Kategorie: Junge Autoren

Der schleimige Strich, den sie über den Weg zog

Im kleinen Gehölz am Ende des Parks trat er beinah auf eine rote Wegschnecke. Langsam bog er seinen Rücken, um sie zu beobachten. Und unendlich vorsichtig richtete er sich wieder auf, als befürchtete er, das Tier könnte beim geringsten Laut explodieren. Der schleimige Strich, den sie über den Weg zog, schnitt ihm für immer ein Stück Erde ab.
Seine Frau Johanna brachte ihn nicht mehr dazu, das Gehölz zu betreten. Den Rest des Tages blieb er verstimmt.

Den Bienen aber ging er fleißig nach, seitdem Johanna ihm an einer Pflanze des Löwenmauls gezeigt hatte, wie sie mit winzigen Kopfstößen in die Blüten ihren Schatz von Süßigkeit hoben.
»Was für ein gescheiter Kopf«, rief er ein übers andre Mal.
Auf den Fußspitzen näherte er sich dem Beet und forschte durch die Lesebrille wie durch eine Vitrine eines Naturalienkabinetts.
Dem Umstand, dass die Bienen neben dem Löwenmaul auch andre Blumen angingen, schenkte er keinerlei Beachtung. Beim Löwenmaul suchte er sie und nirgendwo anders, so wie er auch von den Gartengerüchen einzig und allein den Duft des späten Phloxes anerkannte, den er mit selbstbewusster Miene ›sehen ging‹, sobald er ihn witterte.

Vor der Rabatte angelangt, setzte er die Stahlbrille auf und beugte sich über die Dolden, um den Duft gewissermaßen durch die Gläser einzuatmen.

espresso-art | Das Löwenmaul | Foto: Oliver Simon

Frank Adamik | Ich, der Voyeur

Mich interessiert kein Kontakt
mit anderen Menschen
vielleicht gar nackt.

Mich lockt keine Bar
kein gutes Essen
sowieso kein Altar.

Ich brauch kein Telefon
keine Frau
keinen Sohn.
Mich langweilt viel
fast jedes Gespräch
jedes Spiel.

Drogen nehmen
Geld verdienen
politische Themen
es summt im Kopf wie bei den Bienen.

Weil ich in meinem Glück – auf gewisse Art – bescheiden bin:

In der frühen Nacht
hab ich meine Lichter ausgemacht
dann nehm ich Dich mein Teleobjektiv
schauen wir uns an
ganz subversiv
was die Nachbarn tun.

Wir stehen dicht an der Wand
und hätte nie geglaubt
sehen dabei so allerhand
was mir Verstand und Atem raubt!
Es fixt mich an
und hole mir
ihr Leben ganz nah ran.

Frank Adamik
*1959 | lebt in Norderstedt bei Hamburg & übt sich seit einigen Jahren in der Lyrik.

Getragene Verschlossenheit

… Mit einer offen zur Schau getragenen Verschlossenheit, wartete er darauf angesprochen zu werden. Währenddessen beobachteten ihn Stichlinge. …

 Oliver Simon © 2016

Die Idee hinter dem Zweizeiler ist es, Sie & Euch einzuladen, den gelieferten Gedankenfaden weiter zu spinnen. Gern auch, indem Sie und Ihr uns am gesponnen Faden als Kommentar teilhaben lassen. Wenn Ihnen dazu eine gute Kurzgeschichte einfällt, würden wir diese hier auch gern veröffentlichen.