Kategorie: Zeichnungen

Kunst | Edvard Munch – Feuersbrunst | Lithographie

EDVARD MUNCH | Feuersbrunst
Lithographie, um 1920 | Kunstbaus Zürich

In Munchs Nachbarschaft brach eine große Feuersbrunst aus. Der Maler kam mit Leinwand und Farbe gelaufen und fing an zu malen. Er hatte sich so nahe aufgestellt, dass die Feuerwehrleute ihn auffordern mussten, sich zu entfernen. «Sehen Sie nicht, dass ich arbeite Bitte warten Sie doch einen Augenblick mit dem Schlauch dort, es gibt ja nur Rauch», antwortete Munch.
Edvard Munch wurde am 12. Dezember 186) in Oslo als zweites Kind (von fünfen) des Armenarztes Christian Munch geboren. Fünfjährig verlor er die Mutter, ein paar Jahre später eine Schwester, beide an Tuberkulose; eine andere starb in geistiger Umnachtung. Auch Edvard war als Kind viel krank und blieb sein Leben lang ängstlich um seine Gesundheit besorgt, Kranke und Tote meidend. Mit dem schwermütig-frommen Vater verstand er sich schlecht, setzte es aber schließlich durch, Maler zu werden. Der große schöne junge Mann genoss dann das Leben in den Künstlerkreisen der norwegischen Hauptstadt in vollen Zügen. Auslandsreisen führten ihn von 1881 an nach Frankreich, Deutschland und Italien. Seine ersten Ausstellungen in Oslo und besonders 1812 in Berlin erregten Anstoß, Diskussionen, einen gewaltigen Pressestreit. Hier fand er auch seine ersten und größten Gönner, und hier begann er sein Riesenwerk, das er «Fries des Lebens» nannte.

«Es ist als eine Reihe zusammengehörender Bilder gedacht, die gesamthaft ein Bild des Lebens geben sollen, ein Gedicht vom Leben, von der Liebe und vom Tod.»

Munchs Leben war voller Unrast, Suchen und Angst. Schnell schloss er sich Menschen an, um sie ebenso rasch wieder von sich zu stoßen. Er war krankhaft scheu und misstrauisch, ganz besonders Frauen gegenüber. Jede Annäherung fasste er als Aufdringlichkeit auf.
Auch auf Landschaften reagierte er heftig. Er litt an Platzangst und Schwindelgefühlen. Linien und Farben seiner Umgebung konnte er als auf ihn zuströmend, ihn umschlingend und erwürgen wollend empfinden. Trost und Rettung fand er nur im Malen.

«Malen ist für mich eine Krankheit, die ich nicht loswerden will, ein Rausch, den ich brauche. Eigentlich warte ich darauf, Lust zum Malen zu bekommen. Viele meiner Bilder habe ich gemalt, fast ohne es zu wissen. »

Und:

«Wenn ich male, dann langweile ich mich am wenigsten.»

Parallel mit seinen Bildern entstanden die zahlreichen Radierungen, Lithographien und Holzschnitte, die oft dieselben Themen darstellen. Von seinen Werken trennte er sich nur ungern und verkaufte oder verschenkte sie gegen Ende seines Lebens nur an Leute, die ihm sympathisch waren. 1916 kaufte er die Besitzung Ekely bei Oslo, wo er jedoch nur das Erdgeschoss bewohnte, während sich im übrigen Hause die Blätter, Drucke, Zeichnungen und Bilder stapelten, letztere zum Teil auch im Garten, wo sie in Regen und Sonnenschein ihre «Rosskuren» durchmachten. Mobiliar und Hausgeräte besaß er nur die‘ nötigsten, dafür lagen überall Malerutensilien, Briefe, Kupferplatten, Steine herum, und es kam oft vor, dass er Bilder gestohlen wähnte, die doch nur irgendwo verstellt waren.
Der Lautsprecher war ständig in Betrieb, und das Licht brannte immer; so menschenscheu Munch auch war, er fürchtete die Stille und das Dunkel. Besuche empfing er immer weniger und nur nach vorheriger Anmeldung. Er starb am 23. Januar 1944 an einem Herzschlag, sein ganzes Besitztum der Stadt Oslo hinterlassend.

Gedanken zur Kunst| Raffael Santi & Pablo Picasso | Mutter und Kind

Raffael_PicassoRaffael und Picasso zeichnen beide, als ob sie sie mit der Feder schreiben; einmal in lang durchlaufenden Linien wie bei der Frisur im oberen Blatt; dann wieder in kurzen, in Richtung wechselnden, aber deswegen nicht unterbrochenen Zügen wie bei dem Kind im untersten Blatt.
Beide stellen mit Linien Helligkeit und Dunkelheit her; Picasso durch die Verdichtung von Mustern, Raffael durch die Häufung der Linien. In den beiden Blättern stehen freie Flächen gegen gedrängt volle Partien.
In beiden Zeichnungen hält die Mutter das Kind. Das Kind ist wie ein Teil der Mutter. Raffael unterstützt diese Abhängigkeit noch durch die Drehung des Kindes zum Antlitz der Madonna hin. Picasso betont die abschirmenden, schützenden Hände der Mutter. Darüber wendet sich der Kopf des Kindes von der Mutter weg, zur Welt hin.

Alfred Kubin ¦ Lebensrhythmen ¦ Federzeichnungen

Alfred Kubin (1877 – 1959) illustrierte als Grafiker über 70 Bücher, darunter Werke von Dostojewski, Edgar Allan Poe und Elias Canetti, veröffentlichte druckgrafische Mappenwerke (1921 „Am Rande des Lebens“, 1918 „Ein Totentanz“, 1941 „Abenteuer einer Zeichenfeder“, 1943 „Die Planeten“) und hinterließ tausende Federzeichnungen. Seine Themen: zwielichtiges &Morbidität. Vergleichbar mit James Ensors, der entwicklungsgeschichtlich allerdings ungleich wichtiger war. 1909 gründete er zusammen mit u.a. Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Adolf Erbslöh, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin und Karl Hofer die Neue Künstlervereinigung München (N.K.V.M.). Aus der N.K.V.M. ging 1911 die Redaktion des Blauen Reiters hervor, an deren zweiter Ausstellung, die nur grafische Arbeiten umfassten, er sich 1912 beteiligte.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden 63 seiner Werke als „Entartete Kunst“ diffamiert und konfisziert. Trotzdem erhielt er kein Ausstellungsverbot, sondern konnte 1941/42 im NS-Propagandablatt des Generalgouvernements, der Krakauer Zeitung, verschiedene Zeichnungen publizieren.

Mannsbilder • Bärenhetze • Darstellung aus dem Lutrell-Psalter

Der Luttrell-Psalter ist ein illustriertes Manuskript, das zwischen 1325 und 1335 von unbekannten Schreibern und Illustratoren erstellt wurde. Es wurde von Sir Geoffrey Luttrell († 1345), einem wohlhabenden englischen Landbesitzer aus Irnham, Lincolnshire in Auftrag gegeben. Der Psalter befindet sich im Bestand der British Library in London mit der Signatur Add. MS 42130. Die British Library veröffentlichte 2006 ein Faksimile des Luttrell-Psalters.

Bärenhetze im Lutrell-Psalter

Bärenhetze im Lutrell-Psalter

Johann Heinrich Füssli & Emil M. Cioran • Die süße Melancholie

Füssli, Johann Heinrich - Das Schweigen
Johann Heinrich Füssli – Das Schweigen – Entstehung:   1799–1801 –  Öl auf Leinwand –  Zürich / Kunsthaus – Epoche: Romantik 

trennlinie640„Das Mißverhältnis zwischen der Unendlichkeit der Welt und der Endlichkeit des Menschen ist ein ernster Grund zur Verzweiflung; betrachtet man es indessen aus einer traumhaften Perspektive, wie sie in den melancholischen Zuständen vorkommt, so hört es auf, marternd zu sein, und die Welt erglänzt in unheimlicher und krankhafter Schönheit. … Die Welt wird als 11 Schauspiel betrachtet und der Mensch als Zuschauer, der dem Verlauf gewisser Aspekte passiv beiwohnt.“ • Emil M. Cioran [rumänischer Philosoph und einer der bedeutenden Aphoristiker]

August Macke • Tänzerinnen • Randbemerkungen

August Macke - Tänzerinnen - 1907

Die Zeichnung „Tänzerinnen“ stammt aus August Mackes Skizzenbuch. Während einer Theatervorstellung in Berlin hat er sich einige wichtige Positionen einer Tänzerin notiert. Die Schnelligkeit seines Stifts suggeriert den Wirbel der Bewegungen, ohne je die organische Gestalt der Tänzerin zu verlieren, umschreibt zielsicher eine stoßende Geste, das Knieen, eine Pirouette. Das Furosio des Striches, obgleich Teil des Bewegungsausdrucks der bewegten Figuren, übersetzt das Sichtbare in fantasiereiche Kürzel.

Paul Klee • In der Luft über dem Wasser • Randbemerkungen über seine Handzeichungen

Paul Klee - In der Luft auf dem Wasser - 1928

Diese Handzeichnung stammt aus dem Jahr 1928. Mehr als die Hälfte der von Paul Klee hinterlassenen rund 9000 Werke sind Handzeichnungen. Auch wenn seine farbigen Kunstwerke eher bekannt sind, haben die Zeichnungen eine beherrschende Rolle bei ihm eingenommen, vergleichbar mit Leonardo, Delacroix oder Marées. Klees Handzeichnungen weisen nicht Bilder oder Bildvorhaben hin und sie wollen auch nicht Bilder sein. Seine Kunst ist antimonumental. Er wollte in neue Dimensionen vordringen: die Welt war für ihn nicht abgeschlossen sondern immer auf dem Wege. Klee fühlte sich an ihre Realitäten nicht sehr gebunden, weil er an diesen Form-Enden nicht das Wesen des natürlichen Schöpfungsprozesses sieht. Dem Künstler lag mehr an den formenden Kräften. Er ist vielleicht – ohne es gerade zu wollen – ein Philosoph. Er zeichnete um Dinge zu durchdringen und einen Kern zu finden. Bekannt ist Klee auch dafür, dass er sehr viel Wert auf die Betitelung seiner Werke legte. Wie immer, ist bei der oberen Zeichnung „In der Luft über dem Wasser“ der Titel mit Bedacht gewählt und ist eine ergänzende Aussage.