marsfeld
Hainbuche – Foto: Piet Marsfeld

Die Rotbuche liebt kalkreichen Boden und hält nicht viel von nassen Füßen. Im Auwald fühlt sie sich nicht wohl. Dort läßt sie sich lieber von der H a i n b u c h e vertreten, die trotz des gleichen Namens keine Verwandte von ihr ist, sondern der Hasel nahesteht. Auch die Hainbuche lebt gern im geschlossenen Waldverband.  Sie hat ebenfalls eine helle, glatte, graue Rinde, die aber im Alter bald längsrissig aufklafft und dann leicht von der Rotbuchenborke zu unterscheiden ist. Ihre Blätter sind deutlich doppelt gesägt, länglich eiförmig und gefaltet.

Die Hainbuche wird höchstens 150 Jahre alt und nur 20 Meter hoch. Zu fruchten beginnt sie bereits im zwanzigsten Lebensjahr. Ihre kleinen Nüßchen reifen erst nach dem Laubfall und werden von einem großen, dreizackigen Deckblatt wie von einem eigenen Sonderflugzeug davongetragen.

Rotbuche
Rotbuche – Foto: Piet Marssfeld

Das sehr harte, gelblichweiße Holz wird gern für Handwerkszeuge, Holzschuhe, Holzleisten, Holznägel und Holzschrauben verwendet. Die Rotbuche dagegen liefert uns Holzpflaster, Treppenstufen, Eisenbahnschwellen, Brückenbelag, gute Möbelbretter und Zellwolle.

Der Baum – Eschen

branch-739943_1920_Esche_SilberfuchsIn den vom Kienspan flackerig erleuchteten Hütten unserer Vorfahren raunte die Sage von der „Weltesche“, einem gewaltigen Baum, der das ganze weite All zusammenhalte. Sein rauschender Wipfel reiche hinauf bis zum sonnendurchstrahlten Himmelssaal der Götter, seine Wurzeln durchwuchsen das düstere Reich der Unterwelt, seine Zweige breiteten sich über alle Erdteile und Meere. An seinen drei mächtigen Hauptwurzeln aber liege der ewige Quell des Lebens. Und an diesem Quell säßen drei dunkle Schicksalsgöttinnen, spönnen die Lebensfäden der Menschen und besprengten den Baum mit dem lebenspendenden Wasser.

So dachten sich die germanischen Völker den Bau der Welt. Im höchsten Wipfel der Weltesche Iggdrasill sollte sich nach altgermanischer Sage ein Menschenpaar geborgen haben, als die große Sintflut die Erde überschwemmte und der rasende Weltenbrand alles verheerte.  Aus dem Eschenholz, das von weißgelber Farbe und überaus zäh und doch elastisch ist, schnitten sich unsere Vorväter ihre Bogen und Speere, aus ihm fertigten sie die Scheiben der Wagenräder und die Feuerräder, die sie von den Bergen ins Tal rollen ließen. Die Esche war auch ihr Festbaum, den sie zur Zeit der Wintersonnenwende mit bunten Bändern und Früchten schmückten. Und mächtige Eschenblöcke glimmten Tag und Nacht im Herdfeuer.

Gemeine Esche - Foto: Piet Marsfeld

Die Esche ist ein überaus schöner und prachtvoller Baum, besonders wenn sie frei steht und sich ungehemmt entfalten kann. Dann erreicht sie eine Höhe von gut dreißig Metern, einen Stammdurchmesser von reichlich anderthalb Metern und wird 200 bis 250 Jahre alt.

In der Jugend hat sie eine glatte und bräunliche Rinde, im Alter eine rissige, hellgraue Borke. Die starken Äste bauen eine lockere und sehr tief angesetzte Krone auf. Ende April bis Anfang Mai beginnt sie bereits zu blühen. Dann brechen aus ihren knolligen, schwarzbraunen bis schwarzen Knospen die kurzen, dunkelpurpurroten oder violetten Blütenbüschel; man könnte fast sagen, sie „spritzen“ hervor und wachsen sich dann allmählich zu hängenden Träubchen aus. Erst nach der Blüte belaubt sich die Esche mit ihren schönen, großen, gefiederten Blättern, die sie von allen anderen Laubbäumen unterscheiden und die sie im Herbst noch grün abwirft. Bei der Esche gibt es also keine herbstliche Laubverfärbung.

Eschenfrüchte - Foto: Piet Marsfeld Die Eschenfrüchte sind kleine, schmale Nüßchen, die alle von der Natur ihren Propeller in Gestalt eines zungenförmigen Flügels mitbekommen, damit sie der Wind weit genug durchs Land wirbeln kann. Sie hängen lange am mütterlichen Baum.

Am Liebsten hat es die Esche fußfeucht. Sie gedeiht prächtig in Auwäldern, auf nassen Wiesengründen und an Bachufern. In den Alpen klettert sie mit dem Bergahorn an den Bachrändern und auf den feuchten Matten bis in eine Höhe von 1300 Metern. Aus ihrem Holz werden Sportgeräte hergestellt, wie Skibretter, Schlitten, Schläger, Keulen, Kegelkugeln, Bogen, Barren und Speere. Eschenholz wird auch viel im Waggon- und Brückenbau sowie in der Möbelindustrie und in den Stellmacherwerkstätten verarbeitet. Gar nicht verwandt mit der Esche, aber in den Blättern ihr doch ähnlich, ist die E b e r e s c h e , der besungene „Vogelbeerbaum“ der Erzgebirgler. Der Name hat auch nichts mit dem Eber, dem männlichen Schwein, zu tun, sondern entstand aus „Aberesche“, was soviel wie falsche Esche bedeutete.
Die Eberesche begleitet als Alleebaum vor allem die Straßen in den Mittelgebirgen und steigt im Bergrevier bis über die Waldgrenze hinaus. Sie ist viel zäher und anspruchsloser als ihre große Namensschwester, kommt eigentlich auf jedem Boden fort, sie braucht nur viel Licht und Sauerstoff. Sie wächst auch rascher, wird allerdings meistens nur zehn, höchstens sechzehn Meter hoch und selten älter als achtzig Jahre.

Aus ihren großen, dunkelvioletten und filzig behaarten Knospen brechen Ende April die gefiederten Blätter, die zierlicher als die der Esche sind. Im Mai, spätestens im Juni, entfalten sich an den Zweigenden die großen, gewölbten Schirmdolden, die aus zahlreichen, kleinen, weißen, unangenehm riechenden Blüten bestehen. Im Herbst aber verwandeln sich diese aufrecht stehenden Blüten in hängende Fruchtdolden mit leuchtend korallenroten, fast

Esche - Beeren - Foto: Piet Marsfeld

erbsengroßen Beeren. Sie haben gelblichrotes Fleisch, schmecken herb und bitter, enthalten aber viel Zucker, Fruchtsäure und besonders das wertvolle Vitamin C. Die Hausfrauen haben gelernt, das Fleisch der Marmelade aus anderen Früchten beizugeben, den Saft auszupressen und als Vitaminspender auf den Tisch zu bringen. Seit Jahrhunderten schon wird Schnaps aus den Ebereschenbeeren gebrannt. Viel früher als die Menschen sind die Vögel auf den Geschmack dieser wertvollen Früchte gekommen, die Drosseln und alle die geflügelten Wintergäste aus dem hohen Norden, für die im Gezweig der Vogelbeerbäume der Tisch gedeckt ist.

Der Baum – Eichen

Bei unseren Vorfahren, den Germanen, war die Eiche ein heiliger Baum, dem gewaltigen Donar, dem Gott des Donners und des Blitzes, geweiht. Unter alten Eichen wurde öffentlich Recht gesprochen. In heiligen Eichenhainen walteten die weisen Frauen und Priesterinnen ihres Amtes, und kein Unberufener durfte diese Stätten betreten. Wer sich an den Eichen verging, erlitt einem langen und qualvollen Tod. 

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Heute sind die Eichenhaine in Deutschland zu zählen. Sie starben mit den Auwäldern, die bei der Begradigung der Flüsse und Ströme der Axt zum Opfer fielen. Denn die Eiche, vor allem die Stieleiche, die auch Sommereiche genannt wird, hat es gern feucht und liebt reichen, guten Wurzelgrund. Sie schätzt weder das Hügelland noch die windgekämmten Höhen, sondern die Flußwiesen und die ebenen Tiefländer. Hier bohrt sie ihre starke Pfahlwurzel bis zu 2 Meter tief in die Erde und entwickelt erst ziemlich spät die teils schief abwärts gerichteten, teils ziemlich flachstreichenden Seitenwurzeln, die gleichsam eine unterirdische Krone bilden und mindestens die Weite des Wipfels haben.

StieleicheTrotz des guten Nährbodens wächst die Stieleiche nur langsam.  Erst zwischen dem 120. bis 200. Lebensjahr erreicht sie ihre ganze Größe von zwanzig bis fünfunddreißig Metern.  In der Jugend ist ihre Rinde grünlichgrau und glänzend, im Alter tiefrissig, dick, graubraun bis schwärzlich. Die starken, gekrümmten, knorrigen Äste laden weit aus und bauen eine tief angesetzte, stockwerkartige, gelockerte Krone auf. Im Durchschnitt wird die Stieleiche 500 bis 600 Jahre alt, in Ausnahmefällen sogar tausend Jahre und weit darüber. Ihr Stammdurchmesser beträgt im Normalfall zwei bis drei Meter.

Spät erst beginnt die Eiche zu blühen und zu fruchten. Im geschlossenen Waldverband wird sie erst zwischen dem 70. bis 80. Lebensjahr „mannbar“, im Freistand oft schon zwanzig Jahre eher. Alle drei bis sieben Jahre trägt sie jetzt reiche Eichelmast.  Die männlichen Blutenkätzchen, die sich Ende April oder Anfang Mai öffnen, bilden eigenartige, hängende, hellgrüne Klunkertroddeln, die weiblichen Blüten sind sehr kleine, bräunliche, kugelige Knospengebilde, aus denen ein Büschelchen rötlicher Narben lugt. Die Eicheln sitzen meist einzeln, höchstens zu zweit oder dritt an einem langen Stiel (Stieleiche), wachsen Ende Juni aus ihrem Näpfchen, reifen Ende Oktober und sind durch hellbraune Farbe und grünlichgraue Längsstreifen gekennzeichnet. Die Belaubung erfolgt — gleichzeitig mit der Blüte — immer nur an den äußersten Zweigenden, wo die kurzstieligen und gebuchteten Blätter in dichten Büscheln hervorsprießen.

Traubeneiche - Baum des Jahres 2014 - Foto: Piet MarsfeldDie Traubeneiche (Baum des Jahres 2014), die man auch Steineiche oder Wintereiche nennt, blüht erst im Mai, hat langgestielte, oberseits glänzend dunkelgrüne Blätter. Sie braucht nicht so guten Nährboden wie ihre Schwester, meidet die Auen und Ebenen und steigt ziemlich hoch in die Mittelgebirge hinauf. Sie erreicht das gleiche Alter und fast die gleiche Höhe und Stärke wie die Stieleiche, hat aber eine hellere, mehr schuppige und nicht so tiefrissige Rinde. Ihr Stamm strebt fast geradlinig bis zur Wipfelspitze empor; die Astkrone ist ganz geschlossen. Die Eicheln sitzen dichtgedrängt und sehr kurzstielig in den Blattachseln und sind kürzer als die der Stieleiche.

Das harte, zähe und gerbstoffreiche Eichenholz verwendet man mit Vorliebe im Eisenbahn-, Schiffs-, Brücken- und Möbelbau. Es widersteht selbst im Wasser jahrhundertelang der Fäulnis. Aus den Eicheln, die reich an Stärke, Eiweiß und Fett sind, wird Kraftfutter für Pferde, Kühe und Schweine hergestellt. Geröstet ergeben sie den Eichelkaffee, mit Schokolade- oder Kakaopulver gemischt, den in der Hausmedizin gern benutzten Eichelkakao. Die Industrie stellt aus dem Stärkemehl der Eicheln allerlei Klebemittel her und gewinnt aus ihnen Spiritus. Für die Tiere des Waldes sind die Eicheln ein prachtvolles Mastfutter, das sie für den Winter widerstandsfähig macht. Die junge Eichenrinde liefert Gerbstoffe.

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Schon lange ist die Nachfrage nach Eichenholz viel größer als das einheimische Angebot und führte — vor allem nach dem letzten Weltkrieg — zu einem unverantwortlichen Raubbau an den letzten Eichenbeständen. Um dem Eigennutz zu steuern, wurden alle alten Eichen unter Naturschutz gestellt. Der Baum, der mehr als jeder andere in früheren Zeiten unserer Heimat das Gepräge gegeben hat, wird damit hoffentlich vor der gänzlichen Ausrottung bewahrt bleiben.

Der Baum – Von tausendjährigen und jüngeren Riesen

Flußperlmuschel (Margaritifera margaritifera) - Foto: Piet Marsfeld
Flußperlmuschel (Margaritifera margaritifera) – Foto: Piet Marsfeld

Ganz selten erreicht der Mensch ein Alter von einhundert Jahren. In alten Büchern kann man lesen, dass die Flussperlmuschel angeblich sogar einhundertfünfzig, der Elefant bis zu zweihundert und die Riesenschildkröte bis zu dreihundert Jahre alt werden sollen. Diese Lebensdauer wird von Forschern unserer Zeit jedoch ins Reich der Fabel verwiesen. Wenn nun aber einer daher käme und behaupten, würde, dass es heute noch Lebewesen gäbe, die schon vor unserer Zeitrechnung, also vor über zweitausend Jahren, gelebt haben, würden wir ihn sehr kritisch anschauen. Ja, und wenn er sich dann versteifen würde und behauptete, dass er sich noch sehr vorsichtig ausgedrückt habe, daß es sogar drei- bis viertausend Jahre sein könnten, die diese Geschöpfe überdauerten — nun, dann würden wir sicher sein, dass er einem Phantasten auf den Leim gegangen sei.

Denn dieses sagenhafte Geschöpf, das müsste ja noch die Gründung von Rom erlebt haben, das müsste dabei gewesen sein, als sie den Herrn ans Kreuz schlugen, das müsste die Weltstädte Paris, London und Berlin als Fischerdörfer gesehen haben! Und doch gibt es Lebewesen, die dieses Alter erreichen . . .

Es sind die — Bäume!

Drachenbaum Teneriffa Foto: Jens LeiboldtAuf der Insel Teneriffa an der westafrikanischen Küste stand noch vor gar nicht langer Zeit ein Drachenbaum, der nach den vorsichtigsten Schätzungen sage und schreibe fünftausend Jahre alt war! Aber selbst dieser Baum war keine Ausnahme, denn auch die Affenbrotbäume und die Mammutbäume können ein solch ehrwürdiges Alter erreichen. Es wurden Platanen mit viertausend Jahresringen und Zypressen und Eiben mit dreitausend Jahresringen gefüllt.

Auf dem Friedhof von Santa Maria de Tule steht eine Sumpfzypresse, die auf viertausend Jahre geschätzt wird. Auf dem Friedhof der englischen Stadt York pflegt man mit Sorgfalt eine Eibe, die dreitausend Jahre alt ist. Und in den Mammutbaumhainen von Kalifornien stehen Riesen, die auf ein vier tausendjähriges Dasein zurückblicken. Man stelle sich nur einmal vor, was diese Bäume alles erlebt haben, wer alles unter ihren Wipfeln saß.

Während sie still und stetig gen Himmel strebten, zerfielen Riesenreiche der Menschen, sind volkreiche Großstädte mehrmals unter die Erde gesunken und wieder auferstanden, wurden Riesenbauten von Wind und Wetter geschleift, veränderten sich die Küsten der Länder, verlandeten Seen und Moore, versandeten Flüsse und Ströme und wiederholte sich hunderte Male der bunte Reigen der Tier- und Menschengenerationen. Wahrhaftig, gewaltige Lebewesen sind diese Bäume! Und wir können es unseren heidnischen Vorfahren und den Naturvölkern der Gegenwart nachfühlen, daß sie mit ehrfürchtigem Schaudern und in großer Verehrung zu den Bäumen aufschauten und noch aufblicken; daß sie im Rauschen der Wipfel ihre Gottheiten hörten und es als einen Frevel ansahen, die Hand an solche Baumriesen zu legen.

Eibe Krombach - Foto: unbekannt
Eibe Krombach – Foto: unbekannt

Und wenn wir darüber nachdenken, welches Unheil über die Welt gekommen ist, weil die Menschen die Ehrfurcht vor den Bäumen verloren haben, wie ehemals fruchtbare Länder verödeten und verkarsteten, wie trostlose Wüsten rings auf der Erde entstanden, wie verheerende Sandstürme und ungeheure Überschwemmungen im Gefolge des Frevels am Wald auftraten, dann begreifen wir, welch wichtige Rolle die Bäume spielen. In unserer engeren Heimat stehen Wald und Baum schon lange unter streng gehandhabtem Schutz, und die belaubten Riesen der Vorzeit werden als Naturdenkmäler gehegt und gepflegt. Der älteste deutsche Baum ist wohl die zweitausendjährige Eibe bei Krombach an der sächsisch-böhmischen Grenze. Es gibt Fichten und Edeltannen von mehr als hundert Jahren, Linden von 1000 Jahren, Lärchen und Kiefern von 500 Jahren und Silberpappeln von 400 Jahren. Dagegen bringen es Ulme, Ahorn und Birnbaum „nur“ auf 350 Jahre, Buchen und Rosenstöcke auf höchstens 300 Jahre, Eschen auf 250 Jahre, Birken und Apfelbäume auf 200 Jahre und Zitterpappeln, Silberweiden und Buchsbäume auf knappe 150 Jahre.

Dem Alter, das manche Bäume erreichen, entspricht auch ihr Höhen- und Umfangwachstum. Der australische Eukalyptusbaum erreicht eine Höhe von 156 Metern. Zum Vergleich: Der Kölner Dom ist 151 Meter und das Ulmer Münster 167 Meter hoch. Der Mammutbaum wird 142 Meter hoch, unsere Tanne 75 Meter, die Fichte 60 Meter, die Kiefer fast 50 Meter, die Eiche 35 Meter, die Eibe aber „nur“ 15 Meter. Der Stammdurchmesser beträgt im Höchstfalle bei den Edelkastanien 20 Meter, den Platanen 15 Meter, den Mammutbäumen 11 Meter, den Eichen 7 Meter, den Eiben 5 Meter, den Ulmen und Tannen 2 bis 3 Meter. Das heißt also, eine Kastanie und eine Platane können den Umfang eines Einfamilienhauses haben, und durch einen Mammutbaum könnten wir ein Tor schlagen, durch das ein Lastwagen fahren kann.

Welch geheimnisvolle Kräfte sind am Werk, um diesen Riesen Kraft und Bestand zu geben? Wie vollziehen sich Geburt, Wachstum und Tod der belaubten Giganten? In  den nachfolgenden Artikeln wollen wir die Lebensgesetze der Laubbäume unserer Heimat betrachten, von ihrem Äußeren, ihren Erkennungsmerkmalen, ihrer Wesensart und ihren Besonderheiten hören…

Weitere Artikel finden Sie hier: Der Baum

Klapperschlangen – das Wattebäuschchen und eine gelähmte Zunge

Mojave Klapperschlange Man kann einer Klapperschlange die Augen verbinden, ihre lange züngelnde Zunge lähmen, ihr die Nüstern mit Wattebäuschchen verschließen, braucht dann aber nur die Hand auf etwa dreißig Zentimeter an ihren Kopf heranzuführen, und man kann sicher sein, dass die Schlange einen blitzartigen zielgerichteten Satz macht! Da kann man dann nur noch bereuen, sich auf Experimente mit den Sinnesorganen von Klapperschlangen überhaupt eingelassen zu haben.

Wissenschaftler sind vorsichtiger zu Werke gegangen. Sie haben dem aggressiven Reptil nicht die Hand, sondern eine Lampe hingehalten, die zuerst nicht ans Netz angeschlossen war, danach aber unter Strom stand. Sie meinten, diese zwei Varianten müssten die Schlange eigentlich »kaltlassen«, doch das Gegenteil war der Fall, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Auf die ans Netz angeschlossene, warme Lampe stürzte sich die Klapperschlange jedesmal wie auf eine echte Beute, die erloschene, kalte Lampe dagegen interessierte sie gar nicht. Also besitzen Klapperschlangen spezielle Rezeptoren, die Wärme registrieren — eine Art Wärmeorter. Obwohl im Experiment aller uns vertrauten Sinnesorgane beraubt, bringen es viele Giftschlangen zuwege, ihre Beute trotzdem zu erlangen, als sei nichts geschehen.

Kopf der Klapperschlange Illustration: Maike Voss

So wurde 1937 das Geheimnis um die seltsamen Vertiefungen auf dem Maul von Grubenottern enträtselt. Diese Einbuchtungen an ihrem Kopf haben mit keinem der uns bekannten Sinnesorgane zu tun. Jede (es ist ein Paar) besteht aus einer äußeren und einer inneren Kammer, getrennt durch eine äußerst dünne, nur 0,025 Millimeter starke Membran. Um den vorderen Augenwinkel
herum kann man auf dem Maul von Schlangen ein winziges Löchlein bemerken. Es mündet in einen engen Kanal, der bis zur inneren Kammer reicht. Das Löchlein kann sich weiten und verengen, wenn die Schlange die ringförmige Schließmuskulatur betätigt. Die äußere Kammer öffnet sich als breite Öffnung zwischen Nasenloch und Auge. Diese Öffnung ähnelt einem weiteren Nasenloch, deshalb sehen einige Grubenottern aus, als hätten sie vier Nasenlöcher.
Ähnliche Organe gibt es auch bei nichtgiftigen Schlangen, etwa bei Boas und Pythons, doch befinden sie sich an anderen Stellen, meistens auf den Oberlippenschilden. Die Fähigkeit von Schlangen, Wärme zu orten, ist geradezu
phänomenal! Die Tiere registrieren selbst Temperaturdifferenzen von nur 0,003 Grad auf der äußeren und inneren Fläche der Membran des Wärmesinnesorgans. (Zum Vergleich: Die Schwelle der Temperaturempfindlichkeit beim Menschen liegt bei ein bis zwei Grad.) Das reicht aus, daß selbst blinde und taubstumme Schlangen treffsicher ihre Beute schlagen. Wie funktioniert so ein Lokator? Die Forscher neigen zu der Annahme, die Schlange operiere nach dem Boyle-Mariotteschen Gesetz und betätige den Schließmuskel der Eingangsöffnung zur inneren Kammer, wodurch diese von der Außenwelt isoliert werde.
Die Erwärmung der Vorderwand der Membran führe dann zu einer Erhöhung der Lufttemperatur in der inneren Kammer. Die Luft dehne sich aus und drücke auf die Zwischenwand, wo sich die Luftdruckrezeptoren befinden. Hat die Schlange den Druck auf die Membranen beider Gruben ausgeglichen, wendet sie den Kopf dem warmen Objekt zu und peilt das Opfer exakt nach dem Winkel an, der sich aus den Richtungen (von den beiden Gruben zum Opfer hin) ergibt.

Zitteraal - Foto: Jens FischerDer Zitteraal – Einen eigenen »sechsten« Sinn haben auch viele in südamerikanischen Flüssen verbreitete Nacktaale (der Zitteraal ist einer von ihnen). Sie sind mit elektrischen Organen ausgestattet, mit deren Hilfe sie sich sowohl in der normalen Umwelt als auch gegenüber Feinden orientieren können. Bei diesen Fischen liegen alle lebenswichtigen Organe im ersten Viertel des Rumpfes, selbst der After hat seine Öffnung zum Halsbereich hin. Im Schwanz aber ist das elektrische Organ untergebracht. Die »Batterie« der Nacktaale befindet sich unter der als Isolator wirkenden Haut. Es sind einige wurstförmige Körper mit orangeroter Gallertstruktur, die durch Zwischenwände in kleine »Zellen« unterteilt ist. Die Stromentladungen erfolgen in einer Serie kurzer Niederspannungsimpulse (dreißig bis eintausend in der Sekunde). Im Ergebniss dessen entsteht um den Fisch herum ein elektromagnetisches Feld. Gegenstände mit einer anderen Stromleitfähigkeit als der von Wasser, die in dieses Feld geraten, verzerren dessen elektrische Eigenschaften. Die Verzerrungen werden von speziellen Elektrorezeptoren des Seitenlinienorganswahrgenommen (beim Aal liegen sie im Kopfbereich), das sozusagen dem Gehirn signalisiert: »Achtung! Nebenan ist irgend etwas!« Dieses »irgend etwas« kann eine Wasserpflanze, ein Stein, ein begehrtes Futter, aber auch ein potentieller Feind sein. Der »Elektrofisch« erkennt diese Gegenstände an deren andersartiger elektrischer Leitfähigkeit und handelt den konkreten Umständen entsprechend.

Hochzeitspaläste und ihre Erbauer

Nicht weniger tüchtige Architekten sind auch die australischen Laubenvögel. Ihren Namen verdanken sie ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit, aus herumliegenden Gegenständen unterschiedlich gestaltete bizarre laubenartige Bauten zu errichten. Im Vergleich zu ihnen nehmen sich die Großfußhühner wie armselige Stümper aus. Die Laubenvögel sind Vögel mit Geschmack. Ihre Bauten sind, wie man heute sagen würde, individuell projektiert und dazu noch mit verschiedenen Extras versehen.

Das Baugeschehen geht folgendermaßen vor sich : Inmitten niedriger Büsche, auf Lichtungen und an anderen den Vögeln geeignet erscheinenden Stellen legen die Laubenvogelmännchen Fundamente aus kleinen Gerten. In Abständen von ungefähr einem halben Meter stecken sie (oder befestigen sie irgendwie anders) weitere, etwas längere Stöckchen in die Erde. Die oberen Enden biegen sie aufeinander zu, so dass eine Art Laube mit Satteldach entsteht. Zum Abschluss wird die hübsche Behausung mit Moos, Blumen, Blättern, Pilzen, Muschelschalen und anderen Dingen geschmückt, die wohl das Auge des Laubenvogels erfreuen.

Laubenvogel posierend
Laubenvogel posierend
Foto: Brett Donald - Weiblicher Seidenlaubenvogel (Ptilonorhynchus violaceus)
Foto: Brett Donald – Weiblicher Seidenlaubenvogel (Ptilonorhynchus violaceus)

Geschildert ist das alles hier übrigens schnell und einfach: die Vertreter mancher Arten arbeiten aber unermüdlich jahrelang an so einer Laube, und man muss zugeben, überaus produktiv! Einzelne solche Türmchen und Lauben erreichen drei Meter Höhe. Als Europäer zum ersten Mal auf derartige Bauten stießen, vermuteten sie daher, diese seien das Werk von Ureinwohnern, der »Aborigens«.  Die Männchen einiger Arten bringen es zu Fertigkeiten, die die anderer noch übertreffen. So streut der Hüttengärtner vor seiner Laube einen Teppich aus wilden Rosen aus und bestückt ihn mit bunten Früchten. Der Seidenlaubenvogel trägt blaue und gelbe Blüten herbei und streicht anschließend die Laube von innen mit einer Paste eigener Produktion an. Das Rezept ist folgendes: Man nehme etwas Holzkohle, zerkleinere sie mit dem Schnabel, vermische sie mit Speichel, füge das Fleisch einer Frucht zu und streiche mit der blauschwarzen Masse die Innenwände der Laube.

Einige Laubenvogelarten bringen es gar zuwege, bunte Bänder, Zahnbürsten, Messer, Gabeln, Kaffeekännchen und andere  glänzende Gegenstände, bis hin zu Schmuckgegenständen zu stehlen und sie vor der Hütte zu verstreuen. Wie diebische Elstern schleppen sie von überallher alles mögliche heran.

Welches kleine Tier schlägt selbst Löwen und Elefanten in die Flucht?

Freie Illustration !so?
Freie Illustration !so?

Es ist die Treiber- oder Wanderameise! Diese Ameisen haben keinen festen Lebensraum, die meiste Zeit ihres Lebens wandern sie umher, gewöhnlich unter dem Schutz der Nacht oder der Dämmerung. Bei manchen Arten ist die Front ihrer Marschkolonnen Hunderte von Metern, bisweilen sogar einen Kilometer breit.
Diesen Ameisen zu entkommen ist nicht leicht. Sie verschlingen auf ihrem Wege buchstäblich alles, was da kreucht und fleucht.  Die »Soldaten« der Wanderameisen haben messerscharfe Kiefer, mit denen sie aus den Leibern ihrer Opfer Fleischstückchen herausschneiden. Selbst ein großes Tier, das in ihre Umzingelung gerät, ist in wenigen Minuten bis auf die Knochen abgenagt. »Wenn man bestimmten Meldungen glauben kann«, schreibt der amerikanische Wissenschaftler Osmond Breland, »so ist sogar einmal ein Elefant, dem die Flucht nicht rechtzeitig gelang, wie eine Maus oder Raupe umgekommen.«

Einmal haben Wanderameisen sogar einen eingesperrten Leoparden »aufgefressen« ebenso wie einen Python, der nach reichlichem Mahl nicht schnell genug war. Bis auf die Knochen verspeisen sie angebundene und vergessene Hunde, in Ställe gesperrte Schweine, Ziegen und Hühner. Einen Verbrecher, den die davongelaufene Wache in einem Gefängnis zurückgelassen hatte, bissen die Ameisen zu Tode.
Im übrigen wird in vielen Geschichten die Gefahr, der sich  Menschen bei Begegnungen mit Wanderameisenarmeen aussetzen, gewöhnlich übertrieben.
Bei einem Angriff von Wanderameisen auf Dörfer verlassen  deren Bewohner in aller Seelenruhe ihre Häuser und begeben  sich, die Angriffsfront der Ameisen umgehend, auf die Felder.  Sämtliches Hausvieh, überhaupt alle Haustiere nehmen sie natürlich mit, wobei es allerdings nicht ohne Verluste abgeht. Dafür vernichten die Ameisen in den Häusern alle Parasiten, Skorpione, Ratten, und das ist schon viel wert.

Können Fische Ball spielen?

Bisher ist nur ein Fisch bekannt, der das kann: der Nilhecht (oder auch Elefantenrüsselfisch) Gnathonemus petersii, der heute zu einem gefragten Bewohner von Aquarien geworden ist. Wirft man einen kleinen Schaumstoffball ins Aquarium, schwimmt der Fisch sofort zu ihm hin und spielt scheinbar mit Vergnügen mit dem Ball, wobei er ihn mit dem Kopf hoch stößt, dann wegschwimmt und sich von neuem auf sein Spielzeug stürzt.

J. Jury - Proceedings of the Zoological Society of London (vol. 1864, plate II)
J. Jury – Proceedings of the Zoological Society of London (vol. 1864, plate II)

Dieser vorwiegend nachtaktive Fisch stammt aus Zentralafrika, wo er vonNigera bis Zaire vor allem weichgründige Flussläufe besiedelt. Im Aquarium sollte er in Gruppen gehalten werden. Entsprechend muss das Becken eine Länge von über 180 cm aufweisen. Kleinere Becken mit einer Länge von 120 cm sind nur für Einzeltiere geeignet. Während der Eingewöhnung sind die Tiere sehr scheu und brauchen Verstecke. Eine dichte Bepflanzung, eine Schwimmpflanzendecke und ein weicher Bodengrund erhöhen das Wohlbefinden. Gegenüber Nicht-Artgenossen sind diese Nilhechte friedlich. Hält man aber nur zwei oder drei Exemplare zusammen, dann wird ein Tier sich zum Tyrannen aufschwingen und die Artgenossen unterdrücken. Elefantenrüsselfische gehören zu den Arten mit elektrischem Organ. Dieses ist relativ schwach und wird nur zur Ortung und zur Verständigung verwendet. Das Becken sollte mit weichem Bodengrund ausgestattet werden, damit das Maul der Tiere nicht verletzt werden kann, wenn sie nach Futter wühlen.

Wer trinkt Wasser mit dem Schwanz?

babuin_3Bei Babuin-Pavianen hat man folgendes beobachtet: Wenn sie weder mit den Händen noch mit dem Mund ans Wasser gelangen, »schöpfen« sie es—mit dem Schwanz. Sie krallen sich mit den Vorderpfoten an einem Vorsprung der Uferböschung, an einer Wurzel oder einem Ast fest und bemühen sich nach Kräften, mit dem Schwanzende das Wasser zu erreichen. Hat der Pavian das geschafft, klettert er flink ans Ufer und lutscht das Schwanzende schnellstens ab, ehe es in der afrikanischen Hitze wieder getrocknet ist. Danach holt er sich auf die gleiche Weise eine neue Portion Wasser, bis er sich satt getrunken hat. Babuine kommen allerdings mit wenig Wasser aus, mit drei bis vier Gläsern am Tag. Deshalb schaffen sie es durchaus, in der beschriebenen Art ihren Durst zu stillen. Müssen sie aber nicht auf Abhängen herumklettern, um ans Wasser zu gelangen, trinken sie wie alle anderen Tiere mit dem Maul.

Die Eiche als 5-Sterne-Hotel mit Vollpension

cork-228449_1280_Ben_Kerckx_KorkeicheEine ausgewachsene, bis zu dreißig Meter hohe Eiche bietet mehr Tieren Unterschlupf und Nahrung als jeder andere europäische Baum. So wurden auf einem Exemplar dreißig verschiedene Vogel-, fünfundvierzig Wanzen- und über zweihundert Falterarten gezählt. Dabei hat jeder Teil des Baumes seine besonderen Untermieter. Zwischen den Wurzeln lebende Blatthorn- und Schnellkäferlarven; winzige Falter, viele mit einer Flügelspannweite von nur zwei Zentimetern, verstecken sich tagsüber in den Rindenspalten und fliegen des Nachts zwischen den Ästen umher, und unter der Borke hausen Käfer und hinterlassen dort unzählige verzweigte Gänge.
Die weichen, saftigen Blätter der Eiche werden von ausgewachsenen Blatthornkäfern und von zahlreichen Schmetterlingsraupen gefressen. Dabei verleiben sich die größeren von ihnen ganze Blattstücke ein, während die kleineren lediglich Gänge in das weichere Blattinnere bohren. Rüsselkäfer, wie die Eichelblattroller, benutzen die Blätter dagegen als Behausung für ihre Nachkommen. Sie beißen ein Blatt zuerst von der einen und dann von der anderen Seite bis zur Blattrippe durch, falten die beiden Hälften zusammen und rollen sie zu einer Röhre, in die später die Eier gelegt werden.

Traubeneiche - Baum des Jahres 2014 - Foto: Piet Marsfeld
Traubeneiche – Baum des Jahres 2014 – Foto: Piet Marsfeld

Viele Blätter bilden zur Abwehr Gallen, deren Vielfalt sich aus den verschiedenen Namen ablesen lässt, die ihnen die Forstleute gegeben haben, beispielsweise Gallapfel, Eichenrose, Napfgalle, Linsengalle und Schlafapfel. Anlass für die Gallenbildung sind immer kleine Insekten, etwa Mücken, Falter oder kleine, weniger als einen halben Zentimeter große Wespen. Sie alle legen ihre Eier in Blätter, die darauf mit verstärktem Zellwachstum reagieren. In dieser Wucherung entwickeln sich dann die Insektenlarven, die oftmals sogar dann noch dort bleiben, wenn das Blatt bereits abgefallen ist, um es erst im folgenden Frühjahr als fertige Insekten zu verlassen. In kleinen Gallen sitzt zumeist nur eine Larve, während sich in größeren bis zu dreißig Exemplare aufhalten.
Die nahrhaften Eicheln, von denen ein einziger Baum jährlich bis zu neunzigtausend hervorbringen kann — während eines langen Eichenlebens also viele Millionen —, dienen als Futter für ungezählte Tiere. Das schadet dem Baum nicht, denn es genügt in jedem Jahrhundert eine einzige Eichel, die tatsächlich zu einem Baum auswächst, um die Eichenpopulation zu sichern, so dass ein ungeheurer Überschuss entsteht. Krähen und Häher pflücken die Eicheln von den Ästen, kaum daß sie reif sind; die gefräßigen Ringeltauben schleppen oft bis zu siebzig Früchte gleichzeitig in ihrem Kropf fort, und Rüsselkäfer bohren mit ihren verlängerten Mundwerkzeugen Löcher in die Früchte der Eiche, um dort ihre Eier abzulegen. Aber selbst wenn eine Eichel von all diesen Angriffen verschont bleibt, fällt sie irgendwann auf den Boden, wo bereits hungrige Mäuse, Eichhörnchen, Rehe oder Wildschweine auf die willkommene Mahlzeit warten.
Viele der Insekten, die sich etwa von den Eichelblättern ernähren, werden wiederum von anderen Tieren gefressen. Wespen, Spinnen und Marienkäferlarven machen Jagd auf Raupen, und auch viele Vögel brauchen für ihre Brut tierische Nahrung. Buntspechte und Baumläufer picken die Insekten aus den Rindenspalten; Kohlmeisen ziehen ihre Jungen genau dann auf, wenn besonders viele Raupen auf den Eichenblättern zu finden sind, wobei einige Vogelarten jeden Tag bis zu dreihundert Raupen benötigen, um ihre hungrigen Jungen satt zu bekommen, und auch viele Zugvögel, etwa Grasmücken oder Nachtigallen, beteiligen sich in den Sommermonaten an der Suche nach Kerbtieren. Und wenn die Eiche älter geworden ist und sich Höhlen und größere Spalten im Stamm auftun, ziehen dort Eulen und Fledermäuse ein, und zwischen den knorrigen Wurzeln graben sich Füchse oder Dachse ihren Bau.

Stieleiche - Foto: Piet Marsfeld
Stieleiche – Foto: Piet Marsfeld

Eichen sind also wahrhaftig die Herren des Waldes, und wie verantwortungsvolle Monarchen sorgen sie für den Lebensunterhalt der unzähligen kleinen Bewohner ihres Reiches.
Aber die reichen Nahrungsgründe, die sich während des Sommers in den nördlichen Breiten auftun, sind nicht von Dauer. Im Herbst werden die Tage kürzer, und die Zugvögel machen sich auf den Weg nach Süden. Die meisten Schmetterlinge und Nachtfalter gehen zugrunde, nachdem sie ihre Eier an sicheren Plätzen abgelegt haben, und auch die Laubbäume werfen ihre frostempfindlichen Blätter ab und setzen ihren Stoffwechsel so weit herab, dass ihr Wachstum fast völlig zum Erliegen kommt. Mit dem Verlust ihrer Blätter verlieren die Eichen vorübergehend auch die Herrschaft über ihr Territorium. Zum ersten Mal seit Monaten fällt wieder Sonnenlicht auf den Waldboden. Aber es gibt zu dieser Zeit nur wenige Pflanzen, die damit etwas anfangen können, da die meisten ebenfalls keine Blätter mehr besitzen und deshalb ihre Aktivitäten einstellen müssen.

 

Die verborgene Lebenswelt der Pflanzen

aloe_veraPflanzen sind in ständiger Bewegung, reagieren auf ihre Umwelt, haben ein Zeitempfinden, kommunizieren und rivalisieren miteinander – nur dass sich dies auf einer anderen Zeitebene als der unseren abspielt: in Zeitlupe.

Daher kommt mir die Diskussion der „militanten“ Vegatarier merkwürdig vor, wenn sie das Leid der Tiere über das der Pflanzen stellen, nur weil sie deren „Schmerz“ nicht sehen können.

Die verborgene Lebenswelt der Pflanzen – die Akazie

Foto: Piet Marsfeld
Foto: Piet Marsfeld

Pflanzen können einander warnen. Wenn sich eine Giraffe an einer afrikanischen Akazie gütlich tut, schickt der Baum innerhalb kurzer Zeit einen Giftstoff in seine Blätter, die ihrerseits Äthylengas freisetzen, um die Akazien im Umkreis von 50 Metern zu warnen. Auf ähnliche Weise sich auch unsere Eichen vor Schädlingen.

Ein alter Hausfreund – Tierische Wettervorhersage

Foto: Piet Marsfeld
Foto: Piet Marsfeld

Man sagt, ich sei ein guter Meteorologe, ein besonnener Wetterkundler. Gibt es Sonnenschein, bin ich obenauf. Kommt der Regen, halte ich mich zurück; verdrießlich. Und wenn das Wetter für länger unfreundlich bleiben sollte: hinein ins Wasser.

Ich freier Natur kündige ich ein heranziehendes Gewitter  mit aufgeblähter Kehle lauthals an. Dann ist mein „Quak Quak“  oder auch ein „Krack Krack“ laut zu vernehmen. Bei feuchter Witterung bleibe ich allerdings stumm wie ein Fisch.  Unter uns: in Gefangenschaft irre ich mich auch schon mal…kein Wunder, da geht irgendwann der Kontakt zur Quelle etwas verloren, ähnlich dem schwankenden Handysignal in der Pampa…)
Ich werde drei- bis viereinhalb Zentimeter lang, bin obendrauf blattgrün, und unten herum grauweiß gefärbt. Beide Farben werden durch einen schwarzgelben Streifen voneinander getrennt. Bei Männchen, also wie bei mir, ist die Kehlhaut dunkel, beim sogenannten zarten Geschlecht ist sie eher hell getönt. Alle vierzehn Tage ist mir dann zum aus der Haut fahren. Ich häute mich dann, um mir ein frisches Gewand anzulegen.
Meine Lebensdauer? Nun, Verwandte von mir sind in Gefangenschaft acht bis zehn Jahre alt geworden.  Ich bin jetzt drei geworden.

Froschlaich - Foto: Piet Marsfeld
Froschlaich – Foto: Piet Marsfeld

Bekannt bin ich auch für meine sportlichen Fähigkeiten: ich schwimme fast so gut wie mein Artverwandter, der Wasserfrosch. Klettern kann ich ausgezeichnet und Springen sowieso.
Als Hausfreund zeige ich mich selbstverständlich nur von meiner besten Seite. Ich bin anspruchslos, sehr sparsam und, wenn es sein muss, sogar mit einer bescheidenen Unterkunft zufrieden; mit einem einfachen Glas.
Am besten gefällt mir in Gefangenschaft das Leben in einem hohen Terrarium, mit feuchtem Sand, kräftigen Sumpfpflanzen darin und einer Leiter (oder etwas vergleichbarem zum Klettern).Kälte vertrage ich soweit gut. Wärme und Trockenheit überstehe ich in geradezu bewundernswürdiger Weise, wie mein Freund, der Alfred Brehm es für sein „Tierleben“ richtig formuliert hatte.
tree-frog-67779_1280Was ich gern esse? Mücken, Stubenfliegen, Mehlwürmer und ähnliches. Ich nehme auch Spinnen, wenn ihr sie habt. Im Winter halte ich, nach alter Tradition, einen todähnlichen Schlaf. Füttert mich deshalb im Sommer gut, damit ich den Winter wohlgenährt überstehe. Gebt Eurem treuen Hausfreund aber auch in der kalten Jahreszeit hin und wieder eine Fliege; er wird es Euch danken.
Ich gewöhne mich bei Menschen schnell ein. Und wenn Ihr gut zu uns seid, fressen wir Euch vielleicht sogar aus der Hand.
Eine Bitte: lasst uns von Zeit zu Zeit durch die Stube springen, damit wir uns mal so richtig austoben können. Als Gegenleistung dafür, fangen wir Euch die Fliegen, Spinnen und Mücken weg. Gern geschehen.
Beinahe hätte ich es doch vergessen: Wie alle Tiere, die was von und auf sich halten, habe ich nach meinem gewöhnlichen auch einen lateinischen Namen. Man nennt mich in Fachkreisen auch „Hyla arborea“.
Es grüßt Euch Euer Wetterprophet.

B der Baumeister – Der Biber

Biber in Natur - Piet Marsfeld
Biber in Natur – Piet Marsfeld

»Ich habe Leute gekannt, die zwar lesen und schreiben konnten, die aber viel dümmer waren als ein alter erfahrener Biber«, sagt Falkenauge in Fennimore Coopers »Der Letzte der Mohikaner«. Schriftsteller und auch Zoologen bezeichnen den Biber als »Ingenieur«, und das so oft, dass man dessen schon überdrüssig ist, aber einen besseren Vergleich kann man sich wohl kaum ausdenken. Äußerlich ist der Biber ein imposantes Tier. Sein edles Fell mit warmer Unterwolle und harten Grannenhaaren ist zwecks größerer Elastizität und besseren Nässeschutzes mit einem öligen Sekret eingefettet. Nach jedem Bad reinigt der Biber es sorgfältig und »pomadisiert« es neu. Ehemals lebten Biber in ganz Europa (außer Spanien), in Sibirien, der Mongolei, in Nordchina und in Nordamerika von Alaska bis zum Rio Grande, aber sie wurden vielenorts erbarmungslos ausgerottet. Danach stellte man sie unter Schutz und siedelte sie erneut an.

beaver-803910_1280Jetzt regeneriert sich in Europa ihr Bestand, und die alten Verbreitungsgebiete entstehen gewissermaßen neu. Allerdings sind sich die Spezialisten noch nicht einig, ob es nun eine oder zwei Biberarten gibt. Auf jeden Fall weist der europäische Biber außer einigen Besonderheiten des Schädels einen schmaleren und längeren Schwanz auf als der amerikanische, und das Rückenfell hat keine rötlichen Töne. Biber wiegen zwischen neun und zweiunddreißig Kilogramm und können fünfundzwanzig Jahre alt werden, zumindest in Gefangenschaft. Sie haben einmal im Jahr, und zwar im April bzw. Mai, drei bis fünf, selten sechs Junge. Bereits nach ein, zwei Tagen können die Jungen schwimmen, und im Alter von drei Wochen fressen sie schon Pflanzen, obwohl die Mutter sie noch drei weitere Wochen säugt. Mit den Eltern bleiben sie bis zum Alter von zwei, drei Jahren zusammen. Biber fressen Rinde, Triebe, Blätter, wobei sie Espe und Weide, Sumpfgräser und Schilf, Schwert- und Wasserlilien bevorzugen. Für den Winter legen sie sich unter Wasser einen Vorrat an Zweigen an, mitunter fünfzig bis achtzig Kubikmeter!
Betrachtet man einen Biber von vorn, staunt man über seine stattlichen Schneidezähne, die über die Lippen hervorstehen. Dieses Grab- und Schneidewerkzeug ist universell einsetzbar. Mit ihm kann der Biber unter Wasser arbeiten, ohne das Maul zu öffnen. An der Nase fallen einem die beweglichen fleischi- gen Nüstern auf, die sich hermetisch schließen, wenn das Tier taucht. Es kann bis zu fünfzehn Minuten unter Wasser bleiben, ohne zum Atmen auftauchen zu müssen. Wenige nur hatten Gelegenheit, zu sehen, wie Biber ihre Schneidezähne unter Wasser handhaben, am Ufer jedenfalls entwickeln sie eine geradezu phantastische Produktivität: Innerhalb von zwei, drei Minuten fällen sie einen armstarken Baum!

beaver-223711_1280In einem französischen Nationalpark beobachtete der Zoologe P. Richard Biber, die voll und ganz mit Bauarbeiten beschäftigt waren, doch sei mir gestattet, zunächst ein wenig abzuschweifen und kurz zu sagen, welche Bautypen Biber so errichten. Man kann sie nur bestaunen und sich nur schwer vorstellen, daß ein Tier zu solchen Dingen fähig ist! Typ eins: die Biberbaue selbst. Die Tiere graben sie in hohe, feste Ufer, an Steilhängen. Der Eingang liegt ein oder zwei Meter tief unter Wasser; diese dunkle Öffnung, in die auch Fische hineinschwimmen dürfen, ohne daß die Biber sie behelligen, ist schräg nach oben gerichtet. Hat der Gang den Wasserspiegel des Flusses erreicht, wird er weiter unter die Wurzeln eines starken Baumes geführt. Dort wird der dunkle Schlafraum angelegt, der manchmal so groß ist, daß zwei Menschen gut und gern darin übernachten könnten. Hat der Fluß keine gleichbleibende Wasser- führung, sinkt bei Trockenheit sein Wasserspiegel, wird unter dem ersten Eingang in Richtung auf den Schlafraum eine weitere Höhle gegraben. Der Eingang muß unter Wasser liegen, das ist unerläßliche Bedingung. Manchmal hält die »Decke«, die Erdschicht über dem Schlafraum, nicht stand und stürzt ein. Dann häufen die Biber darüber Reisig auf. Bautyp zwei: Reisig- und Erdhütten, die anderthalb bis drei Meter über das Wasser hinausragen, ihr Durchmesser erreichtt zehn bis zwölf Meter. Der Eingang befindet sich gleichfalls unter Wasser. Typ drei: Kanäle. In sumpfigem Gelände verlaufen vom Bau aus wie Sonnenstrahlen auf einer Kinderzeichnung schmale und flache Wasserstreifen in verschiedene Richtungen — die Wasserst:raßen der Biber zum Arbeitsplatz und zu ihrem »Speiseraum«. Schon möglich, daß die Biber den Kanalbau gar nicht aktiv betrei- ben, sie gehen eben immer denselben Weg, und allmählich vertie- fen sich die Pfade und füllen sich mit Wasser. Aufmerksame Beobachter aber behaupten, dass die Biber sich ganz eindeutig bemühen, ihre Kanäle in Ordnung zu halten. Sie haben es nicht gerne, wenn Unrat hineingelangt. Auf diesen Wasserwegen flößen sie Baumstümpfe und Abfall, das ist leichter, als alles mit den Zähnen und Pfoten zu schleppen.

beaver-143703_1280Man behauptet, Biber hätten einmal einen Damm gebaut, der viereinhalb Meter hoch und 652 Meter lang gewesen sei! In Gemeinschaftsarbeit häufen Biber in Flussmitte Baumstämme, Steine, Zweige und Schlamm an, damit sich eine kleine Insel bildet. Danach türmen sie seitlich der Insel in Richtung Ufer Material auf, das sich für das Stauen von Wasser eignet, verflechten es mit Zweigen, bestreichen es mit Schlamm und Lehm stützen das Ganze mit Lanzen und Streben aus Stämmen ab, wobei sie diese nicht selten mit dem einen Ende gegen den Damm und mit dem anderen gegen einen Baum gegenüber lehnen. Sie stapeln und verflechten alles miteinander, bis sie das Ufer erreicht haben. Das Wasser steigt, fließt über, spült Hohlräume aus, doch die Bauleute lassen sich nicht beirren. Sie schleppen und flechten, sie häufen auf, sie verschmieren… Schon hat sich der Wasser- spiegel gehoben, glänzt eine ruhige, glatte Wasserfläche. Das überschüssige Wasser fließt durch einen gut funktionierenden Abfluss aus eng verflochtenen Zweigen ab. Eine solche Abflussrinne kann der Fluss nicht zerstören.
Doch mit einem einzigen Damm ist es nicht getan. Die Biber können nicht untätig mit ansehen, wie wertvolles Naß nutzlos irgendwohin abfließt. Also bauen sie stromab noch einen Damm, dann einen weiteren und immer noch einen…
Das Ergebnis ist eine ganze Kaskade von Teichen, aufeinanderfolgend wie Stufen einer großen Treppe, besser vergleicht man sie noch mit Staustufen. Manchmal allerdings stimmen die Biber ihre Vorhaben nicht mit den Plänen des Menschen ab und okkupieren ausgedehnte Heuwiesen für ihre Stauseen. In Amerika sind solche Fälle so häufig geworden, daß die Menschen Sprengstoff anwenden mußten. Doch die Biber stellen das Zerstörte schnell wieder her. Da verzichtete man auf Dynamit und trieb Dränagerohre durch den Damm, das heißt, man fügte dem nach Meinung der Bi ber ausreichen- den Abfluß noch einen weiteren oder zwei hinzu. Diesmal, meinten die Farmer, alles sei »okay«, und freuten sich schon, doch…

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAn dieser Stelle ist es wohl Zeit, in den französischem Nationalpark zu der angekündigten Geschichte über den Versuch von Richard zurückzukehren. Dem Beispiel der Amerikaner folgend, trieb auch er durch so einen Damm ein Loch und führte ein Dränagerohr hindurch, lang genug, damit die Eingangs- und Ausgangsöffnungen in genügend großem Abstand zu beiden Seiten des Staudammes zu liegen kamen. Das Wasser begann zu sinken.
Die Biber wurden unruhig. Anfangs gingen sie eiligst daran, das Bauwerk oben auf zustocken. Sie stopften alle Abflüsse zu, doch das Wasser floß weiter ab, und sie gaben die sinnlose Arbeit auf. Irgendwie aber müssen sie doch dahintergekommen sein, dass an allem das Rohr schuld war! Sie verstopften also die Einflussöffnung. Doch es gab nicht nur eine. Außer der Hauptöffnung waren da noch ein paar seitliche Löcher, die Richard in die Rohrwand gebohrt hatte und die die Biber nicht verstopfen konnten. Das große hatten sie zwar geschafft, aber alles, was sie in die kleinen stopften, riss das Wasser weg. Da gaben sie auch diese Arbeit auf.
Zoologen, die die Tiere aus Verstecken heraus beobachteten, amüsierten sich: Zu drollig sah es aus, wie die Biber hin und her liefen und Ausschau hielten, was denn nun noch nu tun bliebe, genau wie Bauleiter auf einer Baustelle. Die Biber kamen auf die Idee, auch das andere Endle des Rohres zu verstopfen. Doch dort erwies sich die Strömung, die im Rohr noch schneller wurde, als zu stark, und alles, womit sie die Öffnung zu verschließen suchten, wurde augenblicklich weggespült.
Da gaben sie auch diese Arbeit auf. Trotzdern aber fanden sie einen Ausweg! Sie errichteten einen Damm, der die untere Ausflussöffnung umschloss. Wenn das Wasser schon weg floss, dann doch wenigstens in ihren neuen Teich! Nach dieser Geschichte wird man es wohl kaum noch jemandem verdenken, wenn er die Biber als wahre Ingenieure bezeichnet!
Übrigens lassen sie im Winter einen Teil des aufgestauten Wassers ab, damit sich unter dem Eis Hohlräume bilden. In diesen Hohlräumen zwischen Eis und Wasser tummeln sie sich dann und fressen.

beaver-7471_1280Und noch etwas: Die Mitglieder einer Biberfamilie sind verträglich und friedlich, sie lieben sogar Spaß und Spiel. Ein Männchen lebt in der Regel sein ganzes Leben lang mit demselben Weibchen zusammen, auch wenn es bisweilen andere nicht verschmäht. Mit fremden Bibern aber machen sie nicht viel Federlesens, besonders wenn ihr Nahrungsrevier und das Wasser mit knapper Not für sie selber reichen oder wenn alle Weibchen längst vergeben sind. Dann bekämpfen sie einander erbarmungslos.
Gibt es aber einmal eine große Trockenheit und die Gewässer werden seicht, dann sammeln sich alle dort, wo noch Wasser verblieben ist. Sie unterlassen ihre Raufereien, und die hier ansässigen Biber vertreiben die Gäste nicht. Dürre ist eben ein Unglück, das alle gleichermaßen trifft.

Unter Schutz! Das rote Buch der Tiere

In Büchern, Zeitungsartikeln und Filmen liest, sieht und hört man immer wieder  alarmierende und empörende Meldungen vom Verschwinden vieler Arten von Wildtieren. Von Jahr zu Jahr aber nimmt auch die Zahl der Menschen zu, die sich aktiv für deren Rettung einsetzen, weil sie wegen der rasch voranschreitenden Verarmung der natürlichen Ressourcen unseres Planeten ernstlich besorgt sind.

Was aber sind nun die Ursachen für das Verschwinden ohnehin seltener Tiere? Da gibt es verschiedene. Zum Beispiel die Wilddieberei, doch dies ist nicht das Hauptübel. Einen nicht geringen Schaden fügen der Fauna in vielen Ländern private Tierparks zu, die seltene Tiere erwerben. Ein überzeugender Beweis hierfür, aber bei weitem nicht der einzige, ist der Fang von Orang-Utans. Dabei verfährt man üblicherweise wie folgt: Man tötet ein Weibchen, dessen Junges fällt vom Baum, man versucht es einzufangen; doch das gelingt nicht immer, und oft zieht sich das Junge dabei tödliche Verletzungen zu. Weiterlesen

Schule des Lebens – Instinkt & Lernen in der Tierwelt

Neben dem Instinkt ist das Lernen ein wichtiger Faktor im Verhalten von Tieren. Das klassische Beispiel des Lernens ist die Dressur. So werden Zirkustiere durch Herausbildung bedingter Reflexe dressiert, und dabei können erstaunliche Ergebnisse erzielt werden, besonders bei höheren Tieren.

Den gelähmten William Powell umsorgt eine ganz und gar ungewöhnliche Pflegerin —das Kapuzineräffchen Christel! Ausgebildet wurde es für diese für ein Säugetier nicht einfache Aufgabe von der Psychologin Mary Willard. Dieses Spezialtraining dauerte ein  Jahr, danach wurde die Äffin bei dem Kranken einquartiert.

Womit konnte sie dem wohl groß helfen? Mit vielem, wie sich zeigte. Auf bestimmte Signale Powells hin brachte Christel Bücher

und andere Gegenstände herbei, schaltete das Licht an und aus,

öffnete die Tür. Sogar den Plattenspieler konnte sie bedienen,

auch Platten auflegen. Ja sie fütterte sogar den Kranken mit dem

Löffel!Weiterlesen

Ein Herz für die Mücke

Man kann sagen, dass die Mücke ein Amphibium ist, ein Tier, das sowohl auf dem Lande als auch im Wasser lebt, das heißt, ihre Jugend verbringt die Mücke im Wasser, ihr Erwachsenendasein in der Luft. Das Mückenweibchen legt die winzigen Eierchen in einem stehenden Gewässer ab, und zwar eins nach dem anderen, und klebt sie dann mittels klebriger Ausscheidungen zusammen zu einem Klümpchen in Form eines Floßes. Dieses »Mückenschiffchen« schwimmt frei auf der Oberfläche des Teiches oder Tümpels; es ähnelt jenem »Kästlein von Rohr«, das einst für den kleinen Moses angefertigt worden sein soll, und enthält zweihundert bis dreihundert Eier, Es vergehen drei Tage, da platzen die Eier, oder besser gesagt, sie öffnen sich. An ihrem unteren Ende, das ins Wasser hängt, klappt wie eine Tür ein Deckelchen nach unten auf, und die einem Würmchen ähnelnde Larve sinkt, sich windend, in den heimatlichen Sumpf. Sie ist so flink, dass sie nur schwer zu fangen ist. Man strecke die Hand aus, um das Mückenbaby zu packen, doch blitzschnell wird es einem durch die Finger schlüpfen.Weiterlesen