Kategorie: Gesundheit

Mein Leben auf Heroin – Peter Grau* über Alltag, Libido & Zukunft

Heroin-Medikamentenflasche von Bayer
Heroin-Medikamentenflasche von Bayer

Herr Grau*, Sie haben mit 14 Jahren erstmals Heroin genommen und sind heute 42 Jahre alt. Gab es dazwischen eine Zeit, in der Sie keine Drogen konsumiert haben?
Nein, ich führe ein Leben unter andauerndem Opiateinfluss.

Sie sind also seit 28 Jahren nie völlig nüchtern gewesen?
Ja, und ich weiß, dass das für Außenstehende tatsächlich schwer nachzuvollziehen ist. Die meisten haben ein gut funktionierendes soziales Umfeld, Familie und Arbeit – etwas, das ihr Leben erfüllt. Das hatte ich schon als Jugendlicher nicht. Heroin hat mir alles gegeben, was mir fehlte. Und es ist noch heute ein Ersatz für vieles, das ich nicht hatte.

Das klingt, als hätten Sie resigniert.
Das mag so klingen. Aber ich bin nicht unzufrieden mit der Situation. Klar wünscht man sich bisweilen, voll in der Gesellschaft integriert zu sein. Aber für mich hat sich diese Option nie ergeben.

Warum nicht?
Ich habe große Mühe, mich auf andere Menschen einzulassen oder mich einzugliedern. Das habe ich nie gelernt. Ich wurde bereits in der Schule ausgegrenzt und hatte große Probleme mit meinen Mitschülern. Zu Hause habe ich nie einen normalen, liebevollen Umgang erlebt. Mein Vater war gewalttätig und hat unsere Familie früh verlassen. Meine Mutter hat mich mit 15 Jahren in ein staatliches Heim gesteckt. Das hat mir das Herz gebrochen und es hat mich fürs Leben geprägt. Ich wurde zum Misanthrop, wollte nie ein bürgerliches Leben führen. Ich hatte auch oft den Wunsch, nicht mehr weiterzuleben. Die Drogen haben mir in solchen Momenten geholfen.

Wie muss man sich einen Heroin-Flash vorstellen?
Ich erlebe alle Glücksgefühle, die mir sonst im Leben verwehrt sind. Wärme und Geborgenheit durchströmen einen.
Sie nehmen heute im Rahmen einer Substitutionsbehandlung einer Suchtklinik zweimal täglich Heroin.

Wie sind Sie in dieses Abgabeprogramm gelangt?
In der Drogenszene ging sehr bald das Gerücht um, dass ein solches Programm starten wird. Bei der zweiten Anmeldungswelle im Jahr 1996 wurde ich in das Heroinabgabeprogramm aufgenommen. Ich war die Nummer 202. Daran erinnere ich mich noch ganz genau.

Wie hat sich Ihr Leben dadurch verändert?
Ganz ehrlich? Ich glaube, ohne dieses Programm wäre ich schon längst tot. Es war wie im Paradies. Nach dem Schock der Schließung mehrer Plätze waren wir alle froh, dass es solche Anlaufstellen gibt. Ich bekam reinen Stoff unter sehr hygienischen Bedingungen. Mein Alltag erlangte plötzlich Strukturen, was vorher nie der Fall war. Irgendwann brauchte ich auch keinen Beistand mehr und konnte in einer eigenen Wohnung leben. Das klingt alles ganz banal. Aber diese Veränderungen haben mir sehr viel abverlangt. Heute habe ich Stabilität und innere Ruhe gefunden.

War ein Umstieg auf Methadon keine Option?
Ich habe es etwa vor zehn Jahren versucht. Es hat nicht dieselbe Wirkung wie Heroin. Methadon macht träge, schläfrig und antriebslos. Deshalb konsumieren viele neben Methadon auch noch Kokain und Amphetamin. Ich persönlich vertrage es auch körperlich nicht gut. Deshalb nehme ich seit 1996 nur noch Heroin.

Wie sieht Ihr Alltag aus?
Es ist sicher nicht ein Alltag, den man als «normal» bezeichnen würde. Ich habe nie gearbeitet. Dazu bin ich weder physisch noch psychisch fähig. Ich lebe seit 1994 von einer Invalidenrente. Ich gehe regelmäßig spazieren. Sport kann ich allerdings nicht mehr treiben. Mein Körper ist zu kaputt. Aber ich habe ein Hobby gefunden, das meinen Tag erfüllt: Ich liebe Onlinegames und habe inzwischen einen Clan von etwa 40 Leuten aufgebaut, mit denen ich regelmäßig spiele.

Sind Sie Single?
Ja. Aber, ich lebe seit 20 Jahren mit einem Mann zusammen. Wir haben uns auf den Hansaplatz kennen gelernt und danach eine Zeit lang in einer städtischen Betreuungseinrichtung zusammengewohnt. Später haben wir uns wieder getroffen und leben heute in einer privaten 2½-Zimmer-Wohnung, die uns der Bruder meines Wohnpartners vermietet. Wir führen ein sehr glückliches Leben. Ich habe in ihm einen Menschen gefunden, dem ich bedingungslos vertrauen kann und der mich in allem unterstützt. Es ist aber eine rein platonische Beziehung. Ich bin heterosexuell. Meine Libido hat sich aber vor zehn Jahren verabschiedet.

Wegen der Opiate?
Ich denke schon. Heroin ist auch hier eine Art Ersatz. Wenn ich Heroin nehme, ist das wie ein erotischer Akt. Ich vermisse den Sex daher nicht. Abgesehen davon konnte ich mich als junger Mann halbwegs ausleben. Auf den Drogenstrich bin ich aber nie gegangen. Ich habe meine Sucht anders finanziert. Ein Jahr lang war ich wegen diverser Einbrüche in Haft. Ich bin nicht stolz auf dieses Kapitel in meinem Leben. Aber ich habe für meine Fehler gebüßt.

Hatten Sie nie den Wunsch, einen Entzug zu machen und ganz ohne Drogen zu leben?
Nein. Ich kenne nichts anderes und sehe darum auch nicht ein, was am Leben ohne Drogen erstrebenswert wäre.

Verstecken Sie sich hinter der Droge?
Das ist schon möglich. Und es gibt auch Tage, an denen ich es bereue, dass ich ein Leben in Abhängigkeit führe und deshalb nicht viel von der Welt sehen kann. Aber ich hatte die Wahl, und meine Wahl fiel immer auf die Drogen.

Kritiker der kontrollierten Drogenabgabe sind der Meinung, das Programm müsse auf den Ausstieg aus den Drogen hinzielen. Was sagen Sie dazu?
Man muss das etwas differenzierter sehen. Bei jungen Menschen, die frisch in die harten Drogen eingestiegen sind und den Absprung vielleicht noch schaffen, wäre ein Ausstieg als Programmziel sicher realistisch. Aber bei alten Junkies wie mir ist das keine Option mehr. Wer etwas anderes behauptet, lügt. Es gibt Menschen, die Drogen brauchen, um die Welt zu ertragen. Ich gehöre dazu. Es ist mir bewusst, dass das für Außenstehende schockierend wirkt, aber ich will nichts beschönigen.

Hatten Sie nie ein schlechtes Gewissen, das Sie komplett vom Staat leben?
Nein, weil ich dem Staat eine Mitschuld daran gebe, dass ich so geworden bin. Ich wurde in der Schule ausgestoßen und später auch von Menschen schlecht behandelt, die für den Staat arbeiten.

Ist Heroin noch angesagt?
Die Droge entspricht sicher nicht mehr dem Zeitgeist. Ich glaube, junge Leute setzen heute eher auf leistungsfördernde Drogen wie Kokain und Amphetamin. Wenn ich heute 16 Jahre alt wäre, dann hätte ich kaum Heroin genommen.

* realer Name der Redaktion bekannt.

Das Interview führte Oliver Simon

Cats Medienkommentar: Die Lust am Gruseln

Alte und verlassene Orte faszinieren Menschen – heute vielleicht mehr denn je

Verlassene Orte, mythische Geschichten, gut oder feindlich gesonnene Geister – Gruseln liegt im Trend. Interessanterweise vor allem, wenn das Publikum weiblich ist. Erst kürzlich kam mit „Crimson Peak“ eine neue Gothic-Romanze mit Gänsehautfaktor in die Kinos – mit Intrigen, Abgründen, und einer Menge düsterer Geheimnisse. Die „dunkle Seite des Seins“ scheint momentan wieder an Einfluss zu gewinnen – aber warum? Ein Erklärungsversuch.

Zugegeben, Spuk- und Geistergeschichten sind nun wirklich kein neues Phänomen unserer Zeit. Es gab sie nämlich schon in der Literatur alle Zeiten, vor allem aber während der viktorianischen Ära in Großbritannien und in den USA. Die Lust am Schaudern, die viele Menschen der modernen Literatur verspürten, brachte einigen Autoren und Autorinnen aller Sprachen und Hintergründe große Erfolge ein. Erwähnt man noch heute zum Beispiel die Namen Bram Stoker, Mary Shelley, Nathaniel Hawthorne oder Edgar Allan Poe, weiß jeder Leser, dass der Inhalt der Geschichten sie das Fürchten lehren soll. Nun gibt es sicherlich nicht mehr so viele Leser „alter Schinken“ (aucn wenn ich mich definitiv hier als solcher outen möchte), dennoch scheint der Erfolg der Genres Horror, Mystery, Thriller und verwandter Kategorien auf dem Buchmarkt ungebrochen.

Alte Muster, neue Medien

Der Schauerroman, auch zum Teil als „Gothic Novel“ oder „Dark Romance“ lässt sich also schwer als einzelnes Genre eingrenzen, was der Faszination dieser Nische in der Literatur aber keinerlei Abbruch tut. Was sich allerdings auf jeden Fall ebenso aufgefächert hat, ist die mediale Umsetzung. Auch Vampirromane und Filme rund um die mystischen Blutsauger haben in den letzten Jahrzehnten wieder stark an Zulauf gewonnen, auch wenn ich keinesfalls „Bram Stoker’s Dracula“ hier mit „Twilight“ oder „Vampire Diaries“ auf eine Stufe stellen möchte. Klassiker bleiben eben Klassiker, egal, wie man es dreht und wendet. Sie haben eben ein anderes Zielpublikum als manch aktueller Bestseller und das ist auch in Ordnung so. Oder, wie meine Oma sagen würde: „Auf jeden Topf passt ein Deckel“ – das gilt wohl auch für Leser und Kinogänger. Was jedoch bei den meisten Schauerroman und Gruselfilmen auffällt: Irgendein durchgehendes Muster gibt es immer. Oft geraten unschuldige, naive Frauen (selten Männer) an die falsche Bekanntschaft und landen so in Situationen, die ihnen Angst und Schrecken einjagen. Wenn sie es denn schaffen, kostet es sie zumindest viel Schweiß, Tränen, Blut und Mühe, sich wieder alleine oder mit Hilfe aus ihrer Situation zu befreien. Grundsätzlich mit dabei ist auch jener Charakter, der sich als „geheimnisvoller Fremder“ bezeichnen lässt. Kurz gesagt, der Typus Mann, vor dem Mutti die Protagonistin schon immer gewarnt hat und der dennoch eine magische Anziehungskraft auf seine (weibliche) Umwelt auszuüben scheint. Na gut, das Mädchen will ja nicht hören, dann landet sie eben in einem Schloss, wo Spuk, Gewalt und dunkle Geheimnisse warten. Bis ein „echter“ Prinz sie retten kommt – oder sie sich selbst wieder davonschleppen kann. Und der Zuschauer? Er fiebert, leidet und schaudert mit, einfach aus einer Identifikation und einer bestimmten „Angstlust“ heraus.

"Nimmermehr" - Poe gehört zu den Großen im Schauer- und Krimigenre
„Nimmermehr“ – Poe gehört zu den Großen im Schauer- und Krimigenre

Die Suche nach dem Verborgenen

Dass Menschen von Angst auch erregt werden, ist durch neurologische und verhaltenspsychologische Studien längst erwiesen. Die Angst löst buchstäblich einen Schauer aus – einen, der als Wohlgefühl empfunden werden kann, wenn der Betrachter eines Grusel-, Kriminal- oder Horrorstreifens sich in Sicherheit wähnt. Aber ist das wirklich alles, was die Faszination des Gruselns und Rätselns ausmacht? Ich möchte hier einfach mal mit einem „nein“ antworten. Denn die Gründe, warum uns das „Abgründige“ derart fasziniert, liegen tief in unseren Ängsten und Sehnsüchten verwurzelt. Ich nehme an, in genau den Sehnsüchten, die unsere Lebensumgebung uns scheinbar nicht mehr erfüllen kann. Es geht um große Emotionen, hoffnungslose Romantik, tiefe Einblicke in die Abgründe und Verwundbarkeiten des menschlichen Daseins. Kurz: Es scheint, als würden viele von uns nach dem Verborgenen und Geheimnisvollen suchen, nach dem, was nicht sofort ersichtlich und erklärbar ist.

Alles überschaubar? Es gibt kaum etwas, das noch nicht durchleuchtet ist
Alles überschaubar? Es gibt kaum etwas, das noch nicht durchleuchtet ist

Mystische Bilder in einer sterilen Welt

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Es gibt kaum etwas vom Nordpol bis Afrika, das sich nicht schlüssig wissenschaftlich erklären ließe, und natürlich hat dieser Umstand viele Vorteile. Wir haben im wörtlichen Sinne immer „den Durchblick“ oder finden zumindest jemanden, einen Arzt, Forscher oder Experten, der ihn hat, wenn er uns fehlt. Sogar unsere Körper sind „gläsern“ – mit ein wenig medizinischem Wissen und entsprechenden Tests können Ärzte fast alles über unseren Fitness-, Krankheits- oder Gesundheitszustand herausfinden. Einerseits hilft Transparenz in vielen Lebenssituationen, andererseits kann die totale Durchschaubarkeit des (Mit-)Menschen und dessen Lebensart auch ziemlich bedrohlich und befremdlich wirken. Oder man könnte sagen: Viele von uns fühlen sich wie vor einer glatten, sterilen Spiegelfläche, die keine Abweichung und kein Geheimnis mehr zulässt. Oftmals beginnt das Testen, Prüfen und Bewerten schon vor unserer Geburt, denn in pränatalen Testverfahren bleibt kaum eine Besonderheit oder ein genetischer „Defekt“ unbemerkt. Vom Beginn unseres Lebens an werden wir gewogen, vermessen, in „normal“, „überdurchschnittlich“ und „unterdurchschnittlich“ eingeteilt. Mal mit Schulnoten, mal ohne – es scheint, als stünde man als menschliches Wesen per se ständig auf dem Prüfstand. Wer möchte es seinen Zeitgenossen da übelnehmen, wenn sie zumindest in Gedanken vor dem Spiegelkabinett in verdunkelte, geheimnisvolle Räume flüchten?

Romantik und Schaudern: Rückzugsräume für unsere Empfindungen
Romantik und Schaudern: Rückzugsräume für unsere Empfindungen

Den Zauber wiederfinden

Trost und das Gefühl von Geborgenheit in einer grell erleuchteten Welt finden Empfindsame eben in inneren Bildern, ob diese nun durchs Lesen, Hören oder Betrachten entstehen. Das können hoffnungslos kitschige Liebesfilme sein, aber auch Schauerromane und Krimis, die durch ihre abgründige Tiefe das Innerste und Unterbewusste wieder aufwecken. Man könnte kurz sagen: Wer viele romantische, mystische und geheimnisvolle Welten durch Bücher und Filme erkundet, könnte auf der Suche zu einem neuen Zugang zur Welt sein und, nicht zu vergessen, zu sich selbst. Manchmal suchen Menschen eben eine „Hintertür“, die aus dem sterilen, vollkommen überblickbaren Raum in eine neue, unbekannte Nische führt, oder eben den berüchtigten „Geheimgang“. Vielleicht, um irgendwo da drinnen etwas zu erfahren, das noch nicht erforscht ist – und es dann als neue Erkenntnis in der „Welt da draußen“ einzusetzen. Ähnliches widerfährt übrigens Edith, der Protagonistin in „Crimson Peak“. Sie reagiert sensibel auf die „Geister“ und Stimmen des von Verbrechen überschatteten Familienanwesens und schafft es so letztendlich (gut, mit etwas ärztlicher und spiritueller Hilfe), den Ort von all diesen Einflüssen zu befreien. Und dann geht sie wieder ihrer Wege und lässt das Vergangene Erinnerung sein – wie wir alle es letztendlich tun.

Cats Gedankenwelt: Alltägliche Störgeräusche

Wenn Geräusche uns den letzten Nerv rauben ...
Wenn Geräusche uns den letzten Nerv rauben …

Unsere Ohren sind 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche im Dauereinsatz. Während wir zum Schlafen unsere Augen schließen können, können wir die Ohren (leider) nicht einfach stumm schalten oder zuklappen. Dabei bekommt unser Hörorgan einiges mit – von Geräuschen, die angenehme Gefühle auslösen, bis hin zu absoluten Nervenkillern. Ein Alphabet der nervigsten Geräusche, gesammelt in meinem Facebook-Netzwerk.

Atem im Nacken – Ob im überfüllten Bus oder auf einer Großveranstaltung, ein bisschen Respektabstand muss sein. Zumindest so viel, dass man nicht jeden Atemzug seines Hintermanns hört.

Baulärm – Klar, Bauarbeiten müssen sein. Trotzdem gehört Baulärm, vor allem auf lange Dauer gesehen, zu den nervigsten Geräuschen. Vor allem, wenn man schlafen oder konzentriert arbeiten will.

Chipstüten und Co – Da gibt es dieses leicht knirschende Geräusch, das entsteht, wenn eine Chipstüte oder andere Aluverpackung mit zu viel Schwung aufgerissen und allzu energisch darin herumgewühlt wird. Kurzfristig erträglich, auf die Dauer Kopfschmerzalarm.

Durchdringendes Piepen – So wie bei meiner Waschmaschine, die solange piept, bis ich aufstehe und sie ausstelle. Oder bei McDonalds, wenn die Pommes und Burger fertig sind.

"Ich will ja nicht meckern, aber ... Geht das auch etwas leiser?"
„Ich will ja nicht meckern, aber … Geht das auch etwas leiser?“

Endlostelefonate in Hörweite – Das passiert mir vor allem auf meinen allwöchentlichen Bahnreisen. Danke, mich interessiert nicht, warum euer Prof euch nur eine 2,3 statt einer 1,7 gegeben hat und was genau die blonde, überschminkte Tussi auf der leizten Party verbockt hat. Übrigens, der Windelinhalt eurer Babys und euer Milchfluss sind mir auch herzlich egal. Also seid doch so gut und erspart wildfremden Mitreisenden die Details.

Fingernägel auf Tafel oder metallischen Flächen – Da muss nicht mehr zu gesagt werden, oder?

Gabeln, die über Teller kratzen – Essgeräusche sind eine Sache für sich und über vieles lässt sich streiten. Gabeln und Messer, die aggressiv über Teller kratzen, sind allerdings echte Strapazen für die Ohren anderer „Mitesser“,

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Gemeinsam essen ist etwas Tolles – solange der Geräuschpegel erträglich bleibt!

Handydisco – Ebenso ein typisches Zugphänomen: zumeist jüngere Mitfahrer, die irgendwelche aggressiven Rapperreime oder Technobeats in voller Dröhnung über das Handy laufen lassen, um die Kumpels mit zu unterhalten. Während Musikgeschmack, oder was jeder so nennen möchte, sicher etwas Individuelles ist, sind wir uns aber einig, dass Handysound ab einer bestimmten Lautstärke eher grottig und blechern klingt, oder?

Irreführende Navi-Anweisungen – Auch wenn die monotone Navigationsstimme im Normalfall eher beruhigend wirkt – gibt sie die falschen Informationen, verwirrt sie und fällt damit auch unter Ablenkungsmanöver.

Jingles – Manche Werbespots bleiben nur im Kopf, weil sie einfach so unendlich nervig sind. Meine aktuellen Spitzenreiter sind „Saitenbacher Müsli, Müsli von Saaaaitenbacher“ und „Hornbach- es gibt immer was zu tun! Ho, ho, ho, ho, ho!“. Ach ja, dicht gefolgt von „Media Markt – Hauptsache, ihr habt Spaß!“ Jingles entfalten ihr besonderers Nervpotenzial übrigens am effektivsten in Fernsehwerbepausen oder im Radio.

Brüllende Trotzkinder, Handy-Disco und betrunkene Mitfahrer: Vor allem Bahnfahrer brauchen starke Nerven
Brüllende Trotzkinder, Handy-Disco und betrunkene Mitfahrer: Vor allem Bahnfahrer brauchen starke Nerven

Knackende Gelenke und knirschende Zähne – Zugegeben, manchmal knirschen Zähne halt unbewusst oder es knackt mal im Knie. Fingerknacken als Freizeitbeschäftigung oder in Dauerschleife kann allerdings die Ohren jedes Gegenübers auch ganz gut strapazieren.

Lallen und Gröhlen – Man kennt es von jeder feuchtfröhlichen Party: Irgendwann sind die ersten Gäste so betrunken, dass sie kein gerades Wort mehr über die Lippen bekommen oder schief jeden bekloppten Liedtext mitbringen. Für sie selbst „voll normal“ – für jeden, der noch halbwegs ber Verstand ist, auf die Dauer aber ein Zeichen, dass diese Personen dringend eine kalte Dusche oder ein Bett gebrauchen könnten.

Mama, ich WILL aber!“ – Kinder schreien, weinen und kreischen manchmal, das ist normal. Strapaziös wird es für alle Beteiligten, inklusive der betroffenen Eltern jedoch, wenn kurzes Quengeln oder Geschrei in einen wahren Trotzanfall erster Güte ausartet. Nervig, aber kommt vor – wobei ich oft nicht weiß, ob es den Eltern selbst nicht noch viel mehr am Geduldsfaden reißt.

Nachtropfende Wasserhähne – Plopp, plopp, plopp … Wenn die Dusche oder der Wasserhahn in der Küche nur ein bisschen undicht sind und auch nach Zudrehen immer weitertropfen, kann das unter Umständen ganz schön auf die Ohren gehen.

Ohrwürmer – Manche Melodien und Rhythmen sind so eingängig, dass sie einfach im Gehörgang hängenbleiben

"Aber scheiß drauf, Malle ist nur enmal im Jaaaahr ...." Ohrwürmer sind eine echte Epidimie
„Aber scheiß drauf, Malle ist nur enmal im Jaaaahr ….“ Ohrwürmer sind eine echte Epidemie

und dort in Endlosschleife weiterlaufen. Und irgendwann wollen sie auch raus – gesummt, gepfiffen oder gesungen. Was sie so hinterhältig macht, ist ihre … „Einfachheit“ bis unendliche Flachheit. Und natürlich die Tatsache, dass man sich seines Ohrwurms manchmal nicht mehr bewusst ist und er anderen drumherum dafür tierisch auf die Nerven geht.

Ping“ und „Plopp“ – Oder auch: Messengertöne von WhatsApp, Skype, Facebook und Konsorten. Einzeln auftretend sind sie nicht weiter nervig, aber im „Rudel“ und auf Dauerfrequenz in öffentlichen Verkehrsmitteln eine echte Ohrenplage. Die „revolutionäre“ Erfindung des Kopfhörers scheint vielen scheinbar noch gänzlich unbekannt zu sein.

Quietschende Fahrräder und Autos – Wenn Metall auf Metall schabt und ein schrilles Quietschen hinterlässt, ist da eindeutig was nicht in Ordnung. Einmal bitte Bremsen checken, Ketten einfetten und den Keilriemen beim Auto kontrollieren!

Rauschen – Ob unklares Bild und undeutlicher Ton, oder die Störung im Lieblingsradiosender, Rauschen nervt. Schließlich sind klare Tatsachen immer besser als undeutliche Zwischentöne.

Das Rauschen eines Baches wirkt beruhigend - nachtropfende Wasserhähne nerven einfach nur
Das Rauschen eines Baches wirkt beruhigend – nachtropfende Wasserhähne nerven einfach nur

Summen von Mücken – Bssssssss … Bsssssss… Manchmal hat man einfach eines dieser kleinen, summenden Stechbiester im Schlafzimmer, die sich einfach nicht fangen lassen. Mal abgesehen von den juckenden Stellen, die sie hinterlassen.

Türenknallen – Warum zum Geier gibt es eigentlich Menschen, die nie gelernt haben, was der Zweck einer Türklinke ist? Manchen Nachbarn und anderen Zeitgenossen möchte man da ja gerne einen (Lärm-)Dämpfer verpassen – oder eine Sprungfeder in der Tür, nur für den pädagogischen Effekt natürlich.

Na - auch wieder vom nervigen Wecker geweckt worden?
Na – auch wieder vom nervigen Wecker geweckt worden?

Uhrenticken und Weckerklingeln – So manche Wanduhr kann einen mit lautem, monotonem Ticken schon ziemlich auf den Zeiger gehen. Gleiches gilt übrigens für Uhren „mit erweiterter Funktion“, unsere Wecker, die uns mit lautem Klingeln, Piepen oder Radiomusik aus dem Schlaf reißen. Dennoch, kein Grund, undankbar zu sein. So ein Wecker macht schließlich auch nur seinen Job.

Verkehrslärm – Es gibt einfach Menschen, denen man die Hupen aus dem Auto ausbauen sollte. Einfach wegen des inflationären Gebrauchs in eigentlich ungefährlichen Situationen. Warum manche Autofahrer grundsätzlich mit quietschenden Reifen anfahren müssen, habe ich übrigens bis heute nicht verstanden. Ist das so eine Art Imponiergehabe?

Weihnachtsmusik außerhalb der Adventszeit – Reicht es nicht, dass im September schon die Lebkuchen im Regal stehen und „Last Christmas“ spätestens zum ersten Advent in Dauerschleife durchs Radio dudelt? Selbst dann kann die Dauerschleife übrigens zur Ohrenfolter werden …

Merry Christmas? Ja bitte - aber nur zur Weihnachtszeit!
Merry Christmas? Ja bitte – aber nur zur Weihnachtszeit!

Xylophon & Co – „Übung macht den Meister“ gilt auch beim Erlernen eines Instruments. Dennoch – wenn der in einer Rockband spielende Nachbar stundenlang nonstop „auf die Pauke haut“ oder das Nachbarskind schon seit einer gefühlten Ewigkeit die immergleiche Passage auf der Posaune „spielt“, kann es einem schon mal in den Ohren klingeln.

Zahnarztgeräte – Niemand geht gerne zum Zahnarzt, um genau zu sein, ist der Zahnarzt für viele die Person, vor der sie im Leben am meisten Angst haben. Kein Wunder also, dass Geräusch von Bohrer, Schleifgerät und Luftsonden ebenso vielen kalte Schauer über den ganzen Körper jagt!

Ihr habt auch ein persönliches „Horrorgeräusch?“ Lasst es mich wissen – hier im Blog oder über Facebook oder Twitter!

Cats Gedankenwelt: All you can(‚t) eat!

P1050639Ob Low Carb, Paleo, Frutarier, Vegetarier, Veganer, Steakliebhaber oder Genuss aus der Region – jeder Mensch hat seinen eigenen Ernährungsstil, wie er seinen eigenen Modestil hat. Ärgerlich nur, wenn die Stimmen, die einem alles verbieten wollen, was Spaß macht und schmeckt, sich derzeit lauter denn je in unsere Köpfe bohren wollen. Das kann einem ganz schön den Appetit verderben.

Wir alle müssen essen. Es ist ein Grundbedürfnis aller Lebewesen, Energie zu sich zu nehmen und zu verwerten. Im besten Fall bringt uns das auch noch Genuss und eine gewisse Form von Zufriedenheit. Nun ja, zumindest sollte es das – gäbe es nicht diese vielen kleinen, zynischen Stimmen, die uns vergessen lassen wollen, dass Nahrung uns mehr als nur Sättigung gibt. Und Zeitgenossen, die sich das „richtige“ und „falsche“ Essen zum Lebensziel erklärt haben. Aber gibt es ein „Richtig“ und ein „Falsch“, wenn es um die schönste Hauptsache der Welt geht? Vor allem aber, worin liegt der missionarische Ehrgeiz mancher Menschen, anderen die Speisen auf ihrem Teller madig zu machen? Eine Typologie.

Immer nach Vorschrift essen? Wie langweilig ,,,
Immer nach Vorschrift essen? Wie langweilig ,,,

Immer diese Kalorienspalterei! Ich weiß nicht genau, wer wann damit begonnen hat, unsere Nahrung begrifflich in immer kleinere Elemente aufzuspalten und jedes davon mit detaillierten Mengenangaben zu listen. Inklusive Durchschnittstagesbedarf – und den „gesundheitlichen Vorteilen“ des Nahrungsmittels, ob nun wahr oder nur PR-geschönt. Jedenfalls kann es ganz schön nerven, ständig eine Welt „guter“ und „böser“ Nährstoffe vor Augen zu haben oder auch von anderen ungefragt dauernd daran erinnert zu werden.

Schreckgespenst Krebs und andere Panikmache. Es ist gut zu wissen, wenn eine reale Seuche das Fleisch im Supermarkt und auf den Wochenmärkten gefährlich macht. Oder wenn ein Spritzmittel auf Obst und Gemüse für uns oder die Umwelt tödliche Folgen hat. Eigentlich können wir für jede fundierte Studie dankbar sein, die über wirkliche große Gefahren aufklärt. Doch wie seriös können Meldungen um neue „krebserregende“, „gefährliche“ Stoffe in Nahrungsmittel noch sein, wenn gefühlt jeden Tag neue Schreckensnachrichten über das Internet über wenig fundierte Nachrichtenportale verbreitet werden?

Diäten, Diäten, Diäten. Der Verzicht auf alles, was schmeckt und Freude macht, scheint schon seit jeher eine Art der Selbstoptimierung zu sein; von der vor allem Frauen seit Cleopatras Zeiten Gebrauch gemacht haben. Doch auch bei Männern im Sport haben schon immer bereitwillig Einschränkungen in Kauf genommen, um ihrer athletischen Form auch weiterhin Rechnung zu tragen. Sei es bei den frühen Olympischen Spielen oder im heutigen Profiradsport. Das ist gerechtfertigt und passt in den Sport – dennoch sollten Sportler und auf Aussehen bedachte Menschen nicht alle anderen „missionieren“ wollen, die diese Leidenschaft für das „richtige“ Essen nicht uneingeschränkt teilen.

Sein Essen zu publizieren, liegt im Trend - deshalb haben wir es zur Anschauung auch mal gemacht!
Sein Essen zu publizieren, liegt im Trend – deshalb haben wir es zur Anschauung auch mal gemacht!

Das ewige schlechte Gewissen. In Ordnung, die ethischen Gründe gegen Fleisch, Milch, Eier und gegebenenfalls nicht fair gehandelte Lebensmittel gehören noch zu denen, die mich am ehesten berühren. Im Grunde will niemand viel über Massentierhaltung, ausgebeutete Landwirte und unmenschliche Produktionsbedingungen etwas hören und lesen – dennoch muss ein Bewusstsein entstehen. Dies lässt sich jedoch nicht mit der Holzhammermethode erzwingen, denn Erkenntnisse müssen immer freiwillig kommen und akzeptiert werden.

Das Verteufeln von Alltagsritualen. Wir haben oft schon von Kindheit an bestimmte Ernährungsmuster, die uns prägen. Bei mir war es zum Beispiel zu Hause seit jeher üblich, dass es morgens Toast mit süßem Aufstrich oder bestimmte Arten von Cerealien zu essen gab. Was soll ich sagen, ich bin fast dreißig – und habe diese „Tradition“ immer noch so verinnerlicht, dass ich sie gar nicht hinterfrage. Ebenso gab es bei uns zu Hause über Jahre hinweg samstags fast immer Pasta mit unterschiedlichen Soßen und sonntags Kartoffeln mit Fisch oder Gemüse. Und ja, mir gibt es immer noch ein Gefühl von Zufriedenheit, von „Heimat“. Menschen, die diese Art von Lebensritual verspotten oder schlecht machen wollen, sorgen nicht selten für Unmut und wirken respektlos.

Essen gehört in jede Kultur hinein - und ist ein soziales Ritual
Essen gehört in jede Kultur hinein – und ist ein soziales Ritual

Genussverächter auf Missionskurs. Wer sich nicht hin und wieder selbst etwas gönnen möchte und anderen gar missbilligend auf den Teller schielt, macht sich gerne unbeliebt. Bei manchen ist es ein sehr harmloser Anfang, zum Beispiel Diät- und Kaloriendiskussionen am Tisch in größerer Runde. Während jeder dabei mit viel Mühe noch weghören kann oder das Thema umlenken, gibt es allerdings auch besonders unangenehme Situation, wo selbsternannte „Ernährungspäpste“ ungefragt den Schüsselinhalt ihrer Mitmenschen kommentieren oder ihnen ein schlechtes Gewissen einreden wollen.

Um es kurz zu machen: Ich weiß nicht genau, warum viele Menschen mit #foodporn, Belehrungen (online auf Facebook sowie „offline“ am Mittagstisch) und geradezu fiebrigem Eifer Essen zu einer Art neuen Religion erklären. Ist es eine der weniger verbliebenen Arten, sich hervorzuheben und zu profilieren? Eines steht jedenfalls fest … Das Prinzip „All you can’t eat!“ nervt gewaltig und die Devise sollte wieder lauten: „Essen und essen lassen“. In diesem Sinne – guten Appetit!

Cats Couch: Zwischen Göttin und Teufel

Foto: Katherina IbelingEigentlich dürfte man meinen, dass der weibliche Körper mit all seinen Funktionen inzwischen als … naja, „normal“ angesehen wird. Immerhin weiß jeder, dass wir Brüste haben, wo auch hin und wieder Milch rauskommt; dass wir, zumindest meistens, eine Vagina haben und eine Gebärmutter, in der halt Kinder heranwachsen und wo sie auch wieder heraus müssen. Dennoch ist es nach wie vor beliebt, unsere biologische Existenz mit diversen Mythen zu belegen.

„Männer haben einen Penis und Frauen eine Vagina.“ Ich erinnere mich an diesen Satz aus dem Biounterricht, als hätte ich ihn erst gestern gehört. Kaum einer in der Klasse ist dabei rot geworden oder hat gekichert. Wohl eher dachte jeder: „Ja – und weiter?“ Was unser alter, runzliger Biologielehrer uns „verschwiegen“ hat, waren die Unterscheidung des sozialen und biologischen Geschlechts, die Problematik derer, die entweder biologisch oder psychisch nicht das Geschlecht sein können, das sie sein wollen oder vielleicht komplett asexuell sind. Aber gut, man lernt nie aus und auch in der Schule gilt die alte Fußballregel: „Eine Doppelstunde hat 90 Minuten!“ Vermutlich hätte es uns Unterstufenschüler auch sehr verwirrt, wenn man uns gleich die gebündelte Weisheit über jede Form der Sexualität auf den Tisch geknallt hätte. Weiterlesen

Cat’s Couch: Hüter des Badregals

P1030115In einer früheren Episode meiner Kolumne hatte ich es bereits versprochen, über die Dinge zu schreiben, die mehr oder weniger dekorativ im Badregal von uns Frauen stehen bleiben. Unbenutzt, nicht selten unberührt und ohne, dass ihre Besitzerin je Verwendung für sie zu finden scheint. Hier sind sie also – die erfolgreichsten Regalhüter ….

Epilierer
Eine Frau mit glänzenden, restlos glatten Beinen steigt aus einer riesigen Badewanne, streckt und räkelt sich einmal verführerisch und blickt auf einen elegant designten Epilierer, der in ihrem Blickfeld auf einer Kommode liegt. „Mein Rasierer hat Pause!“, verkündet sie stolz lächelnd. „Jetzt habe ich zwei Wochen lang glatte Beine – und so einfach!“ So oder so ähnlich sieht Haarentfernung im Fernsehen aus. Sanft und schmerzlos gleiten die Klingen über perfekt geformte, samtweiche Beine. Ein Traum, „es tut gar nicht weh“. Von wegen! Liebe Männer, habt ihr euch schon einmal ein paar Haare mit einer Minipinzette aus dem Bein gezogen? Man multipliziere den Effekt im zweistelligen Bereich und nehme etwas Geschwindigkeit hinzu. Genauer gesagt, die eines Motors, der die vielen kleinen Klingen. Also doch – es tut weh. Und ich kann die Frauen verstehen, die ihren neuen „Beauty-Gefährten“ nach einem schmerzhaften ersten Mal abschwören. Zumal seine Zuneigung nicht von Dauer ist – bereits nach wenigen Tagen muss er wieder ran. Wenn sie dann überhaupt noch Lust auf ein Intermezzo hat.Weiterlesen

Das Kreuz mit der Lust – über meine Sexsucht

Die Fesseln der Sucht - Illustration: Stefan Otte
Die Fesseln der Sucht – Illustration: Stefan Otte

Jürgen*,  49, verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern, in einem kaufmännischen Beruf tätig und wohnhaft in Norddeutschland. Hier erzählt er von seiner Last mit der Lust:

Ich bin sexsüchtig «und fühle mich meinem zwanghaften Begehren machtlos ausgeliefert». Vermutlich bin ich das schon seit meiner Jugend. Wirklich aufgefallen ist es mir erst vor etwa zehn Jahren. Vorher dachte ich einige Jahre lang, dass mein erhöhter Alkoholkonsum dafür verantwortlich sei, dass ich oft  Prostituierte aufsuchte oder schnellen Sex mit bekannten und unbekannten Frauen suchte. Ich ging zu den Anonymen Alkoholikern und lebte auch während einiger Jahre gänzlich ohne Alkohol. Doch dann merkte ich allmählich, dass «der übermäßige Drang» auch ohne Alkohol kam. Da wurde ich mir dann wirklich bewusst, dass ich kein Alkoholiker, sondern ein Sexsüchtiger bin.
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Cats Gedankenwelt: Virenabwehr im Realitätscheck

Foto: privat
Foto: privat

Die Grippe- und Erkältungswelle rollt und mit ihr kommen Abertausende von Ratgeberseiten in Magazinen und im Internet, wie man sich vor diesem Feind des eigenen Wohlbefindens schützen kann. Es soll ja jeder seiner Gesundheit Schmied sein – aber kann man sich wirklich vor jedem Virus schützen?

„Vervirt ist das Volk!“ sollte zum neuen Leitspruch dieses Winters (oder was mal einer werden sollte) erklärt werden. Wirklich – kaum ein Raum, eine Straßenbahn und nicht mal eine Arztpraxis, wo gerade kein unsichtbarer Feind der menschlichen Leistungsfähigkeit herumschleicht. Und dann noch so klein, dass man ihn selbst in großen Mengen nicht mit bloßem Auge erkennen kann. Tsss, Viren sind ja solche Feiglinge! Selbstverständlich gibt es auch viele kluge Menschen, die in vielen klugen Ratgebern viele kluge Tipps auf Lager haben, wie man erfolgreich einen Guerilla-Krieg gegen diesen heimtückischen Gegner führt. Grund genug, die am häufigsten auftauchenden Strategien einem kurzen Realitätscheck zu unterziehen.Weiterlesen

Paracelsus – Arzt & Philosoph – Teil 2 – Wanderer & Forscher

Hier lesen Sie Teil1 – Die Welt im Umbruch.

Theophrast von Hohenheim - genannt Paracelsus
Theophrast von Hohenheim – genannt Paracelsus

Immer treibt es Paracelsus wieder aus Schulstuben und Bibliotheken hinaus in Wiesen, Wälder, Einöden und Gebirge. Und immer sucht und forscht er, um der Natur die verborgensten Kräfte und Rätsel abzulauschen und etwas vom Geheimnis des Lebens aus ihnen zu erfahren. Ihm ist die Natur längst nicht mehr das unheimliche Grenzgebiet gegen das Gottesreich, das man fürchtet und besser nicht betritt. Ihm ist gerade die Natur erfüllt von Gotte geheimsten Kräften, ganz werdendes und sich wandelndes Leben Lockung und Hoffnung. Den Zeitgenossen ist dieser Forschertrie‘ unheimlich, unheimlich wie so vieles in dieser gärenden Zeit. Paracelsus aber hat unmittelbar aus der Natur sein tiefstes Wissen erfahren. Dieses Erfahren bedeutet für ihn im ursprünglichen Sinne des Wortes ein Erfahren, ein Durchfahren, Landfahren, bedeutet: Wanderschaft!Weiterlesen

Dann war der Arm ab – Ich bin jetzt behindert

Kriegsverletzter_by_Edward Stauch (1830 - ?)
Kriegsverletzter by Edward Stauch (1830 – ?)

Die nie abgeschickte Mail – von Markus Becher (Gastautor)

Meine liebe Paula,

ich bin’s. Du hast es sicher schon an der Mailadresse erkannt. Na, wie geht es Dir? Ich hoffe, besser als mir. Bevor ich mich an meinen Schreibtisch setzte, um Dir zu schreiben, war ich in den Weinbergen, auf meinem Lieblingshügel, und hoffte Vergessen, etwas Freude und inneren Frieden zu finden.
Ich war allein dort, ein Alleinsein, das mir diktiert wurde. Aus der Flucht in die Natur wurde aber nichts. Meine Hoffnung, dass sie sich so schnell besänftigt, wie sie aufgewallt war, erwies sich als Trugschluss.
Möchtest Du wissen, was ich von mir behaupte zu sein? Ein Rehabilitand mit Attest, ein einarmiger Kerl mit Spleen, ein Behinderter, ein Krüppel — wie manche auch sagen würden. Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Aussteigen!

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Paula Modersohn-Becker: Schützenfest mit Karussell II, 1904, Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen

Manchmal dreht sich bei uns allen das Gedankenkarussell zu schnell und wir rutschen in eine Negativspirale hinein, aus der wir schwer wieder herauskommen. In diesem kleinen Prosagedicht habe ich einen solchen Moment aufgefangen …

Aussteigen – ein innerer MonologWeiterlesen

Cat fragt: Lebensmittel – was sind sie wert?

Supermarkt - Obst - Foto: Judith Herbst
Supermarkt – Obst – Foto: Judith Herbst

Jeder tut es. Jeden Tag, mehrmals. Auch mal zwischendurch, wenn es die Zeit erlaubt. Es ist eine Art Lebensmittelpunkt, ein grundlegendes Bedürfnis. Die Rede ist vom Essen, das aber häufig, zumindest finanziell gesehen, zur Marginalie verkommt. Hauptsache billig? Was es mit der Discounteritis auf sich hat und ob sie wirklich immer ein Vorteil ist … nun ja, eigentlich möchte ich das ja von euch wissen ….
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