Kategorie: Illustration

Max Ernst | Die Sphinx erwacht | Tuschezeichnung

Die Sphinx erwacht. Blatt aus dem vierten Heft der surrealistischen «Semaine de la bonté» von Max Ernst. Paris 1934

Durch die Vereinigung des Heterogenen, werden quälendste Effekte erzielt. Ein Sarg voll farbiger Tuschfläschchen, ein toter Stier auf einem Konzertflügel, eine Nähmaschine, auf dem Hochaltar — im Surrealismus bekundet sich ein Wille zur verletzenden Durchmischung aller Sphären. Von einer automatenhaften Objektivität des Nebeneinanderstellens kann ernstlich dabei kaum die Rede sein. Das scheinbar passive, neutrale Bewusstsein des Arrangeurs wird von wohl fassbaren, blasphemischen Absichten gesteuert. Unversehens entstehen so auch apokalyptische Bilder. Wenn die Sphinx erwacht, steht der Zug still, verwandelt sich der Mensch, zerreißt die rationale Ordnung der Welt und wird der unheimliche Grund aller Dinge offenbar. Dantes Hölle ist keine schizophrene, keine surrealistische Vision. Das Schreckliche in ihr sind die Extreme begreifbarer und organisch in sich verbundener Vorgänge. Joyce, Cocteau, Ernst und andere tasten hingegen in eine Welt des Unheimlichen vor, in der das Grauen aus der Gleichzeitigkeit und Nachbarschaft des völlig Unzusammengehörigen entsteht. Der moderne, ungeborgene Mensch muss auch die Hölle dieser Möglichkeiten durchwandern.

Menschenbilder | Wilhelm Busch | Anleitung zu historischen Porträts

Wilhelm Busch
Anleitung zu historischen Porträts

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EINS

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Zum Beispiel machen wir zum Spaß
Mal erstens das!

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Dann zweitens zur Erheiterung
Kommt dieses als Erweiterung.

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Zum dritten, wie auch zum Vergnügen,
Ist folgendes hinzuzufügen.

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Hierauf noch viertens mit Pläsier
Gelangen wir zu diesem hier.

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Zum Schluß noch dieses! – Ei Potzblitz!
So haben wir den Alten Fritz.

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ZWEI

Mach still und froh

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Mal so

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und so,

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Gleich steht er do

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bei Austerlitz

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und Waterloo.

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DREI

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Gesetzt, daß dies ein Kürbis sei,
Eine Gurke und drei Radi dabei;

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So wär’s nicht übel, sollt‘ ich meinen,
Kürbis und Gurke zu vereinen;

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Denn setzen wir jetzt die Radi dran,
So haben wir noch einen großen Mann.

Philosophie | Plato und die Musen

Sokrates und Plato. Frontispiz von «Prognostika Sokratis basilei». Ein englisches Wahrsagebuch aus dem 13.Jahrhundert. Wahrscheinlich das Werk von Matthew Paris. Bodleian Library, Oxford. MS. Ashmole 304, fol. 31 v.

***

Plato hat nicht nur eine der schönsten Verherrlichungen der Musen geschrieben, sondern ihnen auch eine der grundsätzlichsten Absagen erteilt. Was der junge Plato liebens- und lobenswert fand, verbannte der alte Plato aus seinem «Staat». Der Dichter-Philosoph lebte einen Konflikt, der eine abendländische Konstituante darstellt: der Kampf zwischen Minerva und den Musen, zwischen der Philosophie und der Dichtung, zwischen dem Begriff und dem Bild um den ersten Platz. Ein Kampf, der auch in unserer Zeit auf beiden Seiten seine Opfer forderte.

Kunst | Georges Braque | Hesiod und Muse

Georges Braque (geb. 1882): Hesiod und Muse. 1932. Radierung, 36,5×30 cm. Aus «Hésiode. Théogonie». Paris, AmbroiseVollard

«Und die Musen ließen mich einen Stab brechen, vom mächtigen Lorbeerbaum den Zweig, den ansehnlichen; und sie hauchten mir göttliche Stimme ein, dass ich künden möge, was sein wird und einst war; und sie hießen mich preisen der Seligen Geschlecht, der ewig Lebenden, sie selbst aber als Erstes und Letztes immerdar zu besingen», schreibt Hesiod in der «Théogonie». Er ist es auch, der als erster die Namen der neun Musen nennt; denn ursprünglich sprach man nur von einer Muse, dann von drei, bis sich die Neunzahl durchsetzte. Hesiod sind die Musen auf dem Berge Helikon erschienen und haben sich ihm auf zweideutige Art vorgestellt: «Wir wissen viel Erdichtetes zu sagen, als wäre es Wirklichkeit, wir wissen aber, wenn wir wollen, Wahrhaftiges zu künden.»

Gedanken zur Kunst | Lorenz Stöer | Geometria et Perspectiva | Eine Frage der Körperlichkeit

Künstler stehen oft vor der Frage: Wie lässt sich dreidimensionale Körperlichkeit, wie lässt sich Raum auf der zweidimensionalen Fläche, die der Zeichner zur Verfügung hat, darstellen?

Lorenz Stöer | (S)eine Antwort auf die Frage

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Dieses Blatt (Nr. 2) aus den „geometria et perspectiva“ | Holzschnitt 1556 | Kunstsammlungen der Stadt Augsburg

Jede Linie führt den blick in die Tiefe. Links vom Monogramm LS an der Unterkante des Blattes haben die beiden Richtungen, die in den raum hineinweisen, ihren Ausgangspunkt: rechts oder links an der Pyramide vorbei. Wer – links entlang – durch die Ruine oder – rechts entlang – durch die kunstvolle Phantasiekonstruktion hindurchblickt, sieht eine Landschaft, die völlig anders wirkt als die konstruierten Hürden auf dem Wege dorthin. Bis man dort ist, dient alles nur der Herstellung von Raum; man schaut an Formen schräg entlang; die Körper verdecken einander teilweise. Sie geben Durchblicke frei; sie verkürzen sich und werden immer kleiner. Sie lassen den Blick von Stufe zu Stufe springen. Selbst die Bergketten sind sorgsam voreinander aufgereiht.

Geometria et Perspectiva |Lorenz Stöer

Titel: 2
Jahr: 1567
Größe: ?
Technik: Holzschnitt
Farbe: schwarz/weiß
Motiv: Ruinenlanschaft mit Tetraeder und Ikosaeder
Bemerkungen: 2. Holzschnitt aus einer Serie von 11

Aus dem Intro der Buchausgabe

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privilegio nit nachzedruckhen. 1567

Das Titelblatt

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Friedrich Eduard Bilz • Das Volk im Zukunftsstaat • 1904 • Illustration

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Das Volk im Zukunftsstaat, Illustration von Friedrich Eduard Bilz, 1904

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Friedrich Eduard Bilz – Scan aus aus dem Buch: Gerhard Paul (Hrsg.): Das Jahrhundert der Bilder. Band I: 1900 bis 1949. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009 ISBN 978-3-89331-949-7.

Friedrich Eduard Bilz (1842 – 1922) war ein deutscher Naturheilkundler und Lebensreformer. Er wird auch als Vater der volkstümlichen Naturheilkunde bezeichnet. Seine Bücher erzielten eine Auflage von ca. 3,5 Millionen Exemplaren und wurden in zwölf Sprachen übersetzt. Nach seinem Tod wurde er direkt rechts vom Grabmal von Karl May beigesetzt, mit dem er freundschaftlich verbunden war.

1902 entwickelte Bilz zusammen mit dem lippischen Kaufmann und Getränkefachmann Franz Hartmann die Bilz-Brause, aus der 1905 Sinalco (sine alcohole = ohne Alkohol) wurde.

Eduard Bilz war Leser und enger Freund von Karl May.