Kategorie: Surrealismus

Max Ernst | Die Sphinx erwacht | Tuschezeichnung

Die Sphinx erwacht. Blatt aus dem vierten Heft der surrealistischen «Semaine de la bonté» von Max Ernst. Paris 1934

Durch die Vereinigung des Heterogenen, werden quälendste Effekte erzielt. Ein Sarg voll farbiger Tuschfläschchen, ein toter Stier auf einem Konzertflügel, eine Nähmaschine, auf dem Hochaltar — im Surrealismus bekundet sich ein Wille zur verletzenden Durchmischung aller Sphären. Von einer automatenhaften Objektivität des Nebeneinanderstellens kann ernstlich dabei kaum die Rede sein. Das scheinbar passive, neutrale Bewusstsein des Arrangeurs wird von wohl fassbaren, blasphemischen Absichten gesteuert. Unversehens entstehen so auch apokalyptische Bilder. Wenn die Sphinx erwacht, steht der Zug still, verwandelt sich der Mensch, zerreißt die rationale Ordnung der Welt und wird der unheimliche Grund aller Dinge offenbar. Dantes Hölle ist keine schizophrene, keine surrealistische Vision. Das Schreckliche in ihr sind die Extreme begreifbarer und organisch in sich verbundener Vorgänge. Joyce, Cocteau, Ernst und andere tasten hingegen in eine Welt des Unheimlichen vor, in der das Grauen aus der Gleichzeitigkeit und Nachbarschaft des völlig Unzusammengehörigen entsteht. Der moderne, ungeborgene Mensch muss auch die Hölle dieser Möglichkeiten durchwandern.

Gedanken zur Kunst | Salvador Dali | Vorahnung des Bürgerkriegs | 1936

Der volle Titel dieses Werkes lautet:

„Weiche Konstruktion mit gekochten Bohnen – Vorahnung des Bürgerkrieges“.

Das Gemälde entstand 1936, dem Jahr, als der spanische Bürgerkrieg (1936 – 1939) ausbrach. Seine rätselhaften und schockierenden Gegenstände vermitteln die Mischung von Entsetzen, Wahnsinn und Unsinnigkeit, welche den Beobachter der politischen Geschehnisse unserer Zeit befallen kann. Dalí kam 1904 in Figueras [Katalonien] zur Welt. Von der Kunstakademie wurde er bald wieder ausgeschlossen. 1929 siedelte er nach Paris über, dem damaligen künstlerischen Zentrum, und schloss sich der Bewegung des Surrealismus an.. Die Surrealisten wollen die Welt des Unbewussten, des Traums, des mit dem Verstand nicht mehr erfassbaren Übersinnlichen erforschen und darstellen. Vor der deutschen Invasion emigrierte Dalí 1940 in die USA, wo er mit einer neuen Epoche seines Schaffens, die religiöse Themen verarbeitete, großen Erfolg hatte. Nach dem krieg kehrte er nach Spanien zurück.

Allein die Gegenüberstellung was einer alltäglichen, vertrauten Welt und was einer gespenstisch-verkehrten entstammt, lässt einen erschaudern. Was stellt für Sie die Hauptfigur des Bildes dar: Symbol für die Kriegsopfer—-Personifizierung des Krieges…Gespenst des Schreckens…?

Ich habe dieses Werk Dalís ausgewählt, weil ich in meinen alten Schulheften folgende Anmerkung fand:

Dalí wird meiner Meinung nach nicht seiner Bilder wegen vielfach als verrückt bezeichnet, sondern wegen der Titel, die er unter die Bilder setzt. Man sucht Parallelen zwischen Bild und Titel, findet aber keine.

Nun, heute bin ich mir nicht sicher, ob ich das noch so unterschreiben würde; dennoch, Einfallsreichtum hat er immer wieder bewiesen. Wie Paul Klee übrigens auch. Auch er legte sehr viel Wert auf die Titel seiner Werke.

Einen interessanten Aspekt haben solche Kunstwerke für mich zudem: Beim Betrachten versuche ich mir vorzustellen, ob dieses heute auch so gemalt werden würde. Welche Metaphern heute eingespielt werden würden. …